Mittendrin!!! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Wer möchte nicht geliebt werden? Nichts ist schöner als wenn man liebt und geliebt wird. Doch die Entfernung wie bewältigt Ihr das?

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Cielo
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Mittendrin!!! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von Cielo » 17. Dez 2011, 00:02

Hallo liebe Colombianos...

oder...

an alle die es sind... werden... sein möchten... Fans... oder einfach nur Urlaub in Kolumbien machen.

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Ich hatte am Anfang so viele Fragen und keinen Plan! Nur durch suchen und sehr viel lesen wurden fast alle meine Fragen hier beantwortet. Waow! Vielen Dank an alle Mitglieder hier die sich so toll beteiligen! Auch der Ton hier ist sehr nett und hilfsbereit.

Heute habe ich die Möglichkeit, euch allen etwas zurückzugeben. Ich hoffe es.

Ich weiss jetzt nicht in welche Rubrik ich mein Posting einstellen soll... Es ist eine Vorstellung eines Mitglieds, ein Reisebericht und es passt auch in die Rubrik Fernbeziehung. Wo fange ich an? Am besten da wo ich gerade bin, mittendrin!

Bogota, 15.12.2011 (ein Tag Zeitverschiebung für mich...)

Wetter um 16:00 Uhr Ortszeit: Es zieht sich richtig schwarz zu... leichter Wind... das Gewitter lässt nicht mehr lange auf sich warten. Ich hoffe es regnet nicht so wie gestern, als wir im Exito waren... waow... und jeder Bus brechend voll. Gut, unser Bus war auch voll, aber dafür gabs zu den rundum beschlagenen Scheiben auch ordentlich Vallenato auf die Ohren. Wir bleiben heute zuhause. Kochen... DVD Abend. Punto! Jajajaja

Mein Name ist Jürgen, ich komme aus Süddeutschland und ich bin seit 2 Tagen mitten in Bogota. Ich wohne in der Calle 22. (Ich weiss, die ist gross) 2 Tage... und doch schon einiges erlebt und gelernt. Aber nur positiv, weil ich den "Deutschen" einfach zuhause gelassen habe! Mit der geordneten, fast nach DIN-Norm-Leben-Mentalität, kann ich hier überhaupt nichts anfangen. Meine früheren Auslandserfahrungen haben mir das gründlich ausgetrieben.

Okay, Kolumbien hat mich schon seit je her fasziniert... und so kam es wohl auch, dass ich eines Tages eine Colombiana "in mein Leben gezogen habe". Oder sie mich? Klar, auch mit Eigeninitiative über Internet... Wie auch immer, dass übliche... E-Mail... MSN... eines Tages Skype und Webcam. Aber ich habe mich lange geziert. Es dauerte fast 2 Monate bis wir uns in Skype gesehen und gesprochen haben. Grund: Meine schmerzhafte Erfahrung mit Maria aus Cali! ;-)

Gut, ich bin ein Mensch der niemals aufgibt und nicht alle Menschen sind gleich. Ich war sehr vorsichtig... fast übervorsichtig. Ich habe meiner Bogotana auch gesagt warum. Sie hat nie aufgegeben... sehr viel geschrieben, aber niemals aufdringlich, viel von sich und ihrer Familie erzählt und eine Menge Fotos geschickt. Ich muss gestehen, ich habe sie echt (subtil) getestet. Na ja, gebranntes Kind eben. Und wenn ich mich mal nicht gemeldet habe, kam nie ein böses Wort oder "warum meldest du dich nicht". Sie hat einfach nur geschrieben, sehr tief und liebevoll. Ach ja, zur Informastion, sie ist 35 Jahre und ich 48. Hat sie auch nicht interessiert. Mit ihrer liebevollen und intelligenten Art hat sie dann doch eines Tages mein Herz erobert... mit ihrer vertrauensvollen Art und Leichtigkeit.

Eine sehr schöne Frau, innen und aussen! Liebevoll... ein großes Herz... eigenständig... intelligent... spricht fliessend Englisch, arbeitet an einer Uni in Bogota. Unverheiratet, keine Kinder, wünscht sich aber sehr eine Familie. Ein Traum? Nein, sehr real und alles ist echt, wie ich gerade erlebe. Natürlich habe ich sie gefragt, warum so eine Frau wie sie "sola" ist. Naja, es ist eigentlich immer der selbe Grund, wie bei sehr vielen alleinstehenden Frauen, in ganz Südamerika.

Kurze Unterbrechung... So, jetzt haben wir den Salat! Nein... den Regen. Es schüttet wie aus Eimern... oder eher wie aus Containern... Komm` gut nachhause mi amor!

Eines Tages dann, im November diesen Jahres, habe ich den Entschluss gefasst und ihr gesagt dass ich nach Bogota komme. Ohne Vorwarnung "persönlich", via Skype eben. Sie hat fast geweint. Echt der Hammer die Süße. Okay, in der Firma den Urlaub gecheckt... Reisepass beantragt, den Flug gebucht und viele Dinge gekauft. Unter anderem, ja, auch die Weihnachts- und Gastgeschenke für Freundin und Familie. Bei letzterem haben mir die vielen Forumsteilnehmer mit ihren Beiträgen auch sehr geholfen mit den Tips. Danke!

