Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert


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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

⇒ Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

Welche persönlichen Konsequenzen ich aus dem Erdbeben ziehe?

Über unserem Schlafzimmer befindet sich die auf das Haus aufgesetzte Einliegerwohnung. Bei der hiesigen Bauweise ist das im "Normalbetrieb" incl. einem leichten Beben sicher, bei einem starken Beben wird das in unserem Haus nicht halten, in allen anderen auch nicht. Alles, was mehr als das Erdgeschoß hat, sehe ich grundsätzlich als gefährdet an wegen der Bauweise. Erdbebenresistent bauen kann sich hier keiner leisten.
Das letzte Beben dauerte ca. 5 Sekunden. Nach meiner Einschätzung sollten wir also nach 10 Sekunden im Freien stehen, denn das Blechdach über dem Flur und der Küche wird erst einstürzen, wenn Teile der Nachbargebäude darauf fallen.

Wenn man es also schafft, schnell im Freien zu stehen, lebt man, aber wie dann weiter, wenn dein altes Leben hinter dir in Trümmern liegt?

Als ERSTES stehen ab sofort Adiletten neben dem Bett und die Jeans sind in Griffweite, damit man sie im Rauslaufen noch greifen kann. An der Haustüre wird es je eine Leder-Umhängetasche und ein Paar stabile Schuhe geben, die man im Rauslaufen noch mitgreifen oder Rauskicken kann. Anziehen kann man sich im Freien. In jeder Tasche ist eine Regenjacke, die Cedula, der Pass, weitere Papiere wie Führerschein, etc. und alle Bankkarten. Die Kreditkarte wird ein Limit von 10 Mio. COP haben, falls wir fliegen müssen. Ferner 1 Mio. COP in kleinen Scheinen, nicht größer als 20 mil COP. Dazu gibt es je ein neues Ladegerät für die Telefone. Ein backup für den Rechner habe ich eh immer, muß nur noch in die Tasche gelegt werden.

Als ZWEITES werden wir uns um eine entsprechende Hausratversicherung kümmern müssen. Alle unsere Dokumente werde ich in den nächsten Wochen einscannen und auf einem Chip speichern, den ich mir um den Hals hängen kann (Chip ist schon da, Hals auch).

Sollte es uns treffen, dann stehen wir erstmal nicht mit nichts da. Ich denke, ich habe nichts Gravierendes vergessen. Ein Erdbeben kann keiner aufhalten, aber ein Szenario durchdenken und für dich die hoffentlich richtigen Schlüsse daraus ziehen, das kann man für sich und seinen Partner, der das so nicht kann.

Eine Schwester meiner Frau mußte heute Nacht in die Notaufnahme und wird morgen nach Armenia verlegt. Gestern war sie am Nachmittag noch bei uns zu Besuch. Hoffentlich kann man ihr helfen, sie hat einen Tumor im Gehirn. Wir haben sie vorletzte Woche schon zur Untersuchung nach Cali begleitet. Sie hat vier Kinder, davon leben drei Erwachsene noch zu Hause bei ihr. Einer davon ist schwerbehindert.

Diese Woche ist echt turbulent, ich hätte gerne auf alles das verzichtet, aber du kannst dir das alles halt nicht aussuchen.
Wir leben und wir leben gut, dafür sind wir dankbar.
Meine Frau ist natürlich im Krankenhaus bei ihrer Schwester.

Ich wünsche allen Lesern und Mitforisten einen schönen Sonntag.

Und jetzt: Bundesliga!! Gladbach spielt!

