Aufbau und Plege einer deutsch-kolumbianischen Beziehung über 10.000km

Wer möchte nicht geliebt werden? Nichts ist schöner als wenn man liebt und geliebt wird. Doch die Entfernung wie bewältigt Ihr das?

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Aufbau und Plege einer deutsch-kolumbianischen Beziehung über 10.000km

Beitrag von MMMatze » 19. Mär 2019, 19:25

Wie habt ihr es geschafft, eine Fernbeziehung aufzubauen, und dann auch zu pflegen?. Dank moderner Komunikationsmittel kann man ja heutzutage jederzeit reden und sich sehen, aber real ist halt doch anders.

Wie kann man Pläne für eine Zukunft schmieden, wo doch Deutschland so verlockend scheint, aber andererseits die so geliebte und wichtige Familie so weit weg ist.

Erfahrungen sollten ja zu dem Thema in Hülle und Fülle vorhanden sein. 8-)






Moderation: Thema nach hier verschoben. Hier passt es. Eisbaer - Moderator


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Beitrag von MMMatze » 19. Mär 2019, 20:01

@ Eisbär:Danke fürs verschieben und sorry für meine Blindheit


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Beitrag von ChLehmann » 19. Mär 2019, 20:50

Hallo MMMatze gutes Thema, sehr wichtige Fragestellung. Ich mache mir mal Gedanken dazu.


Dolfi
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Beitrag von Dolfi » 20. Mär 2019, 08:40

Fernbeziehungen funktionieren nur mit der Perspektive, sie irgendwann in eine Nahbeziehung umzuwandeln.

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cm81
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Beitrag von cm81 » 20. Mär 2019, 11:50

Dolfi hat es auf den Punkt gebracht!
Alles weitere ist dann der übliche Kampf, wie eine Beziehung generell langfristig funktionieren kann.

Ein eiziger Rat möchte ich dir auf den Weg geben, auch wenn du dir dessen vielleicht schon absolut bewusst bist und ich hier im Forum auch schon lernen musste, dass man Pauschalisierungen unterlassen sollte.
Kolumbianer schmieden keine Pläne. Du musst also damit rechnen, dass dein Leben weniger planbar und vorhersehbar wird. in allen Belangen. Gerade ab einem gwissen Alter, wo man vielleicht recht konkret seinen Lebensabend planen möchte und der Plan dazu bereits mit allen Details steht, kann dies zur unüberwindbaren Herausforderung werden.
Leute die in ihrem Leben immer für vieles offen waren und Veränderungen eher als Chance als Gefahr sehen, haben es bestimmt deutlich leichter mit der Mentalität klar zu kommen.

Ich für meinen Teil trenne Arbeit und Privat. Geschäftlich muss ich langfristig planen und die Aktivitäten daran ausrichten. Privat ist mein Leben hingegen zu einem grossen Abenteuerspielplatz geworden. Ich ziehe das aber einem langweiligen 0815 Leben vor.


Gordi_K
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Beitrag von Gordi_K » 20. Mär 2019, 13:13

Hallo MMMatze. Basierend auf meiner Erfahrung muss ich leider sagen, dass man eine Fernbeziehung nicht aufbauen kann. Ist meine subjektive Meinung. Da - wenn die Beziehung alle die Schwierigkeiten überstehen soll, die eine Beziehung zwei Personen aus unterschiedlichen Kontinenten und mit unterschiedlichen Muttersprechen mit sich bring - dann muss es halt "die große Liebe" sein. Und so eine Liebe erkennt man nur bei persönlichen Begegnung.

Bevor wir mit meiner Novia ein Paar geworden sind, habe ich sehr genau alle ihre Fotos auf Facebook durchgeschaut - mit etwas Hausverstand kann man vieles daraus herauslesen. Dann sind wir durch ein Zufall ein Paar geworden - und ich war dann alle 3 Monate für 2 Wochen in Kolumbien, das hat uns immer sehr geholfen die Beziehung zu erfrischen.

Meiner Meinung nach ist es sehr ratsam, so eine Beziehung am Anfang vor allem wie interessante Erfahrung zu sehen - nicht wie "die wahre und einzige Liebe". Es ist eine traurige Wahrheit - es ist viel besser sich vor der Hochzeit und vor allem vor Geburt der Kinder zu trennen, als nachher... Also man sollte sehr kritisch sein und bei ersten Zeichen von großen Mißverständnissen, sehr unterschiedlichen Lebensvorstellungen usw. würde ich die Beziehung beenden...