Dann endlich stand der Termin fest. 13.12. Flug LH 542 München - Frankfurt - Bogota. Ich habe ihr gleich nach der Buchung die Bestätigung der Airline geschickt, mit meinen Reisedaten. Die Freude war sehr gross. Was ich auch noch sagen muss, sie hat hier im Vorfeld alles organisiert für uns! Sie hat gemeinsam mit ihrer Schwester die Apartmentvermieter abgeklappert um das Beste zum besten Preis für uns zu bekommen. Und das ist nicht einfach, wenige Wochen vor Weihnachten in Bogota. Aber sie hat es geschafft und uns ein schönes Apartment besorgt, bzw. sie hat es auf ihren Namen angemietet und auch die Anzahlung von 200.000 Pesos geleistet. Eine Menge Geld! Toll! Ein schönes Apartment, geräumig, sehr sauber, mit kleiner Küche, Telefon, TV und Internet. Preis für 18 Tage: 1.000.080 Pesos.

13.12.2011

Pünktliche Landung um 19:35 Ortszeit auf El Dorado International. Der Flieger war komplett ausgebucht und die Schlangen an der Passkontrolle dementsprechend lang... Dauer der Abfertigung... fast eine Stunde... meine Freundin hat sich draussen vor dem Flughafen schon Sorgen gemacht.

Dann endlich zum Kofferband... spannend... ist er da? Und wenn, dann wo? Keinen Plan vom Flughafen und dann die Menschenmassen! Einige Koffer waren schon vom Band gefallen... da habe zu erst gesucht und wurde auch gleich fündig. Etwas ramponiert aber da! Nächstes mal fliege ich mit Hartschale! Dann... oh nein! Nochmals Kofferkontrolle... öffnen... röntgen des Handgepäcks. Shit, dachte ich. Den Koffer kriegst du nicht mehr zu und wegen den heimischen Mitbringselspezialitäten (Wurst, Käse, Brot, Süssigkeiten) bestimmt Ärger...

Ich wollte mich schon zur Handgepäckkontrolle hinten anstellen, doch dann bemerkte ich, wie eine Dame mit dem Beamten sprach und danach mit ihr zusammen ein Tross von 10- 15 Leuten mit den Koffern einfach Richtung Ausgang ging... kurzerhand entschoss ich mich, mich einfach der Karavane anzuschliessen, die, warum auch immer, an der Kontrolle vorbeigewunken wurde. Niemand hat mich bemerkt oder aufgehalten... perfekt! Da habe ich mich schon fast verhalten wie ein Kolumbianer... schauen was die anderen tun und immer schön im Fluss bleiben.

Dann sah ich durch die Türscheiben schon die Menschenmassen... waow... hunderte.. und Schilder wurden hoch gehalten mit Namen drauf.. alles vor einer Absperrung, wie bei einem Konzert. Schon auf wenige Meter vorher kommt niemand an den Airportbereich heran... viel Polizei. Ich war wie in einem Film. Ich dachte, oh man... wie soll ich sie denn da finden? Und dann sah ich sie, gleich and der Abperrung... lachen... winken... und was macht sie? Gleich ein Foto von meiner Ankunft! Einfach süß! Unsere erste Begegnung in der Realtität... unsere erste Umarmung... und es hat nochmal "Klick" gemacht, bei uns beiden ist der Funke nochmals übergesprungen. Mir fiel eine ganze Steinlawine vom Herzen!

Gleich nach der Absperrung warten sie schon... die Taxi- und Hotelvermittler... und sie erkennen ihre "Opfer" sofort. Da lauert schon das erste Fettnäpfchen in das man treten kann. Zu den Hotelvermittlern ein klares und bestimmtes: "No, gacias!" Und Taxi? Man holt sich besser an einem speziellen Schalter, wenige Meter gleich rechts nach dem Ausgang El Dorado, ein Taxi-Ticket. Das sind die "sicheren" Taxis und es gibt keine Tricksereien mit dem Preis! Gut zu wissen!

Das Apartemento ist gross, hell und sehr sauber. Erstmal alle Modaltitäten abgewickelt... Koffer abgestellt und dann kurz einkaufen. Supermärkte wie bei uns gibt es hier (in dem Viertel) nicht, bzw. ich weiss es noch nicht. Dafür aber kleine Händler hier in der Strasse, wo ich fast alles bekomme. 2 kleine Cafes, eine nette Bar, ein Restaurant, eine kleine Bäckerei, Metzger und einen Gemüsehändler habe ich hier um die Ecke. Bei dem bekomme ich aber auch Cola, Zigaretten und Zahnpasta wenn es sein muss. Warum erinnert mich das alles so sehr and die Türkei?

Geschlafen habe ich in der ersten Nacht nicht viel, bin mehrmals aufgewacht und wusste nicht wo ich bin... Noch Zuhause oder in Bogota? :-) Am nächsten Tag habe ich mich erstmal ausgeschlafen, meine "Dulcinea" musste ja auch arbeiten, war okay. Abends sind wir zum Exito gefahren, eine riesige Shopping-Mall... auch ein Erlebnis, besonders wenn gerade die Milionarios spielen... waow... das ist Fussballbegeisterung pur... und meine erste Busfahrt... wir waren nass bis auf die Knochen... der Busfahrer ist gefahren als ob er verfolgt würde... aber Vallenato in den Ohren und glücklich. Ach ja, bei manchen Taxifahrern, fühlt man sich auch wie mitten drin im Film "Der Transporter"... Jajajaja

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Leider muss meine Freundin arbeiten... also bin ich heute zum ersten mal allein durch das Viertel gezogen und habe mir alles bei Tag angesehen. Aber ganz normal... kein Touri-Verhalten... ich habe mich da an einen Bericht von .... hier erinnert. Immer gerade aus und so tun als ob ich genau wüsste wohin ich will... keine Kamera dabei, nichts. Die Einkäufe trage ich auch so nachhause wie alle anderen auch, in der Plastiktüte. :-) Niemand hat sich für mich interessiert. Okay, ein paar Leute haben mich schon etwas genauer angesehen... ich bin halt ein Exote hier... gross... blond... blaue Augen. Beim Einkaufen waren alle sehr nett und hilfsbereit, auch bei meinem holprigen spanisch und das ich deutscher bin fanden doch einige Leute interessant.