LG aus Cartago/Valle
gordito54
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CaribicStefan
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von CaribicStefan »

Ja solche Gedanken sollte man sich schon machen um etwas vorbereitet zu sein. Ich würde mir den Chip aber sparen und alle Dokumten an meine eigne Email Adresse mailen oder meisten gibt es dort auch genügend Speicherplatz für sowas.
So in etwa würde ich es auch mit den DAten vom Rechner handhaben, alles bei Dropbox, Google oder OneDrive hochladen, bzw syncen.
Auch die beiden Ledertaschen würde ich wenn dann lieber im Schlafzimmer deponieren, gerade wegen dem Geld un der Karten... nicht das die an der Haustür noch Füße bekommen... denn diese steht doch bestimmt oft offen.
Auch sollte ein Messer bzw Machete und Feuerzeug dabei sein, man weiß ja nie.
https://www.youtube.com/watch?v=GJm7H9IP5SU

Nico
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Nico »

Was man auch nicht unterschätzen darf, sind die vielen Gitter und Schlösser - wenn dann Panik ausbricht, wird es schwierig, schnell aus dem Gebäude zu kommen.

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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

@ CaribicStefan und Nico:
Danke für eure Beiträge. Ich hoffe, ich muß nie über den Ernstfall berichten, falls ich dann noch berichten kann.

Unsere Haustüre ist zusätzlich mit einer zweiten Sicherheitstüre versehen, man muß also 2 Türen aufsperren. Ich glaube nicht, daß meine Frau und ich in Panik ausbrechen, dazu hast du garkeine Zeit. Zudem haben wir jetzt zweimal geübt.

Eines ist aber sicher wie auch bei Feuer:
bist du einmal draußen, gehst du nicht mehr rein, egal wofür.

Eine "unsichtbare" Lösung für unsere Taschen finden meine Frau und ich sicher, wichtig ist halt, daß du beim Rausrennen das in die Hände kriegst, was du unbedingt brauchst, incl. Ersatzbrillen und Medikamente. Das kann man im Vorfeld in Ruhe packen.

Allen eine gute Zeit und bis zum nächsten beitrag!
LG an Alle!
gordito54

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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

Nachdem ich am 18.12.23 meine Cedula abholen konnte, bin ich im Januar der Nueva EPS beigetreten, in der auch meine Frau versichert ist.
Am 31.12. 23 ist meine internationale Krankenversicherung der Hanse Merkur abgelaufen, seit dem 16.01.24 bin ich also Mitglied der Nueva EPS. Dazu mußte ich mir gestern noch eine extra-Bescheinigung bei migracion colombia in Pereira abholen und der Kasse heute schicken.
Meine Frau und ich zahlen je 90.000 COP (21 Euro) monatlich für diese Grundversorgung. Im Dezember hat meine Frau noch 84.000 COP monatlich bezahlt. Die Preiserhöhung auf nun 90.000 COP monatlich wurde uns auf Nachfrage im örtlichen Büro mit der Inflationsrate begründet. Daher dürfen wir uns im nächsten Jahr auf etwa 100.000 COP freuen. Aber im Vergleich mit meiner Krankenversicherung der Rentner in Deutschland (auch etwa 700.000 COP) ist das immer noch billig und eine angemessene Versorgung damit gewährleistet.

Ich habe mich auch nach einer Zusatzversicherung erkundigt, die u.a. ärztliche Hausbesuche und eine häusliche Notfallambulanz beinhaltet, falls zu Hause was passiert. Das geht aber nur in Pereira, hier in Cartago wird das NICHT angeboten, das Geld dafür (immerhin über 700.000 COP = 163 Euro) im Monat wäre also hier zum Fenster rausgeworfen. Schade, ich hätte davon Gebrauch gemacht, denn ob ich mit über 70 Jahren noch bei einem Umzug nach Pereira aufgenommen würde, ist fraglich.

Herzliche Grüße an Alle aus Cartago/Valle
gordito54

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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

Es ist Sonntag und jeder ist da, wo er hingehört, meine Frau in der Kirche und ich am Schreibtisch.

