KOLUMBIEN, das Tor zur Freiheit, der nimmer endende Flüchtlingsstrom der Venezolaner

Auch über die Grenzen von Kolumbien hinaus gibt es viel zu entdecken.

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KOLUMBIEN, das Tor zur Freiheit, der nimmer endende Flüchtlingsstrom der Venezolaner

Beitragvon Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 22:58

Beitrag von Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 22:58

Teil 1: Einleitung

Vor allem auf Latinpress aber auch auf allen sonst gefundenen Berichten verfolge ich seit 3 Jahren, was sich in Venezuela abspielt.
Im Januar 2018 beschloss ich irgendwann an die Grenze zu Venezuela zu fahren und dort an der Grenze ein wenig zu Helfen. Ich hasse es irgendwohin zu spenden und im Wissen, dass nur ein kleiner Bruchteil davon letztlich dem Notleidenden zukommt. Daher tue ich es stets auf meine eigene Weise. Direkt vor Ort und an der aus meiner Sicht richtigen Stelle.
Vor einem knappen Jahr sah ich zudem irgendwo einen Bericht wo Venezolaner aus Geldscheinen Handtaschen machen. Ich wollte mir so eine als Erinnerung an diese Tragödie kaufen.
Auf dem Weg nach Cúcuta und inklusive vor Ort wusste niemand von diesen Taschen. Grundsätzlich der Kolumbianer über das was in Norte de Santander abgeht eh kaum eine Ahnung hat. Wenn Mal was berichtet wird, wird es beiläufig zur Kenntnis genommen.
Am Ende und nachdem ich vergeblich an verschiedenen Märkten war, habe ich diese Produkte gefunden.

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Beitragvon Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:01

Beitrag von Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:01

Kommst du dann selbst auf die Routen der Flüchtlinge und siehst was da abgeht, empfindest du nur noch unendliches Mitleid und irgendwie Schuldgefühle nicht mehr für sie machen zu können, als einfach nur wegsehen.
So lange die Venezolaner auf ihrem Weg in eine neue Zukunft sich im Dept. Norte de Santander aufhalten geschieht ihnen nichts. Sie werden geduldet. Wollen sie aber nach Santander wechseln, werden sie von der Polizei eingesammelt und zurück nach Cúcuta verfrachtet.
Der einzige wirkliche Weg in eine neue Welt ist aber die Strasse nach Bucaramanga. Kolumbianer die Venezolaner helfen indem sie diese mitnehmen, machen sich offenbar strafbar. Mir wurde abgeraten Venezolaner nach Bucaramanga zu transportieren, auch wenn ich dies kurz in Betracht zog.
Die Kolumbianer in den Grenz Dörfern haben mittlerweile Angst vor den Venezolanern. dies ergab sich aus Gesprächen, die wir mit verschiedenen Familien führten, die in diesen Dörfern wohnen. Die Angst läuft auf bestohlen werden hinaus. «zu Anfang haben wir ihnen gerne geholfen, aber dann wurden es immer mehr. Jetzt müssen wir sogar alle Fenster und Türen abschliessen, denn wir wollen sie ja nicht in unseren eigenen vier Wänden haben»

Just heute wo ich von meiner Reise zurückgekehrt bin, ist ein Artikel auf Latinpress, sowie ein 10 min. YouTube Video. Auch wenn dieses bereits 5 Monate alt ist.

=> youtube.com/watch?time_continue=19&v=wD53GajiXX0

nach etwas suchen habe ich den selben Film jetzt auch auf Deutsch gefunden:

=> youtube.com/watch?v=zvmgwYOCkC4

Sehr interessant war was der Mann bei 1:50 zu sagen hatte:
Es gibt keine Geldscheine. Und stellt euch vor, ein Liter Benzin kostet 1 Bolivar. Und 1 Liter Wasser 5000 Bolivar.
Was der arme Kerl aber nicht wusste, alles was in Kolumbien irgendwie für harte Währung verscherbelt werden kann, wird geschmuggelt. Oscar mein Begleiter hat per Zufall in Santa Marta Nüsse kaufen wollen. 8000 Pesos. In Medellin werden diese gleiche Menge im Exito für mind. 35000 Pesos angeboten. Dann fiel ihm Hygiene Artikel auf, Monster Packung Pampers Sensitive. Sie wurden an der Strasse für 5000 Pesos angeboten (nahe Barranquilla). Auf dem Mercado Libre fand ich diese jetzt = 68 000 Pesos.
Bei 2:20 sind dann die Handtaschen. Der Bargeldwert dieser liegt bei wenigen Cent. Für eine grosse Tasche oder andere Figuren wie auf meinen Fotos bedarf es angeblich zwischen 5 und 8 Std. Arbeit. Und letztlich das harte Geld, das sie für ihre Weiterreise dringend brauchen.
Die Produkte werden verkauft =
Schlange und Schwan je 50 000.-
Grosse Tasche 40 000.-
Kleine Tasche bis hin zu Geldbörse = 20-30 000.-

