[DOKU] Mafiaartige Strukturen: Wie Blutgold reingewaschen wird

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Eisbaer
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[DOKU] Mafiaartige Strukturen: Wie Blutgold reingewaschen wird

Beitrag von Eisbaer »

Minenarbeiter schürfen tief unter der Erde im kolumbianischen Dschungel – ohne Sicherung, unter Lebensgefahr. In illegalen Minen suchen sie nach Gold, viele bezahlen die Arbeit mit ihrem Leben.

04.04.2026 | 28:52 min
Die Mafia mischt in Kolumbien mit
Die Sicherheitsvorkehrungen seien "abenteuerlich", sagt Thomas Hentschel, ein Bergbauexperte aus der Nähe von Frankfurt, der viele dieser Kleinbetriebe inspiziert hat. Teilweise werde dort unter kriminellen, mafiaartigen Strukturen das Gold abgebaut. Auch Kinderarbeit gebe es und das Risiko zu verunglücken sei sehr hoch. Jedes Jahr sterben im Kleinbergbau weltweit mehrere hundert Arbeiter.

Niemand möchte im Goldhandel mit Kriminalität, Kinderarbeit und schlechten Arbeitsbedingungen in Verbindung gebracht werden. Länder, in denen es solche Strukturen gibt, gelten als "Red Flag"-Staaten - Kolumbien beispielsweise gehört dazu.
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Don Maximo
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[DOKU] Mafiaartige Strukturen: Wie Blutgold reingewaschen wird

Beitrag von Don Maximo »

Danke @Eisbaer für den Hinweis auf diese Dokumentation. Leider sind die mit dem Bergbau und Minen verbundenen Probleme (und zwar nicht nur dem illegalen!) weitaus umfangreicher, als man zugeben möchte. Um bei Kolumbien zu bleiben: Fast das gesamte Staatsgebiet ist davon mehr oder weniger stark betroffen.
Wir müssen uns bewusst machen, dass dies nicht nur beim Goldabbau der Fall ist, sondern auch bei vielen anderen Rohstoffen (Kohle, Edelsteine, Seltene Erden), und dass der Schutz der Umwelt und die Einhaltung der Gesetze in Wirklichkeit nicht einmal in den sogenannten legalen Minen gewährleistet sind.
Denn auch hinter dem vermeintlich legalen Bergbau verbergen sich allzu oft gravierende Probleme und Unregelmäßigkeiten, die nicht selten von Politikern und den Konzessions- und Kontrollbehörden selbst vertuscht werden.

Auch unsere Region im Südwesten Antioquias ist zunehmend betroffen, wo lokale Gruppen und die Autodefensas Gaitanistas de Colombia (Clan del Golfo) Allianzen gebildet haben. Neben dem "Microtráfico" und der Erpressungen haben sie es sich zum Ziel gesetzt, die Kontrolle über den (illegalen und legalen) Goldabbau zu übernehmen und dessen Aktivitäten auszuweiten.

In der Region stellen zudem seit Jahren auch die Kohlegewinnung in vielerlei Hinsicht ein ernstes Problem dar.
Die Region, die das Glück hat, vor allem für ihren Charme und ihr touristisches Potenzial bekannt zu sein, ist in Wirklichkeit eine Hochburg ambivalenter Kreise und zweifelhafter Persönlichkeiten (um es diplomatisch auszudrücken) aller Couleur. Der Tourismus ist jedoch ein weiterer Faktor, der diese illegalen Gruppen stärkt und ihnen nicht unerhebliche zusätzliche Einnahmen verschafft.
Hinter den idyllischen Tourismusbildern verbirgt sich eine traurige Realität, die in diametralem Gegensatz dazu steht, mit verheerenden ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen.
Was die Problematik der illegalen (aber auch der legalen) Goldminen betrifft, halte ich es für unerlässlich, die verdeckte Seite des Problems zu thematisieren, die oft und gerne verschwiegen oder zu Unrecht heruntergespielt, wenn nicht gar geleugnet wird.
In der Kette des Verkaufs, der Raffination, der Verarbeitung und des Handels oder der Spekulation mit Gold gibt es zu viele Interessen und Gelegenheiten für Trittbrettfahrer, die ihrerseits unter Missachtung jeglicher Ethik ein Stück von diesem Kuchen aus der Teufelsküche ergattern wollen, und sei es nur ein Leck an der Sahnehaube.
Das Problem ist, dass auf politischer Ebene und aus wirtschaftlichem Interesse, beispielsweise in der Schweiz, kein Interesse daran besteht, wirksam einzugreifen, da die eigenen wirtschaftlichen Interessen überwiegen, insbesondere wenn andere die Konsequenzen tragen müssen.