Autowaschen:
Das findet hier samstags und sonntags auf der Straße statt. Wer einen Hochdruckreiniger hat, das sind eher wenige, setzt ihn auch ein. Da wenig Wasser reichen muß, ist die Wäsche mit einem Eimer Wasser das normale Maß.
Wenn der Busfahrer, der mit seiner Familie schräg gegenüber im Erdgeschoß wohnt, abends mit dem Sprinter nach Hause kommt, ist für seine Jungs Fußball spielen zu Ende. Dann wird der Firmenwagen innen ausgefegt (hier habe ich noch nie einen Staubsauger gesehen oder gehört) und außen mit einer Schüssel Wasser gewaschen. Wichtig! Die Chromfelgen müssen blinken. Der Gesamtzustand des Fahrzeugs unterscheidet sich deutlich von dem der Fahrzeugflotte des "collectivo del cafe". Übrigens Rumpelbus: der Fahrpreis nach Pereira ist von 6000 auf 7000 COP pro Person gestiegen. Für den, der viel fährt, sicher eine Mehrbelastung.

Ein neuer Berufskollege:
Ein Neffe meine Frau hat sein Ingenieur-Studium an der technischen Hochschule in Pereira neben seinem anspruchsvollen Beruf in der Keks- und Waffelfabrik ebendort erfolgreich absolviert und in dieser Woche sein Diplom erhalten. Wir sind alle mächtig stolz. Ich gönne ihm sein Einkommen. Er verdient genauso viel in COP, wie ich an Renten in Euro erhalte (6,5 Mio COP). Er ist der einzige aus dem Cartago-Familienzweig, der es zu etwas gebracht hat. Alle anderen sind nie hier rausgekommen. Keine Ausbildung, kein Beruf, Aushilfsjobs, ansonsten: NICHTS.
Dazu zählen auch die Nichten meine Frau, die nach der Schule außer Schwangerschaft nichts auf die Kette gekriegt haben. Eine der beiden ist schon wieder schwanger. wenn Kinder Kinder im estrato 1/2 kriegen, dann kann man ohne Soziologie studiert zu haben, abschätzen, welchen Weg diese Kinder gehen werden. Ich sage im Familienkreis nichts dazu, meine Frau sagt, wenn wir alleine sind, aber auch ihre Meinung dazu. 22 Jahre Madrid sind nicht spurlos an ihr vorbei gegangen. Sie ist in dieser Zeit Spanierin geworden. Meinung, Kleidung, Lebensart, sie unterscheidet sich deutlich.
Ich habe kurz an den 27.11.1981 gedacht, da habe ich mein Ingenieurdiplom erhalten und seit dem 01.12.81 habe ich in meinem Beruf gearbeitet. Immer gerne und meist sehr erfolgreich. Bis Mitte Juni 2023, da zog mich die Liebe fort...

ARA-Supermarkt:
Der Januar (enero) ist für manchen hierzulande schwierig, weil der Dezember mit Weihnachten und Jahreswechsel scheinbar völlig überraschend kam und damit Geld ausgegeben wurde, das jetzt fehlt. Nach einem kurzen Blick in den ARA, den wir sonst meiden, sind wir doch rein, denn es war leer. Wir haben das in den Wagen gelegt, was wir brauchen. Als wir zu Kassen wollten, standen vor der einzigen Kasse etwa 30 Personen. Keiner hatte mehr als zwei Produkte in den Händen: Reis, Milch, Chips... Das Mädchen an der Kasse kannte nicht das ALDI-Tempo, alles ging gemächlich und ordentlich nach Landesitte ab. Wir haben unseren Wagen dezent geparkt und sind gegangen.
Im olimpica öffnet die Filialleiterin schonmal persönlich eine Kasse für uns, wenn das Wägelchen gut gefüllt ist. Dann stehen aber auch 380.000 COP auf dem Bon. Passiert ja auch nicht täglich.

Mazamorra:
Am Vormittag fährt ein motorisiertes Dreirad über die Straße, man hupt und ruft "Mazamorra". Das Produkt wird mit der Kelle aus dem Alubottich abgefüllt und man zahlt einen geringen Betrag. Mazamorra sind in Milch eingelegte Maiskörner. Man vermutet also im ersten Anlauf etwas süßliches. Falsch! Das Ganze schmeckt muffig, man muß das mögen.

