[Erfahrungsbericht] 10 JAHRE KOLUMBIEN

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Don-Pedrinio
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[Erfahrungsbericht] 10 JAHRE KOLUMBIEN

Beitrag von Don-Pedrinio » 5. Dez 2014, 23:03

10 JAHRE KOLUMBIEN
am 17. Dez ist es soweit, ich feiere mein Kolumbien Jubilaeum.

die erste Reise:
eigentlich waere es ja der 16. aber das war so eine Sache...
am Flughafen von Bogota warteten bereits mein Kumpel und unser Kontakt den wir dort hatten. doch auf dem Flug von Zuerich nach New York hiess es nach 3 Std Flug: "in ner halben Std. landen wir".
tatsaechlich landeten wir dann in England. Feuerwehr und Ambulanzen standen bereit. 2 aeltere Menschen wurden auf Bahren aus dem Flugzeug gebracht. 2 Std. spaeter gings weiter, klar, dass ich meinen Anschlussflug nach Bogota somit verpasst hatte und erst am daruaf folgeneden Tag dort sein wuerde. am 17.12.2004. ich keine Ahnung hatte wie mit Kolumbien Kontakt aufnehmen.

10 Jahre, von unmittelbar nach dem Buergerkrieg bis heute, alles schlicht alles komplett am A...

es ist recht schwierig diese Veraenderungen welche das Land durchmacht gescheit nieder zu schreiben damit dritte diese Wahrnehmen.
am einfachsten nehme ich dazu die Strasse. jeder bewegt sich darauf.

vor 10 Jahren musste man ueberall immer auf die Schlagloecher achten, denn Strassen wurden zumeist nur notduerftig verschlimmbessert. mit vorkriegs Kompressoren wurden schlechte Stellen vielleicht 1x1m aufgespitzt und mit Kaltem Belag zugeflickt und angestampft.
ab ca. 2007 sah man des oeftern Bobcats mit vorne dran ein Abbauspecht (grosser Spitzhammer) jetzt wurden die schlechten Stellen bereits 3x3m aufgerissen und mit heissem Belag geflickt.
2009 sah man des oeftern Bagger ganze Strassen aufreissen und dann mit Greader (heissen glaub ich die Dinger) wurde ein neuer Unterbau verteilt und zu guter Letzt wie bei uns neuer Belag eingebaut.
ca. 2011 sah ich dann zum ersten Mal jene Maschinen wie man sie bei uns auch sieht. welche den alten Belag aufraspeln und direkt in LKWs verladen. jetzt war Kulumbien in der Gegenwart angelangt.

hier in Medellín wurde ca. 2003-6 die Autobahn hinauf zum Flughafen gebaut. kaum fertig schon hier und dort Erdrutsche welche die halbe Piste verschuetteten. eigentlich bis heute musste man immer wieder die Haenge sanieren, Lawinen Verbauungen erstellen. damals wurden erst mal Huetten gebaut, wo die Arbeiter drin hausen konnten. dann 2,3 Jahre spaeter wurden sie frueh morgens mit Picups aus der Stadt hoch gefahren. und heute, heute sind die Arbeiter motorisiert, gerade erst vorgestern als ich zum Flughafen hoch musste zaehlte ich an einer Baustelle 5 Motorraeder.

der Verkehr:
vor 10 Jahren sah man fast ausschliesslich nur Fahrzeuge welche bei uns im Museum stehen. Hoechst selten groessere Traks. Pechschwarze Rauchwolken verpufften aus ihren Auspuffrohren. am Berg fuhren diese alten Fahrzeuge maximal schrittempo und es war ein eifaches sie zu ueberholen. ich mag mich noch gut erinnern an meine erstmalige ueberquerung des Passes zwischen Armenia und Ibagué (2006) die obersten 2km standen alle 100-200m Autos mit qualmenden Motoren am Strassenrand. sieht man heute natuerlich kaum mehr, war aber fuer mich damals sehr eindruecklich. mit alten R4 usw fuhr man herum. nach und nach gab es immer mehr schoene grosse und moderne Traks, welche entsprechende Motorenleistungen haben, dass ich manchmal am Berg verzweifle bis ich so einen endlich ueberholen konnte. Nachts fuhren viele Fahrzeuge ohne Licht herum. hat sich hier in Medellin vor allem die letzten 2 Jahre gigantisch verbessert.