Jetzt erst, am Tag 3, realisiere ich es wirklich. Ich bin nach einigen Vorbereitungen und Schwierigkeiten endlich angekommen, in meinem Traumland Kolumbien! Mittendrin in Bogota, Metropole und Moloch zugleich. Es kommt aber immer auf die Sichtweise an. Ich werde heute "mein Revier" noch weiter erkunden, weitere Kreise ziehen. Ich möchte neue Dinge sehen und neue Menschen kennenlernen.

Sicher, dass Leben hier ist nicht ansatzweise mit Deutschland zu vergleichen. Strassen, Häuser und vieles mehr, wird manchem als schäbig und heruntergekommen vorkommen. Auch in den besseren Stadtteilen wird der eine oder andere die Nase rümpfen. Aber dann bin ich am falschen Ort im falschen Land. Ich habe 2 Jahre im Ausland gelebt und einiges gesehen. Das letzte mal (2005) habe ich ein halbes Jahr in der Türkei gelebt und gearbeitet. Ich kenne auch Istanbul und das Landesinnere. Da wurde es dann doch oft extrem ärmlich. Ich bezeichne niemals etwas als schäbig... ich sehe immer die Situation der Menschen. Auch interessant: In 2 Wochen Türkei habe ich mehr Menschen kennengelernt als in 2 Jahren Deutschland. Man muss halt offen sein und so auf die Menschen zugehen. Das selbe fängt hier gerade an...

Und die 3 Tage zusammenleben mit meiner Colombiana? Auch ein Traum! Es ist, als ob wir uns schon lange kennen, dass Gesprächsthema geht nie aus. Wir haben sehr viele Gemeinsamkeiten, wie wir immer öfter feststellen, wir haben die selbe Lebenseinstellung und vieles mehr. Dass, und unsere gemeinsamen Aktivitäten, dass schweisst irgendwie zusammen. 2 Körper... eine Seele! Heute Abend lerne ich ihre Familie kennen. Sie wissen natürlich alle bescheid und sind schon sehr gespannt auf mich. Und ich erst!!! Ich bin auch gespannt auf Weihnachten, da kommen mal schnell 30 Leute zusammen und von wegen stille Nacht heilige Nacht! Salsa! Das wird für mich ein ganz besonderes Erlebnis, bzw. für uns.

"Wirst du das deutsche Essen nicht vermissen?" Mit einem Lächeln sagte ich nein, niemals. Wenn ich in einem anderen Land bin, dann meide ich die deutsche Küche wie der Teufel das Weihwasser! Ich will Land, Leute und Kultur kennenlernen. Also ganz ehrlich... Schnitzel mit Pommes und Salat... oder Schweinebraten nach Mutti`s Art... in Kolumbien? Nein, dass geht für mich garnicht!

Wenn ich abends das hier Fenster öffne... Viele verschiedene Gerüche... besonders vom Restauarnt nebenan... Alles zusammen eine Mischung... aus... etwas Strassenlärm... Hupen... heulende Sirenen... Lachen... und Salsa Musik! Mmmm... es zieht sich wieder zu... der abendliche Regen kündigt sich an... aber alles kein Problem, dass ist eben Bogota!

Gleich kommt meine Süße nachhause und wir werden zum ersten mal ein ganzes Wochenende nur für uns haben.
Estoy feliz!

Bis bald...

Jürgen

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Eisbaer
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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von Eisbaer » 17. Dez 2011, 00:24

Bild Cielo Bild

Vielen Dank für diesen wertvollen Bericht der bestimmt vielen helfen wird.

Schön das Du bei uns bist.

Wünsche Euch ein ganz tolles Wochenende.

Liebe Grüße Eisbaer
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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von Nasar » 17. Dez 2011, 01:27

Spannender als ein Roman und ihr seit sofort zusammengezogen ohne das die Eltern dich vorher kennengelernt haben? Liberale Colombiana.
Ich wünsche dir viel Glück und hoffe für euch das alles so kommt wie ihr es euch vorstellt :klat:
Fünf sind geladen, zehn sind gekommen, gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen.


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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von FreeLibertarian » 17. Dez 2011, 02:18

Zu erst einmal: :wil:

Kann mich den anderen nur anschließen, viel viel Glück dir und deiner Colombiana!!!

Ganz toller Reise- und Liebesbericht, wie ein Roman geschrieben. Meld dich bald mal wieder und sag uns Bescheid wie es dir geht, ok? :win: Cuidate mucho y pasalo bien amigo! :fel:


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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von rewindz » 17. Dez 2011, 10:24

Super Bericht, vielen Dank dafür, weiterhin viel Spass in Bogota und alles gute für dich und deine Freundin!


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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von Traveller » 17. Dez 2011, 18:28

Richtig spannend. Da ist das Happy End sehr nah. Vielen Dank für den Bericht und wie die anderen sagen viel Glück euch beiden.

