Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

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Macondo
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Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

Beitragvon Macondo » 20. Mär 2014, 02:09

Beitrag von Macondo » 20. Mär 2014, 02:09

Ich war eine Weile außerhalb Kolumbiens, nachdem ich nun einige Monate zurück bin, fällt mir mehr und mehr auf:
    Die vielen Verkehrs-Stauss,
      fast jeder (außer mir) fährt ein neues Auto, natürlich mit Kredit bezahlt
        Wohnungen / Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden und werden auf Kredit gekauft,
          selbst Lebensmittel im Supermarkt werden in cuotas bezahlt

          Die Ähnlichkeiten mit den Immobilienblasen in USA und Europa sind unverkennbar und ich meine, daß sich die Dinge in Südamerika-Colombia wiederholen.

          Die Frage ist wann? Welche Auswirkungen auf die Sicherheit und Lebensqualität wird das Platzen der Kreditblase mit sich bringen?

          Was denkt Ihr?


          Clocktower
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          Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

          Beitragvon Clocktower » 22. Mär 2014, 04:05

          Beitrag von Clocktower » 22. Mär 2014, 04:05

          Am Besten sorgt man vor indem man an den vielen kleinen Konsumkrediten mitverdient. Bancolombia und andere Bankenaktien kaufen, dazu vielleicht noch Mastercard und Visa - die veranstalten in den naechsten 10 Jahren das gleiche hier wie zuvor in EU/USA. Die Kreditzinsen sind unglaublich hoch hier und es ist zu erwarten dass die Zyklen von Boom und Bust bei solch hohen Zinsen naeher zusammenliegen. Ich sehe das Problem aber eher in der Privatverschuldung - die junge kolumbianische Mittelschicht macht sich gerade zu Lohnsklaven der Kreditgeber. Einen Interbankenmarkt oder gar Investmentbanker gibt es in Kolumbien praktisch nicht - deswegen ist diese Sache auch kein Risiko fuer das System und die hohen Zinsspreads werden von der Politik geduldet. Ich sehe also keine wirkliche "Blase" wegen Kleinkrediten. Sicher sind einige Immobilien ueberteuert, dafuer gibt es anderorts Schnaeppchen. Das groesste Risiko bei der Entwicklung ist wohl eine "Lohnsklavenrevolution" und eine extremer Linksruck im Land. Das sehe ich aber noch nicht.

          Jeder einzelne, der hier lebt sollte sich fragen ob er bei dem "Alles auf Pump" System mitmachen will. Wer sich dafuer entscheidet ist in 5-10 Jahren vom Kapital versklavt, wer im Rahmen seiner Moeglichkeiten lebt und etwas anlegt entwickelt sich in Richtung finanzieller Freiheit. Ein grundsaetzliches Problem fuer die Wirtschaft des Landes sehe ich wegen der leichteren Kredite nicht, soziale Probleme sind aber nicht auszuschliessen.

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          Macondo
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          Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

          Beitragvon Macondo » 22. Mär 2014, 21:24

          Beitrag von Macondo » 22. Mär 2014, 21:24

          @clocktower
          Danke für die treffende Analyse. Ich habe mich vor längerer Zeit entschlossen, jegliche Art von Krediten zu vermeiden. Wenn man einmal in der Kreditfalle steckt ist es sehr schwer wieder heraus zu kommen. Manchmal habe ich den Eindruck, daß Kolumbianer nicht wissen worauf sie sich einlassen, bzw ein Großteil der Bevölkerung ist nicht mal in der Lage den Zins der zu bezahlenden Kredite auszurechnen. Die Folge sind Verlust der Eigenheime und Bruch von Familien etc. Ein gefährlicher Trend, wenn die Nachbarsfamilien plötzlich alle neue Autos zu besitzen glauben und es ihnen nachmachen zu wollen. Ja, der Linksruck in einigen Jahren könnte Realität werden, zumal Santos dafür sein Bestes tut, indem er aus Links-Terroristen Politiker machen möchte.

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          Ernesto
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          Alles auf Kredit - wie lange noch?

          Beitragvon Ernesto » 13. Apr 2018, 20:15

          Beitrag von Ernesto » 13. Apr 2018, 20:15

          Eigentlich egal an welchem Laden ich vorbeikomme: ALLES AUF KREDIT. Ohne Auskunft nur mit dem Ausweis heisst es bei vielen.
          Denkt ihr nicht, dass diese Kreditblase irgendwann mal platzt?

          Heute kam meine Internet/Telefon/Festnetz Rechnung. Ganz dick vorne: EL COMPUTADOR QUE QUIERES LO PAGAS A CUOTAS con tu Factura ...

          Auf lange Sicht kann das doch nicht gut gehen. Oder doch? Was übersehe ich?




