Blines Reisebericht - Erste Kolumbienreise Juli 2013

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Wanderer
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Blines Reisebericht - Erste Kolumbienreise Juli 2013

Beitrag von Wanderer » 13. Aug 2013, 00:39

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Sehr gut. Vielen Dank.

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walterdealemania
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Beitrag von walterdealemania » 13. Aug 2013, 01:25

...schööön!! :klat:

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Kamachi
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Blines Reisebericht - Erste Kolumbienreise Juli 2013

Beitrag von Kamachi » 14. Aug 2013, 22:37

Liebe Bline,
Du schreibst herrlich :-)
Bitte verzeih,dass ich bisher nicht in Whatsapp antworten konnte. Bin vor 10 Minuten aus der Guajira gekommen.Da habe ich mit Tigo keinen Empfang.Melde mich heute Abend,saludos, Willi

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Beitrag von Bline » 15. Aug 2013, 01:40

heute Abend lach....hier ist Nacht und ich bin seit eben in der Waagerechten, nachdem meine Freundinnen gegangen sind. Bei euch ist´s gerade dunkel geworden :) vermisse euch und würd jetzt gern ne Pizza mi euch essen gehen und quatschen. Keine Sorge, ich schreibe weiter.

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Kamachi
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Beitrag von Kamachi » 15. Aug 2013, 02:23

Ups..da siehst Du mal wie müde ich bin.Dann morgen :-)
Liebe Grüße, Willi.

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Beitrag von Bline » 15. Aug 2013, 08:46

