Krankenhäuser und Gesundheitswesen

Impfungen, Reiseapotheke, Ärzte, Krankenhäuser und Fragen dazu.

John Extra
Kolumbien-Süchtige(r)
Kolumbien-Süchtige(r)
Beiträge: 620
Registriert: 14.04.2013
Wohnort: Bogota
Alter: 70

Frage zum Krankenhausaufenthalt in Kolumbien

Beitrag von John Extra » 15. Jun 2018, 22:06

Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

Nun, es ist nicht unbedingt immer der Unterschied zwischen arm und reich ... es gibt auch einige die sparen einfach an der falschen Stelle ...

Benutzeravatar

Karibikotto
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Beiträge: 396
Registriert: 24.07.2010

Frage zum Krankenhausaufenthalt in Kolumbien

Beitrag von Karibikotto » 16. Jun 2018, 00:55

@John Extra

viele verdienen so wenig, dass es einfach nicht reicht um in eine private Krankenversicherung einzuzahlen. Die sind auf staatliche Hilfe angewiesen, die größtenteils schlecht ist. Bei der ärztlichen Versorgung spielt der Wohnort ebenfalls eine ganz wichtige Rolle. Wohnst du in einer Gegend mit schlechter ärztlicher Betreuung, dann nützt auch die beste Versicherung wenig, wenn du auf schnelle Hilfe angewiesen bist und vor Ort die Krankenhäuser, sagen wir, bescheiden sind. Viele machen einfach den Fehler sich erst mit der Qualität vor Ort vertraut zu machen wenn der Notfall eintritt.

Das Gesundheitswesen ist für einen Großteil der Bevölkerung alles andere als gut ausgelegt.


Don-Pedrinio
Kolumbien-Süchtige(r)
Kolumbien-Süchtige(r)
Beiträge: 777
Registriert: 14.04.2010
Alter: 14

Krankenhäuser und Gesundheitswesen

Beitrag von Don-Pedrinio » 11. Jul 2018, 18:11

Da mir auf Facebook immer wieder der Medellinguru vorgeschlagen wird, habe ich mir heute mal seine Webseite genauer angesehen.
Auch wenn ich davon ausgehe, dass die allermeisten seiner Berichte von irgendwo geklaut sind, so habe ich doch noch einen sehr interessanten Artikel gefunden, den ich gerne hierher poste.
Krankenhäuser und Gesundheitswesen.
20 der 49 besten Spitäler Latein Amerika sind in Kolumbien. Je 7 davon in Bogota und Medellin.
=> medellinguru.com/hospitals

Benutzeravatar

Ernesto
Kolumbien-Veteran
Kolumbien-Veteran
Beiträge: 4978
Registriert: 05.10.2010

Krankenhäuser und Gesundheitswesen

Beitrag von Ernesto » 11. Jul 2018, 18:48

Der Bericht stammt aus dem vergangenen Jahr und wurde von El Espectador und La revista América Economía verfasst.
Veinte hospitales colombianos entre los mejores de Latinoamérica => hier klicken.

Aus dem gleichen Jahr stammt dieser Bericht:
Salió el ‘ranking’ de los 20 mejores hospitales y clínicas de Colombia en este 2017 => hier klicken.

Nur, was nützt das alles wenn man da keinen Zugang zu hat weil die EPS das nicht bezahlt! :mrgreen:


Gordi_K
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Beiträge: 156
Registriert: 12.09.2016

Krankenhäuser und Gesundheitswesen

Beitrag von Gordi_K » 12. Jul 2018, 11:11

Der Gesamtranking:

1. Hospital Israelita
2. Clinica Alemana
3. Fundación Valle de Lili
4. Hospital Italiano

Lustig sich vorzustellen, dass eine Einrichtung in Europa "Brasilianisches Krankenhaus" oder "Kolumbianische Unfallklinik" heißen würde. Lustig, diese positiven und negativen Vorurteile.


desertfox
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Beiträge: 353
Registriert: 24.08.2012
Wohnort: Unterfranken

Krankenhäuser und Gesundheitswesen

Beitrag von desertfox » 12. Jul 2018, 12:53

Das kenne ich von vielen Ländern wo man sich mit internationalen Namen schmückt..., oft hat nur der Gründer entfernt was mit dem betreffenden Land zu tun, OK, solange der Service OK ist?