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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von DanKie » 17. Dez 2011, 19:08

Schön geschrieben...schön zu lesen :-) Viel Glück euch beiden !!!!
Manche Menschen leben so vorsichtig......die sterben fast wie neu :-)


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Cielo
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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von Cielo » 20. Dez 2011, 06:03

Hola a todos!
Vielen Dank für eure Antworten, bzw. Reaktionen auf meinen Bericht. Und ja, ich werde euch gerne auf dem Laufenden halten. Es ist mir eine Freude, in Kolumbien zu sein und euch auch über meine Erlebnisse berichten zu dürfen.

Auch einen ganz lieben Dank an den- oder die (?) Forumsbetreiber hier! Richtig toll gemacht. Da steckt sehr viel Herz drin! Als ehemaliger Betreiber und Admin eines Stadtportals (Technik/Administation/Moderation) weiss ich, wieviel Arbeit dahinter steckt. Muchas gracias!

Doch bevor ich von meinem/unseren Wochenende berichte, möchte ich euch zuerst antworten.

@Nasar
"Liberale Colombiana"...
Mmmm... meine Süße, sie heisst Diana, sie ist eine sehr selbst- und eigenständige Person. Mit beiden Beinen auf dem Boden. Famile (die sie sehr liebt) und Traditionen hin- oder her... sie äussert auch Kritik gegenüber Familienmitgliedern. Es läuft nicht immer alles rund, wie bei uns auch. Sie lebt (noch) bei "Mamita" aus familiären Gründen. Der Vater ist vor 6 Jahren gestorben und sie sorgt für einiges. Sie lebt allein mit ihrer Mutter zusammen im Haus. Ich bin fasziniert von ihrer Einstellung zum Leben und von ihrer Stärke. Und natürlich auch von ihrer Liebe... :-)

@FreeLibertarian
Gracias amigo! Ja, ich möchte hier gerne weiter berichten. Unter Tags habe ich Zeit, weil sie leider meiner Freundin den Urlaub komplett gestrichen haben... Schade, aber davon geht meine (kolumbianische) Welt nicht unter. Heute ist mein 6. Tag hier... meine Kreise die ich am Tag hier so ziehe im Viertel werden immer größer. Mittlerweile kennen mich ein paar Leute hier. Es freut mich sehr, weil ich den Kontakt zu den Menschen ja auch will... suche. Es ist mir sehr wichtig.

Nun ein weiterer Bericht. Bogota, Montag, 19.12.

Das Treffen mit ihrer Familie war... einfach schön! (ich berichte) Nette, liebe, tolle Menschen mit Herz! Und ein toller Humor! Geduld und Verständnis hatte ich, war aber nicht nötig. (ausser etwas bei Mamita) Alle haben mich nicht als "Exoten" behandelt oder angesehen, sondern mich recht bald in ihre Gemeinschaft eingebunden. Ich bin der "novio" den Diana liebt und punto. Ich habe mich mit allen Sensoren bei ihr zuhause umgesehen. Natürlich ist ein liebevoll eingerichtetes kolumbianisches Haus nicht zu vergleichen mit meinem etwas spartanischem Apartemento. Ich bin ja hier in meiner Wohnung nur ein Durchreisender...

Das WE war einfach... maravilloso!!! Ausflüge in das "Centro", ins Zentrum von Bogota. Besuch des "Museo del Oro", das berühmte Goldmuseum in Bogota, mit vielen Exponaten und Führungen durch die Prä-Kolumbianische Geschichte. Faszinierend ohne Ende... Dann Geschäfte, Märkte und Bazars besucht... einkaufen... gemeinsam kochen... essen... eine Flasche "Vino Tinto", natürlich aus Kolumbien... dann DVD Abend in "unserem" Apartemento.

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Das Treffen mit ihrer Familie war auch toll, sehr nette Menschen. Am Anfang etwas zäh... bis sie mich ihrer Mutter und jedem Familienmitglied vorgestellt und ich mich in der neuen Situation "aklimatisiert" ... wir kamen auch noch zu spät. Dann wurde es nur noch lustig. Die Leute haben sich sehr viel Mühe gegeben, teilweise mit "etwas" englisch. Es war sehr ein schöner Abend. Ihre Mutter war den ganzen Abend sehr zurückhaltend, doch auf dem Heimweg mit Mutter, 2 Schwestern und einem Bruder bemerkte ich dann beim Abschied, dass Eis war gebrochen. Sie hat sich sehr nett bei mir verabschiedet und nun lässt sie mir bei jedem Telefonat mit ihrer Tochter liebe Grüße ausrichten. Vor diesem Treffen mit der Familie hatte ich etwas Bammel muss ich gestehen. Nein, meine Freundin und ich, wir waren beide etwas nervös.

5 Tage in Bogota... zusammen mit meiner total süßen Frau... Ich erlebe und lerne gerade so viel... dass muss ich alles irgendwie verarbeiten. Es ist alles weit mehr als nur ein Urlaub... alles weit mehr als "nur ein Treffen" mit einer Internetbekanntschaft.

Ich weiss nicht warum... Mein Bild von Kolumbien wurde nicht enttäuscht, weil ich keine Erwartungen hatte. Ich weiss nur, vieles kommt mir so bekannt vor... ja sogar vertraut. No tengo no idea... ahora.