ausserhalb der Grosstaedte verdient der Mensch weniger, entsprechend hat es dort viel mehr Motorraeder und weniger Autos. ich mag mich noch an die Sprueche des Kolumbianers erinnern: "Freiheit, Freiheit kann ich dann geniessen wenn ich "mein" Motorrad habe und fahren kann wohin ich will". so war diez denn fuer mich der kolumbianische Traum. im Strassenverkehr von Medellín gab es vor 10 jahren nur sehr wenige Motorraeder, doch jaehrlich mehr. heute zaehle ich gut und gerne jedes 3 Fahrzeug als Motorrad. an den Kuestenstadten und deren Vororten war diez eher umgekehrt. fast nur Motorraeder oder Fahrraeder, wenige Autos.

vor 10 Jahren setzte man sich hauptsaechlich in verrostete Taxis, oft gingen Tueren oder Fenster nicht richtig. heute, heute hat es hier fast ausschliesslich kleine moderne Stadttaxis.

bis vielleicht 2009 konnte man problemos stockbetrunken Auto fahren, keiner kuemmerte sich darum. ab 2010 wurde diez hier in Medellín rigoros unterbunden. Nov und Dez 2010 musste ich 7 Mal ins Roehrchen blasen (in der CH noch nie). absolut jede Nacht wurde ich von der Polizei angehalten, eine Nacht sogar deren 3 Mal (2 davon in Grosskontrollen). seither nehme ich mein Auto NIE mehr Nachts ab 22Uhr aus der Garage. (ist mir zu bloed mit korrupten Polizisten zu feilschen, denn auch wenn es nie was zu holen gab so versuchten sie es jedes Mal. regelmaessig hiesse es: "du bist betrunken" nie hatte ich nur einen schluck Alkohol gehabt).

ich persoenlich meine: mit der versch...enen Korruption der Polizei kamen die Ladrones zurueck (Kleinkriminelle)

2004 in Bogota: da rannte ich zusammen mit meinem CH Kumpel um mein Leben, eine Gruppe dunkler Gestalten hinterher. es waren ja nur noch 200m bis zu unserem Hotel. uff.
2006 wurde ich Nachts in Neiva von 4 Polizisten bis zu meinem Hotel begleitet, damals war dort das Stadtzentrum Nachts Autofrei. ansonsten wuerd ich behaupten: das sicherste Kolumbien war zwischen 2005 bis 2010. hier in Medellín konnte ich problemlos an die Strasse stehen und in irgend ein Taxi steigen. rund um die Uhr und ueberall !!! leider stelle ich bei den Taxifahrern fest, dass sie wieder sind wie in den Anfangsjahren. ist ja nichts schlimmes, eher das Gegenteil, aber es gibt mir zu denken. denn: in den Anfangsjahren warteten die Taxifahrer (in jeder Stadt vor allem Cali) bis ich meine Haustuer hinter mir geschlossen hatte.
zwischen 2007 und 2012 war diez in keiner Stadt mehr der Fall, jetzt auf einmal beginnt es wieder. es ist ein schlimmes Anzeichen von Sicherheit der Gegenwart.
nach 2010: seither nimmt die Kleinkriminalitaet dramatisch zu. und die korrupte Polizei ist fast machtlos dagegen. Ladrones wagen sich aus ihren barrios auch immer mehr in Stadteile wo der internationale Tourismus verkehrt. und es wuerde mich nicht wundern wenn mehr und mehr Touristen in Kolumbien mit solchen ihren schlechten Erfahrungen machen werden. gegenwaertig hat die Sicherheit -und vor allem an den Orten wo der Tourist Nachts hin geht- noch ueberhand. aber wie lange noch. gegenwaertig stimmt die Sicherheitslage noch. fuer den auslaendischen Touristen. ich pers. gebe dem vor allem hier in Medellín aber maximal noch ein Jahr...

