März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Hier könnt Ihr Eure Reiseberichte & Erfahrungen veröffentlichen. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen.

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Woyzeck
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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Woyzeck »

⇒ Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

Der Tag nach dem Abend mit Caro war ein Sonntag. Ich fühlte mich ziemlich schlecht. Wahrscheinlich eine Mischung aus Alkoholkater, Jetlag und der Enttäuschung über den Ausgang des Abends. An diesem Tag brachte ich nicht mehr zustande, als mich kurz vor Einbruch der Dunkelheit zu Tostao (das ist eine kolumbianische Imbisskette) zu schleppen, und mir dort einen kargen almuerzo-Ersatz zu besorgen. Die restliche Zeit saß ich Trübsal blasend im Hotelzimmer.

Was mir zudem fehlte war ein Plan, wie ich meine Zeit in den nächsten Tagen sinnvoll nutzen könnte. Ich hatte wenig Hoffnung, dass es zeitnah zu einem weiteren Treffen mit Caro kommen würde. Außerdem hatte ich keine Lust, auf eigene Faust in dieser fremden und tendenziell gefährlichen Stadt herumzulaufen, also hab ich mir Tinder samt Gold-Mitgliedschaft besorgt, in der Hoffnung, kurzfristig weibliche Gesellschaft akquirieren zu können, die Lust darauf hat, mir ihre Stadt zu und die kolumbianische Lebensart näherzubringen. Das hat erfreulich gut funktioniert. Nach zwei Stunden hatte ich ungefähr so viele Matches wie in Deutschland nach einem halben Jahr und während meinesgleichen in Deutschland die Wahl aus alleinerziehenden Müttern, psychisch angeschlagenen Feministinnen und übergewichtigen Ü30-Frauen hat, konnte ich nun problemlos mit heißen Latinas zwischen 18 und 28 in Kontakt treten.

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Ein leckeres almuerzo für umgerechnet ca. 2,9€

Mit einer hat es auf Anhieb so gut geklappt, dass wir uns noch für den gleichen Tag verabredet haben. Sie wohnt mit ihren Eltern in Venecia im berüchtigten Süden von Bogotá, hat auf mich allerdings einen ziemlich kultivierten Eindruck gemacht. Sie spricht solides Englisch und sogar ein paar Brocken Deutsch, weil sie anderthalb Jahre in Österreich studiert hat. Sie kennt jeden Winkel von Bogotá und hat auch bereits fast alle touristisch interessanten Orte Kolumbiens bereist. Die Idee war, dass sie zu meinem Hotel kommt und wir von dort aus ein bisschen durch Chapinero und dann Richtung Stadtzentrum gehen. Exakt so ist es dann auch gekommen.

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Die Basílica de Nuestra Señora de Lourdes in Chapinero

Leider war sie IRL nicht sonderlich attraktiv, so dass ich etwaige romantische Ambitionen von vornherein über Bord geworfen habe. Das war allerdings auch nicht so wichtig, denn sie ist ein netter, hilfsbereiter und humorvoller Mensch (wie die meisten mir bekannten Kolumbianer) und hat mir kostenlos eine sehr ausführliche Tour durch Chapinero und das Zentrum von Bogotá gegeben inkl. unzähliger Tipps, Empfehlungen und Ratschläge... das war schön und interessant und hat mir auch etwas die Angst genommen, hier nachts aus dem Hotel zu gehen, denn die Gefahr scheint doch einigermaßen kalkulierbar zu sein, wenn man sich an bestimmte Regeln hält. Habe sie dann auf eine Chicha de mango und später in einem BBC (das ist eine hipstermäßige Kneipenkette aus Bogotá) auf ein Kaffee-Bier und Hähnchenschenkel eingeladen.

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Bäume in der Zentrumsgegend von Bogotá.

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Häuser in der Zentrumsgegend von Bogotá.

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Plaza de toros im Zentrum von Bogotá. Soweit ich das verstanden habe eine ehemalige Stierkampfarena, die heute als Veranstaltungsort für diverse Events genutzt wird.

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Ein beleuchtetes Gebäude, dessen Name und Funktion ich vergessen habe.

