Nach langer Überlegung: Warum ich Kolumbien verlasse und nach Deutschland zurückkehre
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Benny56
ThemenstarterVerified - Kolumbienfan

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Nach langer Überlegung: Warum ich Kolumbien verlasse und nach Deutschland zurückkehre
Man liest hier im Forum und im Internet generell fast nur Erfolgsgeschichten darüber, wie herrlich das Leben in Kolumbien ist. Diejenigen, bei denen es nicht klappt, reisen meist still und leise ab. Ich habe mich entschlossen, offen zu sein und meine Geschichte zu teilen, weil die Realität abseits des Urlaubsmodus verdammt hart sein kann.
Ich habe mich vor einigen Jahren meiner lieben Frau zuliebe darauf eingelassen, unseren Lebensmittelpunkt nach Kolumbien zu verlegen. Ich kannte das Land nur aus ein paar Urlauben. Heute muss ich nüchtern bilanzieren: Es war eine Fehlkalkulation.
Der Hauptgrund ist finanzieller Natur. Meine Rente ist sehr gering. Als wir ankamen, ging es gerade so. Doch die Supermarktpreise hier haben die in Deutschland längst überholt, und durch den extrem starken Peso-Kurs der letzten Monate bekomme ich von Monat zu Monat weniger Kaufkraft ausgezahlt. Es tut mir im Herzen weh, aber meine Frau muss hier inzwischen für andere putzen und Wäsche waschen, damit wir überhaupt über die Runden kommen.
Hinzu kommt die gesundheitliche und gesundheitssystematische Realität. Ich bin alt, vorerkrankt und kann nicht mehr hinzuverdienen. Vor ein paar Monaten bin ich in der Stadt kollabiert. Als ich zu mir kam, stand eine gaffende Menge um mich herum, die mich mit dem Handy filmte – anstatt zu helfen. Kein Krankenwagen, keine Rettungskette, wie man es aus der Heimat kennt. Ein Polizist hat mich schließlich in ein normales Taxi gesetzt. Im Krankenhaus wurde ich wegen meines Aussehens fast abgewiesen, weil man dachte, ich sei nicht versichert. Das öffnet einem die Augen.
Wir haben die Reißleine gezogen. Meine Frau ist einverstanden; sie bleibt vorerst hier und kommt bei ihrer Schwester unter. Ich gehe zurück. Ich stamme aus dem Saarland, und ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich die dortige Sicherheit, die geordneten Strukturen und die Heimat mittlerweile vermisse.
Kolumbien ist ein tolles Land für den Urlaub oder mit einem dicken Bankkonto. Aber ohne finanzielle Absicherung und bei schwindender Gesundheit kann das Paradies ganz schnell existenzbedrohend werden.
Ich hoffe, meine Ehrlichkeit hilft dem einen oder anderen, der ähnliche Pläne schmiedet, das Ganze realistischer zu kalkulieren.
Ich habe mich vor einigen Jahren meiner lieben Frau zuliebe darauf eingelassen, unseren Lebensmittelpunkt nach Kolumbien zu verlegen. Ich kannte das Land nur aus ein paar Urlauben. Heute muss ich nüchtern bilanzieren: Es war eine Fehlkalkulation.
Der Hauptgrund ist finanzieller Natur. Meine Rente ist sehr gering. Als wir ankamen, ging es gerade so. Doch die Supermarktpreise hier haben die in Deutschland längst überholt, und durch den extrem starken Peso-Kurs der letzten Monate bekomme ich von Monat zu Monat weniger Kaufkraft ausgezahlt. Es tut mir im Herzen weh, aber meine Frau muss hier inzwischen für andere putzen und Wäsche waschen, damit wir überhaupt über die Runden kommen.
Hinzu kommt die gesundheitliche und gesundheitssystematische Realität. Ich bin alt, vorerkrankt und kann nicht mehr hinzuverdienen. Vor ein paar Monaten bin ich in der Stadt kollabiert. Als ich zu mir kam, stand eine gaffende Menge um mich herum, die mich mit dem Handy filmte – anstatt zu helfen. Kein Krankenwagen, keine Rettungskette, wie man es aus der Heimat kennt. Ein Polizist hat mich schließlich in ein normales Taxi gesetzt. Im Krankenhaus wurde ich wegen meines Aussehens fast abgewiesen, weil man dachte, ich sei nicht versichert. Das öffnet einem die Augen.
Wir haben die Reißleine gezogen. Meine Frau ist einverstanden; sie bleibt vorerst hier und kommt bei ihrer Schwester unter. Ich gehe zurück. Ich stamme aus dem Saarland, und ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich die dortige Sicherheit, die geordneten Strukturen und die Heimat mittlerweile vermisse.
Kolumbien ist ein tolles Land für den Urlaub oder mit einem dicken Bankkonto. Aber ohne finanzielle Absicherung und bei schwindender Gesundheit kann das Paradies ganz schnell existenzbedrohend werden.
Ich hoffe, meine Ehrlichkeit hilft dem einen oder anderen, der ähnliche Pläne schmiedet, das Ganze realistischer zu kalkulieren.
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Max
Verified - Kolumbien-Süchtige(r)

