Erich von Däniken - Maya Kalender - 2012
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Eisbaer
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Erich von Däniken - Maya Kalender - 2012
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Eisbaer
Themenstarter - Moderator(in)

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Erich von Däniken - Maya Kalender - 2012
Bis zum 21.12.2012 haben wir doch genug Zeit um uns darauf vorzubereiten
Wünsche allen einen guten Rutsch gehabt zu haben.
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Ernesto
Verified - Kolumbien-Veteran

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Erich von Däniken - Maya Kalender - 2012
War nichts mit dem Weltuntergang. Oder kommt es verspätet? 5000 Jahre der Berechnung ist eine gewaltige Zeit.
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seltenertyp
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Wird jetzt alles gut?
Ihr Lieben,
hoffentlich habt Ihr den (angeblich) von den Mayas, von Nostradamus und von den Hopis präzise vorhergesagten Weltuntergang angenehm verlebt. Auch ich muss sagen: Es war ein schöner, ruhiger Tag, ich hatte frei, habe morgens Yoga gemacht, war bei einem Neues-Zeitalter-Neue-Erde-Ritual im botanischen Garten von Medellin, habe die Sonne genossen und abends in einem Temazcal in den Bergen oberhalb der Stadt geschwitzt.
Wirklich sicher bin ich mir allerdings nicht, dass derlei Mutter-Erde-Kulte uns das Schicksal der Indigenas ersparen werden. Oder haben sie vielleicht ein kleines Detail im Ritual falsch gemacht und Mutter Erde erzürnt? Jedenfalls hat ihre Gläubigkeit und Verehrung Mutter Erde gegenüber nicht verhindert, dass ihre Welt schon vor Jahrhunderten unterging, dass sie von Barbaren geplündert, versklavt und letztlich fast ausgerottet wurden.
Können wir jetzt also getrost die Korken knallen lassen, weil (mal wieder) nichts passiert ist, und weil nun, nach der schon wieder ausgefallenen allergrößten Katastrophe, ganz sicher auch nie mehr etwas passieren kann und wird? Können wir uns also auf eine entspannte, sonnige Kreuzfahrt in den unendlichen Horizont einer strahlenden Zukunft freuen?
Wo doch schon so oft Alarm geschlagen wurde und dann (schon wieder) nichts passiert ist... Soweit ich zurückdenken kann, herrschte schon Anfang der 80er Weltuntergangsstimmung. Die Aussicht, dass bald auch der letzte Baum gestorben sein würde, in spätestens 20 Jahren (also im Jahre 2000) das Öl alle sein würde (heute, im Jahr 2012, reicht es nur noch für mindestens 30 Jahre!), dass wir dank der russischen Raketen demnächst auf den Atomgrill kommen (tatsächlich sind wir mehrfach haarscharf davongekommen), dass AIDS die Menschheit in ca. 30 Jahren (also im Jahr 2010) ausgerottet haben wird, dass spätestens im Jahr 2000 im Amazonasbecken kein Baum mehr steht usw. usf. verleideten mir die Jugend, und dann ging es flott weiter:
Der mehrfach ausgefallene Dritte Weltkrieg während der Besetzung Afghanistans durch die Russen, während des Irakkrieges und dank der Massaker auf dem Balkan, das endlose (und für uns bisher weitgehend folgenlose) Gemetzel im Nahen Osten, der wunderbar unblutige Fall des Ostblocks, dann das ausgefallene Chaos aufgrund des Jahr-2000-Computerproblems, der 11. September und eine zwölfjährige Weltwirtschaftskrise samt zwei Mega-Börsencrashs (und dank Gelddrucken wundersamer „Rettung“ der Banken und Finanzmärkte), SARS, Ebola, Schweine- und Vogelgrippe, Gammelfleisch, Pestizide in der Muttermilch, BSE und EHEC haben nicht wirklich ausgereicht, unsere Sehnsucht nach dem Untergang zu befriedigen. Auf die Klimakatastrophe ist auch kein Verlass mehr (es wird seit ca. 7 Jahren wieder kälter) und am 21. 12. 2012 (Diesmal aber wirklich! Versprochen!) ist es auch nichts geworden.
Oder haben wir da was falsch verstanden? Ist das alles mehr so symbolisch-feinstofflich zu verstehen, als rein spiritueller Vorgang, oder gar der Beginn eines langsamen Übergangs, der vielleicht Jahrzehnte lang dauert? Haben die meditierenden Yogis in den Höhlen des Himalaya das Weltende verhindert? Haben sich die Ufos im intergalaktischen Raum verflogen? Oder sind wir gar hinters Licht geführt worden von einem geistigen Virus, in die Welt gesetzt von geltungsbedürftigen „Wissenden“? Wer konnte und wollte deren Behauptungen und Berechnungen überhaupt exakt nachprüfen und wie viele möchten die Geschichten vom nahen Weltende mit wohligem Schauer nur allzu gerne glauben?
Bricht jetzt das Neue Zeitalter der Liebe an, wird jetzt gar alles gut, passiert gerade der globale, intergalaktische Bewusstseins-Quantensprung, war das schon die interplanetarische Geburt der verheißenen Neuen Erde, wovon zumindest ich noch nichts gemerkt habe?
Die Jahrhunderte sind voller apokalyptischer Prophezeiungen, Endzeithysterien, Erweckungsbewegungen, ausgerufenen „Neuen Zeitaltern“ und magisch-esoterischen Kulten zur Abwehr eines Gottesgerichtes wegen der menschlichen Sündhaftigkeit. Neu ist, dass mit dem Heraufdämmern des Lichtpilzes namens „moderne Zivilisation“ vor ca. 100 Jahren auch das Unbehagen an derselben als potenzielle Ursache ihres eigenen Untergangs wuchs – und die morbide Sehnsucht der körperlich verhätschelten, aber seelisch verzweifelten „befreiten Individuen“ nach dem finalen Ausschalten derselben.
Wenn es da einen Interesse gäbe, einen großen Knall mit maximaler Wirkung herbeizuführen, dann würde man es wohl genau so machen: Warten, bis so viele Menschen wie möglich auf Erden leben und so lange falschen Alarm geben, bis es niemand mehr glaubt. Dann geht auch niemand mehr in Deckung, wenn es wirklich soweit ist.
Betrachtet man die Explosion der industriellen Zivilisation der letzten 200 Jahre, ist klar, dass es von dieser schwindelnden Höhe aus nicht mehr lange weiter aufwärts geht oder wir auf diesem Niveau auch nur stehen bleiben können. Diese Überziehung aller Grenzen der Nachhaltigkeit wird korrigiert werden, und das hieße, zumindest auf den Zustand vor Beginn des industriellen Exzesses zurückzukehren, also auf das Niveau von vor 1800. Damals gab es weniger als eine Milliarde Menschen auf der Welt, im Gegensatz zu über sieben Milliarden heute, und es gab keinen Strom, keine Kraftmaschinen, keine Telekommunikation und trotzdem (oder gerade deshalb) wurden damals die größten kulturellen Leistungen vollbracht. Es war die Zeit Goethes, Schillers, Beethovens und Mozarts und ihrer Vorgänger. Die kulturellen Schätze und Bauwerke dieser Zeit werden unsere Welt-Vermüllungsorgie hoffentlich überdauern. Es wäre schade, wenn von der westlichen Kultur nur die Gebirge aus industriellem Abfall blieben, die wir heutzutage produzieren.
Aufschwung und Blüte begannen in der Geschichte immer NACH einer Katastrophe, nicht nach einem nie dagewesenen, explosiven, 200jährigen Aufschwung, der seinen Schwung verloren hat. Da ist eine gewaltige Übertreibung zu korrigieren und eine enorme Fallhöhe entstanden. Der Rakete des Industriezeitalters geht der Treibstoff aus, und wahrscheinlich noch vor der fossilen Energie erschöpft sich die menschliche Fähigkeit weiterzumachen, die Große Megamaschine am Laufen zu halten, unsere Sucht nach immer mehr „Innovation“ zu befriedigen. Bis jetzt hat jeder „Fortschritt“ mindestens zwei fatale Nebenwirkungen hervorgebracht, deren scheinbare Lösung nur mit weiterem „Fortschritt“ um den Preis weiterer Nebenwirkungen erkauft wurde.
Nur zwei Beispiele: Wir sind längst völlig abhängig von den Maschinen, die uns von vorn bis hinten bedienen, und diese Maschinen laufen nur mit Strom und Treibstoff. Wir haben uns so an sie gewöhnt, dass wir von Geburt an gar nicht mehr die früher selbstverständlichen und elementaren Fähigkeiten entwickeln können, um diese technischen Sklaven notfalls mit unserer eigenen Körperkraft zu ersetzen. Wer kann noch ohne Streichhölzer und Feuerzeug einen Ofen heizen und Holz hacken für einen ganzen Winter? Von Hand ein Haus bauen, ohne Zement und elektrisches Werkzeug? Im Herbst sämtliche Vorräte anlegen, die er das Jahr über gepflanzt und geerntet hat? Vielleicht 2-3% der Bevölkerung wären unter größten Mühen dazu noch in der Lage, und der Rest in Etagenwohnungshaltung würde still verhungern und erfrieren?
Ohne Strom keine Supermärkte (die sind nach 2-3 Tagen leer und geplündert), keine Polizei, keine Krankenhäuser, keine Telekommunikation, kein Licht, kein Transport. Und stellt Euch vor: Auch kein i-Phone und kein Facebook! A propos Computer: Die gesamte Technosphäre, also die industrielle Megamaschine samt Infrastruktur wird von Software gesteuert, und ein Supervirus von bösen Hackern in einem Schurkenstaat würde ausreichen, das Betriebssystem, von dem unser Leben abhängt, auszuschalten. Oder eine besonders große Sonneneruption, die einen elektrostatischen Teilchensturm zur Erde schickt, der die hochempfindlichen Mikrochips zerstört.
Die moderne Medizin hat die zahlreichen Krankheiten, die früher die Menschen dahinrafften, nicht ausgerottet, sondern nur zurückgedrängt. Pest, Cholera, Typhus und Polio wüten in wenig entwickelten Gegenden weiter und kein Antibiotikum tötet alle Keime. Immer bleiben einige wenige Mutanten übrig, die neue, multiresistente Stämme hervorbringen. Schon heute gibt es Krankenhauskeime und Superbakterien, gegen die kein Kraut mehr gewachsen ist.
Zudem verliert der Mensch dank Antibiotika und Impfungen immer mehr seine Widerstandskraft und genetische Defekte verbreiten sich, da man alles daran setzt, dass auch wirklich alle Kranken überleben. Irgendwann muss man das Genom des Menschen künstlich designen, weil sich über Generationen die genetischen Defekte multiplizieren konnten, die früher von der Natur aussortiert wurden.
Entweder die Megamaschine geht bald unter und nimmt die meisten von uns mit (ein paar Prozent „Rückständige“ werden noch übrigbleiben) oder wir hören auf, Menschen zu sein.
Unsere Zivilisation ist wie ein Supertanker mit immer mehr Lecks, der immer schneller fahren muss, um sich über Wasser zu halten und somit eine immer größere Bugwelle an aufgeschobenen Nebenwirkungen vor sich aufbaut. Sollte er langsamer werden, geht er mangels Auftrieb unter, fährt er noch schneller, bricht die Bugwelle über ihm zusammen.