Anschließend ist sie bei mir im Hotel eingecheckt, um die Toilette und das Wifi zu benutzen und sich per App ein Taxi zu organisieren. Das hat ungefähr fünf bis zehn Minuten gedauert. Kurz nachdem sie raus war, hat in meinem Zimmer das Telefon geklingelt und der Rezeptionist hat mich gefragt, ob alles in Ordnung sei. Sie hat mir danach erzählt, dass man sie vor dem Anruf nicht aus dem Hotel gelassen hat, weil die wohl dachten, sie hat mich abgezogen. :lol:

Alles in allem hatten wir beide ziemlichen Spaß und uns dann direkt für den nächsten Tag dazu verabredet, auf den Monserrate zu gehen.
Gesagt, getan. Wir trafen uns um 10 Uhr morgens am Fuße des Berges. Der Aufstieg war anstrengender als ich ihn mir vorgestellt hatte, für mich mit durchschnittlicher Fitness aber trotzdem relativ einfach zu bewältigen. Was ich dort gesehen habe, hat mich sehr beeindruckt. Allerdings habe ich den eklatanten Fehler gemacht, weder Sonnencreme noch eine Kopfbedeckung zu benutzen, was mir den schlimmsten Sonnenbrand meines Lebens beschert hat, der eine gute Woche später immer noch nicht gänzlich abgeheilt ist.

Aufstieg zum Monserrate
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Blick auf Bogotá vom Gipfel des Monserrate

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Ein schmackhaftes kolumbianisches Gericht, das meine Begleiterin bestellt hat.

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Pferde werden mit Gasflaschen beladen, die vermutlich irgendwo neu befüllt werden.

Ich habe erst danach erfahren, dass die Locals hier sich quasi immer mit Sonnencreme einschmieren, bevor sie das Haus verlassen, weil die Sonne aufgrund der Höhenlage sehr aggressiv ist. Das gemeine daran ist, dass mans kaum merkt,weil es hier immer relativ kühl ist. Lesson learned. Habe mir dann eine schicke Totto-Cap und bloqueador besorgt, was mich hoffentlich vor weiteren Sonnenbränden bewahren wird. Totto ist eine südamerikanische Modemarke, die in Kolumbien so sehr der letzte Schrei zu sein scheint, dass sogar Fake-Produkte davon existieren... kennt in Europa keine Sau, aber ich passe mich gerne den örtlichen Gepflogenheiten an.

Fortsetzung folgt.
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Genuasd
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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Genuasd »

"Ein beleuchtetes Gebäude, dessen Name und Funktion ich vergessen habe."
ernsthaft? :D

danke für Fotos und ausführlichen Bericht, da kriegt man gleich Fernweh nach der zweiten Heimat.
der Fisch heißt übrigens Mojarra, nicht ganz mein Fall, bin aber auch kein Fisch-Gourmet.
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Tenere-wue
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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Tenere-wue »

Und das andere sind Tamales. Sieht nach kompletten Maisbrei (mit Ei) aus, deswegen vermutlich Tamales de Valle.
Probiere mal einen Kumis, die frischen Säfte oder einen Chuzo (Fleischspieß) am Straßenrand. Genieß die Leckereien des Landes und deine Zeit in Kolumbien, Colombia: el riesgo es que te quieres quedar.
Wie war...
-vive tu sueno !

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Woyzeck
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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Woyzeck »

@Genuasd
Na gut, für alle dies interessiert:
Das ist die Catedral Primada de Colombia, die Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis, auf dem Plaza de Bolívar, dem im 16. Jahrhundert errichteten zentralen Platz in Bogotá. Auch in einigen anderen Reiseberichten hier im Forum zu sehen und in meinen Augen nicht megainteressant, aber ja, sollte man wohl mal gesehen haben, wenn man schon in Bogotá ist :)

Ich liebe die kolumbianische Küche und Esskultur.
Habe hier noch nichts gegessen, was mir nicht geschmeckt hätte und das alles zu völlig absurden Spottpreisen + Saft und Suppe.

@Tenere-wue

Ja, Maisbrei geht hin, in diesem Fall allerdings nicht mit Ei sondern mit pollo. Die Blätter dienten nur der Dekoration. Kann mir die Namen der Gerichte momentan noch relativ schlecht merken, aber das kommt irgendwann.
Und ja, ich bin eigentlich schon an dem Punkt, wo ich nicht mehr zurück will. Wenn meine Meinung zu Kolumbien sich bis zum Ende meine jetzigen Aufenthaltes nicht um 180° dreht werde ich wohl gegen Ende November nochmal kommen und mich dann erstmal per Touristenvisum für 90 Tage irgendwo einmieten.

