Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die den Schritt schon gewagt haben.
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Gilberto
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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von Gilberto » 21. Feb 2019, 23:39

Gilberto bezieht sich zum Teil auf diese Aussage
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Jeder deutsche Staatsbuerger kann sich arbeitslos melden und kann Harz IV beantragen, im Harz IV Betrag ist Geld fuer eine Wohnung mit eingerechnet, oder zum Sozialamt gehen, sie bekommen unterstuetzung und Geld fuer ein Zimmer oder eine Wohnung, Geld zum Leben, bei Harz IV sind sie Krankenversichert.

Ich hätte eine Frage die ich mir selbst nicht beantworten kann. Einen älteren Deutschen habe ich vor ein paar Tagen kennengelernt. Dem scheint es nicht gut zu gehen in Kolumbien. Ich sagte ihm genau das, was John Extra anspricht, rein ins Flugzeug und wenn er niemand mehr da hat (habe ich so aus dem Gespräch raus gehört), dann zum Sozialamt. Würde das wirklich so gehen? Man muss sich doch erst irgendwo anmelden um Hilfe zu bekommen.
Wohnheim ist bestimmt auch nicht jedermanns Sache. Ich fände das schlimm, du kommst zurück nach was weiß ich wie vielen Jahren/Jahrzehnten und du stehst da vor nichts. Hat das schon einmal jemand durchgemacht?




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Max
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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von Max » 22. Feb 2019, 01:23

Kommt halt auch darauf an ob irgendwas in D war. z.B Unerhaltszahlungen ausstehend aber generell ja. Aber das Risiko muss man halt in Kauf nehmen.


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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von desertfox » 22. Feb 2019, 14:39

Er muss sich zunächst irgendwo anmelden da die Sozialleistungen von dem Amt bezahlt werden wo er seinen Wohnsitz hat. In wieweit er sich dann einfach in einem Obdachlosenheim anmelden kann, kann ich nicht sagen!

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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von Karibikotto » 22. Feb 2019, 14:46

Die weitere Frage ist auch, hat das Obdachlosenheim freie Plätze. Ich wünsche keinem diesen Schritt obwohl ich mir sicher bin, das es jemanden der finanziell in Kolumbien am Ende ist, in Deutschland besser geht. Nur, die Bürokratie kann sehr schmerzhaft sein. Vor allem wenn jemand wie Gilberto es schreibt, Jahrzehnte in Kolumbien lebt.

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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von Gilberto » 22. Feb 2019, 16:10

Danke für´s verschieben. So passt es besser.

Ich hatte den Mann auf das Forum aufmerksam gemacht, er meinte, das er mit seinen fast 70 Jahren damit nicht zurecht käme.
Da ich fast glaube, das er jeden Tag auf der selben Bank im Park sitzt gehe ich die Tage nochmal vorbei.
Will jetzt nicht sagen, dass mir der Mann leid tut, aber mein Eindruck war schon deprimierend. Ich kannte bis jetzt nur die Ausländer die auf der anderen Seite des Lebens stehen und das auch sehr gerne zeigen.

Daher finde ich das Thema gut, denn bestimmt waren schon andere in der gleichen oder einer ähnlichen Situation. Nur die meisten trauen sich nicht was zu sagen wenn es ihnen mal schlecht geht. Schade eigendlich.


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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von MMMatze » 22. Feb 2019, 16:25

Das Hauptproblem besteht glaub ich wirklich darin, dass es viele Leute gibt, die sich im Labyrinth des Sozialstaates gut auskennen, die Hilfe ohne Scham annehmen, und damit ein einigermassen menschenwürdiges Auskommen haben. Auf der anderen Seite gibt es aber eben auch immer noch sehr viele, vor allem ältere Leute, die sich ihrer Situation so sehr schämen, dass sie keine Hilfe annehmen wollen, oder aber auch vor den Behörden schlichtweg kapitulieren.

Ich möchte ehrlich gesagt nicht in der Situation stecken, völlig mittellos aus Kolumbien (oder egal woher) nach Deutschland zurückkehren zu müssen, und dann um Hilfe "betteln" zu müssen, aber theoretisch glaube und hoffe ich, dass mein Überlebenstrieb dann doch siegen würde.

Leicht ist das sicherlich nicht.

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Ernesto
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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von Ernesto » 22. Feb 2019, 16:31

In Deutschland gibt es ein => Auswandererschutzgesetz.
Unter anderem ist das Raphaels Werk sehr engagiert bei der Hilfe von Rückwanderern.
Lese gerade im Netz das auch der Deutscher Caritasverband ein Ansprechpartner für eine Rückreise wäre.

Es gibt nur zwei Varianten der Rückreise. Das ganze einigermassen organisiert mit Hilfe einer der oben genannten Organisation oder sich selbst im Netz schlau machen wo man am besten "aufschlägt".

Wenn der Bekannte von Gilberto keine Familie in D. mehr hat und er sich selbst nicht richtig helfen kann, dann sollte er vielleicht besser Hilfe suchen, eventuell auch über die Botschaft.

Wie die Vorgehensweise ohne vorherige Hilfesuche ist, das kann ich leider nicht sagen. Wäre ein interessantes Szenario das einmal durch zuspielen.