Es ist wie mit den Erdbeben: Man muss sich Sorgen machen, wenn es lange keines gab, denn die Spannung staut sich immer weiter auf und je länger sie das tut, desto verheerender wird sie sich beim nächsten entladen. Oder die verhinderten Waldbrände: Je länger es keinen gab, desto mehr Unterholz sammelt sich an und desto größer wird das nächste Feuer.
Nein, früher war nicht alles besser. Aber besser den Preis in kleineren Raten zahlen als sich einbilden, das Paradies sei umsonst zu haben, wenn wir nur lange genug anschreiben lassen.
Unsere Bequemlichkeit ist auf Kosten unserer Lebenstauglichkeit teuer erkauft. Insofern sind wir eine höchst bedrohte Art, die wohl noch lange vor den allermeisten anderen Arten das Zeitliche segnet (falls die Zivilisation auch in den letzten Winkel der Erde vordringt und ihrem Untergang niemand entkommt). Ein schöner Trost für alle Naturfreunde und Artenschützer, die es dann allerdings auch nicht mehr geben wird.
Das Thema „Untergang der Zivilisation“ wurde mit ihrer Entfaltung als großstädtische Matrix, die die degenerierten „Zivilisierten“ vollkommen abhängig macht, vor ziemlich genau hundert Jahren virulent. Als Datum kann der erste große Schock für den Fortschrittsoptimismus am 15. April 1912 angesetzt werden: Der Untergang der Titanic, der damals größten und „unsinkbaren“ schwimmenden Stadt, die jeden nur erdenklichen Luxus bot. Das war fünf Tage vor Hitlers 24. Geburtstag, als dieser sich in Wien als Kunstmaler durchschlug und für den Ersten Weltkrieg bereits alles vorbereitet war.
Angesichts dieses Menetekels und angesichts von Kaiser Wilhelms Kanonenbootpolitik und Säbelrasseln den kommenden Weltkrieg erahnend, begann zeitgleich der Geschichtsphilosoph Oswald Spengler die Arbeit am ersten Band von „Der Untergang des Abendlandes“, der 1918 erschien, pünktlich zum Ende des ersten industrialisierten Massenschlachtens. Dieses Buch war ein durchschlagender Erfolg im ausgebluteten und traumatisierten Deutschland der ersten Nachkriegszeit.
Spengler hatte nicht nur den Ersten Weltkrieg vorausgesehen, sondern auch den aus ihm folgenden Zweiten und das Abgleiten des Westens in Scheindemokratien, in denen eine populistische Elite die willenlosen, hedonistischen Massen („Fellachen“) mit „Unterhaltung“ und Alimentierung beliebig manipuliert. Er sah das Verschwinden des „kulturfähigen Menschen“ voraus, die totale Herrschaft des Geldes sowie der Finanzmärkte und eine „Neue Religiosität“, in der alle wieder fromm werden und wild vermischten esoterischen Kulten fröhnen. Ein schönes Beispiel für diese Art von „neuer Spiritualität“ samt ihrer gelegentlich fatalen Folgen ist der „Siriusfall“: http://de.wikipedia.org/wiki/Siriusfall.
„Optimismus ist Feigheit“, so lautete die Schlussfolgerung von Oswald Spengler. Gefasst solle man dem Untergang ins Auge blicken, so rät er, gefasst und auch stolz auf eine immerhin weitgehend ruhmreiche Vergangenheit.
Dies alles lesend, verstand ich das dröhnende Wort „Schicksalsgemeinschaft“. Ich glaube, ich könnte nicht mehr froh werden, wenn ich übrig bliebe und da nichts mehr wäre, wohin ich zurückkehren könnte.
Ob die Untergangsphase des Westens wirklich erst 1912 begann, weiß ich nicht. Vielleicht war es auch schon im Jahr 1888, zwei Jahre nach der Erfindung des Automobils mit Benzinmotor durch Carl Benz und Nikolaus Otto und ein Jahr vor Hitlers Geburt. 1888 war das „Dreikaiserjahr“, als er erste deutsche Kaiser Wilhelm I mit 91 Jahren starb und sein Sohn Friedrich die Nachfolge antrat, allerdings nur für 99 Tage. Friedrich war von Jugend an Kettenraucher und litt an Kehlkopfkrebs im Endstadium. Als er noch sprechen konnte, bezeichnete er Krieg als „widerwärtige Schlächterei“ und Antisemitismus als „Schmach für Deutschland“.
Man stelle sich vor, Friedrichs Sohn, den letzten Kaiser Wilhelm II hätten als Beinahe-Totgeburt die Schläge der Hebamme mit dem nassen Handtuch nicht wieder zum Leben erweckt und sein Vater Friedrich hätte als Kaiser alt werden können. Wilhelm hätte Deutschland nicht „herrlichen Zeiten“ und „einem Platz an der Sonne“ entgegenführen können und es hätte wahrscheinlich den Ersten und den daraus folgenden Zweiten Weltkrieg nicht gegeben, keine Deutschen Eroberungsgelüste, keine Rache der Alliierten in Form des Versailler Vertrages und keinen Revanchismus der gedemütigten Deutschen als Motivation für eine verheerende zweite Runde.
So ist sie, die recht seltsame „Vorsehung“: Hitler hatte nicht nur seine Geburt überlebt (nachdem drei seiner Geschwister frühzeitig gestorben waren), sondern auch mindestens 50 Mordanschläge, während Millionen an den Fronten und in den KZs des „Gröfaz“ (größten Feldherrn aller Zeiten) krepierten – bis Hitler seinem Leben selbst Ende machte, als russische Granaten schon auf seinem Bunker einschlugen.
Das deutsche Desaster: Eine Tragödie aus Hochmut und Rachsucht mit rund 70 Millionen Toten in zwei Weltkriegen. Der Dritte Weltkrieg ist wahrscheinlich der seit rund 50 Jahren andauernde Krieg der Hormone in Form der Anti-Baby-Pille, der „Krieg der Geschlechter“ und der „sexuellen Befreiung“, dessen feministische Siege die Frauen zur Abhängigkeit vom Arbeitgeber befreit haben (statt der vom Ehegatten) und zusätzlich zur Lohnsklaverei (anstelle nur der Hausarbeit). Ein sehr humaner Krieg, denn von Opfern kann man allenfalls bei den dennoch zur Welt gekommenen, traumatisierten Trennungskindern und den Millionen vereinsamten ewigen Singles (und in Zukunft verarmten Alten) reden und nicht bei der mindestens 1 Milliarde seitdem Ungeborenen (so man berücksichtigt, dass es nicht allzu empfehlenswert ist, noch kurz vor Schluss das Neonlicht einer überbevölkerten und fleißig am eigenen Untergang bastelnden Zivilisation zu erblicken).
Steht also die Vollendung des Untergangs der rund 1200jährigen westlichen Kultur – pardon, des „autoritären, repressiven Patriarchats“ – kurz bevor? So lange - von wem eigentlich? - herbeigesehnt und in rund 200 Jahren geduldig durch die politischen Agenden der „industriellen Modernisierung“, der Gleichstellung der Frau mit den „männlichen Privilegien“ Lohnsklaverei, Einsamkeit und Herzinfarkt sowie der so genannten „sozialen Sicherheit“ vorbereitet? Nach Jahrtausenden (nachhaltigem!) Bauerntum und Handwerk samt sozialer Sicherheit in der Großfamilie machten die modernen „Fortschritte“ die „Befreiung des Individuums“ zum großstädtischen Singledasein möglich, versorgt von Supermärkten und „Sozialstaatlicher Daseinsvorsorge durch die Solidargemeinschaft“ - bis zum Kollaps der leider eben nicht nachhaltigen Megamaschine.
Und so sehnen wir uns nicht nur nach dem Ende dessen, was uns krank macht, sondern eben auch danach, dass uns das Ende mit Schrecken erspart werden möge. Aber wer erspart uns den Schrecken ohne Ende, die künstliche Hightech-Lebensverlängerung der industriell degenerierten Großstadtzivilisation?
Ganz entspannt im Hier und Jetzt wollen uns die Esoterik und die Industrie, und als glückliche KonsumentInnen sollen wir zugrunde gehen. Auch Tiere machen sich keine Sorgen, sie denken nicht über die Zukunft nach und auch die Vergangenheit interessiert sie nicht.
Wie wohltätig ist der „Fortschritt“, der uns, so man der Werbung glaubt, so entspannt und verwöhnt? Je mehr Maschinen und sozialstaatlichen Komfort, desto abhängiger, dümmer. schwächer und somit kontrollierbarer werden die „befreiten Individuen“.
Früher herrschten die Gewalttäter, heute herrschen die sozialstaatlich-industriellen WohltäterInnen. Das perfekte Geschäftsmodell: Je mehr Wohltaten, desto mehr dergleichen wird davon gebraucht. Die Herrschaft schafft sich ihre eigene Nachfrage.
„Niemand ist hoffnungsloser versklavt, als jene, die fälschlicherweise glauben, frei zu sein“, sagte Goethe. Die Freiheit des Konsumenten ist die der Wahl zwischen 20 Sorten Klopapier, aber die Freiheit, einfach nicht mehr mitzumachen, wird er sich kaum nehmen, er, der noch einmal mehr weiß, wie er ohne Navi und Kreditkarte oder gar zu Fuß aus der Stadt kommt (zumal es in Zentraleuropa nur noch Stadt gibt, denn auch auf dem Land lebt fast niemand mehr von der Bewirtschaftung eigenen Bodens).
Das ist das erste Gesetz der Herrschaft: „Mache deine Untertanen von dir abhängig und sie werden dir freiwillig gehorchen“. Die perfektionierte Unterwerfung ist der „freiwillige“ Gehorsam derer, die sich für „freie Bürger“ halten und von der staatlich-industriellen Matrix total „versorgt“ sind. In dem luziden Film „Die Matrix“ sieht man die menschlichen Körper mit Schläuchen und Kabeln ans System angeschlossen und somit jederzeit abschaltbar; gleichzeitig wird ihnen der Lebenssaft abgezapft. Von all dem merken sie nichts, denn sie sind in einen künstlichen Traum einer realen Welt gefangen, in der sie sich „selbstbestimmt“ bewegen.
Die blaue oder die rote Pille? Vielleicht ist es besser, weiterzuschlafen, auf jeden Fall ist es bequemer.
Das Resultat unserer „Befreiung aus dem Reich der Notwendigkeit“ sind nicht selten (selbst-)mörderischer Überdruss und die morbide Gier der in Watte Gepackten nach immer stärkeren Reizen (um überhaupt noch etwas zu fühlen). Die Suicide-Girls machen es vor: Mainstream wird demnächst der im Internet inszenierte Suizid sein (bringt ganz viele „gefällt mir“ auf Facebook und Rente gibt es sowieso nicht mehr) wie schon jetzt die „Körperkunst“, d.h. sich meist ziemlich geschmacklose und krebserregende Bilder in die Haut stechen zu lassen und Schamlippen und Penisse mit Metallobjekten zu vernieten (einschließlich skurriler Unfälle).
Sadomaso-, Homo- und Analsex sind bald out, viel cooler ist der mit Tieren, weshalb wir auch Vegetarier sind. Meinen Freund esse ich nicht! Das wahre Gutsein zeigt sich in der Beziehung auf Augenhöhe zu unseren Lieblingen. Schlachthöfe wird es bald nicht mehr geben, wohl aber immer mehr Schweineparadiese: http://www.schweineparadies.de. Ist der Übergang zwischen Schwein und Mensch nicht ziemlich fließend?
