ARTE: Lieber Koka ernten als Bananen

TV, Kino, Bücher, Persönlichkeiten und alles was zum Thema passt.
Benutzeravatar

Themenstarter
bastians
Verified
Kolumbien-Süchtige(r)
Kolumbien-Süchtige(r)
Offline
Beiträge: 556
Registriert: 7. Mär 2010, 18:30

ARTE: Lieber Koka ernten als Bananen

Beitrag von bastians »

ARTE Doku: => https://www.arte.tv/de/videos/030273-81 ... reportage/

53 Min.
Verfügbar vom 14/05/2021 bis 13/06/2021

Es gibt nur wenige Alternativen für die Bauern in der entlegenen Dschungelregion Bajo Atrato in Kolumbien. Dort regieren seit 60 Jahren bewaffnete Gruppen, die vom Kokain-Handel leben. Nun will der Staat den Koka-Anbau ausrotten. Mauretanien: Soldaten auf Dromedaren, die "Méharistes", patrouillieren in der Sahel-Wüste, um die Menschen zu beschützen.
Benutzeravatar

Ernesto
Verified
Kolumbien-Veteran
Kolumbien-Veteran
Offline
Beiträge: 6418
Registriert: 5. Okt 2010, 16:43
Wohnort: Zürch

ARTE: Lieber Koka ernten als Bananen

Beitrag von Ernesto »

Interessante DOKU. Danke für den Link.

anuja
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Offline
Beiträge: 215
Registriert: 8. Dez 2020, 12:24

ARTE: Lieber Koka ernten als Bananen

Beitrag von anuja »

Sehr gutes Video, der Teil über Kolumbien zeigt das Land so wie es wirklich ist.
Meist wird der Luxus gezeigt und das ist die Ausnahme, denn die meisten sind sehr arm und müssen sich selbst helfen.

Glboetrotter
Verified
Kolumbien-Süchtige(r)
Kolumbien-Süchtige(r)
Offline
Beiträge: 693
Registriert: 15. Nov 2019, 06:05

ARTE: Lieber Koka ernten als Bananen

Beitrag von Glboetrotter »

Ich habe den Film nicht gesehen und nur den Titel gelesen.

Meine Kontaktperson erklärte mir jedoch vor einigen Tagen in Bezug zu den Indios Minga, dass Grosseinkäufer mickrige Beträge für jeden grossen Sack Gemüse und Früchte zahlen, die man dann für das 10 Fache und mehr in den Geschäften der Exito Gruppe kaufen kann. Die Grosseinkäufer arbeiten für die Gruppe, der grösste Käufer im Land. Ein Skandal sondergleichen, weshalb die Bauern dann auf andere Kräuter umsteigen müssen.

desertfox
Verified
Kolumbien-Experte
Kolumbien-Experte
Offline
Beiträge: 1081
Registriert: 24. Aug 2012, 19:57
Wohnort: Unterfranken
Alter: 64

ARTE: Lieber Koka ernten als Bananen

Beitrag von desertfox »

Dieses Preisgefüge ist leider Welt-Weit so, nicht nur in Kolumbien bezogen. Es gibt zu viele Zwischenhändler / Stationen, Transportwege, Lagerung, Verlust durch verdorbene bzw. evtl. auch nur unansehnliche Ware die deshalb nicht schlecht ist aber nicht verkäuflich ist...

Don-Pedrinio
Verified
Kolumbien-Süchtige(r)
Kolumbien-Süchtige(r)
Offline
Beiträge: 827
Registriert: 14. Apr 2010, 19:05

ARTE: Lieber Koka ernten als Bananen

Beitrag von Don-Pedrinio »

