PETRO ist weg

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Renato
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PETRO ist weg

Beitrag von Renato » 10. Dez 2013, 19:14

Eine Frechheit. Der Procurador (so etwas wie ein übermächtiger Staatsanwalt) hat Petro als Bürgermeister abgesetzt. Wegen irgend einer fadenscheiniger Begründung mit seinem Vorgehen in der Änderung des Systems der Abfalleinsammlung. Dieses System war von einter Mafia beherrscht, welche damit viel Geld verdiente. Er wollte, dass dies von der Stadt-Administration ausgeführt wird, also weg von privaten. Am Anfang hatte er Mühe, heute funktioniert das System besser als zuvor.

Meiner Meinung nach eine skandalöse Entscheidung, er wurde dazu noch für 15 Jahren von allen öffentlichen Ämter gesperrt. Laut Umfrage finden 19% die Entscheidung gut, 81% sind dagegen. Gestern war eine erste grosse Demonstration auf der Plaza Bolivar, wo Petro auch gesprochen hat. Er kann dagegen rekurieren, nur sehe ich wenig Chancen, den es gibt keine andere Stelle als die Procuradoria selbst, also die Stelle, die ihn bereits vom Amt enthoben hat.

Problematischer sehe ich, dass ein Prokurador, welcher von den 92 superreichen Senatoren gewählt wird, einfach den Wunsch der Bogotanos, welche Petro klar gewählt haben mit solch einer fadenscheiniger Begründung, töten. Eine grosse Zahl Bogotanos steht hinter Petro. Da bin ich sicher.

Uribe ist in unzählige Skandale verstrickt, sein Ex-Sicherheitsmann sitzt in der USA im Knast, hat gestanden, in Drogenhandel verwickelt zu sein, jetzt der Skandal mit der Ehefrau von Uribe die Mehrheitsaktionärin ist bei einer EPS. Dann seine Kinder, die einfach abgehauen sind nach einem Immobillien-Betrug und die Liste könnte stundenlang weiter gehen. Er darf oder dürfte weiterhin Senator werden.

Ich denke, gestern hat die Oligarchie Kolumbiens Ihre Zähne gezeigt und klar gemacht, dass der Volkswille (Wahlergebnisse) hier nicht respektiert wird, wird des dem reichen Pöbel zu bunt, kommt kurzerhand so eine Figur wie der Procurador Ordoñez, und sorgt fuer Ordnung.

Ein trauriger Tag fuer Kolumbien.


FreeLibertarian
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Beitrag von FreeLibertarian » 10. Dez 2013, 19:46

Wie in zweiter Instanz entschieden wird, da wage ich mal keine Prognose. Aber nur eins: Der Generalstaatsanwalt hat diese Macht und nutzt Sie täglich bei Amtsmissbrauch von Bürgermeistern.

Zitat: "Despite Petro’s claim, Article 278 of the Colombian Constitution gives the Inspector General the ability to charge a public official who manifestly violates the Constitution or the law.

In his first term, Inspector General Alejandro Ordoñez sanctioned 828 mayors, 622 councilors and 49 governors, according to Colombia’s Semana newspaper. This means on average each week he dismissed four mayors across Colombia."

Quelle: http://colombiareports.co/dumped-mayor-petro/

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Renato
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Beitrag von Renato » 10. Dez 2013, 20:13

Wo genau soll Petro seine Macht missbraucht haben?
Petro wird wohl keine Chance mehr haben. Nur geht es hier um viel mehr, denn Petro wurde von der linken als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt.
Es ist also nur die kleine Strafe, dass er nicht mehr Bürgermeister ist, die grosse Strafe ist es, dass er 15 Jahre keine öffentlichen Ämter mehr ausüben darf.
Man muss sich das mal vorstellen, der vorherige Bürgermeister, Samuel Petro, welcher auch abgesetzt wurde und seit da im Gefängnis sitzt, ihm wurde nur auferlegt,
dass er 6 Monate keine öffentlichen Ämter mehr ausführen darf, obwohl er wohl die Schlüsselfigur in einem der grössten Korruptionsskandale Kolumbiens war, welcher
zahlreiche Unternehmer und Politiker ins Gefängnis gebracht hat.

Ich bleibe dabei, das gestern war ein Schlag der kolumbianischen Oligarchie gegen Petro, der grossen Rückhalt in der einfachen, armen Bevölkerung geniesst.

Heute gehen die Demonstrationen weiter. Viele Leute haben auf der Plaza Bolivar übernachtet.

ÜBRIGENS: Petros Mandat dauert noch 1.8 Jahre. Offenbar hat sich als Nachfolger bereits PACHO SANTOS, der Cousin vom Präsidenten und der Uribe Ziehsohn ins Gespräch gebracht.

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Beitrag von Kamachi » 10. Dez 2013, 21:05

MoinMoin,
danke, Renato. Möchte Dir nur zustimmen. Ein Schlag gegen die demokratischen Aktivisten innerhalb einer bestehenden Plutokratie.
Saludos, Willi

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Beitrag von Renato » 10. Dez 2013, 23:05

Hier der Diskurs von Petro:

semana.com//nacion/articulo/gustavo-petro-habla-tras-su-destitucion/367727-3

Ich war gestern auch auf der Plaza Bolivar bis um ca. 20:00 Uhr. Er hat gesprochen, die Meute ihm zugejubelt. Es war eindruecklich, friedlich,
wie ein Volksfest.