Höre ich da Widerspruch? Du Anthropozentriker Du, Du Speziezist!
Hier wird alles zum Thema „wahre Tierliebe“ erklärt: http://www.zeta-verein.de/wissenswertes ... hilie.html . Noch haben wir es nicht ganz geschafft, wir werden erst dann sexuell völlig befreit sein, wenn Kinder in Hightech-Fabriken digital designt und ausgebrütet werden. Wir können die Erzeugung kostbaren Humankapitals unmöglich dem unberechenbaren Lotto der Natur überlassen.
Hoffentlich geben die Gentech-Gegner und Fortschrittsfeinde bald Ruhe, denn sonst droht der Exitus des Homo consumens durch die Weigerung der „befreiten Individuen“, sich fortzupflanzen (auf die Weigerung zu sterben ist kein Verlass). Doch die Natur ist kreativ und wird immer neue Nebenwirkungen und Zivilisationskrankheiten schicken. Letztlich kann er nur hinausgezögert werden, der degenerative Tod durch industrielle Wunscherfüllung. Dann doch lieber gleich der Tod nach Wunsch zur Erlösung vom Leid der in sich eingeschlossenen Egos. Was wäre schon dabei, wenn wir einfach aussterben, das wäre doch sehr human und verdient hätten wir es allemal, nach diesem endlosen Massenschlachten genannt „Weltgeschichte“. Oder?
In wenigen Jahren wird es Hospize und Sterbekliniken für jedermann geben und ein höchstrichterlich bestätigtes Recht auf „Selbsteigentum“ und das „Recht auf einen selbstbestimmten Tod“ (Günstiger Nebeneffekt: Beschaffung knapper Spenderorgane und Entlastung der unter der Pflegelast ächzenden Krankenkassen). Die liberalen Niederlande haben nicht nur die Drogen zuerst legalisiert.
Nietzsche, ein weiterer deutscher Philosoph mit erstaunlichem Weitblick, der u.a. auch Oswald Spengler inspirierte, sah Ende des 19. Jahrhunderts das Kommen der „letzten Menschen“ voraus, der geschichtslosen, in der Masse vereinzelten „befreiten Individuen“, die verzweifelt danach gieren, eine „einzigartige Persönlichkeit“ zu sein und nicht merken, dass sie sich in diesem Ringen um Aufmerksamkeit alle auf die Fußspitzen stellen und letztlich doch im wogenden Meer der Köpfe untergehen. Die im Leben nichts weiter vorhaben, als sich an immer stärkeren „Reizen“ zu berauschen und sich zu amüsieren. Letztlich wird Euthanasie (griechisch für „schöner Tod“) zum Ausdruck „individueller Freiheit“ und zum ultimativen, juristisch abgesegneten Unterhaltungsevent. Politik ist immer nur Ausdruck der gesellschaftlichen Realität, und so beschließen die Parlamente die Rechtsgrundlagen für den individuellen wie auch kollektiven Suizid ganz demokratisch.
Was Kriege, Naturkatastrophen, Atombomben, Seuchen, Umweltgifte, Handystrahlen und Krebs nicht vermochten, bringt die politische Korrektheit mit der „Befreiung des Individuums“ komfortabel, pharmazeutisch entspannt und schmerzfrei, kurz: human und unblutig zu Ende.
Nach fast vier Jahren in Kolumbien muss ich sagen: Eigentlich schade, wenn die westliche Kultur einschließlich der Deutschen verschwindet.
Kolumbien hat gegenüber Deutschland zwar eine Menge Vorteile: Es ist wahrscheinlich das Land mit der schönsten Natur und dem besten Klima sowie den meisten Bodenschätzen auf der Erde, ein boomendes Land ohne demografische Krise. Nach Jahrzehnten Bürgerkrieg ist es in eine wohl lang andauernde Erholungsphase eingetreten und es ist schwer, hier einsam zu sein.
Kolumbien verfügt über faszinierende Kunst, Musik und Geschichte und zum Glück bewege ich mich auch hier in der kreativen Szene. Aber: In der kolumbianischen „Leitkultur“ tobt immer noch der Furor der Modernisierung und man beginnt allenfalls ganz zaghaft, das kulturelle Erbe und den natürlichen Reichtum wertzuschätzen.
Ganz überwiegend schielt man hier noch nach den USA (Englisch kann trotzdem fast niemand) und nach dem, was man in den „entwickelten“ Ländern einst für das „gute Leben“ hielt, d.h. alles, was künstlich, industriell und maschinell ist, Beton, Plastik, Chemie, Hochhäuser, totale Automobilisierung. Der gesamte Städtebau ist nur vom Auto her gedacht und trotz kreuzungsfreier- und Einbahnstraßen, „pico y placa“, d.h. jeden Tag dürfen nur die Autos mit fünf der zehn Endziffern der Nummernschilder fahren und einem Bruchteil des Fahrzeugbestandes von Deutschland ist alles zugestaut. Fußgänger und die paar lebensmüden Radfahrer werden von den Autofahrern gnadenlos überrollt, wenn sie nicht schnell genug sind.
Die meisten Kolumbianer des Mainstreams sind unglaublich stolz auf ihr Land. Und wenn man erklärt, dass man zwar weiß und blond aber dennoch kein Gringo ist, sondern Deutscher, musste ich mehrfach erleben, dass die Rechte nach oben gerissen und „Heil Hitler“ gerufen wurde. Nicht wenige sind der Ansicht, dass der „Führer“ sowieso der Beste sei (wie auch Schweinsteiger und die anderen Fußballer, deren Namen ich mir nicht merken kann); er habe es allen gezeigt, vor allem den Juden, und habe nur einen Fehler gemacht: Er habe sie nicht alle vergast.
Es ist die deutsche Vielfalt, Geschichte und die Beschaulichkeit, die ich in Kolumbien so vermisse. Zumindest in den Großstädten, die in Deutschland entschieden mehr Lebensqualität haben. Berlin kommt mir im Vergleich zu Medellin wie ein Erholungs-Freizeitpark vor.
Schon allein das köstliche und unwahrscheinlich vielfältige Essen in Deutschland verfolgt mich bis in den Schlaf.
Oh, dieses Brot und dieses Müsli! Die Vielfalt an Käse, Wurst, Marmeladen und Säften, Bier und Wein, Döner, Sushi, italienische Pasta und Pizza und die indische und thailändische Küche! Fast alles naturbelassen und ursprünglich im Geschmack, zumindest im Vergleich zum Essen in Kolumbien.
Nach vier Jahren ohne Winter vermisse ich sogar die langen, kalten Nächte, bullernde Öfen, Kerzenschein und Schnee und Eis... Nur so lang sollte er nicht sein, der Winter. Zwei Monate würden genügen, aber bitte mit ganz viel Sonne und Pulverschnee.
Überhaupt finde ich inzwischen, dass das herbe, kühle Klima des Nordens und der Wechsel der Jahreszeiten seinen ganz eigenen Charme hat und hier in den Tropen mit dem ewigen Sommer doch etwas fehlt. Das ist ungefähr so, wie jeden Tag Geburtstag haben oder jeden Tag Schwarzwälder Torte.
Als ich das letzte Mal im Frühjahr in Deutschland war, habe ich sie wahnsinnig genossen, diese stillen, grünen Flusstäler, die fantastischen Radwege, auf denen man ganz eben und ohne Lebensgefahr zwischen den Landschaften dahinschwebt, die Berliner Stadtgärten, die kreative Spielwiese des Flughafens Tempelhof, den Abend an der Fischerinsel in Berlin Mitte, das Bodemuseum, Clärchens Ballhaus, den Oleander im Tiergarten...
Wie nicht anders zu erwarten (und bereits vor Monaten geahnt) bin ich mit einiger Traurigkeit aus Deutschland weg, denn: das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner.
Frage: Wie wird Deutschland wieder schön?
Antwort: Aus der Ferne bzw. als Besucher!
Warum waren in Deutschland auf einmal (fast) alle so nett zu mir? Ist das so etwas wie ein Exotenbonus? Weil ich bald wieder weg bin?
Liebt man nur das Entfernte, das Vergangene, je unerreichbarer, desto mehr? Ist man nicht folgerichtig zu den Toten am nettesten?
Besichtigen wir also den Rückbau im Lebensabendland, so lange es noch geht, einen bisher einmaligen Vorgang in der Geschichte, zumal in Friedenszeiten und bei nie dagewesenem materiellem Überfluss. 50 % der Schulen sind bereits geschlossen und die Musik von heute ist fast ausnahmslos in Moll.
Bitte schaut Euch meinen absoluten Lieblingsfilm „Wir Wunderkinder“ aus dem Jahr 1958 an: http://www.youtube.com/watch?v=UC1GyGO0 ... C1GyGO04Rc . Das ist die schönste und witzigste Geschichtsstunde, die ich kenne. Daran wird deutlich, was in gut 50 Jahren bereits verloren ging und dass mit der deutschen Kultur eben nicht nur das Böse schlechthin verschwinden wird (was die „Antideutschen“ gar nicht erwarten können: http://www.welt.de/kultur/article106607 ... Krieg.html ).
Mich bezaubern an diesem Film die drei großen Hs: Hirn, Herz und Humor. Und wie charmant und liebevoll Mann und Frau darin miteinander umgehen. Warum gibt es das heute offenbar nicht mehr? Ist das auch so die Errungenschaft von Genderpolitik und Feminismus? Der politisch gewollte Tod der (heterosexuellen) Liebe?
Einmal vor etlichen Jahren durfte ich einen solchen Zauber der Extraklasse erleben. Seitdem ist es schwer, sich mit weniger abzufinden. Ich bin wohl einfach ein paar Jahrzehnte zu spät auf die Welt gekommen.
Was wäre das Leben ohne die Liebe, die so viel mehr bedeutet, als möglichst viele Orgasmen zu erleben? Sogar mitten im Weltuntergang macht die Verliebtheit glücklich, und letztlich sind der Hunger nach Prestige, Geld und Macht nur verkorkste Formen des Hungers nach Liebe, die man erwerben zu können glaubt, wenn man „jemand ist“ und vor allem „mehr hat als die anderen“. Wenn man deswegen „geliebt“ wird, macht diese „Liebe“ auch wirklich glücklich, füllt sie uns aus oder warum können die Mächtigen keine Ruhe geben, warum fürchten sie nichts mehr, als dass man ihnen etwas wegnehmen könnte, auch mit noch so vielen Frauen?
Es ist das Normalste der Welt, an den prestigeträchtigen Seiten des Lebens zu kleben (um „jemand“ zu sein) und diese Anhaftung mit einer „höheren Mission“ zu begründen („Verantwortung übernehmen“, „Zeichen setzen“, „wer, wenn nicht meine wunderbaren Kinder könnte die Welt retten?“, „über sich hinauswachsen“, „eine bessere Welt bauen“). Es gibt so vieles zu wünschen und zu erreichen, aber: Wie fühlt man sich dann, mit all dem Erreichten?
Warum sind jene, die sich binden, engagieren, einsetzen, die erschaffen, bauen, und dann besitzen, oft gar nicht so glücklich, warum können sie so oft nicht genießen, was sie erreicht haben, bleiben ruhelos, gehetzt und besessen von ihrem Besitz und ihren zahlreichen Verantwortungen?
