Schlichtung (Conciliacion) bei Problemen mit Finca

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Glboetrotter
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Schlichtung (Conciliacion) bei Problemen mit Finca

Beitrag von Glboetrotter »

Hat jemand hier schon einmal eine Erfahrung gemacht mit der Schlichtungsbehörde (conciliacion) in Bezug auf Probleme von Personen, die auf einer Finca sind und danach nur noch nach einer gewissen Zahlung die Finca verlassen wollen?
Mich interessiert dabei die Vorbereitung zum Termin bei der Schlichtungsbehörde, das Treffen dort und danach der Schlichtungsvorschlag.

Wie kam es zu dieser Situation?
Die Mutter (Fincabesitzerin) meiner Bekannten hatte vor drei Jahren freundlicherweise ihre leerstehende, kleine Finca an einer Famillienbekannte für eine kürzere Zeit (man denkt dabei an zwei Monate oder so) zur Ueberbrückung frei ohne Kosten zu Verfügung gestellt, natürlich ohne eine schriftliche Vereinbarung. Man kannte sich seit Jahren und hatte Vertrauen (vergleichbar wie ein Bekannter für ein paar Tage auf Besuch kommt und dann nicht mehr weg will). Die neuen Leute haben sich unterdessen nett in der Finca eingerichtet und auch den Garten mit Früchten und Gemüse bewirtschaftet. Sie bezahlten nie etwas. Die Strom-, Gas- und Wasserrechnung wurde immer von der Fincabesitzerin bezahlt, als auch die jährlichen Immobiliensteuern.

Eine Anwältin meinte, dass eine Schlichtung (conciliacion) bei einer Handelskammer (Camara de comercio) oder in einer Universität vom Ort der Lage der Finca nötig sein wird, damit ein neutraler Rechtsanwalt von der Schlichtungsbehörde über eine Entscheidung für eine mögliche Ausgleichszahlung bestimmen wird.
Auch kam die Idee auf mit einer gemeinsamen Vereinbarung in einem Notariat. Ein bei einem Notariat unterschriebener Vertrag beider Parteien über eine gewisse Zahlung (unter 5 Millionen Pesos) kann zum Risiko führen, dass die Leute ausziehen, das Geld einkassieren werden und dann nächste Woche wieder auf der Finca wohnen werden. Das Spiel würde von Neuem beginnen. Diese Option ist somit nicht durchführbar.

Eine von beiden Parteien akzeptierte Entscheidung von der Schlichtungsbehörde wäre jedoch verbindlich und hätte schwere Sanktionen bei Nichteinhaltung zur Folge.
Andernfalls einen Prozess durchzuführen dauert mindestens 2 Jahre, eher länger. So lange will die Fincabesitzerin natürlich nicht warten.

Unterdessen sind das natürlich nicht mehr die netten Bekannten, sondern eine Plage und Gesindel von Leuten, denen man in einer schwierigen Lebensphase unkompliziert geholfen hat und jetzt komplett ausgenutzt wird.

In Bezug mit Finca höre ich noch weitere komische Geschichten, immer wenn der Besitzer dort nicht selber wohnt.
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Ernesto
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Schlichtung (Conciliacion) bei Problemen mit Finca

Beitrag von Ernesto »

Bei Geld hört die Freundschaft leider zu oft auf. Jetzt sieht man, warum immer weniger direkt vermieten.

Der erste legale Weg ist, wie du erwähnst, die Schlichtung.
Bleibt die Schlichtung erfolglos, kann der Vermieter das Mietverhältnis einseitig aus einem oder mehreren der in "artículo 22 de la Ley 820 de 2003" genannten Gründe kündigen.
Sind die ersten Rechtsmittel ausgeschöpft (Schlichtung, Kündigungsschreiben), bleibt noch der gerichtliche Weg: Der Vermieter kann vor einem Zivilgericht Klage erheben, um die Rückgabe des Eigentums anzuordnen und den Mieter zur Zahlung des entstandenen Schadens zu verpflichten.

In Medellín würde ich einen sogenannten COBRADOR beauftragen. Das ist nicht das, was du dazu im Netz findest.
Es ist der Begriff für Leute, die das Problem auf eine andere Art lösen.
Nicht legal, dafür effektiv. Natürlich nicht jedermanns Sache.

hollaho
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Schlichtung (Conciliacion) bei Problemen mit Finca

Beitrag von hollaho »

@Ernesto

Wieviel kostet so was denn in Kolumbien? :o



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Glboetrotter
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Schlichtung (Conciliacion) bei Problemen mit Finca

Beitrag von Glboetrotter »

Was Ernesto spasseshalber vorschlägt geht gar nicht und eine Preisliste gibt es auch nicht. Ach, rund 15 Jahre Zuchthaus noch dazu.

Eine Schlichtung kostet um 3 bis 5 % (es gibt offizielle Tarifftabellen dazu) abhängig vom Schlichtungsbetrag.
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Don Maximo
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Schlichtung (Conciliacion) bei Problemen mit Finca

Beitrag von Don Maximo »

Die Variante mit dem Notar ist durchaus machbar, die Vereinbarung muss nur entsprechend aufgesetzt werden. Z. B. dass mit der vereinbarten Ausgleichszahlung alle Forderungen (gegenseitig) beglichen sind. Zudem müsste man explizit einen Stichtag (z. B. der der Unterzeichnung) des Ausgleichs einsetzen und, an dem sich die unliebsame „Gäste“ unwiderruflich verpflichten die Finca zu verlassen. Sollten sie danach doch wieder auftauchen, kann man sehr einfach (erfahrungsgemäss in kürzester Zeit) einen richterlichen Beschluss zur Durchführung einer polizeilichen Räumung erwirken.

Deine Bekannte hat leider die Situation zu lange toleriert.
Wir hatten wiederholt analoge Situationen, jedoch mit Wohnungen. Wir haben daraus gelernt Sofort und auf die härteste Tour über einen versierten Anwalt vorzugehen, samt Drohung der Einforderung der entstehenden Kosten und allfälligen Schadenersatz. Das hat sich einerseits bewährt, anderseits (auch nach einer Zwangsräumung im letzten Jahr) wirkungsvoll herumgesprochen.
Virtus Junxit Mors Non Separabit