Was machen bei Morddrohung in Kolumbien?
Aufrufe: 863
• Beiträge: 7
•
Lesezeichen: 0
•
Abonnenten: 1
-
Jak
Themenstarter - Kolumbien-Neuling

- Beiträge: 9
- Registriert: 3. April 2013, 01:46
Was machen bei Morddrohung in Kolumbien?
Hallo und frohe Weihnachten an alle,
was kann man als Deutscher, der in Kolumbien lebt, unternehmen, wenn man offen von neidischen, streitsüchtigen (bewaffnenten) Nachbarn mit dem Tod bedroht wird?
Die Polizei macht nichts, nimmt noch nichtmal Personalien auf. Die Fiscalía behauptet, sie könne erst tätig werden, wenn eine Straftat verübt wurde, wobei die Drohung angeblich nicht als Straftat gelte. Eine Anzeige wird daher gar nicht erst aufgenommen.
Gibt es eine Polizei für Ausländerbelange?
Andere Stellen, die helfen können.
Kann ein Rechtsanwalt was erreichen?
Die Botschaft.
Es kommt für mich nicht in Frage, wegen diesem Pöbel meinen Grund und Boden zu verkaufen und wegzugehen, also muss ich irgendwie erreichen, dass die mich in Ruhe lassen. Für jeden Tip dankar.
was kann man als Deutscher, der in Kolumbien lebt, unternehmen, wenn man offen von neidischen, streitsüchtigen (bewaffnenten) Nachbarn mit dem Tod bedroht wird?
Die Polizei macht nichts, nimmt noch nichtmal Personalien auf. Die Fiscalía behauptet, sie könne erst tätig werden, wenn eine Straftat verübt wurde, wobei die Drohung angeblich nicht als Straftat gelte. Eine Anzeige wird daher gar nicht erst aufgenommen.
Gibt es eine Polizei für Ausländerbelange?
Andere Stellen, die helfen können.
Kann ein Rechtsanwalt was erreichen?
Die Botschaft.
Es kommt für mich nicht in Frage, wegen diesem Pöbel meinen Grund und Boden zu verkaufen und wegzugehen, also muss ich irgendwie erreichen, dass die mich in Ruhe lassen. Für jeden Tip dankar.
-
Macondo
- Kolumbien-Experte

- Beiträge: 1275
- Registriert: 21. Mai 2010, 18:54
- Alter: 67
Was machen bei Morddrohung?
Ich bin kein Anwalt glaube aber, daß eine Morddrohung auch in Kolumbien ein strafbares Delikt ist. Es wäre gut Zeugen benennen zu können, sowie die Anzeige evtl. über einen Rechtsanwalt abzuwickeln, d.h. dann müssen die Polizeibeamten auch ihrerseits die Gesetze einhalten und die Anzeige entgegennehmen. Falls sich keine Zeugen finden, würde ich die nächsten Begegnungen mit den Nachbarn auf iphone/video (unbemerkt) mitschneiden. Ob die Nachbarn sich durch eine Anzeige beeindrucken lassen sei dahingestellt, in Kolumbien ticken die Uhren anders.
Von einem Fall weiss ich, daß solche Anzeigen mit Erfolg gemacht werden:
Einer meiner Nachbarn ist dafür stadtbekannt, daß er niemand jegliche Rechnungen bezahlt. Es grenzt an ein Wunder, daß dieser Kerl überhaupt noch unter den Lebenden weilt. Jedenfalls stand eines Tages ein laut fluchender Handwerker an dem Zaun unseres Condominios und erbat Einlass, um sein Geld für erbrachte Leistungen von dem Tunichtgut zu fordern. Der Nachbar ließ sich verleugnen und es gab keinen Einlass, worauf der Handwerker in seiner Wut irgendwelche Drohungen losliess. Ich erfuhr einige Zeit danach, dass mein Nachbar den Handwerker anzeigte und dieser nie mehr in der Nähe unseres Condominios gesichtet wurde.
Von einem Fall weiss ich, daß solche Anzeigen mit Erfolg gemacht werden:
Einer meiner Nachbarn ist dafür stadtbekannt, daß er niemand jegliche Rechnungen bezahlt. Es grenzt an ein Wunder, daß dieser Kerl überhaupt noch unter den Lebenden weilt. Jedenfalls stand eines Tages ein laut fluchender Handwerker an dem Zaun unseres Condominios und erbat Einlass, um sein Geld für erbrachte Leistungen von dem Tunichtgut zu fordern. Der Nachbar ließ sich verleugnen und es gab keinen Einlass, worauf der Handwerker in seiner Wut irgendwelche Drohungen losliess. Ich erfuhr einige Zeit danach, dass mein Nachbar den Handwerker anzeigte und dieser nie mehr in der Nähe unseres Condominios gesichtet wurde.
-
Jak
Themenstarter - Kolumbien-Neuling

- Beiträge: 9
- Registriert: 3. April 2013, 01:46
Was machen bei Morddrohung?
Macondo, danke für die tips. Auch ich habe des öfteren gehört, dass der Rechtsweg durchaus erfolgreich sein kann.
-
Mango
- Kolumbienfan

- Beiträge: 81
- Registriert: 3. März 2010, 20:28
Was machen bei Morddrohung in Kolumbien?
In Kolumbien solltest du eine solche Drohung ernst nehmen!
-
Eisbaer
- Moderator(in)

- Beiträge: 10450
- Registriert: 10. Juli 2009, 05:34
Was machen bei Morddrohung in Kolumbien?
Ich möchte dieses Thema aus dem Jahr 2013 noch einmal aufgreifen, da es gerade für die wachsende Zahl an Ausländern in Kolumbien leider nichts an Aktualität verloren hat. Die Schilderungen von damals zeigen ein typisches Problem: die scheinbare Untätigkeit der Behörden und die Verunsicherung darüber, was rechtlich überhaupt möglich ist.
Zunächst zur rechtlichen Klarstellung: Eine Morddrohung (Amenaza) ist nach dem kolumbianischen Strafgesetzbuch (Art. 347 CP) definitiv eine Straftat. Dass die Polizei oder die Fiscalía eine Anzeige manchmal abwimmeln wollen, liegt oft an einer fehlerhaften Aufnahme oder der Hoffnung, dass sich das Problem von selbst erledigt. Man sollte sich hier nicht entmutigen lassen. Ein effektiver Weg ist heute die Online-Anzeige über das Portal „A Denunciar“ von Polizei und Fiscalía, da hierdurch ein offizielles Aktenzeichen generiert wird, das nicht so leicht im Sande verläuft.
Allerdings – und das ist ein ganz wesentlicher Punkt, den man bei aller Liebe zum Rechtstaat bedenken muss: Kolumbien folgt im Strafprozess dem Prinzip der Unmittelbarkeit. Das bedeutet, dass im Falle einer Gerichtsverhandlung das Opfer in der Regel persönlich erscheinen und seine Aussage vor dem Richter (und damit oft im Beisein der Gegenseite oder deren Anwalt) wiederholen muss. Für jemanden, der weiterhin Tür an Tür mit den Bedrohern lebt, kann diese Konfrontation ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Das ist leider auch einer der Hauptgründe, warum viele Anzeigen am Ende nicht weiterverfolgt werden.
Wenn die lokale Polizei untätig bleibt, sind die Personería Municipal oder die Defensoría del Pueblo oft bessere Anlaufstellen, um Druck aufzubauen, ohne direkt in die Schusslinie eines langwierigen Prozesses zu geraten. Auch ein lokaler Rechtsanwalt kann helfen, eine „Tutela“ (Schutzschrift) aufzusetzen, um die Behörden zum Handeln zu zwingen.
Um das persönliche Risiko bei einer Anzeige zu minimieren, empfiehlt es sich dringend, einen Anwalt als Zustellbevollmächtigten einzuschalten; so läuft die gesamte Kommunikation über dessen Kanzlei, und die eigene Privatadresse sowie die direkten Kontaktdaten tauchen nicht unmittelbar in den Akten auf, die die Gegenseite einsehen könnte.
Zunächst zur rechtlichen Klarstellung: Eine Morddrohung (Amenaza) ist nach dem kolumbianischen Strafgesetzbuch (Art. 347 CP) definitiv eine Straftat. Dass die Polizei oder die Fiscalía eine Anzeige manchmal abwimmeln wollen, liegt oft an einer fehlerhaften Aufnahme oder der Hoffnung, dass sich das Problem von selbst erledigt. Man sollte sich hier nicht entmutigen lassen. Ein effektiver Weg ist heute die Online-Anzeige über das Portal „A Denunciar“ von Polizei und Fiscalía, da hierdurch ein offizielles Aktenzeichen generiert wird, das nicht so leicht im Sande verläuft.
Allerdings – und das ist ein ganz wesentlicher Punkt, den man bei aller Liebe zum Rechtstaat bedenken muss: Kolumbien folgt im Strafprozess dem Prinzip der Unmittelbarkeit. Das bedeutet, dass im Falle einer Gerichtsverhandlung das Opfer in der Regel persönlich erscheinen und seine Aussage vor dem Richter (und damit oft im Beisein der Gegenseite oder deren Anwalt) wiederholen muss. Für jemanden, der weiterhin Tür an Tür mit den Bedrohern lebt, kann diese Konfrontation ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen. Das ist leider auch einer der Hauptgründe, warum viele Anzeigen am Ende nicht weiterverfolgt werden.
Wenn die lokale Polizei untätig bleibt, sind die Personería Municipal oder die Defensoría del Pueblo oft bessere Anlaufstellen, um Druck aufzubauen, ohne direkt in die Schusslinie eines langwierigen Prozesses zu geraten. Auch ein lokaler Rechtsanwalt kann helfen, eine „Tutela“ (Schutzschrift) aufzusetzen, um die Behörden zum Handeln zu zwingen.
Um das persönliche Risiko bei einer Anzeige zu minimieren, empfiehlt es sich dringend, einen Anwalt als Zustellbevollmächtigten einzuschalten; so läuft die gesamte Kommunikation über dessen Kanzlei, und die eigene Privatadresse sowie die direkten Kontaktdaten tauchen nicht unmittelbar in den Akten auf, die die Gegenseite einsehen könnte.
Du bist mit unserer Hilfe zufrieden! Dann hilf bitte mit einer kleinen » Spende « Danke und Vergelt's Gott!
-
Glboetrotter
Verified - Kolumbien-Experte

- Beiträge: 1105
- Registriert: 15. November 2019, 06:05
Was machen bei Morddrohung in Kolumbien?
Anfangs Dezember 2022 wurde ein Schweizer Auswanderer ermordet. Es ging um Streitigkeiten wegen dem Land, Anbau, Wegrechte oder so ähnlich. Der Streit dauerte schon länger und es eskalierte bis zur kaltblütigen Erschiessung.
Das hier ist Kolumbien.
Vernünftig und ruhig Zusammensitzen und auf eine gemeinsame friedliche Vereinbarung hoffen.
Das hier ist Kolumbien.
Vernünftig und ruhig Zusammensitzen und auf eine gemeinsame friedliche Vereinbarung hoffen.
-
Bogotano
Verified - Kolumbien-Süchtige(r)

- Beiträge: 594
- Registriert: 26. April 2011, 21:53
Was machen bei Morddrohung in Kolumbien?
Eine Morddrohung in Kolumbien ist niemals als bloße Einschüchterung abzutun. Soweit darf es nicht kommen. Solche Drohungen entstehen selten aus dem Vakuum, sondern sind oft das Resultat gezielter Einschüchterung durch lokale Machtstrukturen.
Kommt es jedoch dazu, dann würde ich nicht allein auf die kolumbianische Justiz vertrauen und das Feld räumen, zumal jeder, der in Kolumbien lebt, wissen sollte, dass hier ein Menschenleben wenig zählt. Die Straflosigkeitsrate ist extrem hoch, und der staatliche Schutz für Einzelpersonen greift oft erst, wenn es zu spät ist.
Kommt es jedoch dazu, dann würde ich nicht allein auf die kolumbianische Justiz vertrauen und das Feld räumen, zumal jeder, der in Kolumbien lebt, wissen sollte, dass hier ein Menschenleben wenig zählt. Die Straflosigkeitsrate ist extrem hoch, und der staatliche Schutz für Einzelpersonen greift oft erst, wenn es zu spät ist.