Am nächsten Morgen wurden wir wieder mit dem Taxi abgeholt und zum Amazonico Themenpark kutschiert. Mit etwas mulmigen Gefühl betrachtete ich die Schuhe der anderen, die im Gegensatz zu meinen Flipflops geschlossen und knöchelhoch waren. Ich hatte es ja nicht anders gewollt…aber es war auch nicht schlimm. Vier geführte Pfade sind zu begehen: einer mit Blumen und speziellen Pflanzen, einer mit Heil- und Würzkräutern, einer mit Früchten der Region und ein sogenanntes Aquarium, in welchem wir Schlangen zu sehen und dazu Informationen bekamen. Auch konnten wir Schlangen anfassen. Das ist mir nicht neu, aber die Tafel mit den fotodokumentierten Verläufen der Bissverletzungen war beeindruckend. Der Biologe, der diese Abteilung leitete, hatte viel zu sagen, aber hier gab es wieder eine Grenze, denn es war einfach zu viel, alles zu übersetzen. Die anderen Pfade waren für mich in erster Linie wunderschön! Ich übte mich im Fotografieren und hatte auf automatische Erfassung der Szenerie geschaltet. Das Ergebnis sind dann Fotos, bei denen ein ganz bestimmter Stängel irgendwo mittendrin gestochen scharf ist. Das macht aber gar nichts, ich kann mich noch gut an die im Vordergrund befindliche Orchidee erinnern. Das ist auch viel mehr als ein Foto ;D
Scharf geworden sind die hiesigen Toilettenfotos: 3 Kabinen mit je einem Jutevorhang als Tür und richtigen Toiletten dahinter standen uns zur Verfügung.
Ich habe mich einfach treiben lassen und das satte Grün, die Geräusche und Düfte eingesogen und genossen. Früher gehörte das Gelände einem Kuhbauern, und alles war abgeholzt. Aber heute ist halt alles wieder angepflanzt und grün, mit wertvollen geschützten Pflanzen. Der Besitzer setzt sich für deren Erhalt ein, der Ökotourismus ist eine wichtige Einnahmequelle, weil ja in dieser Region auch nichts angebaut werden kann und der Wald nicht berührt werden darf. Es ist hier buchstäblich gegen alles ein Kraut gewachsen, welches gegen was habe ich natürlich nicht alles erfahren, wegen der sprachlichen Barriere. Juan und ich haben unterschätzt, wie anstrengend das dauernde Übersetzen für ihn ist und welche Mühe das für ihn wirklich bedeutet. Auf unserem kleinen Schlenker durch ein Stückchen Wald gab es wieder allerlei Insekten zu entdecken.
Es stand weiterhin der Besuch eines Indianerdorfes an, auf dem Weg dahin gab es links und rechts das Leben der Menschen von hier zu beobachten. Man hatte uns darauf vorbereitet, dass wir die Gelegenheit haben werden, mit einem Häuptling zu sprechen. Während seiner Erzählungen sollten wir ihn nicht unterbrechen und vor allem keine Fotos machen. Ich bin sicher das hatte etwas mit Sensationssteigerung zu tun, mit Spannung im Spiel. Das Dorf hatte eine offene Wohnhütte mit freiem Innenplatz. Wir sollten uns auf eine Bank setzen, gegenüber saß der Indianerhäuptling mit weißem offenem Hemd vor seiner großen Holzschale, auf welcher allerlei Zeugs stand. Genau hinter ihm hing ein Leopardenfell an der Wand, das versprühte ein Flair von Exotik. Nachdem wir nun alle still und ehrfürchtig vor ihm saßen, begann er sich irgendein Pulver in den Mund zu stecken, seine Stimme hörte sich an als hätte er eine Wolldecke im Mund oder Staub. Dies und das nahm er ein und man konnte sehen, dass dies nicht spurlos an ihm vorrüberging. Im Laufe der Zeit wurde er immer redseliger und zog dann auch noch sein Hemd aus. Da saß dann dieser Häuptling mit freiem Oberkörper vor uns und griff zum allgemeinen Entzücken nach einer Kette mit bunten Papageienfedern, die er sich umhängte. Und nun gab es für die Fotoapparate kein Halten mehr. Diese „echte“ Sensation musste für immer festgehalten werden. Als wäre es das Wichtigste der Welt versuchte eine, das Ganze zu filmen – noch mehr verboten als Fotos – um alles nochmal zu hören. Die einmalige Philosophie der Indianer zu hören, die einmalige Gelegenheit, mit einem Häuptling zu sprechen, war grandios. Wie Paparazzi hielten alle heimlich drauf. Ich auch…..gebe ich zu. Es war halt zu schön, sich genau das einzubilden und alles andere auszuschalten. Ich habe etwas verstanden von 4 Jahreszeiten, 4 Himmelsrichtungen usw. Und die Hütten sind rund. Ich hab wirklich ganz genau zugehört, aber es war so wie es ist, ich kann noch kein spanisch. Es war aber auch kein richtiges Spanisch.
Zwischendurch habe ich mich als Schnäppchenjägerin umgesehen und Fotos vom in dieser Hütte nebenbei stattfindenden Alltagsgeschehen gemacht, und auch von den Skulpturen und Symbolen. Juan hat in sein Handy Stichwörter getippt, um später zu übersetzen, weil ich leider mein Buch zum Reinschreiben nicht mit hatte. Darüber hat sich der Indianer ein wenig lustig gemacht – dass da ein junger Mensch mit seinem Handy sitzt und tippt…tat mir auch leid. Nachdem unser Grüppchen mit dem Programm durch war und während schon die nächste kleine Schar eintrat, fragte Juan auf meine Bitte hin, ob er mich vielleicht behandeln kann. Der Indianer verneinte, denn er sei nur der Häuptling und habe nicht die Kraft und die Fähigkeiten dafür. Für sowas gäbe es den Schamanen, der brauche dafür aber eine ganze Woche. Ich war nochmal bisschen enttäuscht und überlegte ernsthaft, um eine Woche Asyl zu bitten, doch das war weder gewollt noch möglich. Dieser Papageienhäuptling war es also auch nicht. Schade, dachte ich, denn die Amazonastage gingen dem Ende zu. Ich hatte mir so sehr die Begegnung mit einem Indianerschamanen gewünscht und erhofft, und nun hatte ich keinen gefunden. So ist das mit Traum und Wirklichkeit. Aber ich habe hier einen kleinen Schatz gefunden: einen selbstgebauten Kreisel aus Holz, Band und riesigem Fruchtkern. Und in einer Ecke stand ein Junge. Ich winkte ihn mitzukommen und bat ihn wie auch immer, mir zu zeigen wie man damit spielt. Anschließend habe ich ihm das Teil zunächst noch mit gutem Gewissen abgeluchst gegen eines meiner Armbänder. Die waren ihm wahrscheinlich nicht wichtig, er meinte letztendlich „nimm es“ und ich durfte den Kreisel haben. Diese kleine Trophäe schmückt nun meinen Wohnzimmertisch und das Band sein Handgelenk. Ich habe so einiges eingetauscht mit einem Armband. Wir bedankten uns und machten den nächsten Individualreisenden Platz. Die letzte „Vorführung“ hätte ich gern gesehen, denn der Häuptling dröhnte sich so ganz langsam zu.