Auch das Erschaffen von Traumprojekten macht offenbar müde. Man gewöhnt sich an alles, auch ans Paradies, und gerade das Angenehme wird schnell langweilig. Wie viel Wohlsein erträgt der Mensch? Sind wir fürs Paradies geschaffen? Kommen wir deshalb nur so schwer zur Ruhe? Weil wir nichts mehr fürchten, als Stille, Leere, Einsamkeit?
Verliert man nicht eine ganze Menge beim Besitz von ein wenig (was ist ein noch so großer Besitz angesichts der Welt?)? Verpasst man nicht den großen Rest, weil einen die Dinge in Besitz nehmen, die man zu besitzen glaubt?
Auch hier: Abstand tut gut, dann wird man sich nicht vom lästigem Alltags-Kleinkram absorbiert und kann das schöne Panorama genießen. Ist es nicht Wahnsinn, zu glauben, dass es „Meins“ geben könnte, das einen nicht selten daran hindert, das so unendlich viel größere „nicht Meins“ überhaupt kennenzulernen?
Wenn ich „normal“ wäre, sähe mein Leben jetzt höchstwahrscheinlich so aus: Ich wäre gebunden an für niemanden sehr befriedigende Verpflichtungen oder wäre „meins“ längst los, d.h. getrennt oder geschieden, wäre verschuldet, müsste arbeiten, um nicht unterzugehen, hätte ein bis zwei verstörte Kinder, die ich jedes zweite Wochenende sehe dürfte und müsste auch meine mit einem anderen liierten Exfrau unterhalten, die weiter in der von mir bezahlten einst gemeinsamen Wohnung wohnt. Wahrscheinlich wäre ich so krank geworden, dass ich meinen Job verloren hätte oder wäre dem Alkohol oder Drogen verfallen. Ich kenne allein in meinem Bekanntenkreis mehrere solcher Fälle, viele Singles und nur wenige Paare, die sich langfristig etwas Gutes tun.
Nein, mir persönlich und für mich allein geht es sehr gut, denn das Leben aus dem Rucksack hat so seine Vorteile, und zwar nicht nur für mich: Niemand muss Häuser voller Nachlass entsorgen, wenn es soweit ist, eine Frage der Höflichkeit, wenn man das schon ein paarmal in seinem Leben tun musste.
Einziges Problem: Die Einsamkeit unter so vielen Leuten, die (scheinbar) gerne Sklaven des Ihren sind. Doch kommen wir alle auf die Welt, um bis in alle Ewigkeit das Gleiche wie alle anderen zu wiederholen? Wäre es ein Erfolg gewesen, so zu werden wie die anderen, weil es mir dereinst Sozialprestige gebracht hätte? Ist die Einsamkeit nicht noch viel grausamer, wenn sie zu zweit erlebt wird oder wenn man schlecht gebunden ist an jemanden, den man nicht mehr liebt?
Ginge es mir so besser? Oder ist Erfolg nicht vielmehr, unnötige Probleme konsequent zu vermeiden? Nach etlichen Erfahrungen kann ich sagen: Nur eine wirklich gute Beziehung ist besser, als gepflegt alleine zu sein. Auch die Einsamkeit tut nicht so weh, wenn man sich nicht wehrt. Wenn man nicht bekommt, was man will, muss man eben nur wollen, was man bekommt.
Und: Auch Traumpaare trennen sich, auch jene, die ganz besonders viel gemeinsam haben und dann oft auch sehr viel gemeinsam verlieren; um des Kicks einer neuen Verliebtheit willen werden ganze Lebenszusammenhänge einschließlich dem der gemeinsamen Kinder aufgegeben.
Kann man überhaupt sagen: „Mein“ Partner, „meine“ Kinder? Sind diese Menschen unser Eigentum, können wir über sie verfügen wie über Dinge? Gibt es das, „mein“ Haus, zumal in Deutschland wo man noch nicht einmal ohne Genehmigung der Obrigkeit ein Feuer anzünden, einen Komposthaufen anlegen, ein Plumpsklo bauen, ja noch nicht einmal sein eigenes Regenwasser nutzen darf? Geschweige denn, das Haus von außen sichtbar baulich verändern darf? Und wie ist es mit „meinem“ Leben, „meiner“ Geschichte, „meinen“ Leistungen? Diese Dinge werden ja wohl noch „meins“ sein, so wie „mein“ Körper!
Bin ich meine Geschichte, mein Körper, das, was wir "Persönlichkeit" nennen? Woher kommt das alles? Aus mir? Und woher komme ich? Bin ich mein eigener Ursprung oder Ergebnis einer Kette von Ursachen? Existiert das Phänomen unabhängig von den Ursachen? Die Phänomene vergehen; irgendwann wird davon nichts mehr übrig sein, noch nicht einmal ein Gedanke.
Es ist das Selbstverständlichste der Welt, erst einmal völlig mit "meiner" Persönlichkeit, "meinem" Leben, "meiner" Geschichte, "meinem" Körper und somit mit "meinen" Gedanken identifiziert zu sein.
Schaut man jedoch durch den Spiegel hindurch und dahinter, merkt man (z.B. durch Meditation und/oder Yoga, in ekstatischen Zuständen, manchmal gar im Rausch), dass da niemand ist, der dauerhaft greifbar, also "wirklich" und "real" ist. Und doch: Auch und gerade dann, wenn das Denken aufhört, ist es da, das Bewusstsein. Die Gedanken, der Geist, das Ich verdecken es wie Wolken die Sonne.
Hierzu die vielleicht stärksten Worte der Bibel, wie maßgeschneidert für die in ihrer „Individualität“ zur Einsamkeit befreiten „letzten Menschen“: "Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur ein verschwommenes Bild, doch dann schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich nur stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin." 1. Korinther 13:12
Schlussfolgerung: Lieben heißt sich durch den anderen erkennen. Weil ich dich liebe, betrachte ich nicht mein Spiegelbild, sondern Dich. Du schenkst mir dieses größte Glück, mich selbst zu vergessen. Du siehst nicht nur meine äußere Erscheinung, sondern lässt mich das wahres Selbst erkennen.
Das „wahre Selbst“? Haben das die „befreiten Individuen“ nicht schon längst verwirklicht? Irrtum, nicht das Ego ist gemeint.
Hat man das begriffen, dass fällt eine ungeheure Last von einem ab: Den ständigen Lärm und das Geschwätz im Kopf für real und wichtig zu halten, das Ich, das dauernd etwas braucht und will und ständig andere Sachen hasst und meidet. Welch ein rastloser Alptraum, den Gedanken kommt man mit Gedanken eben nicht bei.
Letztlich ist nur das Bewusstsein unbegrenzt, allgegenwärtig, von Körpern unabhängig und ewig "da", und der Körper und der Geist (das "Ich") sind letztlich nur eine Art Einzelhaft, deren Bedingungen mal etwas besser und dann wieder schlechter sind.
Oder anders gesagt: Wir sind wie durstige Fische. In Kirchen und Kulten suchen wir dauernd etwas, dass alles umgibt und durchdringt, weil wir wie im Wahn glauben, die Zelle zu sein, in der wir inhaftiert sind.
Die vielleicht wichtigsten Fragen bleiben eben doch: Wie der Mensch in die Welt kommt, d.h. in welchem Bewusstsein und Seelenzustand seiner Eltern er gezeugt wird und in welchem Zustand er die Welt wieder verlässt. Alles dazwischen resultiert letztlich aus dem Ersten und mündet in das Letzte.
Muss man sich davor fürchten, wieder dorthin zurückzukehren, woher man kam? Warum fürchtet sich die Schneeflocke davor, wieder im Ozean aufzugehen? Was ist so erstrebenswert daran, in einen verletzlichen, auf ein Hier und Jetzt beschränkten, bedürftigen, unweigerlich verfallenden und sterblichen Körper eingeschlossen zu sein?
Nach den ersten Schießereien auf offener Straße (zur Gewöhnung an das, was in Deutschland noch kommt?) kann ich sagen: Ich habe kein Problem mit dem Tod und auch nicht mit dem Sterben, nur ein leichter Tod sollte es bitte sein (leider schießen die hier sehr schlecht, und das macht mir Sorgen). Ich bin zufrieden und dankbar, ich habe so viel mehr erlebt und gelernt, als ich mir überhaupt hätte vorstellen können und komme schon jetzt mit dem Verdauen nicht mehr hinterher.
Ja, das Leben kann auch schön sein, nicht immer, aber manchmal. Dummerweise ist das Glück über Raum und Zeit und zwischen den Menschen sehr ungleich verteilt, aber statistisch halten sich aufs Ganze betrachtet Freude und Leid wohl genau die Waage. Ist das ein Trost? Würdest Du Dein Kind auf eine Reise schicken, die (statistisch) zu 50 % aus Leid, Schmerz und Verlust besteht und zu 100 % tödlich endet?
Oder anders gesagt: Ist es wirklich ein Trost, immer alles positiv zu sehen? Ist meine Sichtweise wirklich so negativ, muss man sich mit dem Unvermeidlichen unwohl fühlen und sich die Welt schöndenken? Und wenn dann alles so positiv und ganz wunderbar ist, wie fühlt man sich, wenn man es (garantiert!) zurücklassen muss? Warum so viel Anhaftung bei sich und anderen erstreben, wo man doch für sich allein alles und alle zurücklassen muss und noch nicht einmal weiß, wann und wie man diese Welt verlassen wird?
So sehe ich dem Untergang ins Auge, gefasst und mit wenig Sorgen um das Danach, denn: Ganz sicher geht es weiter, wenn nicht mit uns, dann mit anderen. Das Leben ist quasi ewig, nur fällt mir schwer zu glauben, dass wir als individuelle Personen („Seelen“) weiterexistieren, nur eben ohne Körper, ohne den unsere menschlichen Eigenschaften, Bedürfnisse und Leidenschaften keine Ursache und keinen Sinn mehr haben. Auch das kollektive Ende ist subjektiv betrachtet nur ein unvermeidliches individuelles. Hoffentlich kommt mein individuelles zuerst.
Meister Goethe hat in seinem „Faust“ vor 200 Jahren nicht nur die Verzweiflung und Todessehnsucht des Egos wegen seines letztlich vergeblichen Strebens nach dem Unendlichen beschrieben sowie den daraus folgenden Versuch der Weltbeherrschung durch die scheinbar unendlich mächtigen Maschinen und das unendlich vermehrbare Papiergeld. Er hat auch seine Befindlichkeit angesichts dieser Aussichten in gravitätische Worte gepackt (in „Wandrers Nachtlied“ und „Ein Gleiches“, Gedichte, die bis vor ca. 50 Jahre noch jedes Schulkind auswendig konnte):
„Der du von dem Himmel bist
Alle Lust und Schmerzen stillst
Den, der doppelt elend ist
Doppelt mit Erquickung füllst
Ach, ich bin des Treibens müde
Was soll all die Qual und Lust?
Süßer Friede, komm, ach komm
in meine Brust.
Über allen Gipfeln ist Ruh'
In allen Wipfeln spürest du
Kaum einen Hauch
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen entspanntes neues Jahr.