Gefunden habe ich den Stand an = Calle 10 # Avenida 4, nahe dem Platz Santander

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Beitragvon Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:03

Beitrag von Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:03

Bei 5 Minuten wird dann das wohl grösste Problem innerhalb Kolumbiens angeschnitten= in Kolumbien IRGENDEINE Arbeit zu finden. Irgendeine. Ich habe 2 Nächte in Palomino geschlafen und dort haben mir deutsche Backpacker erzählt, dass das einzige was sie über die Venezolaner wissen, seien die Prostituierte vorne im Dorf, welche ihre Dienste für 15 000 Pesos anbieten.
Auf dem Rückweg aus der la Guajira haben wir bei einem Pickup angehalten, auf dem Dach hat er einen ganzen Frisiersalon aus Venezuela mitgeführt gehabt. «ja, das ist mein Geschäft, und damit will ich jetzt in Kolumbien neu anfangen»
Bei Minute 9:20 beginnt das Nachtleben in Cúcutas. Auch das haben wir uns angesehen. Was man auf diesen Bildern sieht= Mensch an Mensch schlafen sie auf den Bürgersteigen im Stadtzentrum. Da wo tagsüber Kolumbianer und auswärtige Touristen in den Kleidergeschäften einkaufen. Die Strassen sind erheblich schmutziger als wie man es bei 9.30 sieht. Gut wir waren früh am Abend unterwegs, es ist schon möglich, dass diese Bilder aus später der Nacht stammen. Beide Taxifahrer, mit denen wir unterwegs waren, sagten dass ich Ausländer auf keinen Fall aus dem Wagen steigen darf. (zu gefährlich für mich). Generell waren vor 1 Woche viel mehr Menschen auf diesen Strassen anzutreffen, als man sie auf dem Video sieht.
Der ganze Bericht von Latinpress hier:

=> latina-press.com/news/252774-exodus-aus-venezuela-grenzbruecke-simon-bolivar-hoffnungslos-ueberfuellt/

für mich ein möglicher Grund für einen neuerlichen Ansturm von Venezolanern ist die drastische Wertminderung des Bolivar gegenüber anderen Währungen. Wenn du jetzt noch etwas Bargeld oder gar aus andern Währungen hast, dann solltest du jetzt abhauen. In der Hoffnung am neuen Ort soviel zu verdienen, damit du die daheim gebliebenen versorgen kannst.

400 50er Geldscheine = 20 000 Bolivar oder ca. 14 Cents

bild7.jpg
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Beitragvon Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:04

Beitrag von Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:04

Teil 2: was ich in Cúcuta erlebt habe
Wer jetzt erhofft Fotos von der Grenze zu sehen, der täuscht sich in mir. Ich war nicht einmal nur 100m davon entfernt. Sensationsreportagen sollen andere machen. Meine Wege waren die des Leides zu sehen und versuchen ein bisschen zu helfen.
Mein Ziel am Sonntagmorgen war die Kirche San Pedro im Grenzdorf la Parada. Als wir um 9.00 ankamen war gerade Gottesdienst. So warteten wir das Ende davon ab, ehe ich knapp 1 Minute mit dem Pfarrer sprechen konnte und eine kleine Kollekte abgeben konnte.
Begleitet wurde ich von einem Kolumbianer und 2 Venezolanern, die wir tags zuvor in Cúcuta kennen gelernt haben. Die beiden Venezolaner deren Vertrauen ich gewinnen konnte waren ein Segen für mich, denn generell halten sich die Venezolaner sehr verdeckt. Ich konnte bisher noch nie mit einem über seine Heimat reden oder seinen Weg nach Kolumbien.
1. Foto = angekommen am Zoll (ca. 200m von der Brücke entfernt.
2. Foto = Kirche San Pedro. Die Messe war fast nur mit Venezolanern.