Als Beispiel sei das Tessin (südlich der Alpen) genannt, ein wichtiger Standort, an dem mitunter Gold zweifelhafter Herkunft recycelt wird, und über den Handel (Gold, Goldschmuck und -uhren) täglich Geldwäsche betrieben wird.
Virtus Junxit Mors Non Separabit

Nico
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[DOKU] Mafiaartige Strukturen: Wie Blutgold reingewaschen wird

Beitrag von Nico »

Danke für die ausführliche Erklärung, @Don Maximo!

Es ist wirklich erschreckend zu lesen, wie komplex diese Verstrickungen sind. Man bekommt zwar mit, dass die kolumbianische Regierung versucht, gegen den illegalen Goldhandel vorzugehen, aber es ist frustrierend zu sehen, dass sie bisher (noch) nicht den gewünschten Erfolg hat. Die Strukturen scheinen da leider sehr tief zu sitzen.

Besonders dein Punkt zum Tessin hat mich überrascht. Dass das Gold dort durch Recycling so einfach „reingewaschen“ werden kann, bis die Herkunft völlig im Dunkeln liegt, wusste ich nicht. Ehrlich gesagt war ich bisher immer der naiven Hoffnung, dass gerade die Schweiz bei solchen Machenschaften strengere Riegel vorschiebt. Danke, dass du da Licht ins Dunkel gebracht hast!

coentros
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[DOKU] Mafiaartige Strukturen: Wie Blutgold reingewaschen wird

Beitrag von coentros »

Offen gestanden verstehe ich hier den moralischen Zeigefinger nicht so ganz.

Die Eintrittsbarrieren in die diversen Methoden des Goldabbaus können sehr gering sein. Im Grund kann jeder mit einfachsten Mitteln, einem Sieb, anfangen in Flüssen danach zu suchen. Ich habe vor einiger Zeit eine Doku von privaten Goldsuchern in Deutschland gesehen, die am Wochenende mit einfachster Methodik nach Gold schürfen. Anders als z.B. bei der Ölförderung sind keine grossen Investitionen und Maschinen notwendig. Auch der in der Dokumentation gezeigt "Kleinbergbau" ist ein privates Projekt mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand bei dem die Beteiligten selber bestätigen dass ihre "Mine" im Grunde genommen illegal ist. Dann werden sie von anderen illegalen Subjekten, den in Kolumbien üblichen, äusserst unerfreulichen kriminellen Clans bzgl. Schutzgeld erpresst. Üble Charaktere. Den eingangs gezeigten Typ mit seiner Waffe die er als seine "Freundin" bezeichnet braucht man nicht weiter zu beschreiben.

Schätzungsweise 20% des weltweit geförderten Goldes kommt in der Tat leider aus illegalen Quellen. Zumindest in der Dokumentation habe ich aber nicht den Eindruck, dass die Beteiligten zu dieser Art des Abbaus gezwungen werden. So leid es mir tut, aber die kriminelle Energie findet hier doch in den ersten Stufen der Wertschöpfungskette statt ? Sobald Gold in den frühen Handelsstufen in reiner Form gewonnen wurde ist es chemisch absolut identisch und seine Herkunft nicht identifizierbar. Das ist ja genau seine Natur.

