[Diskussion] In Kolumbien nimmt die Gewalt zu

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ColombiaOnline
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[Diskussion] In Kolumbien nimmt die Gewalt zu

Beitrag von ColombiaOnline » 16. Nov 2012, 23:07

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Kann FreeLibertarian nur zustimmen. Ernesto drückt sich manchmal unglücklich aus, jedoch was gibt es schöneres für einen Dieb als eine offene Tür?
„Wer fragt, ist ein Narr für eine Minute. Wer nicht fragt, ist ein Narr sein Leben lang.“


puravidasuiza
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[Diskussion] In Kolumbien nimmt die Gewalt zu

Beitrag von puravidasuiza » 17. Nov 2012, 08:37

Ich wollte eigentlich nur am obigen Beispiel und anhand von Meinungen meiner Familie erklären das allg. die Gewaltbereitschaft grösser ist als früher.Logisch hätte das auch früher passieren können.Ich weiss nicht wo ihr wohnt aber in Cartagena bei der Hitze ist es üblich das die Türen tagsüber offen sind und Hinz und Kunz rein kann.Meine Familie wohnt in verschiedenen Barrios und wenn ich da zu Besuch bin schliesst niemand seine Türe ab.
Pura Vida Colombia!!!


klassiker
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[Diskussion] In Kolumbien nimmt die Gewalt zu

Beitrag von klassiker » 17. Nov 2012, 14:21

Mein Bekannter in Kolumbien wurde vor ein paar Wochen überfallen, verprügelt und ausgeraubt. Er büßte sein geliebtes Blackberry ein. Wenig später dann ein Einbruch in der Wohnung, bei dem das Notebook und andere wertvolle Gegenstände gestohlen wurden. Er hat das alles eher beiläufig erwähnt, so als wäre das keine große Sache. Deshalb meine Frage, ob diese Kriminalität schon als Normalzustand empfunden wird. Wer nichts anderes kennt, nimmt es dann wohl als gegeben hin.

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[Diskussion] In Kolumbien nimmt die Gewalt zu

Beitrag von padrino » 17. Nov 2012, 19:28

Hallo zusammen

Interessantes Thema. Also dass in Cartagena alle die Türe offen lassen kann ich so nicht bestätigen, bzw. bei meiner Novia (Distrito 3) waren die Türen immer zu, auch bei deren Verwandten hab ich nie offene Türen angetroffen...doch das ist ja nicht das Thema...

Beim Carneval letzte Woche sind sehr viele Leute ermordet worden, in Barrios, auf den Strassen, die Leute merken das auch, werden vorsichtiger, trotzdem verspüre ich noch keine "grosse Angst"... also ich kann nur für die Familie meiner Novia sprechen... ich denke es kommt immer auch darauf an, wieviel "Reichtum" eine Familie besitzt.

In einem Barrio kennt man sich, die Leute beobachten, das ist aber nichts neues... nur sind halt "etwas besser" gestellt in einem Barrio anfälliger auf Überfälle, das war so und bleibt so.

Meine Novia sieht man nie auf der Strasse mit Handy oder sonstigen Wertgegenständen, solche sachen werden erst gar nicht mitgeschleppt, sondern bleiben zu hause.

Saludos
Padrino
el sucio de mi carro vale mas que tu carro...hahaaaaaa prrrrrrrrrrrraaaa Arcangeeeeeeeeeeel

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[Diskussion] In Kolumbien nimmt die Gewalt zu

Beitrag von Cartagenera » 18. Nov 2012, 15:19

Bin im Barrio Manga von Cartagena aufgewachsen. Dort sind immer alle Türen verschlossen und es ist ein sehr ruhiges Barrio. Einmal wurde ein Blumentopf gestohlen. Tschüss

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[Diskussion] In Kolumbien nimmt die Gewalt zu

Beitrag von Kamachi » 18. Nov 2012, 16:41

Moin,
ich empfinde die Entwicklung derzeit als erschreckend.In und um Santa Marta bis Palomino werden jeden Tag mehrere Menschen getötet.Schutzgeld etc.Selbst Taganga ist nicht verschont davon.Die rechtsfaschistische Gewalt schreckt hier vor nichts zurück.Aber auch die Diebstähle,Raub etc., also Delikte,die nichts mit bewaffneten Gruppen zu tun haben, nehmen zu.Ich bin kein Mensch der ein leichtes Opfer darstellt.Vor ein paar Tagen wollte mich ein kleiner Junge ernsthaft überfallen.Ohne wirklich Waffen.Nur mit einem Stein.Der war vielleicht 10 Jahre alt.In den Augen dieser Kinder siehst Du nur puren Hass.Das ist für mich das erschreckendsteWie viel Verzweiflung,gepaart mit Bazooka ist dazu nötig?.Beim Schnorcheln bedrohte mich ein Junge, vielleicht 14, mit einem Messer an, weil er meine Halskette wollte - Hallo??? Das ist nicht schön.Die Region Karibik geht diesbezüglich vor die Hunde. Saludos, Willi.


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[Diskussion] In Kolumbien nimmt die Gewalt zu

Beitrag von Ramiro / Hermannus » 19. Nov 2012, 16:00

Dieser Wahnsinn hoert nicht auf, dieses Wochenende wieder sieben Tote in einer relativ kleinen Stadt, auch die Farc bombt und erpresst munter weiter .....