Fortsetzung folgt 

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Ernesto
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Blines Reisebericht - Erste Kolumbienreise Juli 2013

Beitrag von Ernesto » 15. Aug 2013, 13:48

Danke Bline. Du schreibst sehr schön. Ich freue mich immer wenn ich hier von dir lesen darf.

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Beitrag von Macondo » 15. Aug 2013, 16:07

Danke Bline, man kann sich beim Lesen alles bildlich vorstellen :app:

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Blines Reisebericht - Erste Kolumbienreise Juli 2013

Beitrag von Bline » 16. Aug 2013, 19:05

Abends im Hotel gab es wieder lecker Abendbrot, ehe wir gemütlich rausgingen, frisch geduscht und leicht bekleidet kam bei der noch immer vorhandenen Wärme gut. Für den Moment hatte Juan ein konkretes Ziel: in einem Park im Zentrum suchen Abend für Abend sämtliche Vögel einer Sorte (ich glaube Sittiche, vielleicht auch nicht) aus dem gesamten Amazonas ein Landeplätzchen für die Nacht. Der Bürgermeister der Stadt wolle angeblich ein paar Bäume fällen, um die Gäste abzuhalten, alles vollzumachen, das ließen aber die großen Proteste nicht zu. Die Sonne ging gerade in Richtung Untergang, doch es war deswegen nicht dunkel. So konnten wir die herannahenden Schwadronen und Wolken von Vögeln sehen, die in verschiedenen Höhen immer und immer wieder anflogen und schreiend über den Baumkronen flatterten. Es waren weitaus mehr als in Hitchcocks „die Vögel“ und es war so laut wie in einem Rockkonzert mit vielen Höhen, wenn man direkt vor der Box steht. Ich habe so etwas noch niemals in meinem Leben gesehen. Es waren auch mehr Vögel als im Herbst an der Nordseeküste kurz vor dem Abmarsch der Zugvögel. Dieses Naturschauspiel ist in der ganzen Welt einmalig! Riesige Schwärme nähern sich als schwarze Wolken wieder und wieder dem Park. Diese Vögel finden irgendwie ihren Platz, aber ich kann mir nicht vorstellen wie und wo. Es sind Millionen!!!! Jeder, der nach Leticia kommt, sollte sich dieses Naturschauspiel ansehen. Manche Leute sitzen auf dem Boden, manche Grüppchen bejubeln jede neue sich nähernde Wolke lauthals. Das ist wie ein riesengroßes Fest. Irgendwann aber hatten auch wir genug, zumal der Lärm doch auch anstrengend ist.
Wir schlenderten also weiter durch die Straßen, ohne Ziel und Vorhaben, kamen dann aber auf die Idee, nach Brasilien zu gehen. Die Straße entlang immer geradeaus geht es kontrollfrei ins Nachbarland, und sofort steht alles in Portugiesisch und es wird nur noch portugiesisch gesprochen. Der Lärm auf der brasilianischen Straßenhälfte ist genauso groß wie kurz davor auf der kolumbianischen Seite. Und auch hier gilt die Divise: je lauter die Musik aus meinem Laden/ meiner Bar dröhnt, umso beliebter und besser ist sie“. So dreht man sich gegenseitig hoch. Es schien im nahegelegenen brasilianischen Baumarkt Lichterketten und Flackerlampen im Angebot gegeben zu haben, denn in jeder Kneipe, jeder Disco blitzten rote, grüne und blaue Neonlämpchen im Rhythmus der Bässe.
