Leben mit kleiner Rente in Kolumbien

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Sting
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Leben mit kleiner Rente in Kolumbien

Beitrag von Sting »

ich muss nach 5 Jahren Kolumbien jetzt auch mal ein Resümee ziehen, auch zu den Kosten.
Ich habe eine Rente die etwas über den 3x Salario Minimo liegt, und das ist meiner Meinung auch das mindeste was man als Ausländer zur Verfügung haben muss.
Bedenkt, die Visa Kosten etc, Cedula man zahlt andere Preise als Ausländer, teils doppelt soviel oder mehr.
Gut früher musste man das Visum jährlich erneuern lassen das hat sich ja jetzt zu alle 3 Jahre beim Rentner Visum geändert, mittlerweile bin ich Resident und habe nur alle 5 Jahre Cedula Kosten (Inländer gilt die Cedula 10 Jahre)
Die Kolumbianer sind zwar schon sehr freundliche Menschen aber manche Leute vor allem ältere haben teils schon Vorurteile und nicht jeder ist Ausländern freundlich gestimmt.
Ich zahle anständig meine Miete hier seit 1 Jahr in neuer Location, trotzdem beschwert sich die Vermieterin die im 1.OG darüber wohnt, dass ich angeblich zu laut die Türen knallen lasse oder ich wurde dafür kritisiert dass ich die Nachbarin um Hilfe gebeten habe die Postpakete für mich anzunehmen, als ich neu einzog riefen mich die Postzusteller nicht an und ich hatte ständig Probleme mit Lieferungen.
Ich bemängelte z.B. auch das langsame Internet das im Mietpreis inkludiert war, daraufhin sagte mir die Vermieterin das sie nichts machen könnte um mir am nächsten Tag ihren Vormieter vorbeizuschicken der mich erstmal 30minuten belästigte und nach meinem Arbeitgeber fragte.
So etwas wäre in Deutschland definitiv nicht passiert.
Ich kann ehrlich gesagt die Leute verstehen die sagen sie wollen mit dem ganzen Vermieterstress nichts zu tun haben und bei AIRBNB mieten.
Die Anforderungen die gestellt werden wenn man eine Wohnung zur Miete sucht sind absurd!
In Deutschland habe ich nie mehr als eine Schufa Auskunft gebraucht, hier in Kolumbien braucht man 6 monate Kontoauszüge, muss die Formulierung des Vertrags des Anwalts zur Hälfte bezahlen (100mil P), muss Deposits hinterlegen und oft auch eine Mindestdauer von 1 Jahr Vermietung im Vertrag unterzeichen.
Als Dank bekommt man dann noch das Wasser in der Dusche gedrosselt, weil der Vermieter möchte ja bei der Wasser Rechnung sparen.
Also man wird definitiv seine Überraschungen erleben in Kolumbien, das garantiere ich.
Auch sollte man seine Erwartungen was Dienstleistungen angeht herunterschrauben.
Ein Freund vermittelte mir einen Kontakt um meine Krankenversicherung von medimas zu sanitas zu wechseln.
Für diesen Service sollte ich 40 Mil bezahlen.
Allerdings wurde ich abgelehnt.
Diese Info habe ich jedoch nur von meinem Freund bekommen, die Vermittlerin weigerte sich mir die Gründe oder überhaupt mit mir zu reden und verwies mich auf meinen Freund der mir helfen solle.
Wenn ich eine Dienstleistung in Anspruch nehme erwarte ich aus Auskunft von der Person die ich bezahlt habe, nicht so in Kolumbien.
Als ich weiter nachfragte wurde ich von der Person geblockt.
Mit einer Begründung wie man es aus Deutschland gewohnt ist sollte man oft nicht rechnen.
Es ist einfach so.
Die Zuverlässigkeit ist ein anderes Thema.
Selbst Freunde sind nicht zuverlässig, kommen stunden später oder garnicht, entschuldigen sich auch nicht wenn sie nicht kommen wie man es aus Deutschland vllt gewohnt wäre.
Zu den Preisen bei Essen.
Man kann in Hinterhof Suppenküchen für 4-5 Mil ein Almuerzo bekommen in bescheidener Qualität es gibt aber auch leckere Platas für 30mil+.
Wie immer Qualität hat seinen Preis.
Insgesamt ist die Qualität gut weil die Waren frisch zubereitet werden.
Allerdings isst der durchschnittliche Kolumbianer max 1 Handvoll unterschiedliche Gerichte die meist immer aus Papa, Arroz, Pollo, Carne etc bestehen und alles wird fritiert.