- Beiträge: 991
- Registriert: 3. Februar 2010, 11:53
Nach langer Überlegung: Warum ich Kolumbien verlasse und nach Deutschland zurückkehre
Servus Benny danke für deinen ehrlichen Post. Ich kann nur hoffen das Du in D Familie hast oder Freunde, wo Du unterkommen kannst. Super wäre es natürlich wenn Du schon eine feste Bleibe hast.
Max
Max
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Holger78
Verified - Kolumbien-Süchtige(r)

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Nach langer Überlegung: Warum ich Kolumbien verlasse und nach Deutschland zurückkehre
Servus Benny, auch von mir danke für deinen ehrlichen Post. Ich hoffe du findest in DE wieder das, was du in Kolumbien vermisst hast.
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CaribicStefan
Verified - Kolumbien-Süchtige(r)

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Nach langer Überlegung: Warum ich Kolumbien verlasse und nach Deutschland zurückkehre
Hab Respekt vor deinen Worten und Vorhaben!
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gordito54
Verified - Miembro de Honor

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Nach langer Überlegung: Warum ich Kolumbien verlasse und nach Deutschland zurückkehre
Alles Gute weiterhin!
Ich kann dich verstehen.
Ich kann dich verstehen.
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Chriska
- Kolumbienfan

- Beiträge: 90
- Registriert: 27. März 2015, 13:57
Nach langer Überlegung: Warum ich Kolumbien verlasse und nach Deutschland zurückkehre
Benny, wie lange warst du denn in Kolumbien?
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Genuasd
- Kolumbien-Experte

- Beiträge: 1194
- Registriert: 27. Dezember 2015, 12:46
Nach langer Überlegung: Warum ich Kolumbien verlasse und nach Deutschland zurückkehre
Alles Gute Benny und die ehrliche Erfahrung hilft anderen sicher.
Gerade im Bezug auf die Kaufkraft im Alltag kann man sich da ganz schön vertun.
Gerade im Bezug auf die Kaufkraft im Alltag kann man sich da ganz schön vertun.
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desertfox
Verified - Kolumbien-Experte