Juan kann portugiesisch verstehen, sprechen ist da schon schwieriger. Eine Verständigung ist aber in jedem Fall gut möglich. Mit Brasilien verbanden uns unterschiedliche Phantasien: ich träumte von einem berühmten Schamanen, der dort auch tatsächlich leben sollte, und Juan wollte brasilianische Schokolade kaufen. So schlenderten Bline und Juan, Klavierlehrerin und Student, durch die Straßen und suchten einen Schokolade essenden Schamanen. Der Schokoladenladen war für meine verwöhnten Maßstäbe ganz und gar nicht spektakulär. Die Überwachungskameras in den Läden unterscheiden sich von unseren insofern, als dass die dortigen zwei Beine haben und auf kleinen Brüstungen schlendernd den Ladenraum beobachten. Weder fand ich die Schokoladen und Kekse ansprechend, noch waren sie günstig. Es geht halt nicht viel über deutsche Schokolade, und da sind wir uns wohl alle einig (von den angrenzenden Ländern Schweiz und Schweden mal abgesehen). Naja, wir konnten für Juan halbwegs zufrieden machen, er ist auch genügsam. Der Schamane blieb jedoch, wie nicht anders erwartet, unauffindbar.
Am nächsten Morgen gingen nochmal nach Brasilien. Juan hatte von einem Laden erzählt, wo man superbillig brasilianische Sandalen kaufen kann. Wir marschierten drauf los, wohl wissend, dass nicht mehr unbegrenzt Zeit blieb, um pünktlich um elf am Hotel zu sein. Dann nämlich sollte das Taxi uns abholen und zum Flughafen bringen. Also liefen wir zügigen Schrittes los, konnten den Laden aber nicht finden. Wir waren auch zu weit in brasilianisches Hoheitsgebiet vorgedrungen, um es noch pünktlich zurück zu schaffen. Leider hatte Juan auch keinen Empfang, um den Taxifahrer anzurufen. Es blieb uns nur eine einzige Möglichkeit: Motorradtaxi.  Leute, in Flipflops mit einem Helm (immerhin), den ich beinahe auf dem Kopf festhalten musste. Das ist in Deutschland absolut verpönt. Ich fahre auch sehr gern Motorrad, aber ich trage dabei einen passenden Helm und Schutzkleidung. Die Fahrer kennen sich aus und können mit dem Verkehr umgehen. Und nun kommt mal eine positive Eigenschaft von mit zum Tragen: ich kann mich nämlich gut einlassen und entspannen! Deshalb vertraute ich einfach und nahm es so gelassen hin, dass ich mit einer Hand einen kleinen Film drehte. Noch ein interessanter Unterschied zu Deutschland: in Kolumbien wird gemacht, was funktioniert. Wenn dem etwas im Weg steht, sind es äußere Umstände. In Deutschland sind es Gedanken und Moral. „Was wäre wenn…“ und „aber…“ nehmen etwas von der Spontanität, die in Kolumbien jedoch auch mal tödlich sein kann…Aber oft geht alles gut. Deshalb sitzen auch häufig mehr als zwei Personen auf den Motorrädern, Kinder auf dem Tank und Oma auf dem Gepäckträger. Und WENN etwas passiert, ist es vorher diverse Male gut gegangen und dann ist es halt so. Ich kann damit erstaunlich gut leben.
Wen es interessiert: wir haben es noch geschafft. Die Taxen haben uns bis zur Grenze gefahren, von dort aus mussten wir einen Zahn zulegen, waren aber gerade rechtzeitig.
Er mit Schokolade, ich ohne Sandalen. Das Leben teilt die ungerechten Momente nicht immer gleich auf. Diesmal hatte ich das Nachsehen, und es kostete mich nicht die Welt - zumal es das einzige Mal war 8-)
Das Taxi fuhr denselben Weg zurück, wie wir gekommen waren, und der Anblick des Flughafens machte mich für einen Moment sentimental. Ein Teil von mir wollte bleiben, der andere Teil sehnte sich nach einer Dusche und was Gutes zu essen sowie einer Abkühlung. Wir setzten uns zufrieden, neugierig und mit Vorfreude ins Flugzeug und hatten einen problemlosen Rückflug trotz der wetterbedingten Unruhen. Es ging nach Pereira, in die Kaffeezone, Teil zwei der Reise.

Fortsetzung folgt 
Zuletzt geändert von Bline am 16. Aug 2013, 19:26, insgesamt 3-mal geändert.