Offenbar hat sich die UNO eingeschaltet und verlangt ein Gespraech mit dem Procurador.
Hoert Euch die Rede an. Sehr gut. Ueberall wurden uebrigens Gay- Flaggen geschwungen, er ist bei der LGBT Community sehr beliebt.

Ich finde es eine Frechheit, sollte er tatsaechlich auf diese Art und Weise weggemacht werden.

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Beitrag von Renato » 10. Dez 2013, 23:22

So, und schon weiss man wer das ganze eingefaedelt hat. Ex Praesident URIBE, der Minister LONDOÑO (welcher ja 2012 mit einer Bombe angegriffen wurde) haben sich offenbar mit dem Procurador gesprochen und bereits die Nachfolge geregelt. Interessanter Artikel:

las2orillas.co/se-habria-fraguado-plan-para-la-destitucion-de-gustavo-petro/

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Beitrag von Ernesto » 11. Dez 2013, 03:11

Gerade gelesen, ist es nicht schlimmer das der Präsident der USA niemand mehr die Hand geben darf? Abgesehen davon ist PETRO für mich ein Krimineller und solche Leute haben nichts in der Politik zu suchen. (M 19)


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Beitrag von Ses23 » 11. Dez 2013, 05:05

@Ernesto: Kannst du kurz ausführen, was diesen Petro für dich zu einem Kriminellen macht? Ich kenne ihn leider nur aus dem aktuellen Fall und da sehe ich ihn in der Opferrolle. Kennst du ein paar Geschichten aus seiner Vergangenheit?
Interessiert mich gerade. :-)
Viele Grüße aus dem kalten Alemania.

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Beitrag von Kamachi » 11. Dez 2013, 13:51

MoinMoin :-)
Ses 23, Ernesto spielt sicherlich auf die Zeit Petros bei der Guerillaeinheit M- 19 an. Aber das liegt rund 30 Jahre zrück und wenn Kriminalität daran gemessen wird, wäre das Land weitgehend ohne Führung. Du hast hier wenige linksgerichtete, aber viele rechtsorientierte Politiker und / Parapolitiker. Und deren Zugehörigkeiten zu rechten Gruppen sind dann ebenso als kriminell zu werten.
Saludos, Willi

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Beitrag von Kamachi » 11. Dez 2013, 15:06

MoinMoin - noch eine Ergänzung aus den Google News:

"Bürgermeister mit Vergangenheit
Petro haftet die Bezeichnung Exguerillero an. Tatsächlich hatte er sich in den 1980er Jahren dem linken Flügel des Movimiento 19 de Abril, kurz M-19 angeschlossen.

--> taz.de/Bogots-linker-Buergermeister-abgesetzt/!129134

Saludos, Willi


Moderation: Zitat gekürzt und Quelle angegeben! Die TAZ mahnt gerne ab bei Verstößen gegen das Urheberrecht und dies wollen wir vermeiden. Oswaldo

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Beitrag von Ernesto » 11. Dez 2013, 16:10

@Ses23

Gustavo Petro ist ehemaliges Mitglied der Guerilla-Organisation Movimiento 19 de Abril (M-19). Er hat Aufträge zum Töten gegeben und selbst getötet. Solche Leute haben in der Politik nichts zu suchen!

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Beitrag von Renato » 11. Dez 2013, 16:18

Er war meines Wissens kein Kaempfer sondern mehr ein Stratege. Wenn Du so denkst, waere die halbe Regierung im Knast. Ist sie ja auch, ueber 60 Politiker wegen Kontakten zur Mafia und vor allem zu Paramilitaers sitzen ein. Ausserdem wusste der Procurador und alle die ihn gewaehlt haben, vor der Wahl, von Petros Vergangenheit. Ausserdem war Petro ein Senator, und dass offenbar aeusserst erfolgreich, er wurde mit sehr vielen Stimmen gewaehlt. Deine Argumente zaehlen also nicht. Da sie schon vor der Wahl etc. bekannt waren.
Ich denke, Du solltest das lassen, denn der Fall ist andersweitig spannend. Und er wurde ja nicht deswegen gefeuert, sondern wegen Unregelmaessigkeiten bei der Beseitung des Abfallwesens. Lass uns ueber neue Fakten diskutieren.

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Beitrag von Ernesto » 11. Dez 2013, 17:02

Einverstanden Renato. Trotzdem passt es wieder! Einmal Verbrecher immer Verbrecher!

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Beitrag von Renato » 11. Dez 2013, 17:34

Neuer interessanter Artikel

--> elespectador.com/noticias/temadeldia/el-caos-de-basuras-fue-premeditado-articulo-463430

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Beitrag von Ernesto » 11. Dez 2013, 18:35

Hier etwas in Deutscher Sprache zum Thema:

“Petro wurde entlassen und kann für die nächsten 15 Jahre dieses Amt nicht mehr ausführen”, so Ordóñez während einer Pressekonferenz. Ebenfalls stellte der Bürgerbeauftragte fest, dass der ehemalige Bürgermeister (Amtsantritt am 1. Januar 2012) Schaden an öffentlichem Eigentum verursacht ...

--> latina-press.com/news/168748-kolumbien-buergermeister-von-bogota-wegen-unfaehigkeit-entlassen