Welche Möglichkeiten haben die Raffinerien am Ende der Wertschöpfungskette, z.B. eine Firma Valcambi im Tessin, realistisch um diesen illegalen Teiles des weltweiten Abbaus einzugrenzen, vor allem wenn er als Mikro-Kleinbergbau betreiben wird ? Den kriminellen Teil sehe ich hier eindeutig am Anfang der Kette lokalisiert. Desweiteren das Endprodukt, als solches am Ende des Tages "nur" eine Art Währung oder eben Schmuck. Für mich eine andere Art von Handelsware als z.B. eine Droge, wie Kokain oder auch das ganze synthetische Zeug. Das eigentliche Problem ist hier das organisierte Verbrechen lokal vor Ort. Entsprechend bezeichnend, dass das Land mit dem weltweit grössten Anteil illegal geförderten Goldes Kolumbien ist. Das sagt doch einiges.

Der anderen Thematik, dem Rohstoffabbau anderer Ressourcen würde ich klar zustimmen. Das eigentliche Thema z.B. im Kohleabbau im grossen Stil, staatlich legitimiert und von grossen Investoren ausserhalb Kolumbiens begünstigt. Beispielsweise die Kohlemine El Cerrejon im Norden Kolumbiens. Gigantische Umweltzerstörung, Vertreibung von Einheimischen, Leugnung der Gesundheitsschäden, und hier dann das Kapital grosser Konzerne die das ganze wissentlich unterstützen. Wenn ein Beispiel in der Schweiz gefunden werden soll würde ich da Glencore sehen (die sich beichnenderweise in der Steueroase schlechthin innerhalb der Schweiz angesiedelt haben). Das wäre für mich die bedenkliche Thematik und Dimension, in vielerlei Hinsicht.

Nico
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Beitrag von Nico »

@coentros,

danke für die sachliche Abkühlung. Das mit der "chemischen Identität" ist natürlich ein krasses Argument, wenn man am Ende nichts mehr nachweisen kann, ist der Barren im Safe rein physikalisch gesehen "sauber".

Aber genau da liegt für mich der Hund begraben, nur weil man das Quecksilber oder das Schicksal der Leute im Dschungel nicht mehr sieht, ist es ja trotzdem passiert. Wenn die Raffinerien wissen, dass ein Fünftel des Goldes weltweit aus solchen Quellen stammt, aber es sich hinter der "Natur des Produkts" bequem machen, fühlt sich das für mich einfach falsch an.

Ich verstehe deinen Punkt mit der Kohle in El Cerrejón, da ist die Zerstörung offensichtlich. Aber macht es das beim Gold besser, nur weil es am Ende so schön glänzt? Vielleicht bin ich da zu idealistisch, aber ohne die Abnehmer am Ende der Kette hätten die Gruppen in Kolumbien doch gar kein Geschäft, oder?

coentros
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Beitrag von coentros »

Hallo Nico,

die Unterschiede sehe ich wie folgt:

1) Ohne das illegale Geschäft aus Kolumbien hätten die Händler am Ende der Kette immer noch das globale Angebot aus geschätzt 80% legalem, offiziellen und kontrolliertem Abbau. Natürlich ist Goldgewinnung grundsätzlich ein Eingriff in die Natur. Dann müsste man allerdings nahezu jede Rohstoffgewinnung kritisieren und offen über die grundsätzlichen Limiten von Wirtschaftskreisläufen und den weiteren Konsequenzen reden.