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- Registriert: 24. August 2012, 19:57
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Nach langer Überlegung: Warum ich Kolumbien verlasse und nach Deutschland zurückkehre
Es gab ja schon den einen oder anderen Bericht über Rückwanderungen nach Deutschland. Man überschätzt die Kosten und Lebensumstände in Kolumbien sehr schnell. Insbesondere wenn man zur Miete wohnt sind die Kosten hoch und die Leistungen oftmals schlecht wobei es da auch Unterschiede gibt.
Leider waren hier auch nicht wenige die sich über Deutschland, deren Bürokratie etc. beschwerten, wenn es aber hart-auf-hart kommt ist es in Deutschland nicht so schlecht.
Interessieren werde mich mal, wenn man das erfährt, wie hoch die Rente ist? Deutschland ist trotz ggfls. Wohngeldanspruch, Bürgergeld etc. nicht sooo einfach bei kleinem Einkommen…
Aber, viel Glück bei der Rückwanderung und halte uns auf dem Laufenden. In welche Gegend von Deutschland willst/wirst Du ziehen.
Leider waren hier auch nicht wenige die sich über Deutschland, deren Bürokratie etc. beschwerten, wenn es aber hart-auf-hart kommt ist es in Deutschland nicht so schlecht.
Interessieren werde mich mal, wenn man das erfährt, wie hoch die Rente ist? Deutschland ist trotz ggfls. Wohngeldanspruch, Bürgergeld etc. nicht sooo einfach bei kleinem Einkommen…
Aber, viel Glück bei der Rückwanderung und halte uns auf dem Laufenden. In welche Gegend von Deutschland willst/wirst Du ziehen.
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Benny56
ThemenstarterVerified - Kolumbienfan

- Beiträge: 70
- Registriert: 19. April 2022, 09:02
Nach langer Überlegung: Warum ich Kolumbien verlasse und nach Deutschland zurückkehre
Vielen Dank für die vielen lieben Worte, den Respekt und die guten Wünsche! Es tut wirklich gut zu sehen, dass man hier im Forum mit so viel Empathie aufgenommen wird, wenn man mal die unschöne Seite der Medaille zeigt.
Um eure Fragen kurz zu beantworten:
@Chriska: Wir waren jetzt knapp vier Jahre hier. Das ist lang genug, um den Unterschied zwischen Urlaubs-Euphorie und dem echten Alltag zu spüren.
@desertfox: Genaue Zahlen zu meiner Rente möchte ich hier nicht öffentlich ins Forum stellen, ich bitte da um Verständnis. Aber glaub mir, wenn am Monatsende nach Abzug der Fixkosten und den teuren Preisen im Supermarkt kaum noch etwas übrig bleibt und die eigene Frau putzen gehen muss, erübrigt sich jede theoretische Debatte über das deutsche Wohngeld. In Deutschland bin ich im Fall der Fälle sozial und medizinisch schlicht anders abgesichert.
Und bezüglich der Region, wie im ersten Post geschrieben, zieht es mich zurück in meine alte Heimat, das Saarland. Dort habe ich zum Glück noch ein gutes Netzwerk aus alten Freunden, die mir bei der Wohnungssuche und den ersten Behördengängen unter die Arme greifen. Das macht den Neustart um einiges leichter.
Ich halte euch auf dem Laufenden, wie es mit dem Umzug vorangeht.
Um eure Fragen kurz zu beantworten:
@Chriska: Wir waren jetzt knapp vier Jahre hier. Das ist lang genug, um den Unterschied zwischen Urlaubs-Euphorie und dem echten Alltag zu spüren.
@desertfox: Genaue Zahlen zu meiner Rente möchte ich hier nicht öffentlich ins Forum stellen, ich bitte da um Verständnis. Aber glaub mir, wenn am Monatsende nach Abzug der Fixkosten und den teuren Preisen im Supermarkt kaum noch etwas übrig bleibt und die eigene Frau putzen gehen muss, erübrigt sich jede theoretische Debatte über das deutsche Wohngeld. In Deutschland bin ich im Fall der Fälle sozial und medizinisch schlicht anders abgesichert.
Und bezüglich der Region, wie im ersten Post geschrieben, zieht es mich zurück in meine alte Heimat, das Saarland. Dort habe ich zum Glück noch ein gutes Netzwerk aus alten Freunden, die mir bei der Wohnungssuche und den ersten Behördengängen unter die Arme greifen. Das macht den Neustart um einiges leichter.
Ich halte euch auf dem Laufenden, wie es mit dem Umzug vorangeht.
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Don Maximo
Verified - Kolumbien-Süchtige(r)