Das Zentrum von Bogota am Sonntagmittag... ohne Worte... Dagegen sind die Zentren von München, Stuttgart und Hamburg am Sonntagmittag bei schönem Wetter, ein Altennachmittag bei Kaffee und Kuchen! :-))

Menschen...Menschen... Menschen... Gerüche... Farben... Eindrücke... und an jeder Ecke Salsa! Und wer je einen Hamburger und einen Hot Dog in Bogata gegessen hat, wird das selbe in Deutschland so langweilig finden wie ein Marmeladebrot... waow... total lecker... in einer kleinen Braterei bin ich hinten, hinter der Theke unten auf dem Boden auf einer leeren Cola-Kiste gesessen und habe zusammen mit anderen mein Essen genossen...ich war am Abend so pappsatt! An jeder Ecke gibt es irgendwelche landestypische Leckereien. Ja, ich muss gestehen, ich habe mich durch das Centro von Bogota gegessen... :-)))

Bis jetzt habe ich ca. 300 Bilder "im Kasten". Klar, viele Bilder von der Stadt... Strassen, Architektur, Natur. Aber meine besten Bilder sind das Leben... Menschen und Situationen... Momentaufnahmen des Lebens in Bogota. Der alte Mann der sein Gemüse verkauft an seinem kleinen Stand... Kinder die Getränke und Süßigkeiten anbieten... und schlafende Menschen auf dem Gehweg... Es gibt aber keine "guten" Bilder oder "schlechte" Bilder... Situationen... es gibt nur das Leben, dass ich "versuche" in Bruchteilen zu erfassen.

Jeden Morgen muss ich mich innerlich neu sortieren, meinen Speicher formatieren, um bereit zu sein für den neuen Tag.

Mein nächster Bericht wird über ein Erlebnis gestern in La Candelaria sein.

Thema: Ve con cuidado! Sicher in und durch Bogota... oder... dass war richtig knapp! Dass hätte echt ins Auge gehen können!

Hasta pronto!

Jürgen

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Nasar
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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von Nasar » 20. Dez 2011, 21:00

Danke für die Fortsetzung :app: Das wird spannender als ein Kriminalroman.
Fünf sind geladen, zehn sind gekommen, gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen.


ferdl_90
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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von ferdl_90 » 21. Dez 2011, 17:58

@cielo, Deine Berichte sind super interessant und wirklich eine Bereicherung. Ich war auch erst einmal in Kolumbien und hab viele Dinge sehr ähnlich erlebt wie Du...
Alles Gute weiterhin bei Deinen Erlebnissen und mit Deiner tollen Novia, freu mich auf weitere Berichte.
LG F.


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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von Cielo » 22. Dez 2011, 04:10

Hola queridos colombianos!

@all
Der nächste wichtige Schritt wird Weihnachten. Bis jetzt war es nur ein beschnuppern "la familia". An Weihnachten wird es wirklich spannend für mich. Ja, eigentlich für alle. Ich mag die Leute sehr und ich denke sie mich auch.

@Nasar
Kriminalroman ist echt gut! Aber etwas "Krimi" gibt es schon auch. Aber ich denke, für den Krimi habe ich selbst gesorgt. Ich war zu blauäugig in La Candelaria. Ich fühlte mich zu sicher... Aber, meine Antennen funktionieren. Ich habe im Vorfeld schon gespürt, dass etwas in der Luft liegt... ich wusste nur in dem Moment nicht genau was los ist... Eine wertvolle Erfahrung.

@ferdl_90
Super bien! :) Wo warst du in Kolumbien? Kennst du Bogota?

Bogota, 21.12. 2011

Bevor ich zu meinem angekündigten Erlebnis in La Candelaria komme, möchte ich erst über meinen Abend gestern im "Centro Comercial" de Bogota berichten. Der Neffe meiner Freundin und seine Freundin haben mich abgeholt. Beide sprechen kein Wort englisch... und... @ColombiaOnline... ja, nochmal eine Feuertaufe ;) Ich bemerke in diesen Tagen, dass ich hier mit meinem "Castellano" richtig Probleme habe.

Mit dem "Buso" in den Norden Bogotas... Ich geniesse diese Busfahrten. Okay, der Busfahrer hat mich um 400 Pesos abgezockt... Jajajaja... Und? Es macht mir nichts aus, ganz im Gegenteil. Die Busfahrt und die Eindrücke waren viel mehr wert.

Stop im Centro... und 20 Minuten Fussmarsch zum "Atlantis", eine große Shopping-Mall. Der Unterschied zum Exito ist, dass das Atlantis eher gediegen ist, kleiner als Exito, luxuriöser. Erstmal ins "Hardrock Cafe". Waow! Shakira war vor Wochen dort und sie hat ihre Hose und eine Gitarre mit Signatur hinterlassen. Die Hose hinter Glas... wie ein Schrein. Mmmm... wie hat sie da rein gepasst??? Ist sie so "flacita" oder zieht sie das mit der Zange an? Keine Ahnung.

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Weiter durch das Kaufhaus bis nach oben zu McDonalds. Okay, nach meinem kulinarischen Erlebnis im Centro mit HotDog und Hamburger, war das nur ein wiederlicher Fraß! Jetzt verstehe ich, warum meine Freundin nur ein einziges mal bei Mc.... war und dann nie wieder. Nach dem tollen Essen im Centro, (hamburgesia y hot dog) war Mc... nur eine lieblose Pampe!