10 Jahre eine radikale Veraenderung. quer durch.

2004 waren es sagenhafte 400 000 Auslaender welche Kolumbie besucht hatten.
2013 waren es deren 3,8 Milionen und in den ersten 6 Monaten von 2014 deren 4,1Milionen.

wenn ich mich an 2005 zurueck erinnere: ich konnte jede Nacht in den Parque lleras (Medellin) ausgehen. wenn es hoch kam traf ich dort deren max 2 Auslaender pro Woche. heute sind dort 50% aller = Auslaender.

spezifisch bezogen auf Medellín:
praktisch jeder der Medellín besuchte sollte die Avenida Poblado kennen. oder la mila de oro. zwischen Hotel Dan und dem Oviedo gab es damals nur auf der einen Seite einen gepflasterten Gehsteig. die Strasse war nicht wirklich richtung getrennt und ein Gruenstreifen in der Mitte schon gar nicht vorhanden. das heutige Riosur eine Ruine und dahinter bis zum top modernen Santafe und weiter waren nur Wiesen. ca. 2007 wurde dort jene Bruecke gebaut. zwischen Hotel Dan und dem Oviedo gab es nur jenen Torre wo heute des Buero von Avianca drin ist. ansonsten gaehnende leere. auch ein CC Plantino, der 2. Teil vom CC San Diego und der 2. Teil vom CC el tesoro wurde erst in den letzten 5 Jahren erstellt. auch das la strada usw usw, im Hardrock Café war zuerst ein Laden, spaeter war es ein Video Geschaft ehe es umgebaut wurde.

damals gab es nur die Gondelbahn hinauf nach Santo Domingo. und leider auch heute noch: wenn der auslaendische Tourist Medellín besucht gilt jene als ein Muss. (wenn man Slums sehen will). stimmt gar nicht. dort rund um die Gondelbahn ist es heute ueberall Estrato 2-3. wenn man Slums sehen will muss man zur gegenueber liegenden Gondelbahn gehen. jene bei San Javier. und in vielleicht 2-4 jahren sind dann bereits 2 neue Gondelbahnen gebaut. die eine erschliesst dann Octobre 12. der wohl aermlichste und gefaehrlichste Stadtteil Medellins.

Zukunftsmusik? eine Tramlinie in Medellín?!?
NEIN Gegenwart. man ist mitten drin am Bauen. erste Projekte waren 3-4 Stationen. heute sind bereits deren 11 geplant.

wo ein Bogota 20 - 50 Jahre braucht nur um zu planen, nimmt man in Medellín die Zukunft in die Hand und baut dafuer. mich triffte es als dass ich mich darán beteiligen muss. jeder Eigentum Besitzer bekam in den letzten Tagen einen Einzahlungsschein. und vor Wochen eine Auflistung wieso man wieviel bezahlen muss. gehen tut es um die Hauptverbindungsstrassen hinaus aus Poblado. wo der Strassenverkehr seit laengerem an sein Limit gestossen ist, es an allen Knotenpunkten und Hauptverkehrszeiten zu riesigen Staus kommt. ueberall dort sollen jetzt Viadukte gebaut werden. ich empfinde das ganze als gut und Zukunftsorientiert. komplett zum Gegensatz jener Stadt aus welcher ich komme. Zuerich, wo bekloppte Gruene sich gegen alles was Zukunft und Verbesserung von Wohnqualitaet ist, aber Betonbauten beinhaltet sich quer stellen, ganze wundervolle Projekte einer handvoll Deppen wegen nie realisiert werden. wo es schlicht verpasst wird Strassen richtig zu bauen, fuer die Zukunft unserer Kínder. denn den menschen und sein vehikel kriegt niemand von der Strasse, im Gegenteil ueberall auf der Welt wird es immer nur mehr.