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Beitragvon Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:05

Beitrag von Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:05

Der Pfarrer gab mir einen kleinen Zettel mit nachfolgendem Textinhalt=
HAY MAS DICHO EN EL DAR QUE RECIBIR
Una empresa de corazones y los corazones son de dios
Somos una fundacin sin animo de lucro con alta vocacion de servicioorienta a ofrecer los servicios de comedor, vestuario, elemntacion y hospedaje con calor de hogar y mucho amor, dirigida a las personas que mas lo necesitan como lo son indigentes, huerfanos, incapazidados, abandodados, en las calles y emigrantes. Les ensenamos valores y les preservamosla vida por medio de los alimentos a mas de 400 personas que acuden al comedor diariamente en el desayuno-almuerzo-cena
((Eine Gesellschaft von Herzen und die Herzen sind von Gott
Wir sind eine gemeinnützige Stiftung mit einer hohen Service-Berufung, die darauf ausgerichtet ist, die Dienste von Restaurants, Umkleideräumen, Unterkünften mit herzlicher Wärme und viel Liebe zu bieten, gerichtet an die Menschen, die es am dringendsten brauchen, da sie mittellos, verwaist, behindert sind. Flüchtlinge und Obdachlose aus den Strassen des Ortes. Wir lehren Werte und bewahren das Leben durch Essen für mehr als 400 Personen, die täglich zum Frühstück, Mittag- und Abendessen in den Speisesaal kommen))
Im Gegensatz zum Text sagte mir ein angestellter der Kirche, dass sie gegenwärtig täglich 1500 Mittagessen verschenken.

Pedimos tu coloboracion para ayudar a nuestros hermanos vulnerables :
Eine grosse Liste mit allen Lebensmitteln für die Speisen die sie täglich ausschenken, sowie wenige Artikel des täglichen Bedarfes.
Beginnend mit C = Cebollas und endend mit T = Thermometer, wobei mir ein Punkt aufgefallen ist. Es werden nur gebrauchte Herrenkleider benötigt. Über Kinder oder Frauenkleider steht nichts.

Recibimos su colaboracion en la Av. 3#4-16 Barrio Latino
Horario de Domingo a Domingo 8am – 4pm Tel.5831843 (Vorwahl Cucuta)


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Beitragvon Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:07

Beitrag von Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:07

Auf der kolumbianischen Seite der Grenze herrschte das totale Chaos. Hunderte von Taxis die auf Kundschaft warteten. Dabei jeder der noch ein bisschen Bargeld hat, gescheiter daran tut, niemals in ein Taxi zu steigen und ab jetzt läuft. Die mitgeführten Bolivar sind nur noch unnötiger Ballast der schnellstmöglich in andere Währungen getauscht werden sollte. Denn tagtäglich bekommen sie weniger dafür.
Kommen tun die Venezolaner aus allen Regionen. Der Transfer bis an die kolumbianische Grenze mit Sicherheit gut organisiert.
Ihr grosser Traum: rüber nach Kolumbien, wo ein neues und glücklicheres Leben beginnen soll.
Wo Häuser Schatten spenden hocken sie zu duzenden herum. Auch wenn ich mit keinem dieser direkt geredet habe, so ist hier an der Grenze ziemlich klar: das vermeintlich schwierigste ist überstanden. Jetzt erst mal im Glück der neuen Welt ausruhen und ev. auf Freunde warten. Oder eben auch= die grossen Probleme beginnen hier, direkt hinter der Grenze. Ihr Geld ist hier nichts mehr wert und Arbeit hat es nirgends. Jetzt gilt sich neu zu organisieren. In Cúcuta ist es tagsüber um die 33-35 Grad schwül heiss. Wollen sie aber weiter ins Landesinnere vorstossen, so müssen sie Winterkleider haben. ohne diese kommen sie nicht weit.
Auf dem YouTube Video sieht man sie mit grossen Koffern anreisen. Was sie jetzt noch nicht wissen: die allermeisten werden sich von diesen grossen Koffern mit ihrem Hab und Gut trennen müssen. Was sie brauchen ist ein kleiner handlicher Rucksack und darin gut überlegt, nur das wirklich aller nötigste um nicht zu viel Gewicht herum tragen zu müssen. Einschliesslich der warmen Winterkleidung welche sie nach Cúcuta dringend brauchen.