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Beitrag von Bline » 16. Aug 2013, 19:05

Und falls es langweilig wird, sagt Bescheid 8-)

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Beitrag von walterdealemania » 16. Aug 2013, 19:50

Ja klar, das machen wir natürlich. :lach:

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Beitrag von Macondo » 18. Aug 2013, 07:37

Ist sehr spannend, ich freue mich auf die Fortsetzung :fel:

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Beitrag von Bline » 18. Aug 2013, 12:41

Freu mich, wenn es euch gefällt. Geht weiter. Ich schreibe heute Abend (wenn bei euch Morgen ist :D)

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Beitrag von Bline » 19. Aug 2013, 11:50

Ich bitte um ein kleines bisschen Geduld. Juan ist schwer erkrankt und ich bin ein bisschen unruhig. Bin aber dabei.

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Beitrag von walterdealemania » 19. Aug 2013, 14:00

Liebe Grüße an Juan und gute Besserung.

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Beitrag von Bline » 21. Aug 2013, 08:14

:) In Pereira angekommen nahmen wir diesmal ein Taxi, zum Haus von Juans Mutter. Ich kann nicht sagen, dass ich Busse besonders komfortabel empfinde, es ist mir doch schnell zu eng....deshalb war ich froh, mit weit geöffnetem Fenster über die große Brücke nach San Francisco - äh nach Pereira City zu fahren. Die Straßen gehen rauf und runter, zum Teil recht steil. Ich schaute viel auf den Fuß des Fahrers, weil ich wissen wollte, ob er wirklich dauerhaft auf der Bremse steht. Wie oft die wohl ausgetauscht werden müssen...? Ich kann auch kein System finden, wer wann Vorfahrt hat bzw. es halten sich ja nicht so viele dran. Manchmal wurden wir halsbrecherisch von einem Motorrad überholt, Fußgänger machen, wenn ihnen ihr Leben lieb ist, jedem Auto überall Platz. Autos sind ein bisschen wie Revolver, wer einen hat, bestimmt wo es lang geht. Erstmal.
Aus einem gewissen Blickwinkel ähneln sich die Städte. Es gibt überall mit Metallgittern geschützte Läden, Karren mit Süßigkeiten, Handyminuten zum Sonderangebot, viele Schilder, Menschen, offene Türen, Musik, Lärm, kaputte Straßen und Wege, vorbeirasende Autos und Transporter, Motorräder und Motorroller, Müll, Straßenhunde, Obdachlose und immer wieder Straßenhändler mit ihren mobilen Fahrradgrills oder Saftständen auf dem Gepäckträger. Auch Pferdekutschen gibt es, wobei das wohl so nach und nach durch Autos ersetzt werden soll. Hm. Einprägend sind auch die Geräusche. In den Städten hört man immer und überall, mindestens aber hier und da Marktschreier, Leute, die ihre Wahre anpreisen bzw. sich ankündigen, um für ein paar wenige Pesos fünf Apfelsinen oder ein Bund Gemüse anpreisen. Das Gemüse, das ich in einigen Läden gesehen habe, würde man, um es mal hart auszudrücken, hier nicht mal mehr an die Tafel weitergeben. Dort wird es verkauft und vor allem gekauft. Irgendwas lässt sich immer draus machen und mit entsprechenden Gewürzen gekocht, zerdrückt, verbacken macht das keinen so großen Unterschied.
Ich war gespannt, was mich erwartet und wo mein Freund sein Zuhause hat. Eine von den vielen Türen, die unmittelbar an auf dem Bordstein grenzen, gehörte schließlich zu unserem Ziel, Mutter und Schwester kam freudestrahlend und neugierig zu uns. Endlich lernen wir uns kennen.
Wir reden nicht viel - wie auch, aber ich bemühe mich. Und es gibt mindestens ein Wort, was ich kenne :
Hola  Das versteht jeder. Eine Treppe führte uns nach oben. Wenn man keinen elektrischen Türöffner besitzt, braucht man auf den gewünschten Komfort dennoch nicht zu verzichten. Ein Band führt durch Haken an der Wand die Treppe nach unten, einmal um die Ecke bis zum Türriegel, und schon kann man diesen von oben zurückziehen und damit den Eingang gewähren. Wer vor der Tür steht, sieht man ja vom Geländer am Zimmerfenster aus. Selbiges befindet sich genau über der Haustür. Prima. So mache ich das auch. Was funktioniert, geht. Wer heilt, hat Recht. Geht nicht gibt es nicht - mein Lebensmotto, nein eins von mehreren meiner Lebensmotten :)...