Max
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[Erfahrungsbericht] 10 JAHRE KOLUMBIEN

Beitrag von Max » 6. Dez 2014, 00:05

Sehr guter Bericht , kann alles nur bestaetigen, sehr gut mit den Vergleichen. Vor 20 Jahren war es genauso nur noch weniger Touris Saludos Max

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Nasar
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Beitrag von Nasar » 6. Dez 2014, 00:18

:klat: Duffte Don-Pedrinio :klat: Danke!
Fünf sind geladen, zehn sind gekommen, gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen.

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Ernesto
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Beitrag von Ernesto » 6. Dez 2014, 01:22

Wertvolle Erfahrung. Vielen Dank für die Mühe und die Super-Berichterstattung!

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Wanderer
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[Erfahrungsbericht] 10 JAHRE KOLUMBIEN

Beitrag von Wanderer » 6. Dez 2014, 02:59

Informativ, Vielen Dank!

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hoffnung_2013
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[Erfahrungsbericht] 10 JAHRE KOLUMBIEN

Beitrag von hoffnung_2013 » 6. Dez 2014, 04:35

Gute Bericht!
Danke.
Möchte noch etwas zur Sicherheitslage in Medellin dazusagen, obwohl es dem Bericht von Don P. etwas widerspricht.
Vor 6 Jahren als ich zum 1. Mal nach Medellin kam, hat NACHTS kein einziges Auto bei uns auf der Straße geparkt.
Mein Schwager hat jedesmal seinen großen Montero bei ums im Wohnzimmer abgestellt.
Heute parken nachts hier bis zu 25 Fahrzeugen im freien! Meines ebenfalls.
Bis heute ist - Gott sei Dank - noch nichts passiert.

Früher ist meine Frau spätestens um 22 Uhr mit mir ins Haus gegangen. Heute sitzt sie mit Freunden bis um 3 oder 4 Uhr vor der Tür.

Klar, man sagen Glück gehabt.. aber ich fühle mich - noch - in Medellin sicher. Auch wenn ich mit Auto unterwegs bin.
Wir meiden allerdings gewissen Orte.
Allerdings bin ich mir natürlich der permanenten Gefahr sehr, sehr bewußt.
Gruß
P.

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walterdealemania
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[Erfahrungsbericht] 10 JAHRE KOLUMBIEN

Beitrag von walterdealemania » 6. Dez 2014, 16:55

Danke Don-Pedrinio für deinen interessanten und informativen Bericht. Für mich sehr interessant da ich plane im kommenden Jahr Medillin zu besuchen und dort für einige Monate zu leben.


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Don-Pedrinio
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[Erfahrungsbericht] 10 JAHRE KOLUMBIEN