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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Glboetrotter »

Danke für den Bericht. Eine kultivierte, intelligente Stadtführerin zu haben ist doch auch etwas Wichtiges, die man nicht verführen will.

Monserrate habe ich zu Fuss noch nie gemacht. Eine gute Idee. Das Goldmuseum in Bogota ist ein Muss.

Wie jemand vorher geschrieben hat, gab es vor der Pandemie jeweils am Dienstag die Bars mit anschliessender Disco für die Kolumbianer/innen, welche ihre Deutschkenntnisse aus dem Studium ausprobieren wollen. Ich stand vor 6 Jahren vor dem Lokal, leider massiv angeheitert nach einem sehr langen Lunch mit viel 'Weinen'. Das Lokal war dazumal voll; nicht nur das Lokal :wac:

Ich würde das Lokal gerne wieder einmal besuchen, falls es das noch gibt. Und in Bogota lässt es sich feiern.

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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Woyzeck »

@Glboetrotter

Das eine schließt das andere für mich nicht aus. Nur weil eine Frau kultiviert und intelligent ist heißt das nicht, dass man nicht mit ihr im Bett landen kann oder sollte. In diesem Fall hatte ich dahingehend aber wie gesagt keine Ambitionen, weil sie mich äußerlich einfach nicht angeturnt hat. Ich weiß nicht, was sie sich von unseren Treffen erwartet hat, denke aber, dass sie das verstanden hat und das für sie okay war. Vielleicht fand sie mich ja auch nicht geil... keine Ahnung. Ich habe ihr keinerlei Flirtsignale gesendet und sie mir auch nicht (zumindest keine für mich erkennbaren). Wir verstehen uns auf jeden Fall gut und ich könnte mir auch vorstellen, mit ihr noch öfter was zu unternehmen, aber halt nur auf freundschaftlicher Basis.

Was anderes als zu Fuß kam für mich im Hinblick auf Monserrate nie in Frage. Wer da mit der Seilbahn rauffährt, verpasst im Prinzip 3/4 dessen, was es da zu sehen gibt und unzumutbar anstrengend ist der Aufstieg nun weiß Gott nicht. Würde ich hier wohnen, würde ich das wahrscheinlich regelmäßig machen.

Goldmuseum hab ich leider noch nicht gesehen. Wir standen davor aber da waren die schon am Zusperren und seitdem habe ich keinen weiteren Versuch unternommen, mir das anzuschauen. Bin noch vier Tage in Bogotá, evtl. schaff ichs noch.

"Gringo Tuesday" klingt tatsächlich nicht schlecht, aber irgendwie nicht so mein Ding. Vielleicht kann ich mich dazu irgendwann mal aufraffen, wenn mir die Leute ausgehen, mit denen ich mich in Bogotá treffen kann. Momentan habe ich aber genug Locals, die mich quasi jeden Tag fragen, ob ich was mit ihnen unternehmen will etc. und mir auch helfen, mein Spanisch zu verbessern, wobei die Tatsache, dass die alle relativ gut Englisch sprechen da leider eher kontraproduktiv ist... weil man sich dann am Ende 90% auf Englisch unterhält, weil ich Sachen auf Spanisch oft einfach nicht ausdrücken kann oder mich zu sehr dafür schäme, grammatikalischen Stuss zu fabrizieren...

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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Woyzeck »

Mein ursprünglicher Plan war es, nach etwa einer Woche in Bogotá ein paar Tage an der Küste zu verbringen und dann nach Medellín weiterzufliegen. Irgendwie hat dieser Plan sich aber nicht konkretisiert und ich war auch mit dem Buchen diverser Flüge und Unterkünfte reichlich spät dran, so dass ich der Einfachheit halber beschloss, erstmal noch eine Woche in Bogotá zu bleiben. Ja, ich bin kein geübter Traveler. Es ist meine erste Fernreise und dieser ganze Organisationskram vwg. Flüge und Hotels buchen, Ausflüge planen, Busverbindungen checken usw. geht mir zugegebenermaßen ziemlich auf die Nerven. Eigentlich bin ich ein eher häuslicher Mensch ohne großartige Entdeckerambitionen, aber nachdem Deutschland mich zuletzt ziemlich angekotzt hat und ich ernsthaft mit dem Gedanken spiele, mich langfristig woanders niederzulassen, war diese Reise einfach nötig.