Super Bericht, besten Dank für den Link.
Leider aber hat er ein paar klitzekleine Schönheitsfehler. Das habe ich vor 1 Jahr heraus gefunden, als ich über 1 Monat lang darüber recherchierte.
Geografisch gesehen liegt das Gebiet am Pazifik, logistisch gesehen aber am Atlantik, da 90% des Regens, der in Bajo Atrato fällt bei Turbo in den Atlantik fließt. Von grossen Teilen von Bajo Atrato ist es fast unmöglich an den Pazifik zu kommen. Nur in den ganz oberen Teilen des Flusses ist dieser mit eben diesen Kanälen mit dem Pazifik verbunden. Kanäle, wo nur noch sehr kleine Boote durchkommen. In einem Bericht las ich, dass von unteren Teilen des Bajo Atrato es Eselswege gäbe, bei welchen man zum einen eine Bergkette überqueren muss, aber auch mehrmals Sümpfe und Flüsse, so dass jener Weg mind. 1 Woche dauere. Nach Turbo hingegen nur wenige Stunden.
In Bajo Atrato sind die größten Goldvorkommen von ganz Kolumbien. Das neue Bergbaugesetz hat alle jene Gemeinden wo es Goldvorkommen hat zu Kriminellen gemacht, wenn sie weiterhin nach Gold schürfen.
Eine Brandrodung war in allen den Aufnahmen, welche aus Mitte dem Jungle ist. Wie kommen also solche und viele Baumstämme in alle diese Kanäle?? Ganz einfach. Viele Rodungen sind entlang dieser Flüsse, damit danach mit Flussbaggern in allen diesen Bächen nach Gold gesucht werden kann.

Egal ob es Coca ist oder Gold, um es gewinnen zu können muss zuerst eine Unmenge an Ressourcen heran geschafft werden.
Beispielsweise hat das Militär 2018 angeblich 180 Maschinen zerstört, mit welchen in einem Seitenfluss nach Gold gesucht wurde. nach Angaben via Google, was denn solche Maschinen täglich verbrauchen bin ich auf 40,000 Liter Treibstoff gekommen. TAGTAEGLICH. In jenem Seitenfluss wurde dazu der Jungle bis 200m tief abgeholzt….
In einschlägigen Indianerzeitungen (nicht die Brühe aus Bogota die irgendwas schreibt, was ihnen die Regierung vorschreibt), sagen jene Einheimischen aus, dass sie entweder nach Gold puddeln oder Coca anbauen. Sie seien so oder so Kriminelle der heutigen Regierung.
Auch ein Grund, weshalb es immer schwieriger wird mit grossen Booten aus solchen Seitenflüssen nach Turbo zu gelangen ist, weil diese Goldbagger den natürlichen Verlauf der Flüsse verändern und zum Teil fast unpassierbar machen. Starke Regenfälle führen zusätzlich dazu, dass ganze Dörfer manchmal überschwemmt werden. Genau solche Texte findet man auch auf Menschenrechtsorganisationen, welche in der Gegend aktiv sind.

Für die Verarbeitung von Coca Blättern zu Coca bedarf es viel Diesel und Salzsäure, welches beides in diese Verarbeitungsstätte gebracht werden muss. Der Hafen von Turbo wird von den Paras kontrolliert, auf dem Fluss von Turbo bis Quibdo gibt es mehrere Militär Kontrollen, die passiert werden müssen, wo an allen Orten die geführte Wahre deklariert werden muss. Oder sollte.
Man kann nicht immer und immer und immer wieder behaupten die Guerillas oder bewaffnete Gruppen und, und, und. Für mich hängt der Uribismo in allem mit drin. Es ist ein Ding der absoluten Unmöglichkeit, dass ein paar Gruppen sich dumm und dämlich verdienen können, und niemand ist in der Lage vor allem den Werdegang der dazu benötigten Ressourcen zu verfolgen oder gar einzustellen. Vor allem was Gold anbelangt und eine Unmenge an sauberen Geld in jene Taschen spült, die das Sagen haben.
Nebenbei = Damit in solchen Kanälen ebenfalls nach Gold gepuddelt werden kann, müssen sie von Baumstämmen befreit werden.
Ja ich weiss, ihr könnt mich verrückt halten.
Ich habe eben wirklich sehr vieles gelesen. In Indianer Zeitungen gegen 1000 Artikel. Heute weigere ich mich solche Links zu recherchieren.
Übrigens, vor über 10 Jahren habe ich eine Fundation unterstützt, welche Hilfe nach Riosucio brachte. Sie sammelten in Medellin unter anderem alte Kleider oder sonstige Haushalt Gegenstände, welche nicht mehr gebraucht wurden. Ich half finanziell mit. Es endete, als Chefs der Fundation mich darum baten, ihnen Geld zu schicken, damit sie damit 2 Helikopterflüge dahin bezahlen konnten.
Benutzeravatar

Tenere-wue
Verified
Kolumbienfan
Kolumbienfan
Offline
Beiträge: 254
Registriert: 29. Jul 2011, 19:00
Wohnort: Quindio y Valle y Hessen

ARTE: Lieber Koka ernten als Bananen

Beitrag von Tenere-wue »

Auch ich habe mir mittlerweile den Bericht angesehen. Sehr interessant. In Verbindung mit den Aussagen von DonPedrino und den Aussagen des Bauern aus der Reportage frage ich mich wie das französische TV Team da drehen könnte. Zona roja und die Journalisten kommen da heile raus? Trotzdem, Respekt vor diesen Journalisten und Danke für den Link.
Grüße Tenere-wue
-vive tu sueno !

