Blines Reisebericht - Erste Kolumbienreise Juli 2013

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Kamachi
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Blines Reisebericht - Erste Kolumbienreise Juli 2013

Beitrag von Kamachi » 3. Sep 2013, 14:46

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Einfach nur schön zu lesen, Bline.Danke, saludos, Willi

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Macondo
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Blines Reisebericht - Erste Kolumbienreise Juli 2013

Beitrag von Macondo » 3. Sep 2013, 15:53

Danke Bline, wirklich grosse Klasse wie Du schreibst :app:

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Ernesto
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Beitrag von Ernesto » 3. Sep 2013, 17:22

Wirklich Klasse und noch einmal Danke.

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Beitrag von Bline » 3. Sep 2013, 20:36

Das Goldmuseum ist natürlich in Bogota, und nicht in Pereira. :D Ich meinte den Marktplatz mit dem nackten Bolivar in "Gold".....

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Beitrag von Bline » 10. Sep 2013, 08:55

Für den Aufenthalt auf der Farm wurde eine Menge gepackt. Vom Entsafter über Lebensmittel und dies und das kam alles mit, was dort benötigt wurde. Und dann ging es los.
Die Farm oder Bauernhof hat mit einem Bauernhof im hiesigen Sinne nichts zu tun. Wir fuhren etwa 30 Minuten mit dem Taxi aus der Stadt über die Brücke von San Francisco und dann wendige Feldwege entlang in Richtung ehemalige Weinberge. Wie schon erwähnt sind viele Kaffeebauern zu Zeiten der sogenannten Kaffeekrise auf andere Erwerbsquellen ausgewichen, weil sie vom Kaffee nicht mehr leben konnten. Viele Finkas wurden verkauft, manche konnten ihre jedoch behalten. Die Finka ist ein großes wunderschönes Anwesen. Ein Tor gab den Eingang frei, und es ging einen geschwungenen, etwa 100 Meter langen Weg zum Haus entlang, vorbei an zwei Fischteichen und herrlichen Blumen und vielen Bäumen. Es gab auch hier wieder die kolumbianischen Geier, die so unbeliebt sind. Man mag sie deshalb nicht, weil sie Aas und Müll fressen und als eklig angesehen werden. Ich finde sie schön. Ein kleines Gartenhaus bot einen ausgezeichneten Ausblick und eine Sonnenterrasse für die Vögel. Das Haupthaus erinnerte mich an amerikanische Spielfilme. Eine lang gezogene Veranda bzw. Terrasse führt an diversen Türen vorbei um das gesamte flache Haus herum. Als Baumaterial hatte man den nur hier vorkommenden Riesenbambus, Guardua, verwendet. Er wächst bis zu 35 Meter im halben Jahr und bindet ca. 40 Mal mehr CO2 als andere Bäume. Er ist die perfekte Alternative zum Hartholz aus dem Regenwald und ist besonders stabil. Er wächst auch auf kargen Böden, weil er anspruchslos ist und kann so zum Schutz des Regenwaldes beitragen. Zur Begrüßung rasten sogleich Tara, die nun glücklichste Welpe und ihr neuer Freund, ein großer alter, ehemaliger Straßenhund auf uns zu. Ich bekam ein eigenes Zimmer mit kleinem Bad. Die beiden gegenüber liegenden Fenster standen offen und der Raum deshalb angenehm kühl. Die Schwester und die Cousine waren schon da, weil mit Juans Vater vorgefahren. Die Cousine erzählte, sie habe nach der Ankunft erstmal eine Tarantel in ihrem Zimmer erschlagen….Weil sie mit Spinnen ebenfalls nicht per Du ist, fiel die gezeigte Größe beeindruckend aus und versetzte mich in Allarmbereitschaft. Von nun an bewegte ich mich vorsichtig und suchte mit den Augen die Ecken und Winkel ab, an denen ich vorbeiging. Vor allem aber schloss ich meine Fenster…. Dem Spalt unter der Tür blieb ich jedoch ausgesetzt. Bad, Bett, Wände und Schrank waren einwohnerfrei. Deshalb beruhigte ich mich und erkundete weiter die Umgebung. Die Mutter, eine ausgesprochene Pflanzenliebhaberin und Herrin des Gartens führte mich zu Recht stolz durch den wunderschönen Garten. Sie hat alles selbst angelegt und es blüht in allen Ecken und Winkeln. Ich habe großen Respekt. Die Familie hat zwei grüne Papageien, zwei Kater, zwei Kühe und ein Kalb. Der Papagei Roberto und Kater Mono sind beste Freunde, weshalb letzterer gern vor dem Vogelbauer sitzt. Der Vogelbauer ist permanent offen, so dass die Papageien fliegen und herumklettern können. Roberta ist später dazugekommen und handzahm. Ich hatte meine Freude. Die Mutter verschwand sogleich in der Küche und richtete sich ein, um das Mittagessen vorzubereiten. Die Notwendigkeit von Mittagessen teile ich nach wie vor nicht, aber es schmeckt immer wieder gut. Für diesen Tag war nichts mehr geplant, nicht einmal mehr ein Spaziergang. Chillen war angesagt, Erholen von den Aufregungen mit der Mieterin, den Erinnerungen an den Unfall, den Alpträumen und der Unzufriedenheit. So saßen wir auf der Terrasse, und ich legte die Beine auf die Bambusbrüstung, genoss die Ruhe und ging meiner Lieblingsbeschäftigung nach. Ein Band entstand. Die Mutter, die verstanden hatte, dass ich Kaffee liebe, brachte mir die ein und andere Tasse, was ich sehr genossen habe. Mit der Schwester und der Cousine hatte ich viel Spaß dabei, uns gegenseitig ein wenig Spanisch und Deutsch beizubringen. „Guten Tag, ich heiße, ich bin soundso viel Jahre alt und wohne in….“ Die deutsche Sprache war für die beiden komplizierter als Spanisch für mich, zumal ich sagen kann, dass meine Aussprache gar nicht so schlecht ist. Tara hatte am Ende dieses Tages „Platz“ und „hiiiier“ gelernt. Abends zog ich mich in mein Zimmer zurück, durch welches ich vorher die Schwester und die Cousine schickte, um die Lage auszuloten. Alles bestens, deshalb Dusche und Bett, mit Reiseführern und Tagebuch. In dieser Nacht habe ich richtig gut geschlafen, trotz geschlossener Fenster….