Beitrag von Don-Pedrinio » 6. Dez 2014, 22:17

besten Dank fuer die Blumen, dachte mir eben dass man eine solche Erfahrung gut und gerne teilen kann.
in vergangenen Foren und Faden ging es vielen Kolumbien besuchern zu langsam. dies und jenes wurde bemekert. vor allem eben schlechte Strassenqualitaet, ueberteuerte Touristen Sehenswuerdigkeiten und und und.
die Veraenderung die das ganze Land und vor allem in den letzten 10 Jahren durchmachte uebersteigt einer Veraenderung innerhalb Europas um ein vielfaches. kann hoechstens mit einer Nachkriegszeit Europas verglichen werden.
manchmal las ich vom vergammelten Krankenwesen, schlechten Spitaelern usw. natuerlich kann ich nur von Medellin und el Poblado sprechen: Clinica Las Vegas wurde in den letzten 5 Jahren in der Kapazitaet verdoppelt. neben der Clinica Medellin el Poblado wurde gerade ein neuer Komplez eroeffnet wo man x verschiedene Spezialisten findet. in der Naehe vom Sandiego (bei der 30igsten) ist man am eroeffnen eines komplett neuen Spitales. oben in Rionegro sah ich neben dem Flughafen ein komplett neues riesiges und wunderschoenes Spital (wenn man beim Rondell vor dem Flughafen rechts Richtung Llenogrande faehrt).
genauso wie die Spitaeler erweitert und moderinsiert wurden ist es identisch mit den Unis und Schulen. ein neues Gebeude erstellen dauert denn auch nicht ein Fingerschnipp sondern Bedarf fuer Planung und Realisierung schnell mal 3-5 Jahre. so sollte ein Kolumbien Besucher nicht mekern sondern seinen Hut ziehen, fuer das was dieses Land in den letzten jahren zustande brachte. wenn man rings herum schaut gehen jene Laender eher den Bach runter als dass sie sich nur annaehernd aehnlich entwickeln. ein Land das zuvor von Buergerkrieg gepraegt war, kann sich nicht von Heute auf morgen aendern, zumal es auch noch ein Schwellenland ist. aber was Kolumbien in den letzten 10 Jahren durchmachte ist Beispielhaft. einmalig fuer den Kontinent Suedamerika. leider geht ein Fortschritt nicht so rasannt voran wie Medellin, vielleicht ist gerade hier in dieser Stadt wo der Ruf derart schlecht ist, eine Korruption der Politiker eben doch nicht so schlecht. in Bogota, Cartagena und Manizales wo Politiker Geld in grossen Mengen in ihre eigene Tasche abzweigten stellt dann eben jene Tatsache ein Bremsklotz der Entwicklung dar. im August las ich einen hervorragenden Bericht in der NZZ. vor allem wurde Medellín gepriesen, dass hier das jaehrliche Wirtschaftswachstum weit ueber dem Landesdurchschnitt von 10% liegt.

nun ich kam damals am 8 Jan. erstmals 2005 nach Medellín, eigentlich war eine Reise hierher gar nicht geplant gewesen. mein CH Kumpel weigerte sich strikt hierher zu kommen. doch als am 26. Dez sein Váter starb und er Hals ueber Kopf in die CH zurueck musste, stand meinem Wunsch Medellín sehen zu wollen nichts mehr im Wege.
so erreichte ich damals an einem freitag Nachmittag Rionegro mit zitternden Knien. der Taxifahrer fuhr mich in ein Hotel in der 70. uff damals gab es noch nicht sehr viele Hotels. ich glaub gerade dieser bereich hat die groesste entwicklung hinter sich. ich wuerde aus dem hohlen bauch behaupten dass die Hotel und Hostal Betten in den letzten 10 jahren sich hier vervielfacht haben. gut und gerne 500% mehr Betten als damals. viel mehr als das Dan und Intercontinental gab es nicht.
mein CH Kumpel uebrigens war zuvor 2 Mt in Kuba um dort am Morgen Spanisch zu lernen, Nachmittags hatte er salsa Kurse.

man kann ruhig sagen dass meine 2 ersten Medellín Besuche mein Leben veraenderten. ich war damals nur ueber das Wochenende in Medellín. am Mo flog ich nach Cartagena wo ich am darauf folgenden Tag einen Rueckflug nach Medellín buchte. fuer das kommende Wochenende. zurueck nach Mangos. ja Mangos, dies legten mir meine Bekannten in Bogota nahe, in Medellín eine Disco zu besuchen. was denn bei mir entsprechend eingefahren ist. es war fuer mich wie Liebe auf den ersten Blick. Mangos. was damals dort abging kann man nicht einfach in Worte fassen. jeden Freitag und Samstag 3000 Besucher. Rumba vom allerfeinsten. (nachfolgendes erging mir eigentlich auch in Cali so) ein Auslaender und alleine wie ich, im nuu von irgendwelchen Menschen an ihren Tisch eingeladen. "woher kommst du was machst du hier so alleine, hast du keine Angst..." vor allem den letzten Satz hoerte ich immer und ueberal. vielleicht bis 2007.