Eberhard
P.S.: Wenn alles klappt, komme ich im April wieder nach Deutschland. Ich freue mich auf den Frühling und all die Dinge, die ich hier so sehr vermisse und darauf, alte Freunde und Familie wiederzusehen. Deutschland ist, alles in allem und trotz allem, immer noch gar nicht so schlecht. Wenn nur die Aussichten etwas besser wären – und man in Deutschland nur nicht so leicht vereinsamen würde. Ob ich wieder so gut aufgenommen werde wie letztes Mal, so als „Exot“?
hoffentlich habt Ihr den (angeblich) von den Mayas, von Nostradamus und von den Hopis präzise vorhergesagten Weltuntergang angenehm verlebt. Auch ich muss sagen: Es war ein schöner, ruhiger Tag, ich hatte frei, habe morgens Yoga gemacht, war bei einem Neues-Zeitalter-Neue-Erde-Ritual im botanischen Garten von Medellin, habe die Sonne genossen und abends in einem Temazcal in den Bergen oberhalb der Stadt geschwitzt.
Wirklich sicher bin ich mir allerdings nicht, dass derlei Mutter-Erde-Kulte uns das Schicksal der Indigenas ersparen werden. Oder haben sie vielleicht ein kleines Detail im Ritual falsch gemacht und Mutter Erde erzürnt? Jedenfalls hat ihre Gläubigkeit und Verehrung Mutter Erde gegenüber nicht verhindert, dass ihre Welt schon vor Jahrhunderten unterging, dass sie von Barbaren geplündert, versklavt und letztlich fast ausgerottet wurden.
Können wir jetzt also getrost die Korken knallen lassen, weil (mal wieder) nichts passiert ist, und weil nun, nach der schon wieder ausgefallenen allergrößten Katastrophe, ganz sicher auch nie mehr etwas passieren kann und wird? Können wir uns also auf eine entspannte, sonnige Kreuzfahrt in den unendlichen Horizont einer strahlenden Zukunft freuen?
Wo doch schon so oft Alarm geschlagen wurde und dann (schon wieder) nichts passiert ist... Soweit ich zurückdenken kann, herrschte schon Anfang der 80er Weltuntergangsstimmung. Die Aussicht, dass bald auch der letzte Baum gestorben sein würde, in spätestens 20 Jahren (also im Jahre 2000) das Öl alle sein würde (heute, im Jahr 2012, reicht es nur noch für mindestens 30 Jahre!), dass wir dank der russischen Raketen demnächst auf den Atomgrill kommen (tatsächlich sind wir mehrfach haarscharf davongekommen), dass AIDS die Menschheit in ca. 30 Jahren (also im Jahr 2010) ausgerottet haben wird, dass spätestens im Jahr 2000 im Amazonasbecken kein Baum mehr steht usw. usf. verleideten mir die Jugend, und dann ging es flott weiter:
Der mehrfach ausgefallene Dritte Weltkrieg während der Besetzung Afghanistans durch die Russen, während des Irakkrieges und dank der Massaker auf dem Balkan, das endlose (und für uns bisher weitgehend folgenlose) Gemetzel im Nahen Osten, der wunderbar unblutige Fall des Ostblocks, dann das ausgefallene Chaos aufgrund des Jahr-2000-Computerproblems, der 11. September und eine zwölfjährige Weltwirtschaftskrise samt zwei Mega-Börsencrashs (und dank Gelddrucken wundersamer „Rettung“ der Banken und Finanzmärkte), SARS, Ebola, Schweine- und Vogelgrippe, Gammelfleisch, Pestizide in der Muttermilch, BSE und EHEC haben nicht wirklich ausgereicht, unsere Sehnsucht nach dem Untergang zu befriedigen. Auf die Klimakatastrophe ist auch kein Verlass mehr (es wird seit ca. 7 Jahren wieder kälter) und am 21. 12. 2012 (Diesmal aber wirklich! Versprochen!) ist es auch nichts geworden.
Oder haben wir da was falsch verstanden? Ist das alles mehr so symbolisch-feinstofflich zu verstehen, als rein spiritueller Vorgang, oder gar der Beginn eines langsamen Übergangs, der vielleicht Jahrzehnte lang dauert? Haben die meditierenden Yogis in den Höhlen des Himalaya das Weltende verhindert? Haben sich die Ufos im intergalaktischen Raum verflogen? Oder sind wir gar hinters Licht geführt worden von einem geistigen Virus, in die Welt gesetzt von geltungsbedürftigen „Wissenden“? Wer konnte und wollte deren Behauptungen und Berechnungen überhaupt exakt nachprüfen und wie viele möchten die Geschichten vom nahen Weltende mit wohligem Schauer nur allzu gerne glauben?
Bricht jetzt das Neue Zeitalter der Liebe an, wird jetzt gar alles gut, passiert gerade der globale, intergalaktische Bewusstseins-Quantensprung, war das schon die interplanetarische Geburt der verheißenen Neuen Erde, wovon zumindest ich noch nichts gemerkt habe?
Die Jahrhunderte sind voller apokalyptischer Prophezeiungen, Endzeithysterien, Erweckungsbewegungen, ausgerufenen „Neuen Zeitaltern“ und magisch-esoterischen Kulten zur Abwehr eines Gottesgerichtes wegen der menschlichen Sündhaftigkeit. Neu ist, dass mit dem Heraufdämmern des Lichtpilzes namens „moderne Zivilisation“ vor ca. 100 Jahren auch das Unbehagen an derselben als potenzielle Ursache ihres eigenen Untergangs wuchs – und die morbide Sehnsucht der körperlich verhätschelten, aber seelisch verzweifelten „befreiten Individuen“ nach dem finalen Ausschalten derselben.
Wenn es da einen Interesse gäbe, einen großen Knall mit maximaler Wirkung herbeizuführen, dann würde man es wohl genau so machen: Warten, bis so viele Menschen wie möglich auf Erden leben und so lange falschen Alarm geben, bis es niemand mehr glaubt. Dann geht auch niemand mehr in Deckung, wenn es wirklich soweit ist.
Betrachtet man die Explosion der industriellen Zivilisation der letzten 200 Jahre, ist klar, dass es von dieser schwindelnden Höhe aus nicht mehr lange weiter aufwärts geht oder wir auf diesem Niveau auch nur stehen bleiben können. Diese Überziehung aller Grenzen der Nachhaltigkeit wird korrigiert werden, und das hieße, zumindest auf den Zustand vor Beginn des industriellen Exzesses zurückzukehren, also auf das Niveau von vor 1800. Damals gab es weniger als eine Milliarde Menschen auf der Welt, im Gegensatz zu über sieben Milliarden heute, und es gab keinen Strom, keine Kraftmaschinen, keine Telekommunikation und trotzdem (oder gerade deshalb) wurden damals die größten kulturellen Leistungen vollbracht. Es war die Zeit Goethes, Schillers, Beethovens und Mozarts und ihrer Vorgänger. Die kulturellen Schätze und Bauwerke dieser Zeit werden unsere Welt-Vermüllungsorgie hoffentlich überdauern. Es wäre schade, wenn von der westlichen Kultur nur die Gebirge aus industriellem Abfall blieben, die wir heutzutage produzieren.
Aufschwung und Blüte begannen in der Geschichte immer NACH einer Katastrophe, nicht nach einem nie dagewesenen, explosiven, 200jährigen Aufschwung, der seinen Schwung verloren hat. Da ist eine gewaltige Übertreibung zu korrigieren und eine enorme Fallhöhe entstanden. Der Rakete des Industriezeitalters geht der Treibstoff aus, und wahrscheinlich noch vor der fossilen Energie erschöpft sich die menschliche Fähigkeit weiterzumachen, die Große Megamaschine am Laufen zu halten, unsere Sucht nach immer mehr „Innovation“ zu befriedigen. Bis jetzt hat jeder „Fortschritt“ mindestens zwei fatale Nebenwirkungen hervorgebracht, deren scheinbare Lösung nur mit weiterem „Fortschritt“ um den Preis weiterer Nebenwirkungen erkauft wurde.
Nur zwei Beispiele: Wir sind längst völlig abhängig von den Maschinen, die uns von vorn bis hinten bedienen, und diese Maschinen laufen nur mit Strom und Treibstoff. Wir haben uns so an sie gewöhnt, dass wir von Geburt an gar nicht mehr die früher selbstverständlichen und elementaren Fähigkeiten entwickeln können, um diese technischen Sklaven notfalls mit unserer eigenen Körperkraft zu ersetzen. Wer kann noch ohne Streichhölzer und Feuerzeug einen Ofen heizen und Holz hacken für einen ganzen Winter? Von Hand ein Haus bauen, ohne Zement und elektrisches Werkzeug? Im Herbst sämtliche Vorräte anlegen, die er das Jahr über gepflanzt und geerntet hat? Vielleicht 2-3% der Bevölkerung wären unter größten Mühen dazu noch in der Lage, und der Rest in Etagenwohnungshaltung würde still verhungern und erfrieren?
Ohne Strom keine Supermärkte (die sind nach 2-3 Tagen leer und geplündert), keine Polizei, keine Krankenhäuser, keine Telekommunikation, kein Licht, kein Transport. Und stellt Euch vor: Auch kein i-Phone und kein Facebook! A propos Computer: Die gesamte Technosphäre, also die industrielle Megamaschine samt Infrastruktur wird von Software gesteuert, und ein Supervirus von bösen Hackern in einem Schurkenstaat würde ausreichen, das Betriebssystem, von dem unser Leben abhängt, auszuschalten. Oder eine besonders große Sonneneruption, die einen elektrostatischen Teilchensturm zur Erde schickt, der die hochempfindlichen Mikrochips zerstört.
Die moderne Medizin hat die zahlreichen Krankheiten, die früher die Menschen dahinrafften, nicht ausgerottet, sondern nur zurückgedrängt. Pest, Cholera, Typhus und Polio wüten in wenig entwickelten Gegenden weiter und kein Antibiotikum tötet alle Keime. Immer bleiben einige wenige Mutanten übrig, die neue, multiresistente Stämme hervorbringen. Schon heute gibt es Krankenhauskeime und Superbakterien, gegen die kein Kraut mehr gewachsen ist.
Zudem verliert der Mensch dank Antibiotika und Impfungen immer mehr seine Widerstandskraft und genetische Defekte verbreiten sich, da man alles daran setzt, dass auch wirklich alle Kranken überleben. Irgendwann muss man das Genom des Menschen künstlich designen, weil sich über Generationen die genetischen Defekte multiplizieren konnten, die früher von der Natur aussortiert wurden.
Entweder die Megamaschine geht bald unter und nimmt die meisten von uns mit (ein paar Prozent „Rückständige“ werden noch übrigbleiben) oder wir hören auf, Menschen zu sein.
Unsere Zivilisation ist wie ein Supertanker mit immer mehr Lecks, der immer schneller fahren muss, um sich über Wasser zu halten und somit eine immer größere Bugwelle an aufgeschobenen Nebenwirkungen vor sich aufbaut. Sollte er langsamer werden, geht er mangels Auftrieb unter, fährt er noch schneller, bricht die Bugwelle über ihm zusammen.
Es ist wie mit den Erdbeben: Man muss sich Sorgen machen, wenn es lange keines gab, denn die Spannung staut sich immer weiter auf und je länger sie das tut, desto verheerender wird sie sich beim nächsten entladen. Oder die verhinderten Waldbrände: Je länger es keinen gab, desto mehr Unterholz sammelt sich an und desto größer wird das nächste Feuer.
Nein, früher war nicht alles besser. Aber besser den Preis in kleineren Raten zahlen als sich einbilden, das Paradies sei umsonst zu haben, wenn wir nur lange genug anschreiben lassen.
