Kolumbien, Kartelle, illegales Gold und „Gold laundering“
Ein kurzer Überblick
Die Verbindung zwischen kolumbianischen Drogenkartellen und illegalem Gold stellt eine wesentliche strategische Grundlage für Geldwäsche, die Ausweitung krimineller Aktivitäten und die Finanzierung bewaffneter Gruppen dar. Der illegale Goldabbau hat sich zu einer der lukrativsten Aktivitäten für kriminelle Organisationen entwickelt, die ihn zur Finanzierung verschiedener illegaler Aktivitäten (einschließlich Menschenhandel) nutzen, sowohl als „neues Kokain“ aufgrund seiner hohen Liquidität als auch aufgrund seiner Fähigkeit, als legaler Vermögenswert in das globale Finanzsystem integriert zu werden.
Mit dem weltweiten Anstieg des Goldwerts, insbesondere während der COVID-19-Pandemie, haben viele kriminelle Banden begonnen, sich auf diese Ressource zu konzentrieren, da sie sie aufgrund der damit erzielbaren Gewinne fast als „neues Kokain“ betrachten. Dies ermöglicht es, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und dabei sehr profitabel zu handeln: den Drogenhandel und andere illegale Quellen zu kontrollieren und davon zu profitieren, indem man „Goldwäsche“ innerhalb der eigenen Strukturen betreibt.
Der Anteil des in Kolumbien illegal produzierten Goldes ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Angesichts der Natur der Sache ist es nicht möglich, genaue Zahlen zu ermitteln, doch lassen sich dennoch relativ zuverlässige Schätzungen erstellen. Daraus geht hervor, dass der Anteil des in jüngster Zeit illegal geförderten Primärgoldes zwischen 80 und 85 % schwankt. Der Großteil dieser Produktion findet in Naturparks und Waldreservaten statt. Die Hauptakteure auf diesem Gebiet sind Gruppen wie der „Clan del Golfo (AGC)“, der einen bedeutenden Teil der Drogen- und Goldexporte kontrolliert, sowie brasilianische kriminelle Organisationen und die kalabrische „Ndrangheta“, die eng zusammenarbeiten, um die Edelmetalle nach Europa zu transportieren und die Erlöse nach Südamerika zu transferieren. Brasilien dient zudem als logistischer Knotenpunkt für Kolumbien. Die Schweiz, der zweitgrösste Importeur von brasilianischem Gold, kauft auch bei illegalen Minen ein, oft über Zwischenhandelsgesellschaften, um die Spuren zu verwischen – und dies nicht nur im Zusammenhang mit Kolumbien.
Die Dynamik dieses komplexen Marktes manifestiert sich in verschiedenen Vorgehensweisen:
Geldwäsche: Die Erlöse aus dem Verkauf von Kokain und anderen illegalen Aktivitäten werden in den Kauf von Gold reinvestiert, das dann auf den internationalen Märkten verkauft wird, um die Spuren der illegalen Herkunft des Geldes zu verwischen.
Die betrügerische Einbringung dieses Goldes in den legalen Kreislauf erfolgt teilweise bereits in Kolumbien nach einem recht einfachen Verfahren, das leider nicht selten ahnungslose Dritte mit einbezieht und betrifft. Möglicherweise werde ich dieses insbesondere in Antioquia gefürchtete Vorgehen in einem zukünftigen Beitrag beschreiben.
Korruption und Unterwanderung: Kriminelle Organisationen unterwandern, bestechen oder erpressen Beamte, auch bis in die höchsten Ränge, bemächtigen sich legaler Minen und nutzen Netzwerke von Briefkastenfirmen, um enorme Summen zu verschleiern und zu waschen.
In Kolumbien lassen zwei sehr ähnliche und fast zeitgleiche Fälle viele Fragen offen. „Goldex“ und
CIJ-Gutierrez, die verdächtigt und beschuldigt wurden, riesige Summen gewaschen zu haben. Im zweiten Fall waren die Ermittlungen, wenn ich mich recht erinnere, aufgrund anonymer Hinweise von Mitarbeitern der Bancolombia eingeleitet worden. Beide Fälle wurden dann ohne Folgen eingestellt, wegen Mangels an Beweisen bzw. wegen mangelhaft formulierter Anklagen. Und das trotz unbestreitbarer Tatsachen.
Die Schweiz, der wichtigste „Akteur“ in diesem Sektor, ist von Verwicklungen nicht ausgenommen.
Im Gegenteil: Goldwäsche hat wie andere kriminelle, illegale oder höchst unmoralische Praktiken im Zusammenhang mit Gold (aber auch mit anderen Metallen und Edelsteinen) in der Schweiz Tradition und passt nicht zu jenem mittlerweile überholten Bild einer vorbildlichen und korrekten Schweiz. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ (Bertolt Brecht). Das Nazi-Gold oder das Apartheid-Gold sind nur zwei Beispiele dafür.
Die Schweizer Banken haben sich dann aus Imagegründen elegant von den Raffinerien getrennt.
In der Schweiz wird Gold häufig für Geldwäsche genutzt, da der Handel mit Rohgold und Schmuck nicht unter das strenge Geldwäschereigesetz fällt und die Herkunft nach dem Einschmelzen kaum noch nachvollziehbar ist. Für Privatpersonen ist die Einfuhr von Rohgold jedoch gesetzlich verboten; nur zertifizierte Handelsprüfer dürfen Rohgold einführen.
Der Handel mit Rohgold, Edelmetallwaren und Schmuck gilt nicht als Finanzintermediation und
benötigt keine Finma-Bewilligung, was die Überwachung extrem erschwert..
Kritiker wie Mark Pieth bemängeln, dass die Schweiz im internationalen Vergleich zu lasche Regeln hat, da die Zollverwaltung oft nicht weiss, woher das Gold stammt.
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bemüht sich mit der «Swiss Better Gold»-Initiative im Sinne eines nachhaltigeren Goldabbaus.
Die Schweizer Raffinerien sind zwar weltweit führend und unterliegen strengen Sorgfaltspflichten bei der Verarbeitung, doch bleibt der Markt für kriminelle Netzwerke aufgrund der hohen Diskretion in der Branche und der fehlenden Transparenz bei Rohgold dennoch attraktiv.
Von den fünf Goldraffinerien in der Schweiz, befinden sich 3 im Grossraum Lugano, im Tessin. Velcambi, die Weltweit grösste, ist in indischem Besitz. Die Argor-Heraues ist in deutschen Händen. Metalor in Neuenburg gehört zur japanischen Tanaka Kikinzoku Group.
Interessant wird es aber im Bereich des Sekundärgoldes, also wiederaufbereitetes Gold, da werde ich später etwas posten