EDV-Kurs:
Meine Frau hat einen Computerkurs gebucht, um mit dem Notebook umgehen zu können, daß ihr in Spanien geschenkt wurde. Das ist auch bitter nötig, denn ohne Computerkenntnisse wird sie nach meinem Tod sonst nicht mit meinem Anwalt in Kontakt treten können, um ihre Witwenrenten zu beantragen. Sie muß mit correos electronico, scanner, Drucker und deepL umgehen lernen. Whatsapp und tiktok, dieser Kinderkram, reicht eben nicht dafür aus. Ich kann das nur vorbereiten, sie muß dann selber aktiv werden, denn ich bin dann weg.

Transito:
Dank diesem Forum weiss ich, daß ich einen eigenen kolumbianischen Führerschein brauche, um hier legal Auto zu fahren. Da meine Frau auch einen Führerschein für einen Roller will, werden wir nach ihrem EDV-Kurs den örtlichen transito aufsuchen und das weitere gemeinsam (Fahrschule, medico,..) erledigen.

La sequia:
Die Regenzeit im Oktober und November ist hier nahezu völlig ausgefallen. Die Grünstreifen auf den Straßen, die bei unserer Ankunft noch in sattem Grün standen, sind nun hellbraun. Ebenso sehen die Grünstreifen auf der Fernstraße nach Pereira aus, die Seitenstreifen auch. Die grünen Wiesen auf den Berghängen haben auch stellenweise in ein dezentes Braun gewechselt. Vorgestern hat es die ganze Nacht geregnet, heute Nacht auch. Das ist der berühmte in Tropfen auf den heißen Stein. Jetzt ist es bewölkt und es hat nur 25 Grad. Welche Wonne!

Die Kirche ist zu Ende, meine Frau ist zurück, mir fällt auch nichts mehr ein. Wir haben Hunger und gehen jetzt zu Tisch. Mahlzeit an Alle!

Herzliche Grüße aus Cartago/Valle/Colombia

gordito54

Nico
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Nico »

Ich freue mich immer, deine Berichte zu lesen.

Ich selbst lebe auch in einem einfachen Barrio, sagen wir am Rande von Gut und Böse. Dazu habe ich das Glück, im guten Teil zu wohnen. Estrato 3, nach 21 Uhr ist niemand mehr auf der Straße und alles ist ruhig. In der langen Zeit, in der ich hier wohne, habe ich noch nie jemanden gesehen, der auf der Straße ein Auto wäscht. Auch keine Kinder, die auf der Straße spielen. Fliegende Obst- und Gemüsehändler gehören ebenso zum Alltag wie der Mazamorra-Verkäufer.

Im anderen Teil des Barrios, vielleicht 200 Meter von mir entfernt, sieht alles anders aus, dort spielt sich das Leben auf der Straße ab. Die Menschen sitzen abends in Gruppen vor ihren Häusern, die Musik ist oft sehr laut und die Kinder spielen bis spät in die Nacht auf der Straße. Obwohl man keinen Unterschied in der Bauweise und auch nicht in den Straßenverhältnissen bemerkt, ist es dort Estrato 2.

Ich wünsche dir alles Gute.
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Holger78
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Holger78 »

@gordito54
Wie immer ein sehr schöne Bericht. Danke, das Du uns an deinem Leben in Kolumbien teilhaben lässt.

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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

Guten Morgen an Alle in Nah und Fern,

fast zwei Wochen hat mich das Coronavirus nun zum zweiten Mal im Leben aufs Bett gepresst, erstmalig in Deutschland im Januar 2020, aber wegen der guten Versorgung mit Medikamenten hier in Cartago bin ich auch ohne Arztbesuch wieder gut auf den Beinen. Aber das muß ich nicht nochmal haben...