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Ernesto
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Beitrag von Ernesto » 21. Nov 2012, 19:42

Das war schon immer so und wird auch noch eine lange Zeit so bleiben.

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Beitrag von Kamachi » 21. Nov 2012, 22:45

Das stimmt, Ernesto.keine Sete oder bewaffnete Gruppe hat ein Interesse daran,daß es aufhört.Am wenigsten die Regierungsseite. Saludos, Willi


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[Diskussion] In Kolumbien nimmt die Gewalt zu

Beitrag von Ramiro / Hermannus » 22. Nov 2012, 01:50

@Kamachi
Kannst du ein bisschen erlaeutern warum die Regierungsseite keine Veraenderungen wollen sollte ?

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[Diskussion] In Kolumbien nimmt die Gewalt zu

Beitrag von Ernesto » 22. Nov 2012, 21:20

Mal schnell aus einem Pakt austreten und schon wandeln sich die Gesetze wie Santos sie braucht. Daher wird es keine Veränderungen geben.

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Beitrag von ColombiaOnline » 23. Nov 2012, 16:49

@Kamachi & @Ernesto

könnt ihr das was ihr sagen wollt, etwas verständlicher ausdrücken, so das daraus vielleicht doch noch eine Diskussion wird?
„Wer fragt, ist ein Narr für eine Minute. Wer nicht fragt, ist ein Narr sein Leben lang.“

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Beitrag von Kamachi » 23. Nov 2012, 17:50

MoinMoin,
ich bin der Meinung,daß sich die Regierung aus mehreren Gründen keinen Frieden leisten kann.
Kolumbien hat - nicht entsprechend der offiziellen Statistik - eine hohe Arbeitslosigkeit und ein niedriges pro Kopf - Einkommen.
Würden z.B. die Guerilla die Waffen niederlegen, gäbe es weniger Verbrechen von Seiten der Zivilbevölkerung, könnte der von Uribe massiv verstärkte Polizei - Armeeapparat sich und seine Ausgaben nicht mehr rechtfertigen.Das wiederum heisst,dass die Autoritäten und Soldaten reduziert würden und die Arbeitslosigkeit steigt.
Ein anderes Problem sind die Zuschüsse aus den USA, angeblich um Frieden ins Land zu bringen.Die würden wegfallen.
Kolumbien ist sicherlich am Image des friedlichen Landes interessiert,aber nicht daran, es tatsächlich zu schaffen.
Parapolitiker und Paramilitärs brauchen ebenfalls die Guerilla, um sich vor dem Ausland und auch innerhalb Kolumbiens offiziell zu rechtfertigen.Denn hier zielt ja auch alles in Richtung Guerillabekämpfung ab.Armes Kolumbien, wenn die Paracos das Land unter sich aufteilen.Das wäre sicherlich eine mögliche Folge,sollte die Gewalt abnehmen - oder die Guerilla die Waffen niederlegen.
Saludos, Willi


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Beitrag von Ramiro / Hermannus » 23. Nov 2012, 21:44

Eins ist klar , die Paras haben sich schon sehr sehr viel Land unter den Nagel gerissen und sind ueber Strohmaenner schon laengst mit Riesensummen ins legale Geschaeft eingestiegen , ich gehe selbst in ein neues Einkauftszentrum das den loco Barrera gehoert, seit ein paar Wochen ist es ploetzlich still geworden um seine Strohmaenner , alles renomierte Geschaeftsleute und auch Politiker wie man hoerte denn es sind auch schon Namen gefallen.
Das allein schon gibt einen kleinen Einblick in die Verflechtungen zwischen Politik,Wirtschaft und der organisierten Kriminalitaet in Kolumbien und dieses Beispiel ist wahrscheinlich ein Musterbeispiel fuer ganz Kolumbien.
Wir wissen ja nur das was aufgedeckt wird aber wenn man da richtig nachforschen wuerde ........

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Beitrag von Kamachi » 24. Nov 2012, 00:29

Moin Ramiro.Ja,das ist der Punkt.Es gibt ein sehr gutes Buch.Leider weiss ich den Autor nicht mehr. Norbert ... Es heisst: Colombia,the fault state. Ist auf Deutsch erschienen - gleicher Titel.Das lohnt sich.Der Autor hat hier Jahre recherchiert,bevor er den Wälzer geschrieben hat.Ist von 2011 oder 2012.
Saludos, Willi

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Beitrag von ColombiaOnline » 24. Nov 2012, 03:19

Danke für diesen Buchtipp. Werde ich mir zulegen. Kostet keine 10 Euro. Hier die Beschreibung:
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Kolumbien ist ein Staat an den Grenzen des Zusammenbruchs. Nicht nur Gewalt und Kriminalität bestimmen den Alltag sondern auch die Korruption der Politik. Das Land ist in den Händen einiger, weniger Familien, die kein Interesse daran haben, dass sich die kolumbianischen Verhältnisse verändern. Lesen Sie nach, warum das so ist und warum es kein Ende des fast schon 50-jährigen Bürgerkriegs geben wird. Dabei könnte Kolumbien eins der letzten Paradiese der Erde sein und hat ausserdem das Potential einer der Weltlieferanten für Nahrungsmittel zu sein. Wieso das nicht so ist und warum auch kein Tourismus im Land gewollt ist, erfahren Sie in diesem Buch.
„Wer fragt, ist ein Narr für eine Minute. Wer nicht fragt, ist ein Narr sein Leben lang.“