Also ich komme irgendwo in Deutschland an. habe vielleicht noch für ein paar Tage "Kleingeld". Was dann ... wohin?


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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von Max » 22. Feb 2019, 19:02

Weiss jetzt nicht ob man nicht Anspruch auf Sozialhilfe / Hartz 4 hier hat. Ich weiss das Dt die wo hier im Knast sitzen monatlich den Kol. Mindestlohn bekommen.


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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von John Extra » 22. Feb 2019, 21:47

Ich sehe gerade im Netz
Eine Rueckwanderung wie die Auswamderung planen, eine Reserve fuer den Notfall, die deutsche Botschaft im Auswanderungsland kommt nicht fuer die Kosten auf, traurig aber wahr
Zuerst in dem Ort in dem man leben will zum Sozialamt fuer Ueberbrueckungsgeld, Wohnsitz anmelden und dann Arbeitslos melden. Hartz IV
Im Moment liest sich das alles grausam und ich weis nicht ob das alles so funktioniert und ich weis nicht ob ich DAS erleben moechte.
Im Labyrinth der Deutschen Buerokratie gefangen sein.
Die Rueckfuehrung der Migranten aus Deutschland mit abgelehntem Asylantrag kostet tausende von Euro, aber es ist kein Geld da fuer Deutsche Rueckwanderer ins Heimatland.

:kotz:

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Ich muss diese Geschichte einfach mal loswerden.....
Ich bin als 16 Jaehriger mal von Zuhause abgehauen, bin dann per Anhalter in Ida-Oberstein gelandet, im Park uebernachtet wo ich am naechsten Morgen merkte es waren noch mehr Personen da. Wir haben dann in der Strasse die Broetchen und die Milchflaschen vor den Haeusern geklaut und gefruestueckt.
ich merkte schnell das war alles nicht mein Ding und wollte wieder nach Hause, aber wie.
Ich war streng erzogen und Katholisch erzogen und so ging ich zum Katholischen Pfarrer im Ort und wollte um Hilfe Bitten fuer Uebernachtung und Reisegeld. Ich bekam 5,- DM und eine Absage fuers uebernachten.
So ging ich zum Evangelischen Pastor, er und seine Frau liessen mich in Haus, ich bekam zu essen und zu trinken und sollte meine Geschichte erzaehlen.
Sie telefonierten dann mit meiner Mutter und alles war gut ich bekam eine Tasche mit Brote und Obst, wir gingen zum Bahnhof und ich war im Zug nach Hause.
Dieses Erlebniss hat mich bis heute gepraegt und mein Verhaeltniss zur Katholischen Kirche sehr belastet.

Ente gut, alles gut.

:fel:



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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von spitfire88 » 23. Feb 2019, 12:49

Dies ist ein wichtiges Thema. So etwas kommt selten bis gar nicht zur Diskussion, da die vielen (!) Rückwanderer natürlich nicht gerne über ihr Scheitern im Ausland berichten. Es gibt in den Foren i. d. R. die nur tollen Stories, was man alles vor hat, wenn man nach Lateinamerika auswandert. Ich verfolge jedoch schon seit 20 Jahren die Rückwanderungen von Deutschen aus Venezuela [unabhängig von der aktuellen Situation] bei realen Fällen. Jeder Fall ist natürlich anders. Die erste Rückwanderung erfolgt häufig mit der Schulpflicht des ersten Kindes, die letzte Rückwanderung wohl mit 70, wenn das Thema Gesundheitsversorgung angesteht. Dazwischen ist es dann häufig, wenn das Geld ausgeht, wenn das Geschäft nicht so läuft, wie gedacht, wenn die Gesundheit nicht mehr mitspielt, ...

Zum hiesigen Fall: Mit 70 gibt es ja kein ALG I oder ALG II. Sofort zum Sozialamt, schnellst möglich einen Wohnsitz besorgen [Das sieht m. E. aber nach Obdachlosenheim aus], eventuell Rentenansprüche aus der Vergangenheit prüfen; Bankkonto für Leistungen.

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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von Karibikotto » 23. Feb 2019, 13:43

Ganz wichtig ist auch der deutsche Pass, den der Mann hoffentlich noch hat.


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Rückwanderung nach Deutschland (fast) mittellos - wie gehe ich vor?

Beitrag von axko » 23. Feb 2019, 14:43

Gewinne werden privatisiert... Verluste verstaatlicht - Auswanderung ist mit einem enormen Risiko verbunden und jeder der Auswandert sollte sich dieses Risiko bewusst sein. Urlaub in einem Land ist absolut etwas anderes als auswandern!!! Die meisten Motive von Auswanderern ist, dass sie mit ihren Heimatland nicht mehr zufrieden sind. Die Suche nach persönlicher Freiheit ist auch mit dem aufgeben der staatlichen Fürsorgepflicht seines Heimatlandes verbunden. Wenn der Traum vom Auswandern zum Alptraum wird...dann auf einmal ist wieder alles super was man/frau eins in seinem Heimatland verdammt hat. Wie einer schon gesagt hat, das Risiko muss man halb im Kauf nehmen, wenn es schief geht. Dagegen gibt es keine Versicherung. In diesem Sinne, fröhliches weiterkämpfen mit der neu gewonnenen Freiheit.