Ich möchte noch etwas zum Thema Anwartschaft sagen. Wenn der ein oder andere herkommt mit dem Hintergedanken auf eine Rückkehr nach Deutschland, dann ist das seine Entscheidung. Ich bin hier ausreichend krankenversichert, es könnte gerne mehr sein, aber weder die SOS noch die Nueva EPS, bei der wir versichert sind, bieten etwas entsprechendes in Cartago an. Ich muß also nehmen, was da ist, aber als Grundversorgung reicht das. Eine Rückkehr nach Deutschland kommt für mich unter KEINEN Umständen wieder zum Tragen, nicht einmal zu Besuch. Entweder wandere ich aus oder ich lass es und zwar mit allen Konsequenzen. Sobald möglich, werde ich einen Einbürgerungsantrag stellen, das wird aber noch dauern. Sollten hier Ereignisse eintreten, die uns zur Flucht zwingen, gehen wir nach Spanien, meine Frau hat auch einen span. Pass und ich (noch) den deutschen. Bei Pepe auf Teneriffa würden wir sicher erstmal unterkommen. Als deutscher Staatsbürger komme ich problemlos ins span. Gesundheitssystem.

Sonntags ist die Innenstadt quasi geschlossen, nur Eisdielen und Bäckereien sind offen, auch die fliegenden Händler haben Sonntag. Hier im Barrio sind die Supermärkte auf, das ein oder andere Geschäft auch, aber nicht alle. Einen Betonmischer könnte ich gerade kaufen...

Auf der Hauptstraße um die Ecke gibt es auch einen Reparaturladen. Wir haben den geliehenen Ventilator hingebracht, der auf einmal nicht mehr wollte. Die Instandsetzung hat 20.000 COP gekostet (4,75 Euro), er läuft wieder und wir haben ihn schnell zurückgeben. Das Geschäft quillt über von Cassettendecks, Radios, Röhren- und sonstigen Fernsehern... wie war das in Europa noch mit dem Modebegriff "Nachhaltigkeit?" Was hier in Colombia weggeworfen wird, kann nicht mehr repariert werden. Was in Europa in den Müll wandert, ist hier second hand... mich wundert es daher nicht, daß die europäischen Umweltgedanken hier als Bevormundung und Einmischung empfunden werden.

Meine Frau geht mit großer Freude in ihren Computerkurs. Ihre Schwester Flora ist mit dabei, das macht beiden Spaß. Es ist ein Kurs für Senioren. Gut, daß hier sowas angeboten wird.

Aus der Erdbeben-Notfalltasche ist mittlerweile ein Rucksack geworden, ich hoffe, wir brauchen ihn nie.

Wir haben heute den 18.02. und auch heute wird es wieder über 30 Grad. Auch der Januar hatte jeden Tag über 30 Grad. Regen gab es so gut wir keinen. Ob das El Nino oder la Nina ist, weiss ich nicht, ich bin kein Meteorologe, aber einige Tage Regen wären gut für die Natur.

Heute Nachmittag macht meine Frau ihr unvergleichliches Gazpacho, das morgen serviert wird, an diesen heißen Tagen ein Genuss. Und es muß 24 Stunden im Kühlschrank "reifen", wegen des guten Geschmacks. Unter uns beiden wird nur mediterrane Küche serviert, aber nicht, wenn Familie dabei ist, die können damit nichts anfangen. Ich werfe gefüllte Oliven nicht gerne weg, sie sind hier sehr teuer, falls es überhaupt welche gibt. Keiner in der Familie isst sie, weil sie das nicht kennen. Daher reicht dann pro Nase auch ein halber Kubikmeter stichfester, klebriger, pappiger Reis aus dem ewigen Reiskocher (einem Hochzeitsgeschenk!) und 5 angebrannte Arepas und alle sind glücklich. Ich kriege das Zeug nicht runter. (Gilt auch für klebrige, pappige einheimischen Nudeln, man muß sie nur lang genug kochen. Igitt.)

