Blines Reisebericht - Erste Kolumbienreise Juli 2013

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Eisbaer
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Blines Reisebericht - Erste Kolumbienreise Juli 2013

Beitrag von Eisbaer »

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Echt gut geschrieben. Vielen Dank! Macht Lust auf mehr ;-)
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Kamachi
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Blines Reisebericht - Erste Kolumbienreise Juli 2013

Beitrag von Kamachi »

MoinMoin Bline,
gebe Eisbär und den anderen Recht. Macht Laune. Lustig, informativ ...klasse. Hau in die Tasten :-)
Liebe Grüße,
Willi

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Bline
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Beitrag von Bline »

Hab ich erwähnt, dass ich den peinlichen Hut auf hatte und alsbald auch das Netz raushängen ließ, während sich Juan ständig selbst schlagen musste :D
Es ist mit Abstand das hässlichste Foto, das von mir existiert, aber ich konnte IN RUHE die Dunkelheit genießen :mrgreen: und beschränkte mich auf das Summen an meinen Ohren. Sie konnten nicht ran. Und das war ein tiefes Gefühl von Genugtuung :D

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Bline
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Beitrag von Bline »

Ob wir am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang geweckt und auf den See hinaus gerudert werden möchten….klar  , für uns nur das Beste und Schönste….also klopfte unser Miguel gegen fünf an unsere Tür. Wir standen sofort auf und machten uns bereit – die kleinen inneren Schweinehunde ließen wir in den Betten weiterschlafen. War ja auch ne kurze Nacht.
Die großen braunen „Stinkvögel“ waren, auch schon wach. Sie stinken tatsächlich, etwa so wie ein Puma oder die Losung von kleinen Raubtieren, um Feinde abzuschrecken. Es waren auch noch viele andere Vögel wach und verschafften der ruhigen friedlichen Atmosphäre einige Dezibel. Das Wasser war ruhig und der beginnende Tag spiegelte sich in der Oberfläche, bis schließlich gegen sechs die Sonne aufging. Ich hab sie ehrlich gesagt erst etwas später gesehen, weil die Bäume des direkt angrenzenden Urwaldes dem Horizont im Weg standen, was wir hier in Süddänemark ja anders gewöhnt sind. In 20 Minuten stehe ich am Strand an der Ostsee und schaue, wenn ich möchte, der aufsteigenden Sonne als erste direkt ins Gesicht. Aber das satte Grün ist das, was für mich unbeschreiblich ist und vor allem die Weite der unberührten Natur, das Wissen darum, dass der Wald für die Natur, für Pflanzen und Tiere Hunderte von Kilometern unberührt weitergeht, bis zum Pazifik oder sonst wo hin. Das erfüllt mich sehr. Gleichzeitig wird mir bewusst, dass wir von den Menschen in Südamerika