Toll, was die Kaufhausbetreiber für einen wahnsinns Aufwand an Entertainment für Weihnachten und für die Kinder bieten! Ich war richtig platt! Nein, eigentlich ein richtiger Konsumenten-Kulturschock! Sowas in Deutschland? Kaum vorstellbar, in meiner Heimat-Service-Wüste. Ganz gleich wo ich einkaufen gehe... ob beim kleinen Händler oder in großen Supermarkt, diese herzliche, ehrliche Freundlichkeit ist sehr warm... sehr herzlich.

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Im Centro gingen wir dann durch das Lichtermeer... waaoow! Also so etwas habe ich noch nie gesehen! Stille Nacht, heilige Nacht....? Von wegen! Unter einem Sternenhimmel schneit es dann um 21 Uhr in Bogta! Rechts und links einer Passage waren eine Art Schneekanonen erhöht aufgestellt... in Form von uns bekannten Vogelhäuschen... und tatsächlich... es schneite kleine Flocken... bei 20 Grad plus mitten in Bogota! Alle haben gejubelt und sich total gefreut. Tanzen... singen... lachen... im imaginären Schnee...

Ich hatte meine Süße im Arm... und sah dieses Schneegestöber... lauter kleine Flocken... und ich dachte aber auch in dem Moment an meine Familie, 10.000 Kilometer entfernt, in Leutkirch im Allgäu, wo ich wohne. In Leutkirch hatte es an diesem Tag auch geschneit und Abends -6 Grad. Wieder ein tolles Erlebnis...

Den "Bogotanos" sagt man nach, sie seien arrogant... Ich persönlich kann das nicht bestätigen. Allesamt sehr höflich, nett und hilfsbereit.

Wie gesagt, am liebsten fahre ich mich dem Buso, denn dort sehe ich viel und ich treffe Menschen aller Schichten. Allesamt sehr höflich, nett und hilfsbereit... während sie mir mitten im Gespräch die Brieftasche klauen..... Jajajaja... Ein Spass! Aber nicht unmöglich...

La Candelaria... eigentlich sehr sicher, wie gesamt Bogota. Nur... an diesem Tag, kam es mir "spanisch" vor, dass wir, meine Freundin und ich fast allein auf den Strassen waren. Keine Touristen... wenig Einheimische. Mmmm... okay... ich machte viele tolle Fotos von der Altstadt. Ich steckte meine Cam schon garnicht mehr weg. Ein Fehler. Wie sich später herausstellen sollte. Wie gesagt, wir fühlten uns sicher. Ich hatte aber trotzdem iregendwie ein seltsames Gefühl. Sehr wenig Menschen auf den Strassen in La Candelaria...

Ich machte noch ein Foto vom Haus "Casa Poesiva Silva", eigentlich ein Nationalheiligtum Kolumbiens... Bogotas... leider voll mit unschönen Grafittis... dann sprach uns, bzw. meine Freundin eine Frau an.

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Sie sagte im O-Ton: "Geht dort nicht weiter hinauf! Die warten auf euch!" Meine Freundin: "Was? Wer?" Die Frau sagte, es sind junge Typen die euch beobachtet haben! Die sind nicht hier aus unserem Viertel. Die kenne ich nicht!Die passen euch ab wenn ihr weiter geht!

Meine Freundin sagte dann zu ihr, okay, wir gehen die Strasse runter und biegen dann einfach ab. Sie, die Frau sagte, nein! 2 sind oben und 2 Typen sind unten, die kommen von unten auf euch zu! Die warten auf euch, folgt mir! Bleibt in meiner Nähe!

Ich war wie in einem Film! Ich wusste ehrlich gesagt in dem Moment nicht wirklich was los ist. Erst als wir dann nicht unten abgebogen sind und uns mit vielem Dank von der Frau verabschiedet haben, dann haben wir sie beim Blick zurück bemerkt... Tatsächlich... "die" oben, hatten uns im Blick. Wir gingen runter ins Centro... meine Freundin, obwohl Bogotana, sie hatte echt Panik. Sie drehte sich so oft um, um sicher zu sein, dass uns niemand folgt. Erst als wir unter vielen Menschen waren und in der Nähe einer mobilen Polizeistation, dann entspannte sie sich fühlbar.

Ich, wir, danken dieser netten unbekannten Frau, die wie aus dem nichts zu uns kam sehr!

Dass sie, meine Freundin, eine geborene "Bogotana", richtig Angst bekam, hat mich sehr nachdenklich gemacht und ich habe dabei mein eigenes Verhalten analysiert.

Nichts ist sicher! Nirgends und niemals. Auch nicht in D. Ich kann um 12 nachts allein auf der Strasse auch von ein paar Jungs in D eins auf die Schnauze bekommen. Punto! Okay... wegen meiner guten "Ausbildung", bzw. Sport, kann ich locker 2 Jungs handeln, kein Problem. Aber 4? Und dann eine Frau dabei? Nee, da gehe ich lieber kein Risiko ein.

Mein "persönlicher" Sicherheitsleitfaden...

1. Nächstes Jahr eine unauffällige Cam. Klein, flach, schnell. Ich schiesse ein Foto und ich kann sie auch genauso schnell wieder in meiner Hosentasche verschwinden lassen.

2. Ich trage keinen, oder wenn dann nur billigen Schmuck. Ich vermeide alles, wass nach Gelbgold aussieht. Wenn ich Schmuck oder eine Uhr trage, dann nur das, wass ich im Notfall auch als "Geschenk" hergeben kann! Ich denke, es ist besser ein "Geschenk" an sich zu haben... besser als nichts! Man könnte verletzt werden. Gib dem Räuber ein Erfolgserlebnis und du bleibst gesund!