Heute Mittag mache ich Rinderfilet a la plancha und meine Frau eine mediterranen Tomatensalat. Danach Vanille/Schokoeis, leider ohne Eierlikör.
Am Nachmittag: Sandia fria, die kleinen Wassermelonen hier sind lecker, müssen aber aus dem Kühlschrank kommen. (Hoffentlich kommt der Sa***ung-Monteur bald, der den Icemaker repariert.)

Mein Spanisch müßte besser sein, ohne meine Frau käme ich hier echt ins Schleudern. Zum Glück brauche ich keine Nachweise bei meiner Einbürgerung, da ich die 65 dann lang überschritten haben werde. Ich hoffe, in ein paar Jahren kann ich mitreden, im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür bin ich der wahrscheinlich Einzige, der hier in Cartago ein brauchbares Englisch spricht. Shit happens.

Der große Versandhandel aus Nordamerika hat meinen Trafo geschickt. Endlich kann ich wieder frischen Cafe Crema mit meinem Kaffeeautomaten aus Deutschland genießen. In dem großen Supermarkt mit dem Schweizer Namen gibt es hier auch vorzüglichen Bohnen-Kaffee, gut geröstet. Frisch gemahlen, mit 16 bar gepresst und direkt getrunken, so muß Kaffee Crema sein. Ich habe mich u.a. für die Marke Cafe des Mujeres entschieden, das ist eine Cooperative, die ihren Kaffee selbst vertreibt.
Übrigens gibt es nur in diesem Supermarkt Staudensellerie "apio", die frisch UND knackig ist, in allen anderen Läden ist es wie Gummi. Klar zahle ich dafür mehr, aber die Qualität stimmt.

Eine Schwester meine Frau bereitet den Kaffee aus Wasser zu, in dem Panela aufgelöst wurde, das ist der hier üblich Natur-Rohrzucker. Der Kaffee aus gemahlenem Pulver steht dann noch stundenlang auf dem Herd. Der Familie schmeckt es, ich winke immer ab. Grausam. Mir ist völlig rätselhaft, wie man in einem Land wie Colombia Kaffee so völlig verhunzen kann... das muß man auch erstmal schaffen.
Dafür mögen sie meinen Kaffee Crema aus der Maschine nicht, ist wohl zu stark (oder schmeckt einfach ungewohnt nach gutem Kaffee). Ein Pfund von quailitativ gutem Kaffee kostet hier auch gutes Geld, aber das ist es mir wert. Jede Tasse ein Genuss...

In dieser Woche war nach meine Erkrankung die fällige Fußpflege dran, endlich... ich gönne mir ja sonst kaum Extras im Leben...

Beim nächsten Mal nehme ich euch mit in den Supermarkt um die Ecke, damit ihr seht, was es hier gibt und für was man in den Laden mit dem Schweizer Namen gehen muß.

Einen herzlichen Gruß an Alle Nah und Fern aus Cartago /Valle / Colombia.
gordito54
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bastians
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von bastians »

Hallo gordito54,

wie immer schön geschrieben. Nur so als Hinweis, nach aktuellem Gesetzesstand verlierst Du die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn Du die kolumbianische freiwillig annimmst. Vielleicht wollt ihr ja nochmal 'ne schöne Reise machen, wo der deutsche Pass nützlich ist...
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Don Maximo
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Don Maximo »