Mein neues Hotel befindet sich im Barrio Divino Salvador, das mir sehr gut gefällt. Es ist tranquilo und in wenigen Minuten erreicht man hier zu Fuß schöne Restaurants, ein Centro Comercial, Éxito, D1 und alles, was man sonst noch so für den Alltag braucht.

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Hier bezahlt man für ein almuerzo mit Kaffee+Kuchen als Nachspeise ungefähr 35 mil (ca. 8,3€), was für kolumbianische Verhältnisse teuer ist, aber das Essen ist so überragend, dass ich dort schon dreimal war und der Chef mich inzwischen wie einen Stammgast behandelt, was mir etwas unangenehm ist.

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Seit ungefähr zwei Jahren bin ich mit einer Bogotana in Kontakt, die ich über die Tandem-App kennengelernt habe und die momentan als Au Pair in Deutschland ist. Nachdem ich ihr erzählt habe, dass ich in Bogotá bin, hat sie mir empfohlen, mich mit ihrem Cousin in Verbindung zu setzen, der in Chapinero wohne, ein Supertyp sei und Bock darauf habe, mich zu treffen. Ich war in dem Moment eigentlich eher daran interessiert, meine Tinder-Matches weiterzuverfolgen, aber sie hat ihm dann scheinbar meine Nummer gegeben und er hat mich einfach angeschrieben, mir Hilfe für alle möglichen Sachen im Zusammenhang mit meinem Bogotáaufenthalt angeboten und mich gefragt, ob ich Lust habe, mich demnächst mit ihm auf ein Bierchen zu treffen oder so. Da ich ansonsten keine großartigen Pläne hatte, habe ich zugesagt.

Wir haben uns dann darauf geeinigt, in einem centro comercial ins Kino zu gehen. Er hat seine Freundin mitgebracht, die aus dem Departamento de Nariño stammt (und mir dieses sehr als Reiseziel ans Herz gelegt hat) und wir haben "The Batman" auf Englisch mit spanischen Untertiteln geschaut. Das war ein lustiger Abend und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Die beiden sind gerade dabei, einen Online-Lieferservice für fleischloses Fast Food oder so ähnlich aufzuziehen. Habe das nicht 100% verstanden, aber es klang ambitioniert und ernstzunehmend. Der Film hat gegen 20 Uhr begonnen und drei Stunden gedauert, so dass wir erst gegen Mitternacht das CC verließen, was mir etwas unangenehm war, da ich zu solchen Zeiten in Bogotá nicht gerne draußen herumlaufe, aber mein neuer Kumpel macht sich da offenbar keinen Stress und hatte in dem Zusammenhang wohl auch noch keine signifikant schlechten Erfahrungen obwohl er seit 37 Jahren in Bogotá lebt.

Einen Tag später (wenn ich mich recht erinnere) was hier der día sin IVA, also der Tag ohne Mehrwertsteuer, den ich genutzt habe, um mir im nahegelegenen CC neue Schuhe und eine Hose zu kaufen. Dass ich mir vor dem Rückflug am Flughafen die MwSt für in Kolumbien gekaufte Produkte auszahlen lassen kann, habe ich erst später erfahren, wobei meine Ausgaben sich primär auf Restaurantbesuche belaufen und ich nicht weiß, ob es hierfür eine Steuerrrückerstattung gibt.

Fortsetzung folgt.
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Holger78
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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Holger78 »

Danke für den Bericht Woyzeck. Sehr schöne, da hast Du ja schon einige sehen und erleben können. Freu mich schon auf weitere Berichte von Dir.
Viel Spaß weiterhin

Chriska
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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Chriska »

Wunderbar. Viel neues ueber Bogota fuer mich. Danke. Und gute Zeit Dir weiterhin.

desertfox
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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von desertfox »

@Woyzeck,

die MWSt (IVA) für in Kolumbien gekaufte Produkte kannst Du Dir nicht am Flughafen auszahlen lassen. Du musst ein umfangreiches Formular ausfüllen, das wird am Flughafen geprüft, auch die Artikel musst Du vorweisen. Ob die dann schon gebraucht sein können oder noch original verpackt sein müssen kann ich adhoc nicht sagen. Nach einigen Wochen wird dann die MWSt auf Dein Kreditkartenkonto rückgebucht.