          Moderation: Beitrag ins bestehende Thema verschoben. Oswaldo


          OliCO
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          Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

          Beitragvon OliCO » 14. Apr 2018, 02:25

          Beitrag von OliCO » 14. Apr 2018, 02:25

          Es ist halt so, wie es in den USA noch bis vor ein paar Jahren war. Und da ist es auch nicht gutgegangen. Viel white trash aus trailer parks haben genau so gelebt. Und genau diese Kredite sind allesamt faul geworden … nur daß die Zinsen in den USA niemals ein solches Niveau hatten wie in Kolumbien.

          Ich finde es aktuell dazu noch erstaunlich, wie Kolumbien angesichts dieser massiven Geldschöpfung so eine niedrige Inflationsrate halten kann und befürchte, daß sich das jederzeit ändern kann.


          desertfox
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          Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

          Beitragvon desertfox » 14. Apr 2018, 09:36

          Beitrag von desertfox » 14. Apr 2018, 09:36

          Das Thema Kreditblase beschäftigt mich schon einige Zeit. Das Problem das ich sehe ist dass viele Kolumbianer nicht rechnen können oder nicht die Konsequenzen ihres Tuns erkennen. Nur so kann ich mir erklären dass selbst Lebensmittel für den täglichen Bedarf mit Quotas bezahlt werden, das ist im ersten Monat wenn man mal knapp bei Kasse ist ganz praktisch, aber ab dem 2. Monat wird es kritisch und immer kritischer wenn das System beibehalten wird.

          Hinzukommt dass bei Immobilien eine Valorisation berechnet ist die ich mir nicht erklären kann, da sie praktisch nur die Inflation oder gar weniger abdeckt...., hinzukommt das Kredite in Kolumbien ja schnell 30 % und mehr Zinsen kosten!

          Ich habe da ein praktisches Beispiel..., also ich 1987/88in Bogota arbeitete waren wir mal mit meiner Freundin die Informatik /Sistemas y Computatores) studierte, An der Nebenbahn waren Studienkollegen von ihr. Dass man die Zählregeln von Bowling nicht unbedingt kennt ist keine Schande, aber dass man 2 Einstellige Zahlen mit den Fingern zusammenrechnet kam mir dann doch schon seltsam vor.


          Gordi_K
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          Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

          Beitragvon Gordi_K » 16. Apr 2018, 10:51

          Beitrag von Gordi_K » 16. Apr 2018, 10:51

          Bei einer Analyse ist es wichtig, mit Fakten zu arbeiten - das ist in Kolumbien schwierig, da in Kolumbien gibt es ganz unterschiedliche Welten in einem Land.

          Prinzip einer Blase ist, dass man in etwas investiert (Tulpenzwiebeln, Häuser, Aktien, Cryptowährungen), da man hofft, dass der Preis wachsen wird. Wenn alle so denken, dann wächst der Preis tatsächlich - bis die Blase platzt und man (fast) das ganze Vermögen verliert.

          Bei Kleinkrediten ist es unterschiedlich - dort kann man sein ganzes Vermögen nicht verlieren. Die "Kleinkreditgeber" rechnen schon damit, dass ein Teil der Kredite nicht zurückgezahlt wird und Kredite ohne Bonitätsprüfung werden nur für "kleine Summen" vergeben. Essen auf Quotas kaufen behaupte ich mal eher "die Armen", die eh nichts haben - denen kann man also auch nichts nehmen.

          Für eine Blase ist auch robuster und hoher Wirtschaftswachstum. Da ist Kolumbien leider kein Spitzenreiter - weder relativ noch absolut. Wenn man den relativen PIB-Wachstum von Kolumbien und Deutschland vergleicht, dann ist es nicht gerade berühmt. Absolut ist es noch trauriger... Bereinigtes PIB pro Kopf in in DE ca. 48.000 $, in Kolumbien 14.000 $. Und jetzt der lustige Trick. Wenn PIB in Deutschland um 1% gewachsen ist, sind das 48.000*0,01 = 480%. Wenn PIB in Kolumbien um 3% gesachsen ist, sind das 14.000*0,03 = 420 $. Also - Kolumbien ist relativ stärker gewachsen als DE, der Unterschied zwischen dem Deutschen und Kolumbianer hat sich aber trotzdem vergrößert. Also - der schwache Wirtschaftswachstum Kolumbiens (gerade in den letzten Jahren) ist eher ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die Wirtschaft nicht überhitzt - und daher keine Blasen entstehen.

          Dazu kommt - wer kann sich schon in Kolumbien ein Computer/Internet leisten. Ohne hard facts dafür zu haben - 30% der Bevölkerung (also Estrato 1 +2) sicher nicht. Die Kredite betreffen also Mittel- und Oberschichten, nicht die "Armen" wie vor 10 Jahren in den USA. Also mein Gefühl - in Deutschland kann der Großteil der Bevölkerung auf Raten kaufen, in Kolumbien gefühlsmäßig 30 - 40% der Bevölkerung nicht (ohne Mindestlohn kein Kredit).