In Cúcuta selbst habe ich eine weitere Kirche besucht. die Venezolaner haben mich zu dieser hingebracht. Auch hier werden tagtäglich hunderte von Mittagessen ausgegeben.
Foto 3 = Tagesplan
Foto 4 = es ist mehr ein privates Haus, dass von Nonnen geführt wird.

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grenze4.jpg

Die beiden Venezolaner habe ich tags zuvor kennen gelernt, da wo ich mehrere Taschen gekauft habe. Damit habe ich ihr Vertrauen gewonnen gehabt. Dass ich ihnen nichts Böses will. Sie wären wohl kaum aus freien Stücken mit mir zur Grenze und den 2 Kirchen gefahren, hätte ich sie auf der Strasse einfach angesprochen. Kurz vor der Grenze weinte Deisy, als wir sie über ein paar banale Dinge fragten. Sie hat in Caracas 2 Kinder zurückgelassen, sowie ihre Mutter und den behinderten Bruder. «sie wolle jede Woche 30 000 Pesos nach Venezuela schicken, damit ihre Familie damit eine Woche leben kann». Darüber hinaus wollen sie mit dem Geld, das sie mit den Taschen verdienen, ihre Reise nach Lima verdienen. Warum Lima? Die Antwort verblüffte: «man hat uns gesagt, dass es in Kolumbien keine Arbeit gibt, aber in Peru sei dies kein Problem». Meinte Fernando. Kurz auf Google Maps nachgeschaut = Cúcuta – Lima = lediglich 3700km. «Wenn es geht per Anhalter (hinten auf LKWs). Ansonsten eben laufen».
Und laufen ist bereits nach Cúcuta angesagt.
Die erste Strecke geht ja noch. Es sind lediglich 76km bis Pamplona. Oder von 500m über Meer auf 3000m über Meer.
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Beitragvon Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:10

Beitrag von Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:10

*rückblickend auf den Tag zuvor:
Zuerst dachten wir auf der Fahrt von Buc nach Cúcuta: schau nur die vielen Campesinos, die es überall hat. Aber warum hocken sie zu duzenden bei jedem Haus. .
Erst viel später merkten wir, dass es gar keine Campesinos sind, die man überall sieht. Es sind alles Venezolaner. Von Pamplona über den Pass und dessen gigantische Hochebene nach Bucaramanga. Die Strasse ist 130km weit. Das meiste davon auf einer Meereshöhe von 3300-3400m. die Venezolaner müssen aber vor der Dept. Grenze (50km nach Pamplona) diese Strasse verlassen und über Eselspfade nach Bucaramanga laufen, damit sie die Polizei nicht erwischt. In Cúcuta sprechen sie von 4 Tage marschieren. Ich pers. Glaube aber, dass sie für die Strecke Cúcuta – Buc 206 km gegen 10 Tage brauchen. Nachts werden die Temperaturen gegen die Null Grad Grenze hinunterfallen.

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Beitragvon Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:14

Beitrag von Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:14

Ich schämte mich es zu tun, aber ohne Fotos mir solches niemand glauben würde. So schoss ich eben ein paar wenige. Aber erst nachdem wir Pamplona passiert hatten, wo das Klima bereits sehr angenehm war. Weiter oben waren alle dick eingehüllt in alles was sie mit sich trugen. Weiter oben hat kaum noch einer einen Koffer hinter sich hergeschleppt.
Das eindrücklich traurigste was ich auf der ganzen Fahrt sah, war die kleine Holzbrücke eingangs Pamplona. Und da war ich Null vorbereitet und musste dieses Foto der Brücke im Nachhinein von Google Maps fotografieren. Zu duzenden hockten sie da. Völlig erschöpft nur schon von der Strecke aus Cúcuta kommend. Jenseits der Brücke waren
Hausfrauen welche 3 Grosse 200 Liter Eimer vor sich hatten. Im einen war Reis, im 2. War Sancocho und im 3. Aguapanela. Getränk bekam jeder so viel er wollte, musste aber seine eigenen Flaschen zum nachfüllen dabeihaben. Essen wurde jedem gegeben der danach flehte. Natürlich sahen alle, dass ich Geld spendete, ich wurde beim zurück laufen beinahe nicht mehr von der Brücke gelassen. Ich versuchte es zu vermeiden den Menschen in die Augen zu sehen welche nach meinen Armen griffen. Zurück im Auto fühlte ich mich elend. War das okay was ich tat oder verwerfend. Die Frauen aus Pamplona auf jeden Fall wollten mir alle umarmend danken. Hier sieht es kaum danach aus, als ob es sich um eine grosse Organisation handelt oder diese gar irgendwoher unterstützt wird. Hierhin fahre ich auf jeden Fall noch einmal um zu helfen. Woran ich an Materiellem denke sind ein paar kleine Rucksäcke für jene welche immer noch mit Koffern unterwegs sind.
Foto 8 = die Holzbrücke bei Pamplona