oder überhaupt in Gebieten unberührter Wälder den Umweltschutz verlangen und erwarten, während wir diesem noch oft durch unsere Ansprüche im Weg stehen. Wir wollen das haben, was die Menschen dort nicht haben können, weil sie für uns erhalten sollen, was wir hier zerstört haben. Ich werde nochmals vieles überdenken und versuchen umzusetzen, was den Umweltschutz betrifft. Ich kann nicht alles richtig machen, aber vieles besser und mich vor allem bewusst und verantwortlich verhalten.
Das Hauptproblem scheint der Müll zu sein, der überall in Unmengen anfällt. So unberührt auch dieses Gebiet scheint, irgendwo muss dieser Müll, der sich in Hotels und Zivilisation ansammelt, hin. Er wird auf mit Tüten und Abfall beladenen Pferden zum Wasser transportiert und mit Booten irgendwo hin gefahren, wo er weitertransportiert und irgendwo tief in den Wäldern auf riesigen Müllbergen abgeladen wird. Müllverbrennung ist mir nicht begegnet, ich glaube das gibt es dort nicht. Es gibt auch kein Pfand auf Flaschen, jedenfalls habe ich das nirgends entdeckt. Alles kann/muss entsorgt werden, damit es aus den Augen ist. Vielerorts hat man aufgegeben oder ist gleichgültig geworden, oder hat sich an den Anblick gewöhnt, dass der Abfall herumfliegt und liegt und zerrissen wird. Vielleicht legt man ihn auch für die Menschen und Tiere hin, die nicht mal Abfall haben, keine Ahnung. Ein bisschen passt das „aus den Augen, aus dem Sinn“, denn wenn ich den Müll aus der Wohnung des späten Abends auf die Straße stelle, ist meine Wohnung zwar sauber und ich sehe ihn nicht mehr, aber dafür ist er jetzt unten. So ist das. Im Gebiet des Ökotourismus ist das schon ein wenig anders, da wird drauf geachtet, dass es für die Augen der Touristen sauber ist. Und es wird natürlich auch viel getan, denn das Gebiet ist für nichts anderes zu nutzen als für den Ökotourismus. Es gibt keine Flächen für den Agraranbau bzw. sind die Böden auch nicht geeignet. Ich habe nie etwas hingeworfen und Juan auch nicht. Ich habe viel gesehen, auch viel Armut, aber ich muss, auch wenn ich arm bin, nicht alles hinwerfen wo ich gehe und stehe. Ich gebe zu, das ist mir schwer gefallen zu begreifen, obwohl das auch in hiesigen Gefilden ein Problem ist. Wir haben halt das Geld, unseren Müll, den wir nun nicht loswerden oder verbrennen, zu verschiffen und wir haben das Glück, dafür sogar noch Geld zu bekommen. Das ist schon ein deutlicher Unterschied. Und obwohl überall irgendeine Möglichkeit besteht, nützlich und unentbehrlich zu wirken und sich damit einen Job zu verschaffen, gibt es wohl kaum Reinigungs - Komitees, die so wie hier Straßen reinigen und alles aufräumen. Ich weiß, darüber lässt sich streiten, doch wird uns hier in Deutschland der Müll hinter uns her entsorgt, und da eben nicht.
Fortsetzung folgt