Leonor
Kolumbien-Infizierte(r)
Kolumbien-Infizierte(r)
Beiträge: 47
Registriert: 06.09.2016

Frage zum Krankenhausaufenthalt in Kolumbien

Beitrag von Leonor » 20. Jul 2018, 04:45

Meine Schwiegermutter ist seit acht Tagen im Krankenhaus.
Da sie täglich eine Dialyse bekommt, ist sie in einem Einzelzimmer untergebracht.
Das Bett hat keine Klingel, auch die Visiten der Schwestern sind in unregelmäßigen und sehr großen Abständen.
Die Familie entschied dass Tag und Nacht man sich abwechselt, damit die alte Frau nicht unbeaufsichtigt ist. Dafür entstehen keine Kosten.
Da sie friert mussten wir eine dicke Wolldecke mitspringen. Die muss von uns täglich gewechselt werden, das Krankenhaus stellte die Decke nicht.
Zweimal musste sie auf eine Intensivstation verlegt werden, beide male mit einem Krankenwagen in eine andere Klinik, die Wartezeit war nicht unerheblich. Die Frau tut mir sehr leid, denn sie leidet durch das ständige hin- und her.
Bis jetzt ist meine Erfahrung zum Krankenhausaufenthalt sehr negativ.


Leonor
Kolumbien-Infizierte(r)
Kolumbien-Infizierte(r)
Beiträge: 47
Registriert: 06.09.2016

Frage zum Krankenhausaufenthalt in Kolumbien

Beitrag von Leonor » 25. Jul 2018, 08:23

Traurigen Herzen berichte ich weiter.
Es wurde das Gutachten einen Facharztes benötigt, die Wartezeit in der Klinik lag bei 8 Tagen. Solange konnten wir nicht warten, denn der Zustand der Schwiegermutter wurde von Tag zu Tag schlechter. Wir bezahlten dieses privat, da ging es sofort.
Heute ist die Schwiegermutter im Krankenhaus gestorben.
Hier geht nach dem Tod alles sehr schnell. Morgen, bzw. heute um 16 Uhr ist die Beerdigung.
Die Zeiten im Krankenhaus haben mir ein ganz anderes Bild Kolumbiens vermittelt.
Mein Mann und ich sind uns einig. Wir gehen zurück nach Deutschland. Da ist zwar auch nicht alles Gold was glänzt, aber ...

Benutzeravatar

Ernesto
Kolumbien-Veteran
Kolumbien-Veteran
Beiträge: 4978
Registriert: 05.10.2010

Frage zum Krankenhausaufenthalt in Kolumbien

Beitrag von Ernesto » 25. Jul 2018, 09:26

@leonor

mein aufrichtiges Beileid.

Benutzeravatar

Tenere-wue
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Beiträge: 80
Registriert: 29.07.2011
Wohnort: Quindio y Valle y Bayern

Frage zum Krankenhausaufenthalt in Kolumbien

Beitrag von Tenere-wue » 11. Aug 2018, 21:52

@leonor,
leider erging es meiner Schwiegermutter ähnlich. Medikamente, examenes.... alles musste vorher von EPS genehmigt werden oder man kauft es privat damit man sich die somit Woche Wartezeit spart. Sie hat sich damals selbst Entlassen um es zu überleben. Zum Glück hat sie Überlebt.
Jahre später dann hatte mein Schwager einen Unfall, gleiches Krankenhaus aber "bessere Versicherung". Die Krankenvers. hatte immer sofort bezahlt und es gab keine Probleme. Bis auf fehlende Medikamente war da alles gut verlaufen. Es gibt schon krasse Unterschiede. Leider.
Grüsse Tenere-wue (Armenia & Cartago)
-vive tu sueno !


John Extra
Kolumbien-Süchtige(r)
Kolumbien-Süchtige(r)
Beiträge: 620
Registriert: 14.04.2013
Wohnort: Bogota
Alter: 70

Krankenhäuser und Gesundheitswesen

Beitrag von John Extra » 8. Jun 2019, 01:25

ich habe in verschiedenen Artikeln ueber den Anstieg von Multiresisten Keimen gelesen, unter anderem durch falschen Einsatz von Antibiotika.
Antibiotika ist ja auch hier in Kolumbien in Drogerien frei verkaeuflich und viele setzen es schon bei einer einfachen Erkaeltung ein, Das kann ja nicht gut gehen.

=> deutsch.rt.com/europa/75548-immer-mehr-resistente-bakterien-in-europaeischen-krankenhaeusern/

=> businessinsider.de/eine-super-krankheit-verbreitet-sich-weltweit-sie-koennte-bald-unheilbar-sein-2018-5

Benutzeravatar

Don Maximo
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Beiträge: 269
Registriert: 02.05.2015

Krankenhäuser und Gesundheitswesen

Beitrag von Don Maximo » 8. Jun 2019, 10:49

Antibiotika in Selbstbedienung ist sicher eins der Probleme (da gab es, wenn ich mich recht erinnere, einen Vorschlag für einen neuen Gesetzesentwurf im 2014 oder 2015 der dies unterbinden wollte. Was daraus geworden ist weiss ich nicht).
Der Einsatz von Antibiotika in tausenden von Tonnen in der Landwirtschaft dürfte ein viel grösseres Problem sein.
Ein Cousin meiner Frau, der wissenschaftlich mit Bienen arbeitet, hat bedenkliche Konzentrationen von Antibiotika auch in diverse Honig Proben aus Antioquia feststellen müssen.
Virtus Junxit Mors Non Separabit