pamplona1.jpg
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Beitragvon Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:15

Beitrag von Don-Pedrinio » 5. Aug 2018, 23:15

Um über ihre Schicksale zu erfahren hätte ich mir mehr Zeit nehmen sollen. Das wenige das wir erfahren haben, das war zumeist mit Tränen begleitet, weshalb es vielleicht so besser war, erst gar nicht danach zu fragen.

Ich selbst habe mich aber anderes gefragt:
Warum dieser brutale Weg über die Pässe nach Buc.
Nun, von Cúcuta sind wir in die andere Richtung weitergefahren. Nach Ocona und schliesslich via Aguachica Richtung Küste.
Auf jener Strecke ist es über sehr viele km trostlos kahl und heiss. Auch via der Einreise ueber die la Guajira ist brutal heiss und die ersten 100km ohne viel Nahrung und vor allem ohne sauberes Wasser.
Wollen die Venezolaner irgendwie ins Landesinnern kommen, so bleibt ihnen nicht viel anderes übrig als eben genau diese Strecke, wo oben auf den Hochebenen sehr viel Nahrung angebaut wird. Es dort wohl zum leid jener Bauern wird, wenn ihre Ernte Nacht für Nacht von ihren Feldern verschwindet, der Venezolaner aber kaum überleben würde, wenn er nicht (unfreiwillig) stiehlt.
Was uns auf der Strecke Buc – Cúcuta auch aufgefallen ist.
90% der Venezolaner sind zwischen 20 und 40. kaum ältere und Kinder jünger als 10 Jahren sahen wir nicht. Wiederum ca. 80% waren Männer.
Mache ich aus dem Gesehenen eine Hochrechnung = 32 Mio. Einwohner hat Venezuela. Teile ich diese Altersgruppen auf, dann sind meines Erachtens etwa 16% aller Venezolaner Männer zwischen 20 und 40. Das sind etwa 5 Mio. wandert davon jeder 5. In ein anderes Land aus, welche wirtschaftlichen Langzeitschäden bringt das einem Land, wenn heute schon 20% aller kräftigsten Erwerbstätigen ausgewandert sind?
In Venezuela sind 9 Jahre Schulbildung Kostenfrei (so jedenfalls haben es Fernando und Deisy erzählt). Heisst, dass die meisten die Auswandern, auch eine gute Schulbildung haben und in Kolumbien mit unter auch gute Jobs finden würden.
Was verblüfft ist, dass jene die ich gesprochen habe, angeben, dass man in Kolumbien keine Arbeit fände und deshalb jetzt planen weiter zu reisen.

Auf die Frage hin, was wissen die Europäer über unsere Probleme, sagte ich zu ihnen: was wisst ihr über die Flüchtlinge aus Nordafrika und aus dem nahen Osten. Solche kommen täglich zu hunderten in unsere Länder.
«mmm habt ihr Flüchtlinge?»
Wisst ihr etwas über den Krieg mit der IS in Syrien, der Türkei und dem Irak?
«ist da Krieg?»
Soviel wie ihr über jene Kriege wisst, soviel wissen die Europäer über eure Probleme in Venezuela.
«heisst das nichts?»
Nicht ganz. Ganz wenig wissen wir, dass was unsere Zeitungen hin und wieder berichten. Aber was es genau bedeutet, das wissen die wenigsten.

