Bau der Metro in Bogotá ... keine Arbeitsplätze für Kolumbianer?


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John Extra
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Bau der Metro in Bogotá ... keine Arbeitsplätze für Kolumbianer?

Beitrag von John Extra »

Nun geht es ja bald los in Bogota mit dem Bau der Metro, ein Grossprojekt welches ja wohl in Zusammenarbeit mit einem Chinesischem Konzern gebaut wird.
Mein aeltester Schwager, meiner Kolumbianischen Familie, ist Stassenbau-Ingenieur, seit vielen Jahren taetig in Bogota, mit immer wieder erneuerten Zeitarbeitsvertraegen. Zwischendurch immer mal arbeitslos, aber es wurden die Beitraege fuer Pension und Krankenkasse weiter bezahlt.
Nun ist er seit einem halben Jahr komplett arbeitslos, keiner Verlaengerung des Zeitarbeitsvertrages und auch keine Zahlungen mehr.
Somit muss die Familie finanziell einspringen um die Krankenkasse und die Pensionsbeitraege weiter zu bezahlen und finanzielle Hilfe leisten.

Gerade bei so einem grossen Projekt sollten doch auch Kolumbianische Arbeitskraefte beruecksichtigt werden, es kann ja nicht sein das alle Arbeiten von den Chinesen uebernommen werden, das fuehrt ja dann automatisch wieder zu neuen Protesten.


desertfox
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Bau der Metro in Bogotá ... keine Arbeitsplätze für Kolumbianer?

Beitrag von desertfox »

Ich habe ja lange Jahre als Bauleiter für internationale Großprojekte gearbeitet und da war es eigentlich üblich dass vom Stammhaus nur wenige Spezialsiten entsandt wurde und der Rest aus lokalen Kräften stammt..., ob das bei Chinesischen Formen die ja auch billige Kräfte zuhause haben so ist oder ob die gar noch billigere Kräfte importieren???
1987-88 hatte ich das Kommunikationsnetz für den Lastverteiler der damaligen EEEB in Bogota in Betrieb genommen, ich war da zusammen mit einem Kollegen vom Stammhaus die einzigen Europäer, der Rest kam von unserer kolumbianischen Niederlassung.


Glboetrotter
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Bau der Metro in Bogotá ... keine Arbeitsplätze für Kolumbianer?

Beitrag von Glboetrotter »

Schade, jedoch besser als weitere 40 Jahre über eine Metro in der Hauptstadt zu träumen, dass eine Firma aus China scheinbar den Grossauftrag erhielt. Wie auch andere Grossprojekte der Chinesen in Afrika, wird China den Hauptteil der Arbeiter aus China einfliegen. Jedoch profitieren auch Hunderte von kolumbianischen Zulieferer der dafür benötigten Baumaterialen.

Man kann von Bogota nur hoffen, dass sie für die Metro nichts bezahlen müssen, analog dem 'Sky Train' in Bangkok (mit geschätzten 12 Millionen Einwohnern ähnlich gross wie Bogota) mit der ehemaligen deutschen Firma Hochtief und mit Siemens-Technik. Hochtief erhält über die Laufzeit von 30 Jahren nach Bauende (war im Jahr 1999 kurz nach Ende der Finanzkrise in Asien von 1997/98) 70 % aller Einnahmen aus Billettverkäufen. Die restlichen 30 % der Einnahmen dienen zur Bezahlung der Löhne von Angestellten, Unterhalt, Nachbesserungen usw. Nach 30 Jahren gehört die Metro der Stadt Bangkok; der Verkehrsstau war davor dort wesentlich schlimmer als heute in Bogota. Übringens ist sie ähnlich gebaut und sauber wie die Metro von Siemens in Medellin.

Auf jeden Fall kann man nur hoffen, dass die Metro bis 2025 mindestens teilweise gebaut sein wird, was ich bei den Chinesen nicht bezweifle. Bogota muss unbedingt eine korruptionsfreie Kontrolle täglich über die Bauqualität und den Fortschritt durchführen. Sollte die Metro am Ende so werden wie in Shanghai oder Singapur, dann darf die Stadt stolz darauf sein.