Don-Pedrinio
Verified
Kolumbien-Süchtige(r)
Kolumbien-Süchtige(r)
Offline
Beiträge: 827
Registriert: 14. Apr 2010, 19:05

ARTE: Lieber Koka ernten als Bananen

Beitrag von Don-Pedrinio »

MEDIEN!!!!!!!
Medien spielen beim Ganzen eine unheimlich wichtige Rolle.
Alles begann in Badago
Eine Schlüsselrolle spielt dabei das versehentliche Bombardement vom Jahre 2016 und eben die dazu passenden Medienberichte, mit welchen die ganze Erdbevölkerung dieses „Versehentlich“ absegnete.
Es war Ende 2009 als der damalige Präsident von Kolumbien auf dem Gemeindegebiet von Badago 94 Konzessionen für Goldminen erteilte. An immer dieselben drei Goldbaufirmen aus Bogota. Denn überall im Land wo um Konzessionen gestritten wird, kommen diese drei Firmen vor.
Damals wurde das dortige Indianer Gebiet auf 10% der ursprünglichen Fläche geschrumpft. Damit eben diese Konzessionen ausgesprochen werden konnten.

Um ein Badago für uns genauer zu beschreiben. Badago ist mit knapp 800km2 fünf Mal so groß wie das Fürstentum Liechtenstein. Vom nördlichen Ende des Liechtensteins bis ans südliche sind es 30km.
In diesem Gebiet leben 4000 Indianer. 2016 hatte das Militär versehentlich beinahe ein Dorf bombardiert, weswegen danach jene dort lebenden 2000 Indianer in den Ort Badago flüchteten.
So weit, so gut. So haben es die kolumbianischen Zeitungen geschrieben und der damalige Präsi Santos hat sich bei der Bevölkerung entschuldigt und wir alle haben es abgesegnet.
Etwas heikler wird es jetzt, wenn man diese Indianer genauer studiert. Die Indianer leben in diesem Gebiet in 20 verschiedenen Dörfern. Das größte aller hat 300 Einwohner. Aber dennoch ist die halbe Region nach Badago geflüchtet.
Es ist sehr gebirgig, vielleicht so wie im Schwarzwald. Man könnte also sagen, weil in Bad Säckingen (am Rhein) Bomben gefallen sind, sind auch die Indianer im 30km entfernten Schluchsee nach Basel geflüchtet (obschon sie jene Bomben nicht einmal gehört haben). Oder an der ganzen Sache stimmt irgendetwas nicht.
Ein kleines Detail fehlt… Ende 2015 sind für diese Bergbauriesen Bagger aufgefahren und wollten verschiedene sondier Arbeiten durchführen, was von den Indianern verhindert wurde. ((entsprechende UNO Berichte zu besagtem sind vorhanden)). Bomben die gefallen sind, müssten nach meiner Auffassung nahe bei verschiedenen Siedlungen gefallen sein, damit die Indianer flüchten. Das versehentlich kann auch bewusst herbei geführt werden, da Bomben metergenau gesteuert werden können.
Aus Indianerzeitungen geht hervor, dass diese bei der UNO vehement gegen die Berichterstattung kolumbianischer Zeitungen protestierten. Dazu gibt es Berichte die besagen, dass die kolumbianische Arme mehrfach versuchte die Indianer einzuschüchtern. Verbot ihnen ihre Siedlungen zu verlassen und geht bis hin zu Folter und Vergewaltigungen. Alles immer unter dem Deckmantel= Krieg gegen die Guerillas.
Ebenfalls sagten die Indianer aus, dass sie Coca Blätter an Guerillas verkauft haben, als auch an Paramilitärs. Beide Gruppen mussten besänftigt werden, damit sie in Ruhe gelassen blieben. Guerillas seien dabei meistens jene die ihnen helfen und seien in allen Dörfern stets willkommene Gäste (aus Rest Kolumbien heisst es -gemäß Presse aus Bogota- dass die Guerillas mit den Indianern überall auf Kriegsfuß leben) allerdings widerspricht dem genau dieser Film wo auch die dunkelhäutige Bevölkerung aussagt, dass sie ihre Blätter auch an Guerillas verkaufen. Ein Unternehmen wie Guerillas wird kaum die eigenen Lieferanten vertreiben, weswegen zum x-ten Mal erwiesen ist, dass die generelle Presse von Kolumbien zu schlichtweg alledem LUEGT.
Die offiziellen Berichte der Col Zeitungen sagen dann jedes Mal etwas anderes aus, als jenes was eben in verschiedenen Menschenrechtsorganisationen steht. In Badago sind neben UNO noch 2 weitere aktiv. Solches findet man eben in Indianer Zeitungen, wo derer älteste Berichte aus dem Jahr 2010 sind. Insgesamt gibt es ca. 5000 Links zu Indianer Zeitungen und wo solche Krisenherde beschrieben werden.