Und, die MWSt bekommst Du nur zurück wenn Du die Waren mit einer Ausländischen Kreditkarte bezahlt hast. Barzahlung wird da nicht akzeptiert.

Meines Wissens gilt die Erstattung auch nicht für alle Waren sondern nur für bestimmte Warengruppen, Bekleidung geht aber.
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Genuasd
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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Genuasd »

@ Woyzeck
mein erstes Ziel in Lateinamerika war Kolumbien, danach Ecuador und dann kam Mexiko.
Was die Küche anging hab ich mich nur verschlechtert, besonders in Mexiko (ja die Küche ist mal geil, aber nicht auf Dauer).
Jedenfalls für jemanden der auf seine Linie achtet.

viele sagen, dass die kolumbianische Küche wenig zu bieten hat (jaja die essen nur arroz con pollo und mal empanadas/arepas), weil man sich auch viel von anderen Ländern nimmt, wie die Arepas oder der Cazuela. Ich find die Vielfalt gut.
Apropos Cazuela...
Im Restaurant Brisas del Caribe im Zentrum fand ich den Cazuela de mariscos immer sehr gut.

rainland
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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von rainland »

Mir gefällt der Reisebericht nicht mehr. Zu oft kommt die Worte spontaner Sex und geil darin vor.
Erinnert an einen Sextouristen, der in anderen Themen verachtend behandelt wurde, du erhältst hier Befürwortung von denen, die im anderen Thema Sextouristen als Abschaum bezeichnen. Wundersame Welt!

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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Woyzeck »

@rainland
Wenn du aus meinem Bericht herausliest, ich wäre so etwas wie ein Sextourist, dann kann ich dir leider nicht helfen.
Gibt ja glücklicherweise viele andere Berichte hier, die dich hoffentlich weniger frustrieren.

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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Woyzeck »

@desertfox

Muss mich nochmal genauer einlesen, wie das funktioniert, aber wenn Hotels, Inlandsflüge und Restaurantbesuche nicht erstattet werden, dann ist das für mich eigentlich eh uninteressant, da ich hier quasi nichts kaufe, das man als "Ware" bezeichnen könnte und darüber hinaus auch fast alles in bar bezahle. Die 5 Euro Steuerrückerstattung, die ich evtl. geltend machen könnte darf der kolumbianische Staat (oder wer auch immer dafür aufkommt) gerne behalten.

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Zwei oder drei Tage nach dem Kinobesuch hat mein Kumpel Marlon mich gefragt, ob ich Lust hatte, mit seiner Freundin und ihm im Plaza de Paloquemao etwas zu essen. Das ist eine Art Markthalle, in der es Unmengen an Verkaufsständen mit Obst und Gemüse, Fleisch, diversen Naturheilprodukten, Restaurants und anderem Kram gibt. Scheinbar die größte ihrer Art in Bogotá oder zumindest eine der größten. An diesem Tag war in Kolumbien Kongresswahl, was scheinbar der Grund dafür war, dass es quasi unmöglich war, per Cabify-App einen Uber-Klon zu meinem Hotel zu bestellen, was normalerweise maximal zwei Minuten dauert. Marlon meinte dann, ich soll ein Taxi von der Straße nehmen, was reibungslos geklappt, allerdings 15 mil (ca. 3,5€) und damit ein gutes Drittel mehr gekostet hat, als ich für ein Billigtaxi (8-9 mil) gezahlt hätte... ich hab dummerweise nicht dran gedacht, dem Fahrer vor dem Einsteigen einen billigeren Preis vorzuschlagen, aber seis drum.

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Während der Fahrt hat dann mein Handy geklingelt. Es war ein Taxifahrer, der vor meinem Hotel stand, weil ich scheinbar bei Cabify in der Warteschlange war, ohne es zu merken. Habe aufgrund meines dürftigen Spanisch und schlechter Tonqualität nicht wirklich verstanden, was er gesagt hat, aber dann versucht, ihm zu kommunizieren, dass ich schon in einem anderen Taxi auf dem Weg bin. Peinlich.