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Macondo
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Beitrag von Macondo »

Danke fuer die tollen Berichte, Grosse Klasse!

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Bline
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Beitrag von Bline »

Unser reichhaltiges Frühstück am Spezialtisch war wieder sehr lecker, wir hatten nur noch wenig Zeit im Hotel und sollten leider unsere Sachen schon wieder zusammenpacken. Es wurde zum Abschluss unseres Aufenthaltes dann doch noch förmlich distanziert, Formulare, Passnummern usw., plötzlich wurde uns bewusst, dass wir für die Leute dort eben doch nur zwei Touristen und niemand besonderes. Aber worauf es ankommt ist der Kontakt, und der Moment. Und die vielen innigen Momente gab es. Es ist, wie es ist. Miguel mochte uns, besonders meinen Sympathikus Juan, und gleichzeitig wusste er, dass wieder mal ein Abschied kommen würde. So ist das mit dem Kommen und Gehen. Nichts ist für ewig. Und natürlich gibt es für einen Touristen nichts Schöneres als dazuzugehören. Ich hätte am liebsten unser Geschirr selbst abgewaschen und das der anderen auch. Darf nicht jeder – Geschirr in der Küche abwaschen. (ich auch nicht, schon klar  ) Miguel nahm netterweise meinen schweren großen Rucksack und trug diesen durch den Wald bis zur Anlegestelle. Auf dem Weg haben wir uns abgesprochen, ein Trinkgeld zu geben, worüber er sich sicher gefreut hat, auch wenn er es nicht zeigte, sondern eher hinnahm, als wäre es selbstverständlich. Am Anleger wechselten wir den Guide, Miguel blieb zurück, dafür bekamen wir eine Knalltüte, „Schaman“ genannt. Dieser begleitete uns nun für die nächsten Stopps. Heute stand der Besuch der Affeninsel auf dem Programm. Ich war sehr gespannt. Mit dem Schnellboot ging es wieder eine gefühlte Stunde die Wasserstraße entlang, bis das Boot langsamer wurde und schließlich anlegte. Die Sachen konnten wir im Boot lassen, Sonnenbrillen und Fotoapparate sollten festgehalten werden und wir sollten die Affen nicht festhalten. Ok. Auch hier waren wir nicht die exquisit einzigen Besucher, sondern es gab schon eine kleine Ansammlung von Grüppchen, jeweils mehr als zwei. Gleich nach dem Aussteigen ging es LINKS, nicht erst zu den Toiletten, was mir im Augenblick lieber gewesen wäre. Das Programm war straff, mit Ruhe getarnt. Links, weil links die Affenbegegnungsstelle war und wir auf dem Weg dorthin auf jeden Fall an den „Tapeziertischen“ der Indianer vorbei mussten, die allerlei zum Verkauf anboten. Ich bin mir allerdings sicher, dass sie diese Dinge selbst herstellten und nicht aus China importiert hatten. Und es waren auch sehr schöne Dinge, nur ein wenig zu teuer für unser Budget. Und ich wollte auch was Besonderes. Ich bin ja auch was Besonderes, ist ja klar. Ein Einzelstück. Ich bin auf der Jagd nach Einzelstücken. Juan hatte es nicht immer leicht…
Hier auf der Insel wurden wir mit Gefühlen konfrontiert, die wir gern vermieden hätten, aber wir haben uns einfach ein bisschen geschämt, weil sich als Attraktion vor dem Baumstamm, der uns noch von der Affenstreichelstelle trennte, eine kleine Reihe fast nackte Indianer positioniert hatte. Genau gesagt war es eine barbusige Indianerin und ein paar Orgelpfeifen, die auch „fast“ nackt waren. Die Familienangehörigen hatten den besseren Job, sie standen angezogen hinter den Ständen. Vielleicht haben sie gelost, wer heute welche Arbeit machen sollte. Ich habe das nicht gebraucht, nackte Indianer zu sehen und es wird auch nicht der Besuchermagnet werden. Wir fanden es eher peinlich. Ich glaube für sie war es halt der Job. Wir stiegen zügig über den Baumstamm und wurden augenblicklich von kleinen Affen besiedelt, und DAS WAR UNGLAUBLICH SÜß. Es gab nicht eine Sekunde, in der nicht mindestens zwei, drei Affen auf einem kletterten, oder auch sechs oder sieben. Das Highlight war, eine Banane in die Hand zu bekommen, weil man dann selbst nicht mehr zu sehen war. ALLES VOLLER AFFEN. Wir durften uns dort ausreichend lange für Fotos und Spaß aufhalten, ehe es weitergehen sollte. Hier entstanden ein paar lustige und niedliche Filme!
Nachdem genug war, ging es zu den fantastischen Sanitäranlagen (natürlich fotografisch dokumentiert) und anschließend zum Boot zurück. Unser „Führer“ hatte nicht unbegrenzt Zeit….
Ich habe später in meinem Reiseführer gelesen, dass es auf der Affeninsel einen wunderbaren Rundweg gibt, der auch bis in die Baumkronen führt. Jeder, der auf diese Insel fährt, sollte sich die Zeit dafür nehmen, die wir nicht bekommen haben. Ich war ein wenig enttäuscht, weil wir offensichtlich in erster Linie etwas kaufen sollten. Da würde ich beim nächsten Mal doch mehr auf das bestehen, was ich sehen möchte. Die Zeit muss einfach sein.
Fortsetzung folgt 

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Macondo
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Beitrag von Macondo »

:app: Wirklich lebhaft und spannend geschrieben, ich freue mich schon auf die Fortsetzung :fel:

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Nasar
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Beitrag von Nasar »

Spannender als ein Roman! Wilde Tiere, die Angst davor, dann er unerwartete Helfer. Duffte :klat:
Fünf sind geladen, zehn sind gekommen, gieß Wasser zur Suppe, heiß alle willkommen.