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Beitrag von Don-Pedrinio » 6. Dez 2014, 23:24

Mangos hat mein Leben veraendert, so bloed wie es klingen mag so realitaetsnahe ist es. zu Hause in der CH gerade die Langjaehrige Partnerschaft gebrochen, mein Dach faellt mir auf den Kopf, erdrueckt mich, ich moechte mich veraendern, radikal, aber weiss nicht wie. genau in diesem Moment komme ich nach Medellín und verliebe mich in das Klima, in die Gastfreundschaft der Menschen und natuerlich in Mangos. damals war ich der scheueste Mensch der Erde. hahaha, glaubt mir heute keiner mehr. ich hatte scheuklappen um meine Augen und nur meine Partnerchaft zaehlte, was ringsrum passierte interessierte mich nicht.
dann kam Mangos (was so speziell darán ist: ich der nicht tanzen kann war fasziniert von den gegen 50 Profitaenzern die damals dort arbeiteten). ich wollte einfach nur zusehen und zusehen.
damals nach der Rueckkehr in die CH suchte ich mir einen driftigen Grund warum ich wieder nach Medellín kommen konnte, der dann sehr schnell gefunden war. ein Spanisch Kurs, warum nicht. mit dem riesigen Ferienguthaben dass sich angehaeuft hatte, verbrachte ich im darauf folgenden Winter 3 1/2 Monate bezahlten Urlaub in Medellín und lernte in Eafit spanisch.
auch wenn es mir keiner abnehmen will: nach wie vor viel zu schuechtern, hatte ich die ersten beiden Kolumbien Reisen keine Freundin. dafuer waehrend dem spanisch Aufenthalt viel zu viel Zeit fuer meine heiss geliebte Disco Mangos. ich verbrachte praktisch jeden Do, Fr, Sa und So dort....
so entstanden dann erste Freundschaften mit Angestellten der Disco und wenn ich heute behaupte, dass ich zu meinem Freundeskreis Leute wie Cantores de Chipuco, Herbert Vargas (Vallenato) usw usw zaehle, dann lacht man nur ueber mich. es kam eben alles einfach so, ohne dass ich mich darum bemuehte, die Cantores kannte damals kein Schwein, sie haben dort begonnen. natuerlich habe ich meinen Teil dazu beigetragen, ihre Gunst quasi erkauft, hahaha, CH Schokolade ist das magische Wort.
auch heute noch werde ich immer und ueberall angesprochen: "denk dann an mich, bring mir Schokolade mit" gerne, denn diese kostet ja nicht alle Welt und hat mir hier in diesem Land sehr viele Wege geebnet welche man mit Geld nicht einfach so sich erkaufen kann.

niemand hatte ne Fotokamera oder ein Smartfone womit sie haetten Fotos machen koennen. "mach ein Profil auf Facebook, pack alles drauf was du an Fotos schiesst, damit ich meine Fotos kopieren kann." so kam dann auch die Idee von den Fotobuechern. ein 100 Seitiges schenkte ich dem Boss von Mangos. zaheneknirschend nahm er es entgegen drueckte mir die Hand und ging. ich war bodenlos endtaeuscht ob seiner Arroganz mir gegenueber. beim darauf folgenden Besuch in Mangos, -jeder dort kannte mich, da ich auch jedem Schokolade schenkte auch jenem der mein Auto bewacht- wurde ich bei der Ankunft durch die Warteschlange geschleust. "komm mit, der Boss will dich sehen" 10 Minuten lang umarmte er mich, tausend mal bedankte er sich, ob ich noch mehr solcher Buecher haette, alle seine Freunde wollten solche haben. seine ganze Familie sei in das Fotoalbum vernarrt. ich hatte noch 2 stk die ich ihm geben konnte. er gab sie seinen alllerbesten Freunde von damals. auch hier kann ich wirklich nichts dafuer, es hat sich so ergeben, denn eines war fuer den Buergermeister von Envigado und das andere fuer den damaligen Boss von Transito Envigado. (das war 2009, mittlerweile hatte ich gegen 5000 Fotos von der Disco). laengst hatteich veste Freundschaften zu den meisten Taenzern.
hahaha da ist auch so eine kleine Geschichte. Pedro, der Boss will dass wir immer in anderen Kostuemen tanzen, dabei haben wir keine Ideen noch Geld um Kostueme zu bezahlen. so brachte ich im Sommer 2009 eine echte Lederhose mit und sagte zu meinen Kumpels: ich bezahle euch 4 dinger davon, stellt sie her und wenn ich im Nov wieder komme tragt sie fuer mich. was der tio da mit gebracht hat ist schrott, doch den Taenzerinnen gevielen diese Hosen. so wurden meine Hosen zur Mangos Schneiderin gebracht, sie wiederum zeigte meine Lederhosen dem Boss. und der erinnerte sich an seinen damaligen Bescuh in Europa und Muenchen. so entstand das erste kolumbianische Oktoberfest. in der Disco Mangos im Herbst 2009.
auch hier: niemand muss mir diese Geschichte abnehmen. ich trage sie nebst vielen andern in meinem Herzen als spezielle Erinnerungen, die mir niemand nehmen kann.
zu Halloween 2010 war das Dirndl vom Oktoberfest das beliebteste Kostuem in ganz Kolumbien. zuvor kannte man diese Kostueme nicht !!
heute ist das Oktoberfest in jede Stadt kopiert und in jeder Stadt gibt es die Bier Haeuser. ob es mich speziell erregt dass ich dies hierher brachte. nein, es waere auch so nach Kolumbien gekommen, auch ohne meine Hilfe. aber wie es hierher kam wissen nur wenige Kolumbianer, und diese wissen meine Freundschaft zu schaetzen. nebenbei die maechtigsten Club Bosse Medellins. auf eine moegliche Frage hin: ja, fuer mind. 500.- sFr. schleppe ich jaehrlich Geschenke nach Medellín. hauptsaechlich Schokolade.