Gewürzt wird überhaupt nicht, scharfe Speißen gibt es in traditionellen Restaurants garnicht.
Das Internet ist eine Katastrophe im HFC Netz, ich habe ständig Paketverlust, es werden Kabelmodems verwendet die nur 2.4GHZ Wifi verwenden und die in den USA vor 10-15 Jahren im Einsatz waren.
Die Preise entsprechen nicht der Leistung, im HFC Netz kommt es regelmäßig zu Geschwindigkeitseinbußen das Netz ist überlastet.
Videos laufen im Schneckentempo oder garnicht.
Dann wird gerade das Netz gewartet und es kann sein dass man einen halben Tag überhaupt kein Netz hat.
Wenn man nachfragt warum die Preise so hoch sind im Vergleich zur Konkurrenz bekommt man als Totschlag Argument dass die Qualität besser sei.
Ich kann das nicht bestätigen.
In den Deutschland bekommt man für die Hälfte des Preises eine bessere Leitung.
Elektronik ist klar, preise sind absurd z.B. in Mercadolibre 3fach oder noch teurer.
Man kann im Prinzip nur Amazon nutzen um halbwegs preiswert zu kaufen.
Zum Thema Scamming sollte man sich nur mal die Charge Back Rate anschauen, die ist in Kolumbien doppelt so hoch (1,9%) wie in Europa.
Ich würde abraten von Privatpersonen etwas zu kaufen in Kolumbien.
Die Gefahr ist groß übers Ohr gehauen zu werden.
Drohungen sind hier anscheinend normal.
Also ich würde mit viel Geld hier nicht leben wollen.
Kolumbien ist generell keine Location für Superreiche schon aufgrund der Einkommenssteuergesetze.
Geld sollte man hier sowieso nicht zeigen, das heißt nicht das man sich z.B. schlecht oder underdressed kleiden sollte.
Aber wenn man z.B. Downtown unterwegs ist dann lässt man das Smartphone in der Hostentasche aus Sicherheitsgründen.
Früher dachte ich man würde in einem conjunto cerado wie im Gefängnis leben aber mittlerweile denke ich sogar daran in so eines umzuziehen und bin der Meinung dort lebt es sich besser bzw sicherer als in einer normalen Wohnung ohne Sicherheit etc.
Man muss bedenken in Kolumbien gibt es viele Menschen die sehr viel weniger Geld haben und der Ungerechtigkeitssinn bei Diebstahl ist nicht unbedingt sehr ausgeprägt, du könntest es dir ja locker als Gringo wieder neukaufen.
Von der Beschaffung von teuren Einrichtungsgegenständgen oder dem Prahlen mit Luxus sollte man Abstand halten, mir wurde von Freunden berichtet wie ganze Apartments in Komplizenschaft mit der Security komplett ausgeräumt wurden, eigentlich unfassbar.
Man sollte nicht alleine in Kolumbien meiner Meinung nach leben, ein Partner ist wichtig und notwendig.
Die Heirat im Zielland ist immer noch das beste Mittel um seinen dauerhaften Aufenthalt zu sichern.
Das Gesundheitssystem hat nicht die selben Standards wie in Deutschland, z.B. gibt es oft zuwenig Betten was bedeutet dass du als Patient auf dem Fußboden übernachten kannst
Ich werde zwar die nächste Zeit in Kolumbien verbleiben würde gerne aber auch mal auf den Philipinnen oder in der Türkei - Alanya wohnen.
Man muss halt abwägen was man möchte, ich finde den Vorschlag hier im Forum gut über die Winterzeit in Kolumbien zu wohnen und den Rest in Deutschland, wenn ich die finanziellen Mittel hätte würde ich es so machen.
Kolumbien ist Abenteuer, das muss man mögen, es kann aber auch anstrengend sein auf Dauer.

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Was ich noch ergänzen wollte:

Die Heirat im Zielland ist immer noch das beste Mittel um seinen dauerhaften Aufenthalt zu sichern.
Bedenkt dass Migracion Colombia nicht gezwungen ist euch z.B. bei Rentnervisum die vollen 3 Jahre zu gewähren, mir wurde von Fällen berichtet bei denen nur z.B. 1 Jahr Aufenthalt gewährt wurde oder deren erneuter Visum Antrag nach 3 Jahren in Kolumbien abgelehnt wurde.

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