Fortsetzung folgt :)

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Beitrag von Kamachi » 10. Sep 2013, 14:46

MoinMoin Bline, cool, es geht weiter. Horridooo, Willi.

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Beitrag von Macondo » 10. Sep 2013, 16:16

:fel: Super es geht weiter :app: Vielen Dank!

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Beitrag von Bline » 27. Sep 2013, 12:29

Zweieinhalb Tage verbrachten wir auf der schönen Farm. Am Abend des ersten Tages machte ich mich gemeinsam mit Juans Schwester und Cousine auf die Suche nach einer Superspinne, die es dort geben sollte, wenn sie auch nur selten zu sehen seien. Ich war noch immer mit Phantasien bezüglich der durch die Cousine erschlagenen Tarantel beschäftigt, wenn ich auch bei dieser Gelegenheit erfahren konnte, dass es durchaus spinnenabgeneigte KolumbianerInnen gibt, die maßlos übertreiben, was die Größe angeht. Ich wollte unbedingt große Spinnen sehen, aber es blieb bei den handelsüblichen Größen der deutschen Winkelspinne. Unbekannt war mir eine größere Art von platter grauer Spinnen, die ein wenig an Krabben erinnern. Sie sind dort recht häufig zu sehen, wenn es dämmert und dunkler wird, und sind, weil sie lästiges Ungeziefer jagen, gern gesehen. Für mich war das Äußerste, sie von nahem zu fotografieren, aber immerhin. Plötzlich kam die Schwester mit einer Plastikwanne, in welcher eine dieser Winkelspinnengrößen um ihr Leben rannte. Es sollte ihr nichts passieren, die Schwester ist umweltbezüglich sehr engagiert und interessiert. Sie nahm die Spinne in die Hand, während ich ein wenig atemlos wurde. Schließlich wurde das Tierchen wieder in die Freiheit entlassen, wo es hingehen durfte, wo es wollte – außer natürlich in mein Zimmer.
Die Idee, mich durch das abendliche Durchsuchen des Raumes zu schützen, war eigentlich absurd, denn unter dem Spalt der Zimmertür hätte ich mich mit 40 Kilo weniger durchschieben können. Aber ich konnte auf diese Weise beruhigt schlafen, und was derweil passiert, interessiert mich dann nicht.
Am Mittag des zweiten Tages kam Besuch. Ich lag gemütlich in der Hängematte und war mit meinen Bändern beschäftigt, als ich gerufen wurde. Verwandte waren gekommen, um ihren Sohn vorbeizubringen. Dabei erfuhr ich, dass wenn Besuch kommt, alle Familienmitglieder zusammenkommen und beieinander sitzen. Immer wieder fragte ich mich, wo eigentlich das Bedürfnis nach in Deutschland üblicher Privatsphäre war. Wie tiefgreifend persönlich kann so ein Besuch ablaufen, wenn wirklich alle zusammensitzen? Und was machen kolumbianische Jugendliche während ihrer Pubertät? Gibt es sowas wie „ich mach gerade alles anders als meine spießigen Eltern“, oder lassen die diese Phase aus? Wie interessant ist das für die jungen Leute, mit den Alten zusammenzusitzen oder Sorgen auszulösen, wenn sie sich in ihr Zimmer zurückziehen? Offenbar gibt es solche Momente, in denen man ganz für sich ist, aber es schien mir stets ein wenig unangebracht und unhöflich, allein sein zu wollen, weshalb ich mich nicht zurückzog. Meine Nische waren die Bänder. Wenn ich still war und mich raushielt, wurde ich sogleich gefragt, was ich hätte und ob ich traurig sei. Manchmal war es so, aber manchmal war es einfach nur anstrengend, spanisch zu hören und nicht zu verstehen. Da möchte das Gehirn mal pausieren. Dauergrinsen liegt mir halt fern. Der Besuch war etwas wohlhabenderen Standards, und