2) Die in der Doku Beteiligten mit ihrem Kleinbergbau handeln aus eigenem Antrieb und freiwillig. Wenn Unfälle passieren ist das eine Folge ihres eigenen Handelns, ohne zuvor irgendwelche Sicherheitsstandards bei solch tiefen, in den Erdboden reingetriebenen Stollen beachtet zu haben. Im weiteren sind sie dann auch, leider, Opfer von Erpressung lokal vor Ort. Für all das können aber die Händler am Ende erstmal nichts. Etwas völlig anderes dort, wo Minen a la Cerrejon offiziell in grossem Stil mit Kapital aus dem Ausland betrieben werden und den Betreiberfirmen als auch Investoren die Gesundheit der Angestellten offensichtlich egal ist. Vor allem aber den Einheimischen, die benachbart von dieser Art des Abbaus, ganz erheblich unter dem Kohlestaub leiden, plus Austrocknung natürlicher Wasserläufe. Hier sehe ich Opfer die zwangsläufig in eine solche Situation gebracht wurden und sich kaum wehren können bzw. gewaltsam vertrieben werden.

3) Quecksilber wird genau in solcher Art des informellen (Klein-) Abbau verwendet. Da kommt dann auch wieder der Verbrecher mit seiner Knarre ins Spiel. Es ist die einfachste Form der Bindung von Gold via Bildung einer einfachen Amalgam-Legierung. In der legalen, offiziellen Goldgewinnung kommt man ohne Quecksilber aus. Da gibt es z.B. die schonendere Borax-Methode oder die Schwerkraftrennung.

4) Die Abnehmer am Ende der Kette verdienen auch an folgenden Geschäften: a) Recycling von Altgold aus Schmuck und Elekronikbauteilen und Abgreifen einer entsprechenden Marge, b) Herstellung von und Zertifizierung standardisierter Barren, ebenfalls auch aus Altgold, c) Logistik/Transport von Gold, d) Lagerung und Sicherheitsverwahrung in Tresoren für ETC-Anbieter, e) Metallkonten für family offices und spezialisierten Banken.

5) Aufgrund des gestiegenen Goldpreises und der globalen Nachfrage vermute ich sogar, dass die Händler am Ende der Kette eventuell sogar ein Interesse an einem geringeren Goldangebot haben könnten. Analog zum Bitcoin und der Mengenbegrenzung verdienen sie dann umsomehr an den vorgenannten Dienstleistungen.
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Tenere-wue
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Beitrag von Tenere-wue »

Interessant an der Reportage ist ebenfalls die Aussage, daß Gold mittlerweile mehr Gewinn bringt als Drogen. Ich stelle mir auch die Frage, was bringt es dem Kleinunternehmer seinen Bergbau zu legalisieren? Die Käufer bleiben die gleichen, die vakunaeintreiber auch. Der Staat würde nun aber Steuern bekommen, was der hoffentlich der Gesellschaft zu gute kommen würde.
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Don Maximo
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Beitrag von Don Maximo »