Unsere Bequemlichkeit ist auf Kosten unserer Lebenstauglichkeit teuer erkauft. Insofern sind wir eine höchst bedrohte Art, die wohl noch lange vor den allermeisten anderen Arten das Zeitliche segnet (falls die Zivilisation auch in den letzten Winkel der Erde vordringt und ihrem Untergang niemand entkommt). Ein schöner Trost für alle Naturfreunde und Artenschützer, die es dann allerdings auch nicht mehr geben wird.
Das Thema „Untergang der Zivilisation“ wurde mit ihrer Entfaltung als großstädtische Matrix, die die degenerierten „Zivilisierten“ vollkommen abhängig macht, vor ziemlich genau hundert Jahren virulent. Als Datum kann der erste große Schock für den Fortschrittsoptimismus am 15. April 1912 angesetzt werden: Der Untergang der Titanic, der damals größten und „unsinkbaren“ schwimmenden Stadt, die jeden nur erdenklichen Luxus bot. Das war fünf Tage vor Hitlers 24. Geburtstag, als dieser sich in Wien als Kunstmaler durchschlug und für den Ersten Weltkrieg bereits alles vorbereitet war.
Angesichts dieses Menetekels und angesichts von Kaiser Wilhelms Kanonenbootpolitik und Säbelrasseln den kommenden Weltkrieg erahnend, begann zeitgleich der Geschichtsphilosoph Oswald Spengler die Arbeit am ersten Band von „Der Untergang des Abendlandes“, der 1918 erschien, pünktlich zum Ende des ersten industrialisierten Massenschlachtens. Dieses Buch war ein durchschlagender Erfolg im ausgebluteten und traumatisierten Deutschland der ersten Nachkriegszeit.
Spengler hatte nicht nur den Ersten Weltkrieg vorausgesehen, sondern auch den aus ihm folgenden Zweiten und das Abgleiten des Westens in Scheindemokratien, in denen eine populistische Elite die willenlosen, hedonistischen Massen („Fellachen“) mit „Unterhaltung“ und Alimentierung beliebig manipuliert. Er sah das Verschwinden des „kulturfähigen Menschen“ voraus, die totale Herrschaft des Geldes sowie der Finanzmärkte und eine „Neue Religiosität“, in der alle wieder fromm werden und wild vermischten esoterischen Kulten fröhnen. Ein schönes Beispiel für diese Art von „neuer Spiritualität“ samt ihrer gelegentlich fatalen Folgen ist der „Siriusfall“: http://de.wikipedia.org/wiki/Siriusfall.
„Optimismus ist Feigheit“, so lautete die Schlussfolgerung von Oswald Spengler. Gefasst solle man dem Untergang ins Auge blicken, so rät er, gefasst und auch stolz auf eine immerhin weitgehend ruhmreiche Vergangenheit.
Dies alles lesend, verstand ich das dröhnende Wort „Schicksalsgemeinschaft“. Ich glaube, ich könnte nicht mehr froh werden, wenn ich übrig bliebe und da nichts mehr wäre, wohin ich zurückkehren könnte.
Ob die Untergangsphase des Westens wirklich erst 1912 begann, weiß ich nicht. Vielleicht war es auch schon im Jahr 1888, zwei Jahre nach der Erfindung des Automobils mit Benzinmotor durch Carl Benz und Nikolaus Otto und ein Jahr vor Hitlers Geburt. 1888 war das „Dreikaiserjahr“, als er erste deutsche Kaiser Wilhelm I mit 91 Jahren starb und sein Sohn Friedrich die Nachfolge antrat, allerdings nur für 99 Tage. Friedrich war von Jugend an Kettenraucher und litt an Kehlkopfkrebs im Endstadium. Als er noch sprechen konnte, bezeichnete er Krieg als „widerwärtige Schlächterei“ und Antisemitismus als „Schmach für Deutschland“.
Man stelle sich vor, Friedrichs Sohn, den letzten Kaiser Wilhelm II hätten als Beinahe-Totgeburt die Schläge der Hebamme mit dem nassen Handtuch nicht wieder zum Leben erweckt und sein Vater Friedrich hätte als Kaiser alt werden können. Wilhelm hätte Deutschland nicht „herrlichen Zeiten“ und „einem Platz an der Sonne“ entgegenführen können und es hätte wahrscheinlich den Ersten und den daraus folgenden Zweiten Weltkrieg nicht gegeben, keine Deutschen Eroberungsgelüste, keine Rache der Alliierten in Form des Versailler Vertrages und keinen Revanchismus der gedemütigten Deutschen als Motivation für eine verheerende zweite Runde.
So ist sie, die recht seltsame „Vorsehung“: Hitler hatte nicht nur seine Geburt überlebt (nachdem drei seiner Geschwister frühzeitig gestorben waren), sondern auch mindestens 50 Mordanschläge, während Millionen an den Fronten und in den KZs des „Gröfaz“ (größten Feldherrn aller Zeiten) krepierten – bis Hitler seinem Leben selbst Ende machte, als russische Granaten schon auf seinem Bunker einschlugen.
Das deutsche Desaster: Eine Tragödie aus Hochmut und Rachsucht mit rund 70 Millionen Toten in zwei Weltkriegen. Der Dritte Weltkrieg ist wahrscheinlich der seit rund 50 Jahren andauernde Krieg der Hormone in Form der Anti-Baby-Pille, der „Krieg der Geschlechter“ und der „sexuellen Befreiung“, dessen feministische Siege die Frauen zur Abhängigkeit vom Arbeitgeber befreit haben (statt der vom Ehegatten) und zusätzlich zur Lohnsklaverei (anstelle nur der Hausarbeit). Ein sehr humaner Krieg, denn von Opfern kann man allenfalls bei den dennoch zur Welt gekommenen, traumatisierten Trennungskindern und den Millionen vereinsamten ewigen Singles (und in Zukunft verarmten Alten) reden und nicht bei der mindestens 1 Milliarde seitdem Ungeborenen (so man berücksichtigt, dass es nicht allzu empfehlenswert ist, noch kurz vor Schluss das Neonlicht einer überbevölkerten und fleißig am eigenen Untergang bastelnden Zivilisation zu erblicken).
Steht also die Vollendung des Untergangs der rund 1200jährigen westlichen Kultur – pardon, des „autoritären, repressiven Patriarchats“ – kurz bevor? So lange - von wem eigentlich? - herbeigesehnt und in rund 200 Jahren geduldig durch die politischen Agenden der „industriellen Modernisierung“, der Gleichstellung der Frau mit den „männlichen Privilegien“ Lohnsklaverei, Einsamkeit und Herzinfarkt sowie der so genannten „sozialen Sicherheit“ vorbereitet? Nach Jahrtausenden (nachhaltigem!) Bauerntum und Handwerk samt sozialer Sicherheit in der Großfamilie machten die modernen „Fortschritte“ die „Befreiung des Individuums“ zum großstädtischen Singledasein möglich, versorgt von Supermärkten und „Sozialstaatlicher Daseinsvorsorge durch die Solidargemeinschaft“ - bis zum Kollaps der leider eben nicht nachhaltigen Megamaschine.
Und so sehnen wir uns nicht nur nach dem Ende dessen, was uns krank macht, sondern eben auch danach, dass uns das Ende mit Schrecken erspart werden möge. Aber wer erspart uns den Schrecken ohne Ende, die künstliche Hightech-Lebensverlängerung der industriell degenerierten Großstadtzivilisation?
Ganz entspannt im Hier und Jetzt wollen uns die Esoterik und die Industrie, und als glückliche KonsumentInnen sollen wir zugrunde gehen. Auch Tiere machen sich keine Sorgen, sie denken nicht über die Zukunft nach und auch die Vergangenheit interessiert sie nicht.
Wie wohltätig ist der „Fortschritt“, der uns, so man der Werbung glaubt, so entspannt und verwöhnt? Je mehr Maschinen und sozialstaatlichen Komfort, desto abhängiger, dümmer. schwächer und somit kontrollierbarer werden die „befreiten Individuen“.
Früher herrschten die Gewalttäter, heute herrschen die sozialstaatlich-industriellen WohltäterInnen. Das perfekte Geschäftsmodell: Je mehr Wohltaten, desto mehr dergleichen wird davon gebraucht. Die Herrschaft schafft sich ihre eigene Nachfrage.
„Niemand ist hoffnungsloser versklavt, als jene, die fälschlicherweise glauben, frei zu sein“, sagte Goethe. Die Freiheit des Konsumenten ist die der Wahl zwischen 20 Sorten Klopapier, aber die Freiheit, einfach nicht mehr mitzumachen, wird er sich kaum nehmen, er, der noch einmal mehr weiß, wie er ohne Navi und Kreditkarte oder gar zu Fuß aus der Stadt kommt (zumal es in Zentraleuropa nur noch Stadt gibt, denn auch auf dem Land lebt fast niemand mehr von der Bewirtschaftung eigenen Bodens).
Das ist das erste Gesetz der Herrschaft: „Mache deine Untertanen von dir abhängig und sie werden dir freiwillig gehorchen“. Die perfektionierte Unterwerfung ist der „freiwillige“ Gehorsam derer, die sich für „freie Bürger“ halten und von der staatlich-industriellen Matrix total „versorgt“ sind. In dem luziden Film „Die Matrix“ sieht man die menschlichen Körper mit Schläuchen und Kabeln ans System angeschlossen und somit jederzeit abschaltbar; gleichzeitig wird ihnen der Lebenssaft abgezapft. Von all dem merken sie nichts, denn sie sind in einen künstlichen Traum einer realen Welt gefangen, in der sie sich „selbstbestimmt“ bewegen.
Die blaue oder die rote Pille? Vielleicht ist es besser, weiterzuschlafen, auf jeden Fall ist es bequemer.
Das Resultat unserer „Befreiung aus dem Reich der Notwendigkeit“ sind nicht selten (selbst-)mörderischer Überdruss und die morbide Gier der in Watte Gepackten nach immer stärkeren Reizen (um überhaupt noch etwas zu fühlen). Die Suicide-Girls machen es vor: Mainstream wird demnächst der im Internet inszenierte Suizid sein (bringt ganz viele „gefällt mir“ auf Facebook und Rente gibt es sowieso nicht mehr) wie schon jetzt die „Körperkunst“, d.h. sich meist ziemlich geschmacklose und krebserregende Bilder in die Haut stechen zu lassen und Schamlippen und Penisse mit Metallobjekten zu vernieten (einschließlich skurriler Unfälle).
Sadomaso-, Homo- und Analsex sind bald out, viel cooler ist der mit Tieren, weshalb wir auch Vegetarier sind. Meinen Freund esse ich nicht! Das wahre Gutsein zeigt sich in der Beziehung auf Augenhöhe zu unseren Lieblingen. Schlachthöfe wird es bald nicht mehr geben, wohl aber immer mehr Schweineparadiese: http://www.schweineparadies.de. Ist der Übergang zwischen Schwein und Mensch nicht ziemlich fließend?
Höre ich da Widerspruch? Du Anthropozentriker Du, Du Speziezist!
Hier wird alles zum Thema „wahre Tierliebe“ erklärt: http://www.zeta-verein.de/wissenswertes ... hilie.html . Noch haben wir es nicht ganz geschafft, wir werden erst dann sexuell völlig befreit sein, wenn Kinder in Hightech-Fabriken digital designt und ausgebrütet werden. Wir können die Erzeugung kostbaren Humankapitals unmöglich dem unberechenbaren Lotto der Natur überlassen.