Danke, Gordito54, für deine interessanten und unterhaltsamen Berichte. Ich hoffe, du hast dich gut und vollständig erholt.
Mit dem Thema Kaffee habe ich mich inzwischen abgefunden. Die Familie trinkt ausschliesslich gefriergetrockneten Kaffee. Egal, welche Marke, sie nennen ihn immer "Nescafé".
Zum Glück gibt es unten im Dorf einen befreundeten Bäcker, der einen Kaffeeautomaten gekauft hat und ich kann eine anständige Tasse Café crema geniessen wenn ich den pueblo gehe. Zu Hause mache ich meinen Kaffee mit meiner alten Bialetti. Aber sowohl der Kaffee vom "Gordo" (der Becker) als auch der von der Moka schmecken der Leuten hier nicht.
Was die mediterrane Küche angeht, muss ich dagegen sagen, dass Familie und Freunde sie dagegen sehr schätzen. Anfänglich skeptisch, lassen sie nun keine Gelegenheit aus, sich selbst einzuladen.
Ich lege die Oliven z. B. in extra natives Olivenöl mit italienischen Gewürzen und Knoblauch ein, und sie stürzen sich förmlich darauf. Sie lieben aber auch Risotto alla Milanese, Pasta oder Pizza. Kalte Gerichte (Aufschnitt, Wurst und Käse), auf italienische Art serviert, sind bei uns auch immer ein renner. Aber die Schwägerin und ein Neffe, die Köche sind, sagen, dass sie diese Gerichte nur mögen, wenn ich sie koche :D .
Verzeih mir meine Unwissenheit und verrate mir... mit großem Supermarkt mit Schweizer Namen... meinst du den Schweizer "Elefanten" Baumarkt?

Ich wünsche dir einen guten Appetit mit deinem gegrillten Fleisch, ich selbst habe bei diesen Temperaturen wenig Motivation, mich vor den Grill zu stellen.
Virtus Junxit Mors Non Separabit

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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

@Don Maximo:
Es ist die Metro hier in Cartago, ich hoffe, das ist jetzt keine Schleichwerbung. Teuer, aber qualitativ der beste Laden hier.

Das Rinderfilet war prima, ich mußte im olimpica aber einen ganzen Strang kaufen, 4 Kg für 20 Euro. Zugeschnitten habe ich es selber, wir haben es für 4 Portionen eingefroren. Ich bereite es mit unserem elektrischen Sandwichmaker zu. Das geht schnell und ist sauber.
Meine Frau ist bei einer Schwester zu Besuch, ich setze mich jetzt auf die Veranda. Feierabend.

@bastians.
Ich hoffe, bis dahin ist die doppelte Staatsbürgerschaft auch im rückständigen Deutschland Standard geworden...

LG und Danke für die Reaktionen.

gordito54

shakiro
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Beitrag von shakiro »

Hallo, lese da oben: Als deutscher Staatsbürger komme ich problemlos ins span. Gesundheitssystem.
Das geht nur wenn Du eine KV aus D mitbringst. Ansonsten ist man versichert im spanischen Gesundheitssystem wenn man eine Rente aus Spanien bezieht.
Ich spreche da aus eigener Erfahrung und bin in Spanien krankenversichert. Das geht entweder ueber die KV der Rentner in Deutschland oder Du zahlst in Deutschland eine Mitgliedschaft in der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung. Eine Moeglichkeit waere noch eine spanische Privat Krankenversicherung.

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Beitrag von gordito54 »

@shakiro:
Danke für die Information. In diesem speziellen Fall würde ich mich pro forma bei Freunden in Unna anmelden, dann bin ich wieder in der KV der Rentner und weiter nach Spanien ziehen. Ich hoffe, davon muß ich nie Gebrauch machen, weil hier Zustände wie in Venezuela ausgebrochen sind.
LG aus dem sonnigen Cartago.
gordito54

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Beitrag von gordito54 »

Liebe Leser und Mitforisten,

die Bolognese ist fertig und ich habe etwas Zeit, bis meine Frau aus der Kirche kommt. Sie wird dazu Reis nehmen, ich Spaghetti Kaliber 5. Vorher gibt es unser leckeres Gazpacho.

@DonMaximo: das hört sich alles sehr lecker an, aber hier kann ich mir das sparen.

