⇒ Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:
Kolumbien: Gold wird zum neuen Kokain der Kartelle
Die Region Tolima, einst bekannt für ihren erfolgreichen Kaffeeanbau und für relative Stabilität nach dem Friedensabkommen mit den FARC, erlebt einen tiefgreifenden Strukturwandel. Steigende internationale Goldpreise haben kriminelle Gruppen dazu veranlasst, sich auf die illegale Förderung des Edelmetalls zu spezialisieren. Viele ehemalige Kaffeebauern haben ihre Plantagen verlassen, um im illegalen Goldbergbau zu arbeiten – oder werden von den bewaffneten Gruppen dorthin verdrängt.
Laut Experten wie dem Politologen Carlos Augusto Chacón hat sich Gold zur primären Einnahmequelle für bewaffnete Gruppen entwickelt – vergleichbar mit der Rolle, die Drogen in früheren Konflikten spielten. Neben Gold wird auch der Abbau von Coltan als wachsender Finanzmotor des organisierten Verbrechens genannt. Diese Ressourcen finanzieren Waffenkäufe, Bestechungsgelder und die Ausweitung territorialer Kontrolle.
In den betroffenen Gebieten üben die bewaffneten Gruppen (FARC-Dissidenten und andere Banden) faktisch die Staatsgewalt aus. Sie fungieren als Polizei, Steuerbehörde und Richter zugleich:
• Sie erheben Schutzgelder („peaje“): Pro Fördermaschine wird ein Zoll verlangt, zusätzlich 15 Prozent der gesamten Goldproduktion.
• Sie zwingen lokale Geschäfte zur Zahlung von Abgaben (z.B. 3.000 Pesos pro Bierkasten).
• Sie setzen auf Terrorstrategien: Wer nicht zahlt, muss mit Todesdrohungen gegen Familienangehörige rechnen. Entführungen und Erpressungen nehmen drastisch zu.
Die Gouverneurin von Tolima, Adriana Magali Matiz, warnt vor einer vollständigen Überlassung der Region an die Illegalität. Sie kritisiert, dass die Regierung von Gustavo Petro der Situation nicht genügend Aufmerksamkeit schenke. Ihre Einschätzung: Wenn der Staat abwesend bleibe, übernähmen die illegalen Gruppen dauerhaft die Kontrolle.
Das Fazit der Analyse zeichnet ein düsteres Bild: Der illegale Bergbau verursacht nicht nur massive Umweltzerstörung, sondern zerstört auch soziale Strukturen und bringt die Gewalt zurück, die nach dem Friedensabkommen überwunden schien. Die These „Gold ist das neue Kokain“ verdeutlicht, dass nun scheinbar legale Rohstoffe genutzt werden, um kriminelles Einkommen zu generieren und Macht über Gemeinden auszuüben. Die Situation wird als akute Bedrohung für die noch junge Friedensordnung in Kolumbien eingestuft.
Quelle: Deutsche Welle / Handelsblatt, Juni 2026