Benutzeravatar

Karibikotto
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Beiträge: 396
Registriert: 24.07.2010

Krankenhäuser und Gesundheitswesen

Beitrag von Karibikotto » 8. Jun 2019, 13:21

Ein viel größeres Problem ist das eigentliche Gesundheitssystem. Einige Ärzte bekommen seit Monaten keinen Lohn mehr, Krankenhäuser und ganze IPS müssen schließen da einige EPS Ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Immer mehr EPS ziehen sich aus kleineren Gemeinden zurück. Patienten sterben weil den EPS das Geld für eine Behandlung fehlt. Die Regierung schaut zu und unternimmt nichts.

Antibiotika im Stall ist auch in Europa verbreitet.
Das ganze hat jedoch mit dem sauschlechten Gesundheitssystem in Kolumbien recht wenig zu tun.


John Extra
Kolumbien-Süchtige(r)
Kolumbien-Süchtige(r)
Beiträge: 620
Registriert: 14.04.2013
Wohnort: Bogota
Alter: 70

Krankenhäuser und Gesundheitswesen

Beitrag von John Extra » 8. Jun 2019, 20:22

Nun ja..
Auch in Kolumbien wird Antibiotika von Patienten verwendet, ... leider kann man es frei in Drogerien kaufen ... somit gehoert Kolumbien mit zu diesem Weltweiten Problem.

Benutzeravatar

Karibikotto
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Beiträge: 396
Registriert: 24.07.2010

Krankenhäuser und Gesundheitswesen

Beitrag von Karibikotto » 8. Jun 2019, 21:41

@John Extra

in Kolumbien kannst du Antibiotika, Anti Baby Pille bis hin zu Diazepam in vielen Apotheken frei kaufen.

Deshalb ist doch das Gesundheitswesen nicht schlecht, das Gesundheitswesen oder besser gesagt das Gesundheitssystem ist einfach nur unter aller Sau. Leute sterben weil die Versicherungen nicht zahlen. Ärzte bekommen kein Gehalt weil die IPS es nicht zahlen kann ... findest du das gut? Oder willst du das einfach nur nicht sehen? Fehldiagnosen bei Kassenpatienten sind an der Tagesordnung! Das die Ärzte wenig verdienen ist keine Entschuldigung!

Ich war in Kolumbien und habe dort gelebt und heute wieder in Deutschland sage ich, Gott sei Dank sind wir, meine Frau und ich nicht dort geblieben. Kolumbien ist ein schönes Land aber um dort ständig zu leben ist das nichts für uns! Wir sind schon älter und brauchen hin- und wieder gute ärztliche Betreuung.

Ein Onkel meiner Frau hat seit Jahren starke Schmerzen, die Ärzte meinten er simuliert, die nahe Familie glaubte denen das. Heute ist der 92jährige Mann im Endstadium mit Krebs. Was sind denn das für Ärzte? Wie andere hier im Forum schon sagten, ein Menschenleben ist in Kolumbien ohne Wert!


axko
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Beiträge: 235
Registriert: 15.10.2013

Krankenhäuser und Gesundheitswesen

Beitrag von axko » 8. Jun 2019, 22:13

Bei allen Respekt...meine Erfahrung in DE war, dass man ohne ausreichende Sprachkenntnisse in einer slawischen Sprache die Ärzte nicht oder kaum versteht. Die meisten deutschen Ärzte sowie die qualifizierten Krankenschwestern, sind entweder in der Schweiz, GB,IRE, oder in Schweden, wegen besserer Arbeitsbedingungen! Auch in Europa wird in einem Patienten mit 92 nicht mehr viel "investiert", denke dort ist man genauso "verloren" wie hier. Gehe mal in DE aufs Land und schau mal wieviel Landärzte noch praktizieren und wieviele kleine Krankenhäuser es noch gibt. Denke die medizinische Grundversorgung wird mehr und mehr ein weltweites Problem. Das ist nicht nur in den Entwicklungsländern so, denn wie war es in Griechenland als dort die Finanzkrise am heftigsten war? Es wurde zur Bedingung gemacht, dass die öffentlichen Ausgaben auch für das Gesundheitswesen gekürzt werden müssen, ansonsten hätte es keine neue Kredite gegeben! Denke das solche Daumenschrauben nicht nur in Europa angewendet werden. Der Wert des kleine Mannes oder der Frau liest sich im Bruttosozialprodukt, das Wort Menschenleben existiert nicht in solchen Statistiken. So isch das Läbe.

:son: