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Wie nahe oder wie weit Mindestlohn und Existenzminimum in Kolumbien auseinanderliegen oder deckungsgleich sein sollten halte ich persönlich für eine nicht-lösbare Diskussion. In der Verfassung finden sich Angaben für ein "minimo vital", separat vom Mindestlohn. Mit der weiteren Begrifflichkeit was für ein "würdevolles" Leben notwendig ist habe ich ebenfalls Mühe. Die Zahlen, die ich da gefunden habe liegen deutlich unter dem aktuellen salario minimo (mit oder ohne der letzten Erhöhung). Anderswo wird kritisiert dass das Existenzminimum tatsächlich eher zum nackten Überleben ausreicht und nicht für ein würdevolles Leben. Ich glaube nicht dass die genannten Zahlen viel Sinn machen.Nur schon beim Faktor "Wohnen & Miete" bestehen grosse Kostenunterschiede ob man auf dem Land, in einer kleinen oder grossen Stadt oder einem bestimmten estrato lebt. Gehört ein eigenes motorisiertes Fortbewegungsmittel zu einem würdevollen Leben zwangsläufig dazu oder nicht ? Fleisch hat einen hohen Stellenwert in der Küche Kolumbiens. Ist es ein Grundnahrungsmittel und besteht ein regelmässiger Anspruch darauf oder nicht ? Bei drei wichtigen Eckpfeilern für ein würdevolles Leben: Wohnen, Mobilität, Lebensmittel, wird es schnell kompliziert.
Ich stelle einfach fest, dass die Inflation in den letzten Jahren deutlich zu hoch war. Das salario minimo wurde regelmässig deutlich überproportional im Vergleich zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Landes angehoben. Ebenso sind die Kosten für Benzin, einzelne Lebensmittel oder das erwähnte corrientazo zweistellig gestiegen. Ist es nun sinnvoll mit dieser Spirale einfach immer so weiter zu machen ? Oder wirksamere Massnahmen gegen die Inflation als Kernproblem anzugehen ? Ursachen müssen bekämpft werden, nicht Symptome. Wenn es ansonsten darum geht Menschen kurzfristig zu helfen, d.h. unmittelbar ein Dach über dem Kopf oder etwas zu essen zu beschaffen vermute ich gibt es noch andere Massnahmen die ein Staat ergreifen könnte.