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Bline
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Beitrag von Bline »

Es ging also weiter zu unserem nächsten Stopp, ein kleines Indianerdorf namens Macetonia. Die „modernen“ Indios erwarteten uns bereits hinter ihrem U an Tischen. Wir sollten uns nach einer kleinen Shoppingtour auf eine der Bänke um den mittigen Platz setzen und nun kam eine Indianerin in traditioneller Kleidung und forderte uns auf, die Augen zu schließen. Da sie weder deutsch noch englisch sprach, hatte ich das nicht verstanden und das Lied, das sie nun sang, hat mich emotional nicht so berührt wie geplant. Ich bin nie irgendwie sarkastisch oder ironisch, es ist bloß so, dass ich nichts spüre, wenn es nicht echt ist. Anderen ging es vielleicht anders ( Juan nicht…). Niemand klatschte, weil das nicht passt. Es gesellten sich dann andere Indianerinnen mit drei Kindern auf die Fläche und begannen zu tanzen. Drei Schritte vor und auch gleich wieder zurück, in sich ändernder Richtung. Sie waren alle traditionell gekleidet, und das was die Touristen von Indianern erwarten, nämlich mindestens Barfüßigkeit, hatten sie zu bieten.
Ich erzähle an dieser Stelle eine kleine Anekdote aus meinem Leben vor vielen Jahren. Mit einer meiner Freundinnen war ich in einer lateinamerikanischen Tanzschule zu einem Fest mit Tanz und Vorführungen usw. Es kam als kleines Highlight eine Gruppe heißer Sambatänzerinnen, in schickem Outfit legten sie Samba vom Feinsten hin, die kleinen, zarten, pechschwarzen Frauen mit blitzenden Augen. Sie hatten als Accessoires Regenschirme, die sie im Kreis drehen. Das gab einen schönen Effekt. Aus unerfindlichen Gründen hatten zwei der Damen plötzlich ein paar Schirmchen übrig und gingen gezielt auf Zuschauerinnen zu, um diese zum Mittanzen aufzufordern.
Meine Freundin bekam auch eins……ich lachte mich halb schrott vor Schadenfreude, denn natürlich stachen die „Tänzerinnen“ im negativen Sinne aus der Reihe, was ja auch beabsichtigt war. Sie konnten weder die Schritte noch annähernd die Bewegungen nachvollziehen, lediglich die Schirmchen drehten sich wie die anderen. Ich lachte und lachte ……
Bis auch ich plötzlich ein Schirmchen in der Hand hielt. Anschließend mussten wir sofort gemeinsam aufs Klo, wie Frauen das immer so müssen, um Erlebnisse zu verkraften, die man anders nicht bewältigen kann. Der Weg des geringsten Widerstandes ist, mit einer guten Freundin aufs Klo oder überhaupt zu gehen.