Oben angekommen ging es erstmal ins Wohnzimmer. Das unterscheidet sich schon von dem, was ich mir vorgestellt habe und wie ich es von Zuhause kenne (ach…). Sofa und Sessel um den Tisch - fertig. Wo bitte ist der Fernseher? Jetzt, wo ich suche, was die Unterschiede sind, muss ich richtig überlegen, ist es eigentlich nur der Fernseher oder nicht mal der, jeder kann den ja hinstellen wo er will. Also eigentlich gar nichts. Doch, es gibt etwas. Es ist kühler. Kühler eingerichtet, denn es ist ja dauernd warm. Es ist ein bisschen wie auf ein Leben draußen ausgerichtet. Wobei das so ja nicht stattfindet, aber auch das stimmt nicht. Man geht immer wieder mal in die Stadt, hierhin, dahin, und dann wieder zurück in die Wohnung. Nein, das ist es auch nicht. Es gibt noch etwas Fühlbares. In Deutschland trifft man sich während des Konsums von Fernsehen, Essen vor dem Fernseher, Musik hören, also nebenbei, und kommt damit auch nicht so schnell in Versuchung, jemand anderen zu schnell auf den Fuß zu treten. Hier sitzt man sich wirklich nichts tuend gegenüber und konfrontiert sich. Oder ist es das auch nicht? Ich sehe keine Zeitung - wann bitte lese ich bei mir mal Zeitung??? und keine Kreuzworträtsel - bitte sowas hab ich auch nicht. Keine Naschis - ha, jetzt hab ich was, nee die hab ich auch nicht so rumliegen. Keine Kuscheldecken - die ich jetzt nicht brauchen würde. Teppich? Fehlanzeige. Der würde die schönen Fliesen überdecken und wäre auch viel zu warm. Ich könnte die Einrichtung auch nüchtern nennen, oder übersichtlich. Müsste ich hier einen Umzug machen, stelle ich mir vor, alles in einer Tour mit meinem VW Bus zu transportieren, und zwar alleine (ist klar), was natürlich Unsinn ist. Keine einzige Überflüssigkeit liegt oder steht herum. Funktionell? Ich könnte fast sagen nordisch. Spartanisch. Keine Ahnung, was ich machen soll. Eigentlich ist alles vollkommen und ganz normal.
Und dann plötzlich weiß ich es : ich bin hier fremd.
Juans Mutter tat das, was auch ich und wohl jeder in dieser Situation tun würde - sie zeigte mir die Wohnung.
Dabei erzählte sie einfach drauf los, als hätte ich schon einen sechs Jahre dauernden Spanischkurs hinter mir. Ich verstehe maximal Bruchstücke. Badezimmer, Schlafzimmer, Küche....
Oh man, was mache ich, wenn ich durstig bin? FRAGEN ... :D
Ich möchte ins Bett. Einfach erstmal kurz rausziehen. Schreiben. Ein Band knüpfen, mich in meine Farben flüchten. Aber so einfach mache ich mir das nicht. Es gibt Essen, und Hunger haben wir. Im weiteren Verlauf „unterhalte“ ich mich mit Juans Schwester und Cousine. Ich male die Tiere auf, die ich habe (sie ist 17…), und sie sagt mir, wie das auf Spanisch heißt und umgekehrt. Wir waren eine ganze Weile damit beschäftigt. Und obwohl es für sie vielleicht ein bisschen langweilig war, machten sie unsere Kommunikation auf diese Weise möglich.
Ein paar Fotos vom Amazonas habe ich auch zu bieten, doch es sind auch die besagten Toilettenfotos dabei, die ich natürlich nicht aussortieren konnte. Das war nun doch recht befremdlich für die Mutter und die beiden Mädchen und mir irgendwie peinlich. Gehe ich bei mir in den Garten oder warum muss ich kolumbianische Toiletten dokumentieren? Ich kam mir plötzlich so unzivilisiert vor. Juan hat sein Bestes getan, um das aufzuklären und uns Deutsche nicht in einem ungünstigen Licht dastehen zu lassen, sondern rüberzubringen, dass das wirklich eine persönliche Macke von mir ist. Wir lachten bei der Vorstellung, dass ich nun auch das Familienbad aufnehmen würde. Irgendwann hatte man sich beruhigt.
Und dann kam etwas, was mir wirklich das Herz sehr weit öffnete:
Sie hatten einen Welpen.
Forsetzung folgt 