          Es mag sein, dass der Fortschritt in Kolumbien sichtbarer ist als in z.B. Europa. Eine neue Autobahn merkt man gleich. Glasfaserleitung fürs Internet merkt man erst, wenn z.B. ein Werk große Datenmengen in die Zentrale in Europa schicken muss. Und bei diesen unsichtbaren, aber teuren Infrastrukturprojekten ist (nicht nur) Kolumbien hinter nach. Also ich fürchte mich im Fall von Kolumbien eher vor den Folgen den Industrie 4.0 als vor einer Kreditblase.

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          cm81
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          Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

          Beitragvon cm81 » 16. Apr 2018, 17:48

          Beitrag von cm81 » 16. Apr 2018, 17:48

          Wie Gordi_K richtig schreibt, eine Blase im eigentlichen Sinne ist es ja nicht. Trotzdem aus meiner Sicht nicht weniger bedenklich für die betroffenen.
          Viele Kolumbianer können wirklich nicht rechnen, oder auch nur anhähernd Folgen abschätzen. Ich hatte da schon einige verstörende Erlebnisse, insbesondere von gut ausgebildeten Leuten, wo man es nicht erwarten würde.
          Die Banken, insbesondere Bancolombia geht da sehr aggresiv vor. Bei jedem Kontakt mit der Bank versuchen sie den Leuten Kredite anzudrehen. Die Verkaufsargumente sind gut einstudiert, auf wichtiges wird aber nicht hingewiesen (und meist wahrscheinlich auch nicht nachgefragt).
          Leitsätze wie: "Kreditvergabe ist verboten, wenn sie zu Überschuldung führt" scheint in Kolumbien kein Thema zu sein.
          Ob es Systemtechnisch zum Problem wird, kann ich nicht abschätzten, aber viele Kolumbianer werden noch ein böses erwachen haben!


          OliCO
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          Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

          Beitragvon OliCO » 16. Apr 2018, 20:42

          Beitrag von OliCO » 16. Apr 2018, 20:42

          Tja. Andererseits konnte ich trotz vorhandenen Eigenkapitals und regelmäßigen Einkommens aus .de und in .co - alles nachgewiesen - keinen Kredit für den Erwerb eines Neuwagens bekommen. Es handelte sich um einen Wagen für 107M, 15M hätte ich angezahlt. Denn eine Kredithistorie hat in Kolumbien wohl einen ähnlichen Stellenwert wie in den USA, nicht so wie in .de, wo es nur darauf ankommt, daß nie was negatives passiert ist …

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          Ernesto
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          Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

          Beitragvon Ernesto » 17. Apr 2018, 19:32

          Beitrag von Ernesto » 17. Apr 2018, 19:32

          Sei froh, denn du wolltest nie auffallen. Wenn du nach wie vor im Estrato eins oder zwei wohnst, passt so ein Auto da auch irgendwie nicht hin.
          Mein Sachbearbeiter meint immer, ich bräuchte eine Kreditkarte. Nein danke ist meine Antwort.


          OliCO
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          Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

          Beitragvon OliCO » 17. Apr 2018, 20:17

          Beitrag von OliCO » 17. Apr 2018, 20:17

          Ich wohne im Moment (und für die nächsten 2 Monate) in Sincelejo, Barrio Los Libertadores. Das dürfte Estrato 4 oder 5 sein.

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          Kreditkarte habe ich … Amex Platinum. Kennt hier keiner :) Davivienda, wo ich mein Konto habe, wollte mir noch ‘ne MC aufschwatzen … hab ich jedoch abgelehnt.



          Zwei kurzzeitig nacheinander geschriebene Beiträge automatisiert zusammengefügt. Skript powered by Datacom © 2018

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          cm81
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          Was glaubt Ihr: Wann platzt die Kreditblase in Kolumbien?

          Beitragvon cm81 » 23. Apr 2018, 14:45

          Beitrag von cm81 » 23. Apr 2018, 14:45

          @Olico
          Mit grösseren Beträgen sind sie dann schon etwas vorsichtiger. Können das eventuell nicht selber entscheiden und der der kann sitzt irgendwo.
          Vielleicht hast du bis jetzt aber auch einfach zu wenig Schulden gemacht. Der Kreditrahmen muss schrittweise aufgebaut / erhöht werden, hat mir mal jemand erklärt. Die Logik dahinter hab ich aber nicht verstanden. Für mich hat Kreditwürdigkeit mit Sicherheiten und / oder regelmässigem Einkommen in entspechender Höhe zu tun und nicht wie viele Kredite schon beantragt wurden.
          Da ich in Kolumbien noch nie einen Kredit hatte, habe ich öters mal Probleme damit z.B. ein Abo abzuschliessen. Ein bekannter von uns, der Zur Zeit keine Arbeit, dafür aber duzente unbezahlte Rechnungen hat hingegen nicht. Der hatte nur einmal kurzfristig Probleme damit.