Zurück zum Dorftanz. Ein kleines professionell ernst dreinblickendes Mädchen kam ihrem Job des Tages nach und forderte Zuschauer egal welchen Geschlechts zum Mittanzen auf. Ich kann tanzen. Aber es war peinlich. Weil es so unecht war. So gestellt. So kontaktlos. Tanz hat für mich immer mit Kontakt zu tun. Deshalb fand ich es schade, dass sie mein Lächeln nicht erwiderte. Es war peinlich.
Juan ist ein Mann.
Es gab keine Toiletten.
Aber es gab „Hinterland“, und genau das guckte ich mir anschließend mal genauer an. Was im Dorf geschieht, das fand ich interessant. Wie leben die Menschen, womit und woran hängen sie ihre Wäsche auf, wie wird gekocht, angebaut, miteinander gesprochen, kommuniziert, was haben die Kinder für Spielsachen, was für Spiele spielen sie usw.
Die Zeit war nicht ausreichend lang, und wir hatten ja auch in besagtem Hinterland nichts zu suchen. Die Grenze für uns waren die Verkaufsstände. Ich denke, etwas anderes kann man auch nicht erwarten. Die Indianer behalten so ihre Würde. Ich gehe von Zeit zu Zeit über Grenzen, was nicht unbedingt in Ordnung ist, aber viele Einblicke gewährt, mit denen ich sorgsam umgehe. Ich betone, dass ich mich in keiner Art und Weise über die Menschen dort stelle.
Als nun gar nichts mehr aus unseren Portemonnaies fiel, ging es zurück in die Boote. Ich weiß nicht, wo die anderen hingefahren sind, es waren auch keine Massen an Leuten, aber es kam definitiv eine weitere „Gruppe“ – Juan und ich waren als Zuschauer diesmal nicht nur zu zweit, sondern hatten uns zu einer anderen kleinen Gruppe dazugesetzt. Die Gruppen bestanden aus etwa 8 Leuten, vielleicht auch 12.
Als die Gruppe nach uns auf den Bänken Platz nahm, verspürte ich irgendwie einen Stich. Ich möchte das nun nicht weiter beschreiben. Entweder jemand versteht, was ich meine oder muss es denn jetzt so hinnehmen oder mich persönlich drauf ansprechen.
Unser Guide wartete schon darauf, dass wir endlich einstiegen, um es sich zum einen wieder auf dem Sitz neben dem Bootsfahrer gemütlich zu machen, zum anderen aber hatte er was vor und es entsprechend eilig, was er jedoch vergeblich versuchte für sich zu behalten.
Fortsetzung folgt. 

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Bline
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Beitrag von Bline »

Seid ihr schon gelangweilt? Oder soll ich noch bisschen weiter berichten? :) :)

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Macondo
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Beitrag von Macondo »

NEIIIIN!! Auf keinen fall auhoeren. Ist super spannend! :app:


dannyboy
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Beitrag von dannyboy »

Deine Art zu schreiben gefällt mir. Mach bitte weiter :-)

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Beitrag von walterdealemania »

..und wo ist dein neuer Reisebericht ? Heute sehe ich schon das zweite Mal nach und ...nichts also, ich warte! ;)

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Beitrag von Bline »

okidoki. Ich schreib ja schon. Geht halt nicht ganz so schnell, weil der Urlaub vorbei ist, aber geht schön weiter :bye: Bin ja noch nicht weit gekommen. Wir sind beim vierten Tag erst...

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Beitrag von Bline »