man sagt: 2-3 Jahre brauchst du bis dich eine fremde Kultur aufgenommen und akzeptiert hat. bei mir waren es vielleicht 4-5 jahre, da ich ja nur 6 Monate pro jahr hier bin, dafuer aber kann ich quer durch die Stadt Medellín behaupten dass mich die Kultur aufgenommen hat. vergangenen Sonntag war ich wie vergangenes Jahr eingeladen oven beim Mirador die Nacht des polvera mit zu verfolgen. oben beim Club Isla in der VIP lounge.
so, ende fuer heute.
2011 kaufte ich meine Wohnung an die ich nur Dank Vitamin B (oder SCH) kam. via Boss von Ayura Envigado.

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Beitrag von Macondo » 7. Dez 2014, 05:24

Ein schöner Bericht! Danke!


Karsten
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Beitrag von Karsten » 7. Dez 2014, 12:46

Auch von mir vielen Dank !

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Beitrag von Compadre » 7. Dez 2014, 13:28

Danke sage ich gerne. Ich war 1990 zum ersten mal in Medellín. Ich wurde eingeladen einen Biergarten kennenzulernen. Den Jardin de la Cerveza im Einkaufszentrum Monterey. Den gibt es heute noch. Das Bier wurde damals schon in Krügen wie vom Oktoberfest bekannt serviert und frisch gezapft. Die Bedienungen trugen ein Dirndl wie auf dem Oktoberfest. 1992 war ich wieder in Medellín diesmal auf dem dortigen Oktoberfest eingeladen welches im Palacio de Exposiciones abgehalten wurde. Der Kolumbianer freut sich wenn er uns etwas Deutsches im Lande zeigen kann.


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Beitrag von scooby » 7. Dez 2014, 15:56

Wirklich toller Bericht, danke! Es hat schon einen Grund, warum die Städteplaner aus aller Welt nach Medellin reisen. Eine Stadt, die mich bis heute immer wieder aufs Neue begeistert.

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hoffnung_2013
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Beitrag von hoffnung_2013 » 7. Dez 2014, 17:25

..also die Städteplaner reisen nur nach Medellin um zu sehen, wie man es nicht machen soll
An welcher Ecke um Gottes willen existieren denn hier ein Planungskonzept, ein Infrastrukturplan oder ein Flächennutzungsplan?
Gruß
P.

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spitfire88
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Beitrag von spitfire88 » 7. Dez 2014, 19:19

... super Idee. Schon interessant, wenn man nach 10 Jahren zurückblickt.