3. Geld... Papiere... niemals hinten in der Hosentasche! Auf dem Markt... oder im Bus... du steigst aus ohne alles und du bemerkst es nicht! Geld... Mmmm.... das soll jetzt keine Paranoia darstellen... Aber ich, ich nehme bei Einkäufen oder bei sonstigen Aktivitäten nie einen Geldbeutel mit. Ich falte die Scheine nach Größe sortiert und ich schiebe mir alles vorn in meine "sensible" rechte Hosentasche. Die richtig großen Scheine trage ich in der Socke. Brustbeutel mag ich nicht.

4. Sicher, das Neue, die vielen Eindrücke, eine andere Welt... man läuft teilweise mit staunenden Augen durch die Gegend. Wenn es mir auch manchmal schwerfällt... ob ich nur ein paar Tage in Kolumbien bin oder Monate... egal...Ich vermeide das!!! Mein persönliches Rezept ist... Ich bewege mich wie die anderen... ich kleide mich wie die anderen... nicht gut aber auch nicht schlecht... ich bin Mittelmaß... ich bin entspannt und ich weiss wo ich hin will! Aber oft weiss ich das nicht, ich lasse es mir aber nicht anmerken!

5. Extremsituation... Shit, ich hab mich verlaufen in Bogota und es ist nun 23:30... Eigentlich war ich doch noch vorher in der "Zona Rosa"...? Und nun? Einsame Strassen gibt es auch in den besseren Gegenden... Ich war wohl nach ein paar Cervezas zu mutig? Kein Bus, kein Taxi? Na ja, dass gibt es eigentlich in Bogota kaum. :) Aber... wenn, dann gehe ich immer in der Mitte der Strasse. Niemals auf dem Gehweg! Warum? Die Hauseingänge. Die meide ich wie die Pest! Ich könnte böse überrascht werden...

Mmmmm.... ich denke es gibt noch mehr... aber das sind meine persönlichen Grundregeln. Und diese halte ich strikt ein, wenn ich mich in Bogota bewege. Und ich will mich bewegen! Sicher und ganz normal wie jeder andere auch.

Bogota ist sicher! Für jeden Menschen! Das ist meine persönliche Erfahrung! Absolutamente! Niemand muss Angst haben!

Es ist mir ein großes Anliegen, dass niemand mein Schreiben hier falsch versteht. Bogota ist sicher! Aber... Bogota kann nur sein, was, oder wie du selbst bist! Sorglos durch die Gegend laufen... dass kann ich nichtmal in der kleinen Stadt im Allgäu in der ich lebe, mit 20.000 Einwohnern. Wenn du ganz entspannt nach Bogota kommst... dann wird dich Bogota auch so ganz entspannt und lieb empfangen. Sehr lieb... sehr liebevoll. Das ist meine Erfahrung. Aber... chaotisch liebevoll!

Ich fühle mich sehr wohl hier und das liegt nicht nur an meiner Freundin. Ich erlebe Bogota oft ganz allein, weil meine Freundin ja leider arbeiten muss.

Ich hoffe, dass euch mein Bericht gefallen hat und das ich vielleicht ein paar Gedanken und Anregungen hier beitragen konnte.
Ich freue mich auf eure Antworten.

Saludos a todos desde Bogota!

Jürgen


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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von bogota » 22. Dez 2011, 18:37

Danke, wieder ein sehr schöner und gut geschriebener Bericht. :app:

Habe erst kürzlich irgendwo gelesen, das in Bogota jeden Tag 3 Menschen ermordet werden. Damit liegt die Todesrate um ein XY-mehrfaches über der Deutschlands, in dem insgesamt über 10fach so viele Bewohner leben wie in Bogotá!

In Kolumbien mit 0,617847 Morden je 1.000 Einwohner.
In Deutschland wurden im benannten Zeitraum 0,0116461 je 1.000 Einwohner
Quelle: Wikipedia --> unter Punkt 4.1 Häufigkeit – Internationaler Vergleich

Ich erwähne das, weil andere Leser (und Kolumbien Erstbereiser die zum ersten Mal hier her kommen) vielleicht den Schluss daraus ziehen das hier alles Easy und ungefährlich ist!

Ich fühlte mich auch immer sicher in Bogotá, aber trotzdem aufpassen, die Hauptstadt ist und bleibt ein heißes und gefährliches Eisen. Deine Freundin ist Einheimische und weiß wieso Sie Angst hat. Auch wenn Du sportlich bist kann es immer schnell ins Auge gehen wenn die Anderen mit einem Messer oder einer Knarre vor Dir stehen. Da würde ich lieber ohne meine Sachen aber mit heiler Haut von dannen ziehen.
Weiterhin alles Gute und viel Glück für Euch und beglücke uns bitte mit neuen tollen Berichten. :P
Gruß Stefan


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Cielo
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Mittendrin! Vorstellung... Reisebericht... Fernbeziehung

Beitrag von Cielo » 22. Dez 2011, 22:39

Hola Stefan!

Danke für dein Lob und die ausführlichen Anmerkungen.

Ja, du hast vollkommen recht. Nichts ist hier easy und ungefährlich! Das muss man ganz klar sagen. Sicherheit in Bogota... mmm... dass muss halt jeder für sich selbt "gefühlt" entscheiden. Für mich ist Bogota sicher, wenn ich um die Gefahren weiß und mich auch dementsprechend verhalte. Ich habe auf jeden Fall etwas wichtiges gelernt am Wochenende.