Via Medien und idealer Presse lässt sich die gesamte Menschheit irre führen.
Man muss nur wissen wie die Worte wählen und sofort wird eine Presse zur wahrscheinlich wichtigsten Waffe überhaupt. So heisst es immer und in jedem Bericht (egal welches Land solche Filmchen dreht) Guerillas und andere kriminelle Gruppen. So gut wie nie kommt das Wort Paramilitär vor, obschon diese UEBERALL wo geschossen wird, mit von der Partie sind.
Würde jemals ein Campesinos vor laufender Kamera diese erwähnen, so wäre es sein Todesurteil und hingegen vergisst er diesen Namen per Zufall, er damit gerade eine Lebensversicherung abgeschlossen hat.

Ein kleines Detail am Rande
In Kolumbien ist der generelle Friedensprozess so weit fortgeschritten, dass Grossgrund-Besitzer ihre bewaffneten Gruppen zur Verteidigung ihrer Hoheitsgebiete gar nicht mehr brauchen. Dennoch sind sie da.
Also was tun sie?
Ja ich kenne die Antwort.
Sie sitzen in Cartagena an der Boca Grande und lassen sich für ihr herum hängen von ihren Arbeitgebern fürstlich belohnen, wie man ob ihrer Fahrzeuge erkennen kann.
Ursprünglich waren sie unter anderem auch eingestellt, dass sie vor allem Menschen von ihrem Hab und Gut vertreiben oder diese einschüchtern.
Und ich denke, dass sich bis heute nichts daran geändert hat.

Was hat das ganze dann mit dem Abfackeln von Coca Feldern zu tun? Hängen die Paras mit drin, was Gold suchen in Bächen anbelangt, dann würden diese alles daran setzen, dass diese von der dunkelhäutigen Bevölkerung gratis für sie geseubert werden, damit danach die grossen Maschinen dort durchfahren koennen. Die Arme müsste ja nur ein paar Felder abfackeln und schon wären die dummen Bauern gefügig.

Irgendwo im Film werden mit einer Drohne Bilder gezeigt. Dabei ist im Hintergrund das Meer zu sehen. Dies wiederum bewirkt, dass der Mensch generell annimmt, dass der Choco am Pazifik liegt, obschon man aus Bajo Atrato das Meer von NIRGENDWO sehen kann.
Auch das kleine Detail der Brandordnung soll wahrscheinlich irre führen. Wenn ein internationales Fernsehteam ein Film drehen darf, dann wird dieser zensuriert und vielleicht auch um ein paar nette Bildchen erweitert, womit dann der betrachtende Zuschauer eigene Schluesse zieht (liegt direkt am Pazifik). oder eben = Wird eine Brandrodung durchgeführt, es für den Laien geschieht, der dann annimmt, = siehste, da wird bereits wieder so eine Kräuter Wiese frei gelegt…

Vor einem Jahr war ich in San Jose de Guaviare. Die örtliche Tourismus Agentur bietet dem Kunden eine Tour an auf einen Bauernhof wo Wildtiere gezeigt werden. Dort bekommt man obendrauf noch eine Leerstunde zu Coca Anbau.
Coca Pflanzen lieben Wärme und sehr feucht. Hassen aber direkt Sonnen Einstrahlung. Sie lieben es mehr im Schatten grosser Bäume zu leben. Ist die direkte Sonneneinstrahlung zu hoch, wachsen diese Gebüsche nur auf etwa 1m Höhe. Denn sie können bis 4 Meter hoch werden. Nebenbei sind diese Gebüsche im Schatten von hohen Bäumen auch besser gegen böse Helikopter geschützt. also schaden Brandrodungen mehr, als dass sie nuetzen.

Social Media