Aber auch mit so einer Sichtweise kann man in einer Fernbeziehung überglücklich sein - 1,5 Jahre war sie in Kolumbien, jetzt fast 1,5 Jahre in Spanien und jetzt werden wir endlich zusammen leben - hoffentlich länger als 1,5 Jahre! :-)

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cm81 hat geschrieben:
20. Mär 2019, 11:50
Kolumbianer schmieden keine Pläne. Du musst also damit rechnen, dass dein Leben weniger planbar und vorhersehbar wird. in allen Belangen.
Dem muss ich leider widersprechen. In Kolumbien gibt es nicht nur Mamasitas - es gibt auch introvertierte KolumbianerInnen... Es gibt nicht nur unorganisierte Kolumbianer - es gibt auch welche, die genau wissen, was sie wollen. Zumindest in der Firma, wo ich ab und zu bin, arbeiten viele junge Mitarbeiter und investieren das ganze Geld in Ausbildung - MBA, Sprachen usw.... 12 Stunden pro Tag mit der Arbeit zu verbringen (ca. 10 Std. Arbeitszeit + 2 Std. Fahrzeit) und danach am Abend/am Wochenende sich für teures Geld weiterzubilden - nicht einmal die jungen Europäer sind so motiviert und zielbewusst... Aber stimmt - der "Durchschnittskolumbianer" denkt schon ganz anders als ein "Durchschnittsdeutsche" - um das zu sehen reicht es, sich den Straßenverkehr anzuschauen....

Ich persönlich würde mit einer Person auch anderen Kontinent, die nicht weiß, was sie im Leben will und impulsiv und emotionell handelt keine Fernbeziehung pflegen. Da das traurigste, was man dann hören könnte ist "Ich habe mir es anders vorgestellt, ich gehe mit unseren Kindern nach Kolumbien, schicke die Alimenten auf diese Kontonummer. Chao..."

Aber - jedem das Seine! Ich kann nur sagen - meine Freundin plant alles, und alles sehr genau... Wichtig ist nur - man muss sich der Tatsache bewusst sein, dass sich die Leute nicht ändern... Planer bleiben Planer, Chaoten bleiben Chaoten... Mit einer Person, die nicht plant und impulsiv handelt war ich schon ein Paar Jahre - und kann nur sagen: "NIE WIEDER!" :mrgreen:

Aber weniger planbar stimmt trotzdem - man muss halt bereit sein, ev. in Kolumbien eines Tages leben zu müssen (da Eltern des Partners/der Partnerin krank und alt, z.B.) und das mit dem kein 0815-Leben zu führen, das stimmt schon.



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Beitrag von cm81 » 20. Mär 2019, 14:34

@ Gordi_k
Wie ich geschrieben habe, pauschalisieren trifft nie auf alle zu. Die von dir beschriebenen Fälle gibt es zweifelos, sie sind aber auch nicht gerade das Spiegelbild der breiten Gesellschaft. Strebsame Menschen gibts in jedem Land. Der von dir beschriebene Fall mit berufbegleitendem Studium und 10 bis 12Stunden Arbeit habe ich selbst auch insgesamt rund 7 Jahre durchgemacht. Ist in der CH auch der Normalfall für viele die beruflich etwas erreichen wollen. Mal abgesehen von den Studiengebühren da ist man hier klar im Vorteil und das ist doch auch ziemlich relevant.

Du schreibst, man muss halt bereit sein unter bestimmten Umständen auch in Kolumbien leben zu müssen.
Also wenn man erwartet, dass der Partner mal eben den Kontinent wechselt mit allem drum und dran, sollte es anders herum ja auch selbstverständlich sein. Insebesondere, wenn keine finanziellen unlösbaren Themen damit verbunden sind. Sonst sollte man nicht von der grossen Liebe etc. etc. reden.

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Beitrag von schweizer » 20. Mär 2019, 14:55

@cm81

Kolumbianer schmieden keine Pläne, ist viel zu allgemein. Meine erste Frau z.B. hatte den Plan geschmiedet wie sie sich von mir scheiden lassen kann und dabei noch gut verdient :mrgreen: Ist leider ein schlechtes Beispiel. Gute gibt es auch genug.

Besonders jüngere Leute leben sehr organisiert.

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Beitrag von cm81 » 20. Mär 2019, 17:42

@Schweizer
Das tut mir leid für dich. Ja wenn es ums liebe Geld geht, wird noch so mancher zum Ideenschmied, welcher sonst kaum selber die Schuhe zubinden kann.
Ich würde das jetzt aber nicht unbedingt an kulturellen Hintergründen festnageln. Hässliche Scheidungen gibt es leider überal.

Ich gebe dir absolut recht, mit dem Thema organisert leben. Gerade in Kolumbien wenn man mit egal was vorankommen will muss man sich gut organisieren, sonst kommt man zu gar nichts und das haben auch viele erkannt. Auch mit dem Thema Bildung für eine bessere Zukunft etc.

Viele sind spontan und offen, lassen sich gerne von etwas überzeugen und probieren es aus. Sie erlauben sich dann aber auch ihre Meinung wieder zu ändern. Daran finde ich grunsätzlich nichts verwerfliches, man muss einfach damit umgehen können.