- Beiträge: 609
- Registriert: 2. Mai 2015, 01:51
Nach langer Überlegung: Warum ich Kolumbien verlasse und nach Deutschland zurückkehre
Lieber @Benny56, willkommen im Club der Rückkehrer – oder potenziellen Rückkehrer. Zunächst einmal wünsche ich dir von ganzem Herzen eine reibungslose Rückkehr und eine erfolgreiche Wiederansiedlung in deiner geliebten Heimat, damit du wieder eine angemessene Lebensqualität erlangen kannst.
Ich verstehe deine Situation und teile voll und ganz deine Ansicht, dass es wesentliche Unterschiede gibt zwischen einem Urlaub hier und einem Leben hier. Auch ich empfinde das so. Ich lebe zwar nicht wie du schon seit vier Jahren hier, sondern erst seit einigen Monaten, dafür bin ich seit Jahren hierhergekommen, um einige Wochen oder in den letzten Jahren einige Monate im Jahr zu verbringen, quasi als „Tourist“, wenn auch in den eigenen vier Wänden. Da ich die letzten vier Jahre durchschnittlich etwa ein Drittel des Jahres jeweils in der Schweiz, in Kolumbien und in Italien verbracht habe, kann ich auf gewisse Vergleichserfahrungen zurückgreifen.
Auch ich bin gekommen, um einem alten Wunsch meiner Frau nachzukommen. Auch wenn meine Motivation, diesen Schritt rückgängig zu machen nicht finanzieller Natur ist, verstehe und teile ich auch diesen Aspekt, den du so treffend und aufrichtig dargelegt hast, voll und ganz. Es ist – auch wenn es für mich nicht das Hauptmotiv ist – ein sehr stichhaltiges und starkes ergänzendes Argument. Der wöchentliche Einkaufswagen, den ich in Kolumbien bei weitem nicht mit Produkten in der Auswahl und Qualität wie in der Schweiz oder in Italien füllen kann, kostet mich nicht weniger, nicht selten sogar etwas mehr. Ich nehme an, dass dies auch auf Deutschland übertragbar ist.
Leider ist eine solche Rückkehr oft mit unerwarteten, nicht unerheblichen Kosten verbunden, insbesondere wenn man, wie wir, zuvor den Haushalt vollständig aufgelöst hatte.
Ich verstehe deine Situation und teile voll und ganz deine Ansicht, dass es wesentliche Unterschiede gibt zwischen einem Urlaub hier und einem Leben hier. Auch ich empfinde das so. Ich lebe zwar nicht wie du schon seit vier Jahren hier, sondern erst seit einigen Monaten, dafür bin ich seit Jahren hierhergekommen, um einige Wochen oder in den letzten Jahren einige Monate im Jahr zu verbringen, quasi als „Tourist“, wenn auch in den eigenen vier Wänden. Da ich die letzten vier Jahre durchschnittlich etwa ein Drittel des Jahres jeweils in der Schweiz, in Kolumbien und in Italien verbracht habe, kann ich auf gewisse Vergleichserfahrungen zurückgreifen.
Auch ich bin gekommen, um einem alten Wunsch meiner Frau nachzukommen. Auch wenn meine Motivation, diesen Schritt rückgängig zu machen nicht finanzieller Natur ist, verstehe und teile ich auch diesen Aspekt, den du so treffend und aufrichtig dargelegt hast, voll und ganz. Es ist – auch wenn es für mich nicht das Hauptmotiv ist – ein sehr stichhaltiges und starkes ergänzendes Argument. Der wöchentliche Einkaufswagen, den ich in Kolumbien bei weitem nicht mit Produkten in der Auswahl und Qualität wie in der Schweiz oder in Italien füllen kann, kostet mich nicht weniger, nicht selten sogar etwas mehr. Ich nehme an, dass dies auch auf Deutschland übertragbar ist.
Leider ist eine solche Rückkehr oft mit unerwarteten, nicht unerheblichen Kosten verbunden, insbesondere wenn man, wie wir, zuvor den Haushalt vollständig aufgelöst hatte.
Virtus Junxit Mors Non Separabit