Das nächste Ziel war das wunderschöne alte Dorf Puerto Narinjo, benannt nach einem berühmten ehemaligen Politikers oder so, auf dem Weg in Richtung Leticia gelegen. In diesem Dorf gibt es weder Autos noch andere motorisierte Fahrzeuge und eine unglaubliche Vielfalt an Blumen und Farben. Bäume, Gärten, entzückende Häuschen bilden eine zauberhafte Atmosphäre und laden zum Verweilen und bummeln ein, auch wenn es keine Shoppingmeile gibt. Menschen badeten zwischen den Fischerbooten und Piranhas, ein Stück weiter wurde in einem Boot von einem Kind Wäsche gewaschen, ein anderes Kind putzte Schuhe und eine Frau wusch ab. Sie lachten, als ich es wagte ein Foto zu machen. Ich kam mir hinterweltlich damit vor, das so dokumentationswürdig zu finden. Man könnte denken ich wasche meine Wäsche nicht und habe nur Einmalgeschirr… Unser „Führer“ hatte es eilig, weil er hier mit seiner kleinen Freundin verabredet war. Sie ist etwa 16 und damit unverhältnismäßig jung im Vergleich zu ihm. Aber sie freuten sich beide. Er, weil er Beute jagt, sie, weil sie die Beute ist. Das passt. Diesmal durften wir so lange rumbummeln wie wir wollten. Ich freute mich über die vielen bunten Häuser und die liebevoll angelegten Wege. Ich sah auch kaum Müll. In einer Nebenstraße entdeckte ich endlich einen Stand, bei dem ich einkaufen wollte. Eine sehr alte Indianerin verkaufte selbstgemachten Schmuck, den sie aus Fruchtkernen herstellt. Die Sachen sind wunderschön, ich kaufte zwei Ketten und ein Armband, ein weiteres Armband schenkte sie mir. Meine Kette hat rote und schwarze Kerne und als Anhänger ein großes flaches Schneckenhaus. Mich begleiten Spiralen in meinem Leben, Symbol der Unendlichkeit. Neben ihr stand ihre kleine Enkelin. Ich hatte das sichere Gefühl, hier richtig zu sein.
Gegenüber lag ein „teures“ bzw. gutes Restaurant. Dort sollten wir rein. Wir mussten nichts bezahlen, all inklusive. Ein Gefühl von Dekadenz beschlich uns. Wir hatten die VIP oder besser wir WAREN die VIP :D Es gab vom Buffet, köstliche Dinge wie frittierte Platanos und Yucca, Salat, Reis, Gemüse und einen kleinen Nachtisch. Und wie immer frisch gepresste Natursäfte.
Die Kleine durfte auch mit essen. Man hat ja in dem Alter wenig Geld- Da ist man schon froh, den Freund in ein Restaurant begleiten zu dürfen, der das noch auf Kosten der Reiseagentur mit abrechnen kann. Verstehe ich.
Während des Bezirzens, Flirten und Umwerbens kamen wir uns beinahe störend vor, aber es schmeckte uns hervorragend. Wie immer, wenn ich mich irgendwie erden will, knotete ich eines meiner Armbänder und die Kleine kam auf meine Seite, um mir zuzuschauen. Derweil versuchte Juan ein paar Fragen zu stellen und Antworten zu bekommen. Juan, der es stets schaffte Kontakt und oftmals eine Beziehung herzustellen, wurde mit „Schaman“ nicht warm. Und ich glaube das lag nicht an ihm. Dass der Guide den Spitznamen Schaman hatte, lies mich aufhorchen. Juan erzählte mir, er habe das zwischenzeitlich immer mal gehört, wenn Bekannte ihn ansprachen, und man ist als Reiseleiter in diesem Gebiet mit den sich wiederholenden Anlaufpunkten natürlich hier und da bekannt.
Warum lies mich „Schaman“ aufhorchen? Weil ich schon seit vielen Jahren einen ganz starken Zug nach Südamerika hatte und habe und schon sehr lange einen Schamanen von dort treffen wollte. Für mich gibt es überhaupt keine Zweifel an deren Fähigkeiten, sofern es sich um „echte“ Schamanen handelt. Ich glaube an das alte Heilwesen, die Ganzheitlichkeit, die Natur und die Achtsamkeit. Ich glaube auch, Schamane ist man oder man ist es nicht. Und wenn man es ist oder dazu berufen ist, kann man seine Kanäle dafür öffnen und lernen, was die Ahnen weitergegeben haben. Aufgrund von persönlichen Beeinträchtigungen war eine schamanische Behandlung ein starker Wunsch von