Fazit:
ich werde auf jeden Fall nochmals bis mind. Pamplona reisen und dann auf der Fahrt über die Berge schauen wo ich allenfalls auch helfen sollte. Dann habe ich mehr einfache Lebensmittel dabei. Vor allem Früchte und Gemüse werden ja an den Strassen sehr billig angeboten.

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Beitragvon cm81 » 10. Aug 2018, 09:01

Beitrag von cm81 » 10. Aug 2018, 09:01

Wow interessanter Bericht, danke Don-Pedrinio.
Wo wohl die vielen Hilfswerke stecken, die jedes Jahr Milliarden sammeln? Ich seh das so wie du, lieber helfe ich persönlich und dann tue ich dafür was nötig und möglich ist als irgendwo zu spenden.


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Beitragvon CaribicStefan » 10. Aug 2018, 09:38

Beitrag von CaribicStefan » 10. Aug 2018, 09:38

Toller und trauriger Bericht, Danke!
https://www.youtube.com/watch?v=8jtfXHadYIE


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Beitragvon Don-Pedrinio » 28. Aug 2018, 04:46

Beitrag von Don-Pedrinio » 28. Aug 2018, 04:46

bevor ich in die Schweiz fliege wollte ich da nochmals hin. jetzt bin ich mehr als erschlagen von dem was ich heute erlebt habe. oben in Pamplona da kuemmert sich schlicht niemand mehr um die Venezolaner. ich sei der ueberhaupt erste Mensch der etwas Geld gespendet hat. die 200 000 vom letzten Mal haetten fuer etwa 10 Tage gereicht um damit Essen zu verschenken.

das goresste Problem fuer die Venezolaner stellt der Pass Berlin dar. kaum einer von ihnen ist wirklich mit Wintrerkleidung ausgeruestet. viele warten in Pamplona mehrere Tage in der Hoffnung jemand naehme sie gratis mit nach Buc. -zumeist vergebens-
nur wo Elend ist, da sind auch die Nutzniesser. es heisst, dass die Polizei an 2 Stellen Kontrollen durchfuehre wo jeder der Menschen transportiert eine Mautgebuehr zu bezahlen hat. (dieser Geschichte werde ich im November genau nachgehen. dann im Auto mit 2 Dascams ausgestattet. und selbst venezolaner transportierend). ist dies so und wird mir beim bezahlen der Mautgebuehr pro Kopf kein offizielles Dokument ausgestellt, dann kriegen jene korrupten Polizisten porbleme. das schwoere ich.
egal wieviele Venezolaner sie transportieren. die Transporteure verlangen von jedem 7000 Pesos. oft ganz hinten auf dem Trailer stehend. ueber den Pass wo der Weg mehrere Stunden dauert und wo es tagtaeglich regnet.
schon viele Venezolaner haetten auf dem Weg in eine bessere Zukunft hier beim ersten grossen Hindernis ihr leben verloren. oft mangels guter medizinischer Versorgung. zumeist Kinder kaemen mit Grippe in Pamplona an. Grippe zurueck zu fuehren auf den ersten Kaelteschock ihres Lebens.

von Cucuta bis Pamplona gaebe es insgesamt 7 stellen wo den Menschen geholfen werde. bei zweien habe ich angehalten. bzw. bin dahin zurueck gekehrt. das erste war ein bescheidenes kleines Haus an der Strasse wo eine Frau versucht hat Orangen zu verkaufen. aks ich vorbei fuhr waren 50m weiter oberhalb davon 2 junge Typen am Orangen essen. zurueck zu ihr. "wieviel hast du fuer die Orangen verlangt?" "ich habe sie ihnen geschenkt". aber du bist doch selber arm. warum hilfst du, wenn du danach selber hunger leiden musst. hilfst du jedem der vorbei kommt. oder nur manchmal. "ich helfe jedem der mich darum bittet. tagtaeglich verschenke ich mehrere male Orangen. ich muss es tun, Gott hat mich dafuer ausgesucht". gut, dann hat Gott mich x¿zu dir geschickt um dir fuer deine ausgaben zu helfen. hier...
wenige km weiter. 3 kleine Zelte und eine Feuerstelle. "was macht ihr hier? warum die Zelte?" das haus gehoert der Frau. sie kommt jeden Tag her und bringt Fleisch. sie ist venezolanerin und wohnt in Cucuta. wir arbeiten fuer sie. jeder Venezolaner der darum bittet wird hier versorgt. kann hier schlafen und ausruhen.