Da ich relativ spät am Plaza de Paloquemao angekommen bin, waren Marlon und seine Freundin schon am Essen. Ich hatte zuvor in einem Restaurant bei mir um die Ecke gefrühstückt und eigentlich gar keinen Appetit, sah mich dann aber genötigt, zumindest eine Suppe zu bestellen. Die Bedienung hat mich dann mit irgendwas vollgequatscht, was ich nicht richtig verstanden hab. Auf jeden Fall stand dann am Ende nicht nur die Suppe sondern auch arroz con pollo vor mir auf dem Tisch, :klat: was ich mir aber für später einpacken lassen konnte. Marlon bestand darauf, mir das Essen zu bezahlen, was mir äußerst unangenehm war, da ich hier schließlich der "reiche Europäer" bin und mir ziemlich sicher bin, dass er deutlich weniger verdient als ich, auch wenn ichs nicht weiß. Immerhin ist er Ingenieur und macht, soweit ich das verstanden habe, neben seinem Start-up auch noch so Beraterkram und Seminare an der Uni.

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Wir sind dann durch das Plaza spaziert, wo leider die meisten Läden schon geschlossen hatten (weiß nicht, obs daran lag, dass Sonntag war oder an der Wahl oder ob wir einfach zu spät dran waren...). Ich habe Unmengen mir unbekannter Früchte gekauft, die ich lt. Marlon unbedingt probieren müsse sowie eine Aloe-Creme gegen meinen Sonnenbrand. Man konnte in dem Laden auch Cannabis-Pflanzen (die hier übrigens ebenso wie kleine Mengen Marihuana für den Eigenbedarf legal sind), Coca-Tee und dergleichen kaufen, was ich ziemlich cool fand.

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Danach sind wir spaßeshalber ein wenig mit dem Transmilenio herumgefahren, weil ich meinte, ich habe gehört, das sei zu gefährlich für Touris. Auf dem Weg zur Station hat Marlon mir diverse Verhaltenstipps gegeben (no dar papaya usw.) und mich vor den Tricks der Taschendiebe gewarnt, mit denen im Transmilenio offenbar immer zu rechnen ist (2019 wurden im Transmilenio 13.000 Smartphones geklaut...). Alles in allem eine wenig einladende Situation. Zwar war im Transmilenio vergleichsweise wenig los aber es waren durch die Bank irgendwelche dubiosen und unangenehmen Typen mit im Bus, die offensichtlich unter Drogen standen oder psychische Probleme hatten und andere Fahrgäste belästigten. Immerhin konnte ich bei dieser Gelegenheit vom Bus aus einen Eindruck von Gegenden gewinnen, in denen geklaute Smartphones verkauft werden und minderjährige Prosituierte am Straßenrand stehen, ohne mich in ernsthaft in Gefahr zu begeben. Werde dieses Transportmittel aber tendenziell eher nicht weiter benutzen, auch wenn es deutlich günstiger wäre, als andauernd Taxis zu rufen.

Hab mich leider nicht getraut, im Transmilenio das Celular rauszuholen und Fotos zu machen.

Am Ende sind wir irgendwo in Chapinero ausgestiegen und durch einen riesigen Éxito-Supermarkt gegangen, wo ich nur ein paar Einkaufstüten als Souvenirs für Deutschland erworben habe. Anschließend haben wir noch die kolumbianische Version von Krapfen ohne Puderzucker gegessen, deren Name ich vergessen habe und sind dann zu Fuß zu meinem Hotel gegangen, das ungefähr zwei Kilometer entfernt war. Alles in allem ein schöner und erlebnisreicher Tag.

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Nube13
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März 2022: Vier Wochen Kolumbien

Beitrag von Nube13 »

Viel Spaß beim durchprobieren der Früchte!
Wenn du Guanábana in Bogota bekommst, die auch unbedingt probieren, auch wenn es eine ziemliche Sauerei ist die zu essen :D

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Beitrag von Woyzeck »

@Nube13
Habe hier gestern einen "Guanabanazo" getrunken, was eine Art Sorbet mit Guanábana-Stücken zu sein scheint. War okay aber hat mich jetzt nicht aus den Socken gehauen. Die Früchte waren übrigens köstlich, auch wenn ich mich leider bei keiner einzigen an den Namen erinnere... na gut, das oben links ist eine Birne, wie man sie auch in Europa kennt :p Oben rechts sind tomates de arbol die, wie man mir sagte, in erster Linie zu Saft gepresst werden, aber man kann sie auch einfach so essen. Der Geschmack erinnert überraschenderweise an Tomaten ;)