mir. Doch „Schaman“ war es nicht. Schaman meinte, nachdem ihm klar wurde, dass ich ganz heiß darauf war, behandelt zu werden, recht kommerziell und antwortete auf die Frage, was das denn kosten würde, das könne je nach Krankheit mitunter sehr teuer werden….außerdem müsse man eine Nacht in einer Finca oben im Regenwald übernachten und dort um 3 Uhr nachts behandelt werden. Nach dem Übernachtungspreis in der Finca hab ich dann gar nicht erst gefragt. Die Pesozeichen blitzten in seinen Augen, und während ich anfänglich noch Hoffnungen hatte, winkte Juan ab. Und auch ich wurde mit meinen weit offenen Äuglein misstrauisch, auch wenn ich ihm gern geglaubt hätte. Ein Schamane, der an Profit und Konsum denkt, an Gewinn und Abzocke, taugt nichts. Hier war ich völlig falsch.
Der Rest der Zeit blieb wieder uns beiden allein zur Verfügung, weil er mit seiner Maus ein wenig allein sein wollte. Nun ja, man versteht die Jugend…..wir bummelten hier und da und genossen die Ruhe und Lebendigkeit zugleich, die schönen Farben der Blumen und die Zeit, die wir hatten, die Wärme, die Sonne, den blauen Himmel, das Leben. Hier habe ich einen kleinen Film gedreht, durch das Fenster eines Kindergartens. Die Kinder haben mit der Erzieherin Fangen gespielt. Plötzlich kamen drei zum Fenster gelaufen und schauten lachend und mit großen Augen in den Fotoapparat. Das war sehr schön und fröhlich. Wir haben noch eine kleine Weile gebraucht, bis wir wieder am Boot angekommen waren, Schaman musste sich hier nun auch erstmal verabschieden, sie sollte nämlich da bleiben. Die Beute im Auge stieg auch er ins Boot und wir machten uns auf zu unserem nächsten Highlight. Wir wollten die rosa Flussdelphine finden. Schaman war nach Minuten fest eingeschlafen. Sein Regencape, welches er sich übergezogen hatte, weil es zu regnen begonnen hatte, flatterte uns lauthals um die Ohren. Juan versuchte das Plastik mit dem Knie am Sitz festzuklemmen. Im weiteren Verlauf riss es zu unserem Vergnügen vollkommen ein, was er unter diesen Umständen nicht mitbekam. Unserm netten erfahrenen Bootsfahrer, der sich wirklich alle Mühe gab, gelang es, die Delphine zu finden. Plötzlich waren sie da, diese phantastischen Tiere. Sie sind wirklich rosa! Es gibt aber auch graue. Und es gibt eine Sage:
Für die Indianer sind Frauen sehr wichtig und werden sehr geachtet. Der Gott des Amazonas hat schlechte oder falsche Heiler als Strafe in rosa Delphine verwandelt, rosa wegen der Hautfarbe. Einmal im Jahr werden diese aber zu Menschen und gehen an Land, um sich die Frauen ins Wasser zu holen und sie zu töten. Die grauen Delphine sind gut zu den Menschen, weil sie diese warnen, ehe die rosa Delphine sich verwandeln.
Weil das Boot plötzlich stoppte, wachte Schaman abrupt auf und tat so, als hätte er die Delphine gefunden. Wir dankten dem Bootsfahrer! Es war allerdings fast unmöglich, Fotos oder Filme zu machen, weil die Delphine so schnell verschwinden wie sie auftauchen. Sie waren sogar dicht am Boot und schienen uns zu beobachten. Das war sehr schön!
Eine halbe Stunde später waren wir in Leticia und wurden zum Hotel gebracht. Die halbe Stunde nutzte man zum schlafen…egal, wir waren zufrieden. Das Hotel hatte für uns einen Hauch Luxus, einen Swimmingpool und im Zimmer einen großen Ventilator sowie einen Fernseher. Fernsehen hatte ich bisher aber nicht vermisst, im Gegenteil tat es mir gut, das mal eine Weile nicht zu haben, wo ich doch zu Hause gern fernsehe. Abendbrot, bisschen chillen und dann noch mal raus, in normalen Anziehsachen statt Urwaldlook. Das tat bei der feuchten Wärme und dem leichten Wind richtig gut!
Fortsetzung folgt 

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Wanderer
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Beitrag von Wanderer »

Sehr gut. Vielen Dank.