"Habe erst kürzlich irgendwo gelesen, das in Bogota jeden Tag 3 Menschen ermordet werden."

Hm, dass kann "leider" stimmen. Ich verfolge natürlich auch die Nachrichten aus Bogota D.C. direkt und von Sonntag auf Dienstag sind allein 10 Menschen im Stadtteil Kennedy hier erschossen worden. Garnicht mal so weit von mir entfernt, ca. 10km Luftlinie. Also dort geht es ziemlich ab. Die Tageszeitung "El Tiempo" schreibt, dass allein in diesem Stadtteil von Januar bis November 236 Tötungsdelikte zu verzeichnen waren. Traurig...

Ich denke aber trotzdem, dass man als Tourist hier sicher sein kann. Information und Vorsicht ist wichtig. Einige Besitzer der "Tiendras", wie unsere Tante-Emma Läden (früher) und viele Taxifahrer, haben sogar Stadtpläne, in denen die unsicheren Stadtteile gekennzeichnet sind. Einfach mal fragen. Da ist niemand böse. Eine gute Idee fände ich auch, wenn man allein oder mit Partner hier her kommt, dass man sich einen vertrauenswürdigen ortskundigen Guide besorgt. Vielleicht über das Hotel des Vertrauens. Das Geld wäre es mir wirklich wert. Ich denke das wäre etwas für gesamt Kolumbien.

Ja, die Angst meiner Freundin hat mich nachdenklich gestimmt. Ich bin sensibler geworden und ich achte nun etwas mehr auf Zeichen... Menschen. Ich denke ich muss in jeder größeren Stadt aufpassen, Wenn ich mir z.B. die Kriminalstatistik nur von Zürich oder auch Hamburg anschaue... oh je.

Abschliessend ...
Ich habe sicher in Calgary, Istanbul und in Antalya (beruflich) gelebt, aber nichts, rein garnichts, ist mit hier zu vergleichen. Ich bin hier mitten in Kolumbien, in Bogota, wo ein Menschenleben keine 1000 Pesos wert ist. Ich weiß es, ich sehe es, ich verhalte mich dementsprechend.

Niemand sollte deswegen Kolumbien meiden, dass wäre nicht richtig, nicht gerecht, nicht für die Menschen und nicht für das Land. Die Menschen sind lieb und das Land wunderschön. Kolumbien braucht den Tourismus. Okay, auf die Touris, die nach Medellin kommen um auf den Spuren Pablo Escobars zu wandeln... ich denke auf solchen Tourismus kann CO verzichten. (meine persönliche Meinung) Der Mistkerl und seine Schergen haben genug Schaden für Land und Leute angerichtet, wenn auch unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit. Deshalb verehren ihn viele heute noch.

Saludos
Jürgen


ferdl_90
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Beitrag von ferdl_90 » 23. Dez 2011, 09:48

Hi Jürgen, Dein Bericht ist wie immer super zu lesen :)
Ich war auch in Bogotá, allerdings nur ca. 4 Tage. Wir haben in La Candelaria gewohnt und hatten eigentlich nie das Gefühl in Gefahr zu sein. Wir waren jedoch hauptsächlich tagsüber unterwegs, in Gegenden wo immer recht viele Menschen waren. Ich bin sowieso eher unauffällig und wurde (glaub ich) von den meisten Kolumbianern gar nicht als Ausländer wahrgenommen, da die Menschen in Bogotá ohnehin alle recht unterschiedlich aussehen.
Ich hatte, so wie Du, das Geld immer nur in losen Scheinen in der Hosentasche und sonst außer einem Ausweis, praktisch nichts dabei. Mein Handy ist uralt und meine Digitalkamera ist auch schon alt und praktisch wertlos. Ich hatte die Kamera jedoch praktisch nie in der Hand, außer kurz zum Fotografieren.
Sollte es zu einer problematischen Situation kommen, würde ich persönlich nicht versuchen Widerstand zu leisten, da man das Gegenüber einfach nicht einschätzen kann. Wer weiß, vielleicht wird man gebissen oder gleich mit Waffen bedroht, da bringt eínem körperliche Stärke dann nicht unbedingt viel. Wie Du oben eh erwähnst, ist ein Menschenleben nicht unbedingt viel Wert in Kolumbien. Da würd ich lieber 50.000 COP rausrücken und mich aus dem Staub machen, auch wenn ich eventuell das Gefühl hätte, den "Angreifern" körperlich überlegen zu sein - egal ob zwei oder vier. Hängt natürlich von der Situation ab, es gibt vielleicht auch Situationen in denen Widerstand etwas bringen kann, aber grundsätzlich würd ich mich auf nichts einlassen, auch ein einzelner Angreifer kann - mit den nötigen Waffen und hohem Aggressionspotential - tödlichen Schaden anrichten.

Grundsätzlich finde ich, dass man sich in Bogotá sehr gut sicher bewegen kann, man muß jedoch freilich schon vorsichtiger sein als bei uns (D, CH, A), wie Ihr eh schon erwähnt habt.

Wünsch Dir tolle Weihnachten im Familienkreis Deiner Novia, das ist wirklich eine aufregende Sache, kann mich richtig gut in Deine Situation versetzen :)
LG F.

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Beitrag von Wanderer » 23. Dez 2011, 17:59

Vielen Dank cielo für diese realistischen Berichte und weiterhin viel Glück bei allem. Frohe Weihnachten