Nachdem ich das Programm von Iván Cepeda vorgestellt habe, ist mir beim Durchsehen der Presse noch ein sehr ausführlicher Artikel von El País vom 1. Juni 2026 zu den Vorschlägen seines Gegenkandidaten Abelardo de la Espriella aufgefallen – den ich euch nicht vorenthalten möchte. Hier ist der Inhalt, so wie ich ihn verstanden habe, in neutraler Form:
Sicherheit und öffentliche Ordnung – "Mano dura" als Kernversprechen
Das Thema Sicherheit steht bei de la Espriella ganz oben. Sein Plan sieht eine "Remasterisierung 2.0" der früheren Sicherheitspolitik von Álvaro Uribe vor, mit dem Ziel, die territoriale Kontrolle in den ersten 90 Tagen zurückzugewinnen. Konkret schlägt er eine Art "Plan Colombia 2.0" vor, der sich auf den Einsatz von Drohnen und künstlicher Intelligenz stützt. Dazu gehören zehn neue Megagefängnisse mit Höchstsicherheitsstandard, höhere Strafen für schwere Delikte und die Einschränkung von Vergünstigungen für Wiederholungstäter. Die 330.000 Hektar Koka-Anbauflächen sollen per Luftbesprühung, manueller Vernichtung und Verfolgung der Drogengelder beseitigt werden. Die Friedenspolitik der sogenannten "Paz Total" von Präsident Petro würde er sofort beenden – an deren Stelle treten direkte Militäroperationen. De la Espriella sagt: "Frieden wird nicht verhandelt."
Wirtschaft und Steuerpolitik – weniger Staat, mehr Wachstum
Hier setzt der Kandidat ganz klar auf das Vorbild von Javier Milei in Argentinien. Sein Ziel ist ein jährliches Wirtschaftswachstum von 7 Prozent. Die Bekämpfung der Armut will er über einen "Plan Cosecha Solidaria" angehen. Auf der Einnahmenseite peilt er einen primären Haushaltsüberschuss an, den er durch ein Sparpaket von umgerechnet rund 70 Billionen kolumbianischen Pesos erreichen möchte. Die Steuerlast für Unternehmen will er deutlich senken, da er sich davon mehr Investitionen und letztlich höhere Steuereinnahmen verspricht. Eine große Rolle spielt auch die Entbürokratisierung: Er möchte Genehmigungsverfahren in Aufsichtsbehörden, Handelskammern, Notariaten oder bei Umweltlizenzen radikal vereinfachen. Für private Haushalte ist das Programm "País de Propietarios" gedacht, das den Erwerb von Wohneigentum durch zinsgünstige Darlehen (2 % auf 30 Jahre) erleichtern soll.
Korruptionsbekämpfung und Staatsreform
In diesem Bereich setzt de la Espriella stark auf moderne Technologie. Er spricht von einem "nachvollziehbaren Staat" mit einer umfassenden Reform des öffentlichen Auftragswesens – dabei soll die Blockchain-Technologie zum Standard werden. Künstliche Intelligenz soll die Steuerbehörde DIAN modernisieren und die Steuerhinterziehung eindämmen. Des Weiteren schlägt er einen "Anti-Korruptionsblock" vor, der die besonders schweren Fälle bearbeiten soll.
Gesundheitspolitik – Patienten in den Mittelpunkt
Im Gesundheitswesen möchte er die Finanzströme transparenter machen, indem die Krankenkassen (EPS) vierteljährlich überprüft werden. Die staatliche Gesundheitskasse ADRES soll nach seinen Vorstellungen reformiert werden, um fehlgeleitete Gelder zurückzuholen. Sein Ziel ist es, den Patienten wieder in den Mittelpunkt zu stellen – mit besserem Zugang zu Medikamenten, besonderem Schutz für chronisch Kranke und einem gestärkten Krankenhausnetz. Außerdem schwebt ihm die Einführung von häuslicher Krankenpflege vor.
Bildung – Fokus auf Digitalisierung und Technologie
De la Espriella möchte eine virtuelle Universität schaffen. Sein Schwerpunkt liegt auf kurzen Ausbildungsgängen in Zukunftstechnologien wie künstlicher Intelligenz, Quantencomputing und Robotik. Dazu sollen Lehrer bewertet werden, und jeder Schüler soll Zugang zu Computern und kostenlosem Internet haben. Ein allgemeiner Schwerpunkt liegt auf digitaler und technologischer Bildung.
Energie und Umwelt – Fracking ja, grüne Wende zurückstellen
In der Energiepolitik vertritt de la Espriella eine klare Linie: Er befürwortet Fracking und neue Ölförderverträge. Der staatliche Ölkonzern Ecopetrol soll von Korruption und jeglichen Einflüssen des Drogenhandels gesäubert werden. Die Energieautarkie hat für ihn absoluten Vorrang – sie steht über der Energiewende. Zudem spricht er sich für ein Tierschutzprogramm mit massenhaften, günstigen Kastrationen von Straßenhunden und -katzen aus.
Landwirtschaft – Privatwirtschaftliche Partnerschaften
Im ländlichen Raum setzt der Kandidat auf eine Allianz zwischen Bauern und privaten Unternehmen, um die Ernährung der Bevölkerung zu sichern. Sein "Plan Cosecha Solidaria" zielt darauf ab, bis 2030 zwei Millionen zusätzliche Hektar zu kultivieren und damit über 600.000 Arbeitsplätze auf dem Land zu schaffen. Außerdem will er eine Schule für Landwirte gründen, um 100.000 junge Menschen auszubilden.
Außenpolitik – stärkere Zusammenarbeit mit den USA
Außenpolitisch möchte de la Espriella die Sicherheitskooperation mit den USA ausbauen.
Opfer, Menschenrechte und indigene Gemeinschaften
Seine Priorität liegt hier auf der Rückeroberung des Territoriums, was das Ende der bisherigen Verhandlungslinie bedeutet. Er plant eine eigene Suchtruppe gegen Erpressung und eine Sicherheitseinheit aus Armee-Reservisten. Bei der Landvergabe konzentriert sich sein Programm auf die Vergabe von Landtiteln an bäuerliche Gemeinschaften. Spezifische Vorschläge für indigene oder afro-kolumbianische Gruppen enthält das öffentlich zugängliche Material hingegen nicht.
Frauen und Sozialpolitik – Familärer Ansatz
Die Familie sieht de la Espriella als Kern der Gesellschaft. Er will Gewalt gegen Frauen als vorrangiges Problem der öffentlichen Sicherheit behandeln. Seine Ziele sind eine Reduzierung solcher Gewalt um 30 Prozent und der Femizide um 40 Prozent. Vorgesehen ist die Ausbildung von 200.000 Pflegerinnen und 150.000 Frauen in der digitalen Wirtschaft. Für Gewaltopfer plant er "beschleunigte Justizverfahren" mit einer Höchstdauer von 72 Stunden sowie eine rund um die Uhr verfügbare psychologische Betreuung.
Infrastruktur und Digitalisierung – Fokus auf Technologie
Hier stehen der Ausbau der Energieinfrastruktur zur Senkung der Produktionskosten und ein STEM-Programm für Gründerinnen in den MINT-Fächern im Fokus. Zusammenfassend kann gesagt werden: Abelardo de la Espriella setzt in nahezu allen Bereichen auf eine beschleunigte, privatwirtschaftsorientierte "harte Hand" mit starken Technologie- und Effizienzversprechen.
Damit wäre das Programm seines Kontrahenten ebenfalls vorgestellt. Wie gesagt, es geht mir nur um eine möglichst vollständige und neutrale Information, nicht um eine Bewertung.