Kolumbien, Kartelle, illegales Gold und „Gold laundering“

Ein kurzer Überblick

Die Verbindung zwischen kolumbianischen Drogenkartellen und illegalem Gold stellt eine wesentliche strategische Grundlage für Geldwäsche, die Ausweitung krimineller Aktivitäten und die Finanzierung bewaffneter Gruppen dar. Der illegale Goldabbau hat sich zu einer der lukrativsten Aktivitäten für kriminelle Organisationen entwickelt, die ihn zur Finanzierung verschiedener illegaler Aktivitäten (einschließlich Menschenhandel) nutzen, sowohl als „neues Kokain“ aufgrund seiner hohen Liquidität als auch aufgrund seiner Fähigkeit, als legaler Vermögenswert in das globale Finanzsystem integriert zu werden.
Mit dem weltweiten Anstieg des Goldwerts, insbesondere während der COVID-19-Pandemie, haben viele kriminelle Banden begonnen, sich auf diese Ressource zu konzentrieren, da sie sie aufgrund der damit erzielbaren Gewinne fast als „neues Kokain“ betrachten. Dies ermöglicht es, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und dabei sehr profitabel zu handeln: den Drogenhandel und andere illegale Quellen zu kontrollieren und davon zu profitieren, indem man „Goldwäsche“ innerhalb der eigenen Strukturen betreibt.
Der Anteil des in Kolumbien illegal produzierten Goldes ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Angesichts der Natur der Sache ist es nicht möglich, genaue Zahlen zu ermitteln, doch lassen sich dennoch relativ zuverlässige Schätzungen erstellen. Daraus geht hervor, dass der Anteil des in jüngster Zeit illegal geförderten Primärgoldes zwischen 80 und 85 % schwankt. Der Großteil dieser Produktion findet in Naturparks und Waldreservaten statt. Die Hauptakteure auf diesem Gebiet sind Gruppen wie der „Clan del Golfo (AGC)“, der einen bedeutenden Teil der Drogen- und Goldexporte kontrolliert, sowie brasilianische kriminelle Organisationen und die kalabrische „Ndrangheta“, die eng zusammenarbeiten, um die Edelmetalle nach Europa zu transportieren und die Erlöse nach Südamerika zu transferieren. Brasilien dient zudem als logistischer Knotenpunkt für Kolumbien. Die Schweiz, der zweitgrösste Importeur von brasilianischem Gold, kauft auch bei illegalen Minen ein, oft über Zwischenhandelsgesellschaften, um die Spuren zu verwischen – und dies nicht nur im Zusammenhang mit Kolumbien.
Die Dynamik dieses komplexen Marktes manifestiert sich in verschiedenen Vorgehensweisen:
Geldwäsche: Die Erlöse aus dem Verkauf von Kokain und anderen illegalen Aktivitäten werden in den Kauf von Gold reinvestiert, das dann auf den internationalen Märkten verkauft wird, um die Spuren der illegalen Herkunft des Geldes zu verwischen.
Die betrügerische Einbringung dieses Goldes in den legalen Kreislauf erfolgt teilweise bereits in Kolumbien nach einem recht einfachen Verfahren, das leider nicht selten ahnungslose Dritte mit einbezieht und betrifft. Möglicherweise werde ich dieses insbesondere in Antioquia gefürchtete Vorgehen in einem zukünftigen Beitrag beschreiben.
Korruption und Unterwanderung: Kriminelle Organisationen unterwandern, bestechen oder erpressen Beamte, auch bis in die höchsten Ränge, bemächtigen sich legaler Minen und nutzen Netzwerke von Briefkastenfirmen, um enorme Summen zu verschleiern und zu waschen.
Zwei verstrickte Fälle aus Kolumbien
In Kolumbien lassen zwei sehr ähnliche und fast zeitgleiche Fälle viele Fragen offen. „Goldex“ und CIJ-Gutierrez, die verdächtigt und beschuldigt wurden, riesige Summen gewaschen zu haben. Im zweiten Fall waren die Ermittlungen, wenn ich mich recht erinnere, aufgrund anonymer Hinweise von Mitarbeitern der Bancolombia eingeleitet worden. Beide Fälle wurden dann ohne Folgen eingestellt, wegen Mangels an Beweisen bzw. wegen mangelhaft formulierter Anklagen. Und das trotz unbestreitbarer Tatsachen.
Die Schweiz, der wichtigste „Akteur“ in diesem Sektor, ist von Verwicklungen nicht ausgenommen.
Im Gegenteil: Goldwäsche hat wie andere kriminelle, illegale oder höchst unmoralische Praktiken im Zusammenhang mit Gold (aber auch mit anderen Metallen und Edelsteinen) in der Schweiz Tradition und passt nicht zu jenem mittlerweile überholten Bild einer vorbildlichen und korrekten Schweiz. „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ (Bertolt Brecht). Das Nazi-Gold oder das Apartheid-Gold sind nur zwei Beispiele dafür.
Die Schweizer Banken haben sich dann aus Imagegründen elegant von den Raffinerien getrennt.

