Diskussion zu den Friedensgesprächen

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Renato
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Beitrag von Renato » 20. Okt 2012, 02:10

Die kolumbianische Regierung und die FARC oder besser gesagt Delegierte beider Parteien befinden sich momentan in Norwegen und verhandeln.
Denkt Ihr, es kommt etwas dabei raus? Die FARC wurde militärisch stark zurück gedrängt aber ist noch lange nicht besiegt und wohl auch nicht ganz
zu besiegen. Zu kompliziert ist die Topographie Kolumbiens, welche stets Rückzugsgebiete offeriert.

Ich habe mir jetzt einmal den Eröffnungsdiskurs von Ivan Marquez angehört, hier:

[ytubehd]http://www.youtube.com/watch?v=oPXQXKhQZ7g[/ytubehd]

Was er sagt, ist grundsätzlich korrekt. Sprich dass Kolumbien eines der am ungleich verteiltesten Länder der Welt ist, genauer gesagt das dritte (welches sind die beiden ersten?). Dass ein Grossteil der Fläche/Länder an Multinationale Firmen abgetreten wurde, welche die Bodenressourcen schonungslos abbauen und Schaden anrichten. Hier hat er schon Recht. Doch erwähnt er mit keinem Wort, dass die FARC für viele Unschuldige Tote verantwortlich ist und im Drogenhandel mitmischt. Wie will er das regeln? Klar muss die Farc von Ihren Positionen zurückweichen, sonst wird das nichts mit einer Übereinkunft. Nur kritisiert er ja bereits das von der Santos Regierung eingeführte Gesetz zur gerechteren Verteilung der Ländereien als Farce.

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Ernesto
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Beitrag von Ernesto » 21. Okt 2012, 05:53

Ist doch nur ein Spiel? Präsident und Guerillaführer wollen den Nobelpreis ergaunern. Wenn ich das lese "Fünf Soldaten in Kolumbien bei Kämpfen mit FARC getötet" stehen mir die Haare zu Berge. 5 unschuldige Soldaten die Kinder und Familien haben wurden ermordet. Leute, BITTE lest das und bitte sagt was!


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Beitrag von irrsinnde » 21. Okt 2012, 11:24

@Ernesto
Wie sehen denn deine Vorschläge zum Frieden in Kolumbien aus? Wärst du in der Situation der Regierung, was würdest du tun um Frieden zu schaffen?

Ich bin keine begnadete Friedensstifterin aber Reden halte ich schon mal für einen guten Anfang. Natürlich hören die Kämpfe nicht sofort mit Aufnahme der Gespräche auf. Ich vermute, dass die FARC auch nicht ausschließlich mit einer Stimme spricht. Es müssen also die einzelnen Gruppen überzeugt werden Ruhe zu bewahren. Eine schwierige Sache, da Wichtigtuer hoffen könnten durch weitere Anschläge ihren Wert zu steigern. Aber Reden ist der Anfang und die Hoffnung auf Frieden.
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Beitrag von Ernesto » 21. Okt 2012, 17:35

Wenn ich Präsident wäre, dann würde ich so weitermachen wie Uribe. Dickes Geld, Waffen und Ausbildung aus den USA beziehen, hin- und wieder mal einen lästigen Zivilisten in Uniform strecken und als Opfer präsentieren.

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Beitrag von ColombiaOnline » 24. Okt 2012, 14:17

Die FARC ist schon seit langem keine klassische Guerilla mehr. Es ist eine kriminelle Bande die sich hinter dem Decknahmen Guerilla versteckt und im organisierten Verbrechen tätig ist. Mal hier und da ein kleines Attentat soll nur von den Drogengeschäften ablenken. Schon die Holländerin Tanja hat das vor Jahren erkannt und in ihrem Tagebuch festgehalten. Mit Ausnahme von ganz wenigen gehört der Rest lebenslang hinter Gitter. Auch ist es ein Witz, das die bestens ausgebildete Kolumbianische Armee mit Unterstürzung der USA diese kleine Gruppe nicht in einem organisierten Feldzug ausser Gefecht setzt. Hier gibt es andere Hintergründe.
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Beitrag von irrsinnde » 24. Okt 2012, 19:40

Willst du damit sagen, dass ein bisschen Guerrillas in Ordnung ist? Wie weit dürfen diese Partisanen dann gehen? Wem gestehst du zu, sich außerhalb des Gesetzes zu stellen? Jedem, der mit der gegenwärtigen Politik nicht einverstanden ist? Darf man dann so lange anti sein bis alle Wünsche erfüllt sind? Oder eine zeitliche Begrenzung? Wie sollen sich die Freischärler finanzieren? Soll es also ein Recht auf bewaffnete Gegenpolitik geben?

Wer sich gegen geltendes Recht stellt handelt illegal - egal ob nur ein bisschen oder viel. Mir ist sehr wohl bewusst, dass es einfacher zu sein scheint mit Gewalt Tatsachen zu schaffen aber stimmt das wirklich? Ich bezweifele das.
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Beitrag von ColombiaOnline » 25. Okt 2012, 15:21

Liebe irrsinnde hast du wirklich nicht verstanden was ich sagen will? Gehen die Friedensverhandlungen positiv aus, dann kommt keiner hinter Gitter, denn alle bekommen ein neues Leben. Ist es das was du willst?
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Beitrag von Eisbaer » 25. Okt 2012, 22:26

Passend zum Thema möchte ich dieses Video in spanischer Sprache bringen.

Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Erlaubnis von: razonpublica.com

La tierra en las negociaciones de paz
[ytubehd]http://www.youtube.com/watch?v=YJvS9oR5FKY[/ytubehd]
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Beitrag von Kamachi » 29. Okt 2012, 19:44

Ich hoffe von Herzen, daß die Guerilla zwar die Gewaltbereitschaft einschränken,aber KEINESFALLS ihre Ziele aufgeben.Es ist so schon besch.... Stellt euch mal vor, die Guerilla packen ein und die anderen kontrollieren das Land, wie es in weiten Teilen schon geschieht? Siehe Region Caribe...DAS wäre eine echte Katastrophe. Also, bitte nicht den Kampf im Sinne eurer ursprünglichen Idee einstellen. Saludos, Willi


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Beitrag von Dolfi » 30. Okt 2012, 11:21

Es gab ja schon mal den Fall der M19. Als die ihre Waffen abgegeben hatten, um nur noch politisch zu arbeiten, wurden sie einfach von Sicarios ermordet. Ich denke das wirkt nach.


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Beitrag von Ramiro / Hermannus » 30. Okt 2012, 13:36

Einer schrieb dass es andere Hintergruende gaebe warum die Guerilla trotz Unterstuetzung modernster militaerischer Ausruestung noch immer nicht besiegt werden konnte, ........da ist er nicht alleine mit dieser Vermutung.
Es gibt in diesen Land viele kriminelle Gruppen und die viele von Ihnen sind aus den (offiziell) demilitarisierten und entwaffneten Paras entstanden (Rastrojos, Urabenos,....) , diese Moerderbanden arbeiten auch nach System wie die Mafia und haben sich laengst riesige Laendereien gekauft oder einfach durch Mord und Vertreibung erschliechen um Ihre aus Drogengeldern erwirtschaftetes Vermoegen anzulegen. Ich kenne selbst in ein grosses Einkaufszentrum das den neulich in Venezuela verhafteten "loco Barrera" gehoert und von bekannten Geschaeftsleuten und Politikern als Strohmaennern gefuehrt wird, mal sehen was da noch alles kommt den allein ich kenne noch neue Gebaeude die einfach in suendteure Etrato 6 Gegenden in die gruene Wiese gesetzt wurden , teilweise ohne richtige Zu- und Abfahrtswege und seit Jahren leerstehend , offensichtlich als Geldanlage gebaut und jeder Taxifahrer tuschelt darueber.
Ein ex-President hetzt ja schon seit geraumer Zeit gegen die Friedensverhandlungen und es ist kaum vorstellbar dass sich gewisse Kreise der in den Verhandlungen einen Schwerpunktbildenden Landreform so einfach unterordnen, es gab und gibt ja schon seit bekanntwerden ebendieser Vorhaben der Regierung Drohungen von bewaffneten Gruppen .
Ich kenne selbst eine Familie die mehrere Tote durch die Paras zu beklagen hat und die trauen sich bis heute nicht zurueck weil auch im Osten des Landes noch Gegenden und Doerfer allein von diesen Banditen beherscht werden.
Friedensverhandlungen klingt ja gut aber Kolumbien steht noch einiges bevor, da kann man nur hoffen das nicht noch mexikanische Verhaeltnisse Einzug halten .


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Beitrag von irrsinnde » 30. Okt 2012, 13:54

@colombiaonline
Wenn die Friedensverhandlungen nur durch eine allgemeine Amnestie positiv beendet werden können, dann befürworte ich diese Amnestie. Denn ganz ehrlich, ich glaube einfach nicht, dass die schlimmsten Verbrecher bestraft werden. Meist sind es die Kleinen, denn die Großen haben mittlerweile soviel Geld, dass sie sich aus dem Staub machen können oder sich einfach zur Ruhe setzen. Oder beenden diese Friedensverhandlungen auch die Korruption?

Aber auch ich erkenne, dass es sehr schwer werden wird aus Kolumbien ein demokratisches Land zu machen. Jedoch würden die einfachen Leute es doch schon vorziehen, wenn sie in Ruhe leben könnten ohne ständige Bedrohung von links oder rechts, oben oder unten, wenn sie in Würde leben können. Dann ist es normalerweise dem Volk egal wer regiert. Früher gabe es mal ein Sprichwort, klang so ähnlich wie: Ein sattes Volk macht keinen Krieg.
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Beitrag von hoffnung_2013 » 30. Okt 2012, 14:54

Ich bin auch für eine Amnestie, weil es sich wahrscheinlich sowieso kaum nachweisen läßt, wer, wann, was, wo gemacht hat.
Allerdings müßten die Landvertriebenen Ihr Land wieder zurückbekommen.

Persönlich glaube ich allerdings nicht, dass es zu einem Friedensvertrag kommt :cry:
Gruß
P.

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Beitrag von ColombiaOnline » 31. Okt 2012, 19:33

Nach etwas Nachdenken könnte ich mich mit der Idee von Kamachi anfreunden, denn das politische Gleichgewicht insofern man das so ausdrücken kann käme durch eine Amnestie in Gefahr. NUR, wird die Guerilla niemals von ihren kriminellen Handlungen abweichen, denn dafür sind die schon viel zu tief verstrickt.
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