oben im Eingang zu Pamplona, wo ich schon das letzte Mal angehalten habe (bei der kleinen Bruecke) haben sie einen alten Holzschopf eingerichtet. 3-4 Matratzen. Platz fuer vielleicht 20 Personen, die meisten schlafen also auf dem kalten Boden. hier war das Ziel meiner Reise. hier sah ich schon das letzte Mal das hier Hilfe gebraucht wird. als ich ueber die Bruecke lief, war um 09.30 bereits das Feuer angemacht fuer das Mittagessen. Sangocho, wie jeden Tag. "kennst du mich noch?" "ja klar kenne ich dich. das ist aber schoen dass du zu uns zurueck gekommen bist." heute seit ihr das Ziel meiner Reise und ich habe viel Zeit fuer euch". - mehr wenn ich wieder in Medellin bin_

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Beitragvon Karibikotto » 28. Aug 2018, 05:11

Beitrag von Karibikotto » 28. Aug 2018, 05:11

Mir tun die Kolumbianer Leid die in diesen von Venezolanern überfluteten Gegenden leben.
Die Grenzen sollten dicht gemacht und die Venezolaner ohne gültige Papiere zurück gewiesen werden.
Die Leute bringen viel Unglück.

Es gibt genug arme Kolumbianer die Hilfe brauchen!

Venezuela hat früher und wohl auch heute noch, Kolumbianer ohne Papiere nicht ins Land gelassen.


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Beitragvon Don-Pedrinio » 30. Aug 2018, 01:29

Beitrag von Don-Pedrinio » 30. Aug 2018, 01:29

Viele von uns Ausländer bleiben in Kolumbien aus ähnlichen Gründen hängen.
Dazu gehören die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Kolumbianer.
Wir können genau diese Charakteren tagtäglich in den niedrigen Barrios der Städte erleben, wo der arme dem noch ärmeren und Notleidenden hilft.
Ihre Begründungen sind zumeist dieselben= Gott hat mich auserkoren, dass ich helfen darf.
Jetzt leidet ihr Nachbar, der Venezolaner, viele der Kolumbianer haben verwandte in Venezuela. Der einfache Kolumbianer sieht sich in der Pflicht seinem Bruder aus Venezuela zu helfen. Egal wie schlecht es ihm geht.
Teilweise vermischt sich damit Angst, dass der Venezolaner Gewalttätig wird und den Kolumbianer beraubt. Darum schotten sich die Kolumbianer vor allem nachts gut ab.
Der Taxifahrer in Cúcuta erzählte mir, dass es viele, viele Kolumbianer sind, welche den Venezolanern Betten und Mahlzeiten gaben.
Seit meinem letzten Besuch in Cúcuta sind die Schlafenden Venezolaner von den Strassen verschwunden. Darauf angesprochen heisst es= in letzter Zeit gab es viele Überfälle und Raub. Nicht mehr nur der einfache Venezolaner kommt, in letzter Zeit sehr viel Abschaum und Kleinkriminelle. Die Polizei vertreibt daher ein Mal pro Woche alle Obdachlosen Venezolaner.
Dann sind wir durch die von den Venezolanern nachts beherrschten Strassen gefahren=
Es gibt hier sehr viel Drogen, Prostitution und vor allem Raub. Im Mittel gibt es in diesen Strassen Wöchentlich 2-3 Morde. «ich» so der 40-jaehrige Taxifahrer «ich würde hier nachts nie zu Fuss durchgehen. Auch nicht mit Freunden. Auch die Polizei schaut eher nur am Rande dem Treiben zu, mit unter heisst es, dass sie manchmal wegschauen und dafür geschmiert werden» so der Taxifahrer.

Eine Grenze schliessen und keinen mehr durchlassen, ich weiss nicht ob dass das richtige ist. In Europa lernen wir, dass es dann wieder die Kriminellen sind, welche daraus Profit schlagen und Geld verdienen und die Venezolaner über Schmuggelwege nach Kolumbien bringen. Am besten gleich noch mit Kiloweise Drogen tragend. Besser es erwischt den unbescholtenen Bürger als den Kleinkriminellen….