weil das allen auf die Nerven ging und sie kein Deutsch sprachen, haben wir was mich betrifft, ziemlich aufgetischt, aus Angeberei. Endlich hatte man ein wenig Respekt und Achtung und fühlte sich nicht mehr so überheblich. Denn da war die Deutsche, die es wohl auch nicht schlecht getroffen hatte. Ich hatte somit meinen Spaß. Für den Nachmittag hatte man uns gestattet, den privaten Pool zu nutzen. Die noble Finca lag etwas höher den Berg rauf, zu Fuß gut zu erreichen. Mittlerweile ging ich auch in meinen Badelatschen, was ich anfangs für undenkbar gehalten hatte. Ein paar Kinder durften auch mit hinein, und wir hatten ein paar wunderschöne Stunden, in welchen wir mit den Kindern gespielt haben. Dabei kommt es auf die Sprache nicht an, denn verständigen kann man sich mit den Kindern auch ohne Reden. Es war wirklich sehr schön! Am Zaun nebenan standen alle Kühe und uns amüsiert beobachteten. Die Sonne ließ langsam nach und es wurde auch kühler, so dass wir genug hatten. Auf dem Rückweg sah ich ein Kalb an einem Baum angebunden. Juan erklärte mir den Hintergrund. Auf dem Land wird das Kalb für die Zeit des Melkens von der Mutter getrennt, danach aber gleich wieder zu ihr gelassen. So müssen Mutter und Kalb nicht dauerhaft getrennt werden, man kann die Milch gewinnen, und das Kalb regt die Produktion auf natürlichem Weg weiter an.
Abendbrotzeit, es gab wieder leckeres kolumbianisches Essen, wir hatten auch ordentlich Hunger, und frisch gepressten Saft.
Der Entsafter gehört zu den wichtigsten Küchengeräten. Ich freute mich auf den kommenden Tag, um wieder neues zu entdecken und zu erleben und konnte wunderbar schlafen.
Fortsetzung folgt 

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Beitrag von Kamachi » 27. Sep 2013, 15:16

MoiMoin Bline,
schön, daß es weiter geht :-)
Liebe Grüße,
Willi

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Beitrag von Macondo » 27. Sep 2013, 18:22

:rain: Super Bline, daß es weiter geht :app: Danke!

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Beitrag von walterdealemania » 28. Sep 2013, 12:13

...ja und endlich kann ich auch wieder mitlesen!

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Beitrag von hoffnung_2013 » 28. Sep 2013, 21:11

Hi, Walterdealemania, wo treibst Du Dich denn jetzt herum?
Gruß
P.

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Beitrag von Ernesto » 29. Sep 2013, 00:17

Danke, sehr gut ;-)

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Beitrag von walterdealemania » 29. Sep 2013, 19:47

Hallo @hoffnung_2013, bin nach langer Zeit wieder in Hamburg gelandet und schon 14 Tage hier aber langsam bekomme ich etwas "Heimweh" nach Santa Marta und die lieben Menschen dort.

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Beitrag von Bline » 29. Sep 2013, 21:51

Walter kann wieder mitmachen !!!!!! Das ist schön!! :D

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Beitrag von Bline » 16. Apr 2014, 06:36

Meine Lieben alle, Fortsetzung folgt, habe ich immer wieder angekündigt. Es ist wie ein Märchen. Soll ich euch den Ausgang verraten oder wollt ihr, dass ich meinen durchaus vorhandenen Reisebericht schön ordentlich zu Ende bringe? Ich hab noch alles.....dauert halt bloß immer mal. Zur Zeit liege ich nach einer angestandenen Operation im Krankenhaus. Es ist so vieles passiert, ich kam irgendwann nicht mehr dazu, weiter zu posten. Liebe Grüße, Eure Bline