Hoffentlich geben die Gentech-Gegner und Fortschrittsfeinde bald Ruhe, denn sonst droht der Exitus des Homo consumens durch die Weigerung der „befreiten Individuen“, sich fortzupflanzen (auf die Weigerung zu sterben ist kein Verlass). Doch die Natur ist kreativ und wird immer neue Nebenwirkungen und Zivilisationskrankheiten schicken. Letztlich kann er nur hinausgezögert werden, der degenerative Tod durch industrielle Wunscherfüllung. Dann doch lieber gleich der Tod nach Wunsch zur Erlösung vom Leid der in sich eingeschlossenen Egos. Was wäre schon dabei, wenn wir einfach aussterben, das wäre doch sehr human und verdient hätten wir es allemal, nach diesem endlosen Massenschlachten genannt „Weltgeschichte“. Oder?
In wenigen Jahren wird es Hospize und Sterbekliniken für jedermann geben und ein höchstrichterlich bestätigtes Recht auf „Selbsteigentum“ und das „Recht auf einen selbstbestimmten Tod“ (Günstiger Nebeneffekt: Beschaffung knapper Spenderorgane und Entlastung der unter der Pflegelast ächzenden Krankenkassen). Die liberalen Niederlande haben nicht nur die Drogen zuerst legalisiert.
Nietzsche, ein weiterer deutscher Philosoph mit erstaunlichem Weitblick, der u.a. auch Oswald Spengler inspirierte, sah Ende des 19. Jahrhunderts das Kommen der „letzten Menschen“ voraus, der geschichtslosen, in der Masse vereinzelten „befreiten Individuen“, die verzweifelt danach gieren, eine „einzigartige Persönlichkeit“ zu sein und nicht merken, dass sie sich in diesem Ringen um Aufmerksamkeit alle auf die Fußspitzen stellen und letztlich doch im wogenden Meer der Köpfe untergehen. Die im Leben nichts weiter vorhaben, als sich an immer stärkeren „Reizen“ zu berauschen und sich zu amüsieren. Letztlich wird Euthanasie (griechisch für „schöner Tod“) zum Ausdruck „individueller Freiheit“ und zum ultimativen, juristisch abgesegneten Unterhaltungsevent. Politik ist immer nur Ausdruck der gesellschaftlichen Realität, und so beschließen die Parlamente die Rechtsgrundlagen für den individuellen wie auch kollektiven Suizid ganz demokratisch.
Was Kriege, Naturkatastrophen, Atombomben, Seuchen, Umweltgifte, Handystrahlen und Krebs nicht vermochten, bringt die politische Korrektheit mit der „Befreiung des Individuums“ komfortabel, pharmazeutisch entspannt und schmerzfrei, kurz: human und unblutig zu Ende.
Nach fast vier Jahren in Kolumbien muss ich sagen: Eigentlich schade, wenn die westliche Kultur einschließlich der Deutschen verschwindet.
Kolumbien hat gegenüber Deutschland zwar eine Menge Vorteile: Es ist wahrscheinlich das Land mit der schönsten Natur und dem besten Klima sowie den meisten Bodenschätzen auf der Erde, ein boomendes Land ohne demografische Krise. Nach Jahrzehnten Bürgerkrieg ist es in eine wohl lang andauernde Erholungsphase eingetreten und es ist schwer, hier einsam zu sein.
Kolumbien verfügt über faszinierende Kunst, Musik und Geschichte und zum Glück bewege ich mich auch hier in der kreativen Szene. Aber: In der kolumbianischen „Leitkultur“ tobt immer noch der Furor der Modernisierung und man beginnt allenfalls ganz zaghaft, das kulturelle Erbe und den natürlichen Reichtum wertzuschätzen.
Ganz überwiegend schielt man hier noch nach den USA (Englisch kann trotzdem fast niemand) und nach dem, was man in den „entwickelten“ Ländern einst für das „gute Leben“ hielt, d.h. alles, was künstlich, industriell und maschinell ist, Beton, Plastik, Chemie, Hochhäuser, totale Automobilisierung. Der gesamte Städtebau ist nur vom Auto her gedacht und trotz kreuzungsfreier- und Einbahnstraßen, „pico y placa“, d.h. jeden Tag dürfen nur die Autos mit fünf der zehn Endziffern der Nummernschilder fahren und einem Bruchteil des Fahrzeugbestandes von Deutschland ist alles zugestaut. Fußgänger und die paar lebensmüden Radfahrer werden von den Autofahrern gnadenlos überrollt, wenn sie nicht schnell genug sind.
Die meisten Kolumbianer des Mainstreams sind unglaublich stolz auf ihr Land. Und wenn man erklärt, dass man zwar weiß und blond aber dennoch kein Gringo ist, sondern Deutscher, musste ich mehrfach erleben, dass die Rechte nach oben gerissen und „Heil Hitler“ gerufen wurde. Nicht wenige sind der Ansicht, dass der „Führer“ sowieso der Beste sei (wie auch Schweinsteiger und die anderen Fußballer, deren Namen ich mir nicht merken kann); er habe es allen gezeigt, vor allem den Juden, und habe nur einen Fehler gemacht: Er habe sie nicht alle vergast.
Es ist die deutsche Vielfalt, Geschichte und die Beschaulichkeit, die ich in Kolumbien so vermisse. Zumindest in den Großstädten, die in Deutschland entschieden mehr Lebensqualität haben. Berlin kommt mir im Vergleich zu Medellin wie ein Erholungs-Freizeitpark vor.
Schon allein das köstliche und unwahrscheinlich vielfältige Essen in Deutschland verfolgt mich bis in den Schlaf.
Oh, dieses Brot und dieses Müsli! Die Vielfalt an Käse, Wurst, Marmeladen und Säften, Bier und Wein, Döner, Sushi, italienische Pasta und Pizza und die indische und thailändische Küche! Fast alles naturbelassen und ursprünglich im Geschmack, zumindest im Vergleich zum Essen in Kolumbien.
Nach vier Jahren ohne Winter vermisse ich sogar die langen, kalten Nächte, bullernde Öfen, Kerzenschein und Schnee und Eis... Nur so lang sollte er nicht sein, der Winter. Zwei Monate würden genügen, aber bitte mit ganz viel Sonne und Pulverschnee.
Überhaupt finde ich inzwischen, dass das herbe, kühle Klima des Nordens und der Wechsel der Jahreszeiten seinen ganz eigenen Charme hat und hier in den Tropen mit dem ewigen Sommer doch etwas fehlt. Das ist ungefähr so, wie jeden Tag Geburtstag haben oder jeden Tag Schwarzwälder Torte.
Als ich das letzte Mal im Frühjahr in Deutschland war, habe ich sie wahnsinnig genossen, diese stillen, grünen Flusstäler, die fantastischen Radwege, auf denen man ganz eben und ohne Lebensgefahr zwischen den Landschaften dahinschwebt, die Berliner Stadtgärten, die kreative Spielwiese des Flughafens Tempelhof, den Abend an der Fischerinsel in Berlin Mitte, das Bodemuseum, Clärchens Ballhaus, den Oleander im Tiergarten...
Wie nicht anders zu erwarten (und bereits vor Monaten geahnt) bin ich mit einiger Traurigkeit aus Deutschland weg, denn: das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner.
Frage: Wie wird Deutschland wieder schön?
Antwort: Aus der Ferne bzw. als Besucher!
Warum waren in Deutschland auf einmal (fast) alle so nett zu mir? Ist das so etwas wie ein Exotenbonus? Weil ich bald wieder weg bin?
Liebt man nur das Entfernte, das Vergangene, je unerreichbarer, desto mehr? Ist man nicht folgerichtig zu den Toten am nettesten?
Besichtigen wir also den Rückbau im Lebensabendland, so lange es noch geht, einen bisher einmaligen Vorgang in der Geschichte, zumal in Friedenszeiten und bei nie dagewesenem materiellem Überfluss. 50 % der Schulen sind bereits geschlossen und die Musik von heute ist fast ausnahmslos in Moll.
Bitte schaut Euch meinen absoluten Lieblingsfilm „Wir Wunderkinder“ aus dem Jahr 1958 an: http://www.youtube.com/watch?v=UC1GyGO0 ... C1GyGO04Rc . Das ist die schönste und witzigste Geschichtsstunde, die ich kenne. Daran wird deutlich, was in gut 50 Jahren bereits verloren ging und dass mit der deutschen Kultur eben nicht nur das Böse schlechthin verschwinden wird (was die „Antideutschen“ gar nicht erwarten können: http://www.welt.de/kultur/article106607 ... Krieg.html ).
Mich bezaubern an diesem Film die drei großen Hs: Hirn, Herz und Humor. Und wie charmant und liebevoll Mann und Frau darin miteinander umgehen. Warum gibt es das heute offenbar nicht mehr? Ist das auch so die Errungenschaft von Genderpolitik und Feminismus? Der politisch gewollte Tod der (heterosexuellen) Liebe?
Einmal vor etlichen Jahren durfte ich einen solchen Zauber der Extraklasse erleben. Seitdem ist es schwer, sich mit weniger abzufinden. Ich bin wohl einfach ein paar Jahrzehnte zu spät auf die Welt gekommen.
Was wäre das Leben ohne die Liebe, die so viel mehr bedeutet, als möglichst viele Orgasmen zu erleben? Sogar mitten im Weltuntergang macht die Verliebtheit glücklich, und letztlich sind der Hunger nach Prestige, Geld und Macht nur verkorkste Formen des Hungers nach Liebe, die man erwerben zu können glaubt, wenn man „jemand ist“ und vor allem „mehr hat als die anderen“. Wenn man deswegen „geliebt“ wird, macht diese „Liebe“ auch wirklich glücklich, füllt sie uns aus oder warum können die Mächtigen keine Ruhe geben, warum fürchten sie nichts mehr, als dass man ihnen etwas wegnehmen könnte, auch mit noch so vielen Frauen?
Es ist das Normalste der Welt, an den prestigeträchtigen Seiten des Lebens zu kleben (um „jemand“ zu sein) und diese Anhaftung mit einer „höheren Mission“ zu begründen („Verantwortung übernehmen“, „Zeichen setzen“, „wer, wenn nicht meine wunderbaren Kinder könnte die Welt retten?“, „über sich hinauswachsen“, „eine bessere Welt bauen“). Es gibt so vieles zu wünschen und zu erreichen, aber: Wie fühlt man sich dann, mit all dem Erreichten?
Warum sind jene, die sich binden, engagieren, einsetzen, die erschaffen, bauen, und dann besitzen, oft gar nicht so glücklich, warum können sie so oft nicht genießen, was sie erreicht haben, bleiben ruhelos, gehetzt und besessen von ihrem Besitz und ihren zahlreichen Verantwortungen?
Auch das Erschaffen von Traumprojekten macht offenbar müde. Man gewöhnt sich an alles, auch ans Paradies, und gerade das Angenehme wird schnell langweilig. Wie viel Wohlsein erträgt der Mensch? Sind wir fürs Paradies geschaffen? Kommen wir deshalb nur so schwer zur Ruhe? Weil wir nichts mehr fürchten, als Stille, Leere, Einsamkeit?
Verliert man nicht eine ganze Menge beim Besitz von ein wenig (was ist ein noch so großer Besitz angesichts der Welt?)? Verpasst man nicht den großen Rest, weil einen die Dinge in Besitz nehmen, die man zu besitzen glaubt?