Die tägliche Zahl von Venezolaner welche die Grenze passieren sei stark zurück gegangen. Von einst Spitze 5000 auf jetzt im Mittel 1000.
Foto von der Brücke Simon Bolivar, Mo. 27.Juli 2018.

cuc-105.jpg
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Beitragvon Don-Pedrinio » 30. Aug 2018, 01:34

Beitrag von Don-Pedrinio » 30. Aug 2018, 01:34

Pamplona, Mo.27.Aug. 2018
Die Herzzerreissenste Geschichte hat mir der 21-jährige Venezolaner Henry Smith erzählt (ich gehe von einem Pseudonamen aus, damit er seine Identität nicht Preis geben muss).
«Ich bin bis nach Pereira gereist und habe dort bei einer Zeitung Arbeit gefunden. Über diese habe ich für meinen Bruder ebenfalls Arbeit gefunden und habe diesen in Venezuela avisiert. Wir haben abgemacht, dass ich zurückreise und ihn in Pamplona abhole». «in Caracas habe ich ein Arzt Studium begonnen. Dann wollten Freunde rüber nach Kolumbien und ich ging mit. Natürlich ist es mein Ziel dieses irgendwann zu beenden, doch Gott will, dass ich hier in Pamplona bleibe und helfe». Wie kommst du genau dazu in Pamplona helfen zu müssen. Unter Tränen erzählte er dann: «ich war hier angekommen und habe meinen Bruder kontaktiert. Dieser wollte dann am folgenden Tag aufbrechen. In der Nacht sei es dann zum Motorradunfall gekommen wo sein Bruder verstarb. Es war für mich wie ein Zeichen Gottes, dass ich mit meinem begonnenen Studium auserwählt bin genau hier zu bleiben und zu helfen. Denn die Tage wo ich auf meinen Bruder wartete sind viele vor allem Frauen und Kinder krank hier angekommen und ich habe sie verarztet. Marta unterstützt mich indem sie mir Medikamente besorgt. Ich bleibe hier, so lange wie meine Landsleute zu Fuss hier heraufkommen».

Foto: dieses Mal habe ich es nicht versäumt die Brücke zu fotografieren. Hier werden die übermüdeten Venezolaner versorgt. Und hier merken sie was ihnen bevorsteht. Verzweifelt suchen sie Hilfe. Ich habe mich mit Marta und John in den alten Stall verkrochen gehabt, denn ich wollte nicht, dass jemand sieht, dass ich ihnen Geld gebe. Dennoch sind ein paar Venezolaner dazu gestossen. «hilf uns, hilf uns» das höre ich den ganzen Tag und meine Antwort ist stets dieselbe. Ich kann nicht einem einzelnen helfen, denn tue ich es muss ich es bei vielen tun. Mit Geld helfe ich, dass ihr aber alle, alle die jetzt hier sind und jene die noch kommen eine warme Mahlzeit bekommt, ein richtiges Sancocho und nicht nur Teile davon, weil Marta nicht alle zutaten leisten kann.
Dennoch habe ich viel später jenem geholfen. Er rannte nochmals zu mir, als wir aus Pamplona zurückkamen. Und vielleicht half ich ihm auch nur deswegen, weil er zu mir nach Medellin kommt. Jose erzählte= ein Freund aus dem Dorf hat nahe Medellin Arbeit gefunden. Auf einer Kaffeefinca wird ihm 175 000 Pesos die Woche ausbezahlt. Er und seine beiden Kumpels aus dem Dorf seien jetzt auf dem Weg dahin. Wieviel Geld habt ihr denn? Zusammen haben wir 10 000 Pesos. Die Überfahrt für den Pass kostet uns aber 21. Bitte hilf uns, von da wo wir herkommen ist es das selbe Klima wie in Cúcuta. Wir erfrieren hier schon beinahe», woher kommt ihr denn? Wie seid ihr hergekommen, was habt ihr gelernt? «seit 2 Wochen haben wir gewartet, dass ein Truck uns mitnimmt. Bis zur Grenze oder bis nahe dahin. Dann am Donnerstag war es soweit. Am Freitag haben wir die Grenze passiert». Habt ihr denn einen Pass, wo habt ihr die Grenze passiert? Nachmehrmaligem fragen und der Beteuerung, dass ich sie bestimmt nicht verrate= nein keine Pässe. Wo sie die Grenze passiert haben, wollten sie aber nicht sagen.

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