In der Schweiz wird Gold häufig für Geldwäsche genutzt, da der Handel mit Rohgold und Schmuck nicht unter das strenge Geldwäschereigesetz fällt und die Herkunft nach dem Einschmelzen kaum noch nachvollziehbar ist. Für Privatpersonen ist die Einfuhr von Rohgold jedoch gesetzlich verboten; nur zertifizierte Handelsprüfer dürfen Rohgold einführen.
Der Handel mit Rohgold, Edelmetallwaren und Schmuck gilt nicht als Finanzintermediation und benötigt keine Finma-Bewilligung, was die Überwachung extrem erschwert..
Kritiker wie Mark Pieth bemängeln, dass die Schweiz im internationalen Vergleich zu lasche Regeln hat, da die Zollverwaltung oft nicht weiss, woher das Gold stammt.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bemüht sich mit der «Swiss Better Gold»-Initiative im Sinne eines nachhaltigeren Goldabbaus.

Die Schweizer Raffinerien sind zwar weltweit führend und unterliegen strengen Sorgfaltspflichten bei der Verarbeitung, doch bleibt der Markt für kriminelle Netzwerke aufgrund der hohen Diskretion in der Branche und der fehlenden Transparenz bei Rohgold dennoch attraktiv.

Von den fünf Goldraffinerien in der Schweiz, befinden sich 3 im Grossraum Lugano, im Tessin. Velcambi, die Weltweit grösste, ist in indischem Besitz. Die Argor-Heraues ist in deutschen Händen. Metalor in Neuenburg gehört zur japanischen Tanaka Kikinzoku Group.

Interessant wird es aber im Bereich des Sekundärgoldes, also wiederaufbereitetes Gold, da werde ich später etwas posten
Virtus Junxit Mors Non Separabit

coentros
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Beitrag von coentros »

Der Verkauf von Drogen und anderen ethisch bedenklichen Produkten (Waffen, Pornographie, Hehlerware, etc) geht mit einer gewaltigen Wertschöpfung einher, am Ende abgebildet durch einen Vermögenswert.

Um die schmutzigen Geschäfte mit bedenklichen Produkten zu verschleiern wird gewaschen. Egal welchen Vermögenswert (Wertaufbewahrungsmittel) man hernimmt, Geld, ein Edelmetall, Krypto/Bitcoin, eine Immobilie. Bei ausnahmslos allen finden sich Mittel und Wege um das originär schmutzige Geschäft durch Reinigung/Wäsche unsichtbar werden zu lassen. Damit einhergehend oft auch Steuervermeidung. Es ist das ewige Duell „gute“ (ethisch unbedenkliche) versus „böse“ (ethisch bedenkliche) Aktivitäten und Geschäfte.

Bei der Betrachtung hier sehe ich zwei Dimensionen.

Gold in seiner Funktion als Wertaufbewahrungsmittel und der damit stets vorhandenen Option auch ethisch bedenkliche Geschäfte (Drogenverkäufe) zu realisieren und durch Wäsche zu verschleiern. Das ist sehr traurig, aber meines Erachtens nicht a priori ein Problem des Wertaufbewahrungsmittels an sich. Genauso wenig wie ich Geld an sich für ein Problem halte. Es sind die ethisch bedenklichen Formen der Vermögensbeschaffung. Gleichermassen auch die Ambivalenz bei den Finanz-Intermediären. Es gibt beide, die guten, die bösen, und möglicherweise viel Grauzone „dazwischen“. Aber es sind immer einzelne Menschen am Ende des Tages die etwas gutes oder böses tun, unabhängig von Nationalitäten, Hautfarbe, Herkunft.

Die andere Dimension impliziert der Titel des threads direkt: Blutgold, d.h. die gefährlichen, umweltschädlichen und illegalen Formen des Abbaus und damit verbundene tragische Schicksale von Minenarbeitern. Hier stellt sich mir die entscheidende Frage ob Menschen gegen ihren Willen gezwungen werden, oder vorsätzlich getäuscht werden, um gefährlichen Arbeiten nachzugehen. Zumindest in dieser Dokumentation habe ich nicht den Eindruck, dass das der Fall ist.