⇒ Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:
Im Bereich der kolumbianischen Wirtschaft gibt es Neuigkeiten, die in dieser Form im Land bisher Seltenheitswert haben. Wie der öffentlich-rechtliche Sender Radio Nacional de Colombia berichtet, ist es der Regierung gelungen, die Auslandsschulden des Landes in einem beispiellosen Kraftakt massiv zu senken. Allein im Zeitraum zwischen März und Mai dieses Jahres wurden die Verbindlichkeiten im Ausland um 10 Milliarden US-Dollar reduziert.Der Direktor für Staatskredite im Finanzministerium, Javier Cuéllar, sprach von einem in der Geschichte des Landes einmaligen Vorgang. Durch diese Entwicklung fiel der Anteil der Auslandsschulden am Bruttoinlandsprodukt (BIP) drastisch von zuvor 42 % auf nunmehr 25 %. Auch die öffentliche Gesamtschuld befindet sich im Sinkflug: Lag sie 2024 noch bei 59,3 % des BIP, steht sie aktuell bei 57,9 % – und das in einem globalen Umfeld, in dem die Verschuldung im weltweiten Durchschnitt zuletzt um rund 6 % gestiegen ist.
Der Clou hinter den Zahlen: Schweizer Franken statt US-Dollar
Interessant ist vor allem die Strategie, mit der das Finanzministerium diesen Erfolg erzielt hat. Statt auf klassischem Weg neue Schulden aufzunehmen, setzte Kolumbien auf ein für Schwellenländer eher ungewöhnliches Finanzderivat. Über sogenannte "Cross Currency Swaps" wurden bestehende Dollar-Verbindlichkeiten in Verpflichtungen auf Basis von Schweizer Franken umgetauscht. Das senkt das Risiko, das durch die ständigen Wechselkursschwankungen des kolumbianischen Pesos gegenüber dem US-Dollar entsteht.
Gleichzeitig gelang es, die durchschnittlichen Zinskosten von 5 % auf 4,2 % zu drücken. Klingt im ersten Moment nach wenig, bringt dem Staatshaushalt aber eine steuerliche Ersparnis von rund 18 Milliarden Dollar (ca. 68 Billionen Peso) ein. Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Kolumbien wendet jährlich etwa 100 Billionen Peso für den Schuldendienst auf. Die erzielte Ersparnis macht also fast zwei Drittel der Summe aus, die das Land normalerweise in einem Jahr allein für Zins und Tilgung aufbringen muss. Das schafft dringend benötigten Spielraum für Investitionen im Inland, auch wenn die Neuausrichtung der Schuldenstruktur in Finanzkreisen natürlich aufmerksam beobachtet wird.