Es war eine teure Woche. Meine Frau wird über Ostern drei Wochen in Madrid sein, sie hat außer persönlichen auch wirtschaftliche Gründe dafür. Ich habe 4.500.000 COP (1050 Euro) im Reisebüro für Hin- und Rückflug in der Holzklasse bezahlt. Mir tue ich das nicht an, ich werde hier das Haus hüten. Dann komme ich endlich mal dazu, das zu erledigen, was liegenblieb. Zum Beispiel der Autotest auf youtube mit Rainer Günzler: Ford 12m. Und ich werde täglich spanisch lernen, das ist etwas zu kurz gekommen.

Wir werden morgen nochmal bei "salud integral" vorstellig werden und wir werden fragen, warum wir noch kein Angebot zu einem "plan complementario" erhalten haben. Immerhin wollen sie 34.000 COP pro Monat und Person für die Gestellung einer Notfallambulanz plus Notarzt. Ich werde berichten, was daraus wird. Hier muß man allem und jedem hinterherrennen...

Diese Woche war der Zahnarzt dran. Ich bin in D alle 6 Monate zur Plaque-Entfernung gegangen, das halte ich hier bei. Die Behandlung (Privat, nix Kasse) war schmerzfrei. Das Handling war manuell, nix Ultraschall, das hat seine Praxis nicht. Dann war noch eine Karies zu behandeln, meine Frau hat es ohne Kariesbehandlung überstanden. Wie gesagt, alles schmerzfrei und handwerklich OK, aber Stand Deutschland vor 40 Jahren. Meinen Zähnen ist das aber egal, ich werde in 6 Monaten wieder dort vorstellig. Wir haben zusammen eine halbe Million (116 Euro) gezahlt. Alle 6 Monate muß das sein.

Heute Nacht hat es endlich einmal geregnet, die Natur hat es bitter nötig. In einigen Landesteilen war in den Nachrichten zu sehen, daß Trinkwasser aus Tankwagen bereitgestellt werden muß. Heute ist es bedeckt, daher nur 25 Grad, herrlich.

Mein neuer Trafo klappt prima. Der Kaffeeautomat hat 1650 W Leistung, ich habe einen 3 kW Trafo gekauft, damit er den Anlaufstrom beim Einschalten auch stemmt. Das ist der Fall. Ich habe sogar noch eine freie Steckdose für den Stabmixer aus Deutschland fürs Herstellen von Gazpacho.

Wir sind jetzt 6 Monate hier und 5 Monate verheiratet. Allen, die uns hier Glück gewünscht haben:
JA, die Glückwünsche sind alle in Erfüllung gegangen.
Wir können hier sehr gut leben, wir sind gesund und glücklich miteinander, welche Gnade auf unsere alten Tage. Jeder Tag ist ein Geschenk!

Uns ist ein Haus für 126 Mio. in einem conjunto cerrado angeboten worden. Gut in Schuß und mit überschaubarem Aufwand zu renovieren. ABER: es erstreckt sich über drei Etagen, wenn du 70 wirst, ist das nichts mehr. Vielleicht kauft es Kiko und zieht dort ein, wenn er mit seiner Familie zurückkommt. Mal sehen. Wir sind da erstmal raus.

So, ich muß jetzt mein Wasser für die Spaghetti zusetzen.

Allen nah und fern herzliche Grüße aus Cartago/Valle

gordito54

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Beitrag von gordito54 »

Das gab es auch noch:

Der Samsung-Service war da und hat den Icemaker reaktiviert, auf Garantie. Wir haben zu wenig Eis verbraucht, er war verstopft.

Heute muß ich im Chemiekaliengeschäft um die Ecke mal nachfragen, ob es dort Flüssigentkalker für Kaffeeautomaten gibt. Ich weiss, das sind alles Luxusprobleme, die der einfache Kolumbianer nicht hat.

Im Straßenverkehr kannst du dich hier auf nichts verlassen, schon gar nicht darauf, daß der Fahrzeugführer dahin fährt, wohin er blinkt. Sich darauf zu verlassen, das ist hier lebensgefährlich!

Kommt gut in die neue Woche und herzliche grüße aus Cartago/Valle

gordito54

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