Auch hier: Abstand tut gut, dann wird man sich nicht vom lästigem Alltags-Kleinkram absorbiert und kann das schöne Panorama genießen. Ist es nicht Wahnsinn, zu glauben, dass es „Meins“ geben könnte, das einen nicht selten daran hindert, das so unendlich viel größere „nicht Meins“ überhaupt kennenzulernen?
Wenn ich „normal“ wäre, sähe mein Leben jetzt höchstwahrscheinlich so aus: Ich wäre gebunden an für niemanden sehr befriedigende Verpflichtungen oder wäre „meins“ längst los, d.h. getrennt oder geschieden, wäre verschuldet, müsste arbeiten, um nicht unterzugehen, hätte ein bis zwei verstörte Kinder, die ich jedes zweite Wochenende sehe dürfte und müsste auch meine mit einem anderen liierten Exfrau unterhalten, die weiter in der von mir bezahlten einst gemeinsamen Wohnung wohnt. Wahrscheinlich wäre ich so krank geworden, dass ich meinen Job verloren hätte oder wäre dem Alkohol oder Drogen verfallen. Ich kenne allein in meinem Bekanntenkreis mehrere solcher Fälle, viele Singles und nur wenige Paare, die sich langfristig etwas Gutes tun.
Nein, mir persönlich und für mich allein geht es sehr gut, denn das Leben aus dem Rucksack hat so seine Vorteile, und zwar nicht nur für mich: Niemand muss Häuser voller Nachlass entsorgen, wenn es soweit ist, eine Frage der Höflichkeit, wenn man das schon ein paarmal in seinem Leben tun musste.
Einziges Problem: Die Einsamkeit unter so vielen Leuten, die (scheinbar) gerne Sklaven des Ihren sind. Doch kommen wir alle auf die Welt, um bis in alle Ewigkeit das Gleiche wie alle anderen zu wiederholen? Wäre es ein Erfolg gewesen, so zu werden wie die anderen, weil es mir dereinst Sozialprestige gebracht hätte? Ist die Einsamkeit nicht noch viel grausamer, wenn sie zu zweit erlebt wird oder wenn man schlecht gebunden ist an jemanden, den man nicht mehr liebt?
Ginge es mir so besser? Oder ist Erfolg nicht vielmehr, unnötige Probleme konsequent zu vermeiden? Nach etlichen Erfahrungen kann ich sagen: Nur eine wirklich gute Beziehung ist besser, als gepflegt alleine zu sein. Auch die Einsamkeit tut nicht so weh, wenn man sich nicht wehrt. Wenn man nicht bekommt, was man will, muss man eben nur wollen, was man bekommt.
Und: Auch Traumpaare trennen sich, auch jene, die ganz besonders viel gemeinsam haben und dann oft auch sehr viel gemeinsam verlieren; um des Kicks einer neuen Verliebtheit willen werden ganze Lebenszusammenhänge einschließlich dem der gemeinsamen Kinder aufgegeben.
Kann man überhaupt sagen: „Mein“ Partner, „meine“ Kinder? Sind diese Menschen unser Eigentum, können wir über sie verfügen wie über Dinge? Gibt es das, „mein“ Haus, zumal in Deutschland wo man noch nicht einmal ohne Genehmigung der Obrigkeit ein Feuer anzünden, einen Komposthaufen anlegen, ein Plumpsklo bauen, ja noch nicht einmal sein eigenes Regenwasser nutzen darf? Geschweige denn, das Haus von außen sichtbar baulich verändern darf? Und wie ist es mit „meinem“ Leben, „meiner“ Geschichte, „meinen“ Leistungen? Diese Dinge werden ja wohl noch „meins“ sein, so wie „mein“ Körper!
Bin ich meine Geschichte, mein Körper, das, was wir "Persönlichkeit" nennen? Woher kommt das alles? Aus mir? Und woher komme ich? Bin ich mein eigener Ursprung oder Ergebnis einer Kette von Ursachen? Existiert das Phänomen unabhängig von den Ursachen? Die Phänomene vergehen; irgendwann wird davon nichts mehr übrig sein, noch nicht einmal ein Gedanke.
Es ist das Selbstverständlichste der Welt, erst einmal völlig mit "meiner" Persönlichkeit, "meinem" Leben, "meiner" Geschichte, "meinem" Körper und somit mit "meinen" Gedanken identifiziert zu sein.
Schaut man jedoch durch den Spiegel hindurch und dahinter, merkt man (z.B. durch Meditation und/oder Yoga, in ekstatischen Zuständen, manchmal gar im Rausch), dass da niemand ist, der dauerhaft greifbar, also "wirklich" und "real" ist. Und doch: Auch und gerade dann, wenn das Denken aufhört, ist es da, das Bewusstsein. Die Gedanken, der Geist, das Ich verdecken es wie Wolken die Sonne.
Hierzu die vielleicht stärksten Worte der Bibel, wie maßgeschneidert für die in ihrer „Individualität“ zur Einsamkeit befreiten „letzten Menschen“: "Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur ein verschwommenes Bild, doch dann schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich nur stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin." 1. Korinther 13:12
Schlussfolgerung: Lieben heißt sich durch den anderen erkennen. Weil ich dich liebe, betrachte ich nicht mein Spiegelbild, sondern Dich. Du schenkst mir dieses größte Glück, mich selbst zu vergessen. Du siehst nicht nur meine äußere Erscheinung, sondern lässt mich das wahres Selbst erkennen.
Das „wahre Selbst“? Haben das die „befreiten Individuen“ nicht schon längst verwirklicht? Irrtum, nicht das Ego ist gemeint.
Hat man das begriffen, dass fällt eine ungeheure Last von einem ab: Den ständigen Lärm und das Geschwätz im Kopf für real und wichtig zu halten, das Ich, das dauernd etwas braucht und will und ständig andere Sachen hasst und meidet. Welch ein rastloser Alptraum, den Gedanken kommt man mit Gedanken eben nicht bei.
Letztlich ist nur das Bewusstsein unbegrenzt, allgegenwärtig, von Körpern unabhängig und ewig "da", und der Körper und der Geist (das "Ich") sind letztlich nur eine Art Einzelhaft, deren Bedingungen mal etwas besser und dann wieder schlechter sind.
Oder anders gesagt: Wir sind wie durstige Fische. In Kirchen und Kulten suchen wir dauernd etwas, dass alles umgibt und durchdringt, weil wir wie im Wahn glauben, die Zelle zu sein, in der wir inhaftiert sind.
Die vielleicht wichtigsten Fragen bleiben eben doch: Wie der Mensch in die Welt kommt, d.h. in welchem Bewusstsein und Seelenzustand seiner Eltern er gezeugt wird und in welchem Zustand er die Welt wieder verlässt. Alles dazwischen resultiert letztlich aus dem Ersten und mündet in das Letzte.
Muss man sich davor fürchten, wieder dorthin zurückzukehren, woher man kam? Warum fürchtet sich die Schneeflocke davor, wieder im Ozean aufzugehen? Was ist so erstrebenswert daran, in einen verletzlichen, auf ein Hier und Jetzt beschränkten, bedürftigen, unweigerlich verfallenden und sterblichen Körper eingeschlossen zu sein?
Nach den ersten Schießereien auf offener Straße (zur Gewöhnung an das, was in Deutschland noch kommt?) kann ich sagen: Ich habe kein Problem mit dem Tod und auch nicht mit dem Sterben, nur ein leichter Tod sollte es bitte sein (leider schießen die hier sehr schlecht, und das macht mir Sorgen). Ich bin zufrieden und dankbar, ich habe so viel mehr erlebt und gelernt, als ich mir überhaupt hätte vorstellen können und komme schon jetzt mit dem Verdauen nicht mehr hinterher.
Ja, das Leben kann auch schön sein, nicht immer, aber manchmal. Dummerweise ist das Glück über Raum und Zeit und zwischen den Menschen sehr ungleich verteilt, aber statistisch halten sich aufs Ganze betrachtet Freude und Leid wohl genau die Waage. Ist das ein Trost? Würdest Du Dein Kind auf eine Reise schicken, die (statistisch) zu 50 % aus Leid, Schmerz und Verlust besteht und zu 100 % tödlich endet?
Oder anders gesagt: Ist es wirklich ein Trost, immer alles positiv zu sehen? Ist meine Sichtweise wirklich so negativ, muss man sich mit dem Unvermeidlichen unwohl fühlen und sich die Welt schöndenken? Und wenn dann alles so positiv und ganz wunderbar ist, wie fühlt man sich, wenn man es (garantiert!) zurücklassen muss? Warum so viel Anhaftung bei sich und anderen erstreben, wo man doch für sich allein alles und alle zurücklassen muss und noch nicht einmal weiß, wann und wie man diese Welt verlassen wird?
So sehe ich dem Untergang ins Auge, gefasst und mit wenig Sorgen um das Danach, denn: Ganz sicher geht es weiter, wenn nicht mit uns, dann mit anderen. Das Leben ist quasi ewig, nur fällt mir schwer zu glauben, dass wir als individuelle Personen („Seelen“) weiterexistieren, nur eben ohne Körper, ohne den unsere menschlichen Eigenschaften, Bedürfnisse und Leidenschaften keine Ursache und keinen Sinn mehr haben. Auch das kollektive Ende ist subjektiv betrachtet nur ein unvermeidliches individuelles. Hoffentlich kommt mein individuelles zuerst.
Meister Goethe hat in seinem „Faust“ vor 200 Jahren nicht nur die Verzweiflung und Todessehnsucht des Egos wegen seines letztlich vergeblichen Strebens nach dem Unendlichen beschrieben sowie den daraus folgenden Versuch der Weltbeherrschung durch die scheinbar unendlich mächtigen Maschinen und das unendlich vermehrbare Papiergeld. Er hat auch seine Befindlichkeit angesichts dieser Aussichten in gravitätische Worte gepackt (in „Wandrers Nachtlied“ und „Ein Gleiches“, Gedichte, die bis vor ca. 50 Jahre noch jedes Schulkind auswendig konnte):
„Der du von dem Himmel bist
Alle Lust und Schmerzen stillst
Den, der doppelt elend ist
Doppelt mit Erquickung füllst
Ach, ich bin des Treibens müde
Was soll all die Qual und Lust?
Süßer Friede, komm, ach komm
in meine Brust.
Über allen Gipfeln ist Ruh'
In allen Wipfeln spürest du
Kaum einen Hauch
Die Vögelein schweigen im Walde.
Warte nur, balde
Ruhest du auch.
In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen entspanntes neues Jahr.
Eberhard
P.S.: Wenn alles klappt, komme ich im April wieder nach Deutschland. Ich freue mich auf den Frühling und all die Dinge, die ich hier so sehr vermisse und darauf, alte Freunde und Familie wiederzusehen. Deutschland ist, alles in allem und trotz allem, immer noch gar nicht so schlecht. Wenn nur die Aussichten etwas besser wären – und man in Deutschland nur nicht so leicht vereinsamen würde. Ob ich wieder so gut aufgenommen werde wie letztes Mal, so als „Exot“?
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Bambus
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Erich von Däniken - Maya Kalender - 2012
Was für ein Text. Absolute Spitze seltenertyp. Danke! Das Video „Wir Wunderkinder“ habe ich mir gerade angesehen. Auch Spitze. Du schreibst sehr gut
Auch dir ein entspanntes neues Jahr.