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Beitrag von Gordi_K » 20. Mär 2019, 18:38

Ich würde es vielleicht noch anders formulieren...

Wenn das Paar einmal in (Mittel)Europa leben soll, ist es halt nicht die beste Idee, sich eine operierte unorganisierte Mamasita ohne Ausbildung suchen. Für die wird der Kulturschock riesig sein.

Ich persönlich war mehrere Jahre mit einer Halbmexikanerin verheiratet, die aber in Europa aufgewachsen ist - aber war unorganisiert, nicht besonders zielstrebig, ich sollte mich um sie kümmern... Nur in Ihrer Familie war der Tenor - die Latinas sind so, wenn du du dir eine Latina ausgesucht hast, muss du das akzeptieren...

Jetzt mit der 100% Kolumbianerin ist es mir bewusst geworden, dass es nur Lügen waren. Mit der Kolumbianerin verstehe ich mir um 1000% besser - mit einer Mitteleuropäin würde ich mich sicher nicht besser verstehen. Damit will ich sagen: es ist wichtig, dass die zwei sich gut verstehen, auch wenn sie aus anderen Kontinenten kommen. Ich würde nie auf das Spiel eingehen "die Kolumbianer sind halt so, das musst man halt hinnehmen".

Und zur Frage Geld - das kann mit jeder Frau passieren... Ist halt das Risiko der Heirat.


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Beitrag von zuzizuz » 20. Mär 2019, 20:46

Hallo zusammen
Wir haben vor ca 2 Wochen in Kolumbien geheiratet. Also bis dahin geht's anscheinend (das weitere wird die Zukunft zeigen). Eigentlich wollten wir in Deutschland heiraten bis die Behörden mich geärgert haben ich mein Studium abgebrochen habe (fange in 2 Wochen ein neues in Deutschland an). Das war dann alles sehr spontan nebenher hat sie mich ihre Deutschprüfung gemacht.
Wir waren seit 2016 ein Paar, haben uns in Cancun kennengelernt. Seit dem war ich 2 mal (und jetzt) in Bogotá, sie war letztes Jahr 2 mal bei mir in Deutschland. Morgen beantragen wir ihr Visum wenn alles klappt ist sie ab Juni in Deutschland und kann weiter Deutsch lernen um danach ihren Master zu machen.
Das mit dem planen stimmt bei uns für das alltägliche aber ich glaube das kann sie lernen da sie gerne langfristig plant.
Wir haben jede Woche einmal über Skype telefoniert und jeden Tag über WhatsApp geschrieben. Natürlich haben wir uns jeden Tag vermisst und waren überglücklich wenn wir uns getroffen haben. Aber ich glaube das wichtige ist, dass man während der Zeit alleine glücklicher fühlt als wenn man die Beziehung nicht hätte. Auch das Vertrauen ist SEHR wichtig ohne geht's halt nicht. Wir sind beide einmal während der Zeit fremdgegangen aber haben es überstanden da wir es gesagt und vergeben haben.
Ich genieße diese Beziehung seit dem Tag an dem wir uns zum ersten Mal sahen.


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Beitrag von MMMatze » 20. Mär 2019, 21:11

Uihh, Danke für die vielen interessanten Antworten, ich finde da viele meiner Gedanken wieder.

Blauäugig bin ich glaub ich nicht unbedingt, und das Stadium der ersten großen Verliebtheit, mit wenig Schlaf und wenig essen ist auch vorbei, und die Beziehung wird eher immer stärker.

wir schreiben uns mehrmals täglich, kennen und respektieren unsere Tagesabläufe, und natürlich sprechen wir auch per Video-Anruf. Wir haben uns übers Internet kennengelernt, was ich ja schon abenteuerlich genug finde, aber wir haben eben auch 2 sehr intensive Wochen gemeinsam in Kolumbien verbracht, und das war definitiv mehr Alltag als Flitterwochen, und es hat hervorragend funktioniert.

Garantie gibt es keine, aber der Wille, gemeinsam was zu planen ist da, definitiv auch gegenseitig. Da wir beide leicht verrückt aber nicht wirklich chaotisch sind, und auch Beide zumindest stabile Eckpunkte benötigen, was die Planung angeht, lässt sich das sehr gut an. aber wir können und wollen auch nicht überstürzt unsere bisherigen Leben über Bord werfen.

Realistisch gesehen wird aus der Fernbeziehung erst ab Ende des Jahres 2020 bestenfalls eine gemeinsame Zeit, bis dahin werden wir wohl mit einer Fernbeziehung klar kommen müssen. Darüber haben wir ausführlich gesprochen, und der Wille dazu ist da, es einfach zu versuchen.

Ich werde Euch auf dem Laufenden halten frei nach dem Motto, wer wagt gewinnt, wer nicht wagt hat schon verloren.