Medellín: Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländern in El Poblado

hat mehr als 2,2 Millionen Einwohner und 3,2 Millionen in der Agglomeration.
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Eisbaer
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Medellín: Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländern in El Poblado

Beitrag von Eisbaer »

Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländern in El Poblado: Forderung nach Regulierung des Tourismus

In Medellín sind die Bewohner des Viertels El Poblado zunehmend besorgt über den Tourismus und die Partyaktivitäten von Ausländern. Die Anwohner fordern von der Stadtverwaltung eine Regulierung, um Ruhe und Ordnung in den Wohnvierteln zu erhalten.

Die Beschwerden kommen vor allem aus dem exklusiven Viertel El Poblado, wo Ausländer Eigentumswohnungen kaufen. Die Nachbarn ärgern sich über den Lärm und die Exzesse der ausländischen Bewohner. Einige von ihnen feiern zu jeder Tages- und Nachtzeit und bringen viele Gäste mit, was zu Spannungen führt.

„Seit etwa einem Jahr wird die Ruhe in der Wohnanlage durch einen ausländischen Nachbarn gestört, der die Bewohner ständig in ihrer Ruhe stört, indem er zu jeder Tages- und Nachtzeit Partys feiert und eine große Anzahl von Personen mitbringt, von denen sich einige gegenüber den Bewohnern äußerst grotesk verhalten“, so einer der Bewohner.

Die Personería von Medellín fordert eine umfassende Debatte über den Tourismus in der Stadt. Es müsse klare Regeln geben, was Touristen dürfen und was nicht. In diesem Zusammenhang bestätigte die Personería de Medellín, dass es eine beträchtliche Anzahl von Beschwerden bei der Polizeiinspektion von El Poblado gibt und dass die Situation mit den Ausländern nicht einfach dadurch gelöst werden kann, dass ein Polizeibeamter vor Ort gerufen wird, sondern dass dies von den zuständigen Behörden erledigt werden muss.

In den letzten zwei Jahren haben mehr als 1 Million ausländische Touristen Medellín besucht. Diese Zunahme des Tourismus führt zu Konflikten zwischen Einheimischen und Ausländern.
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coentros
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Medellín: Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländern in El Poblado

Beitrag von coentros »

Gegen Touristen, besser gesagt eine bestimmte Touristen-Klientel die Probleme mit sich bringen, wehren sich auch Destinationen wie die kanarischen Inseln, Südspanien oder Städte wie Venedig. Dass sich Einheimische in Medellin gegen eine bestimmte Form des Tourismus wehren ist gut und richtig. Niemand möchte Mallorca-Ballermann Erscheinungsformen haben.

Dolfi
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Medellín: Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländern in El Poblado

Beitrag von Dolfi »

Habe kürzlich ein Video gesehen, in dem sich Einwohner von Medellín über die Preissteigerungen durch Tourismus beschwerten, können sich angeblich die Miete nicht mehr leisten bzw. die Hausbesitzer versuchen sie rauszuschmeißen, um teurer an Touristen vermieten zu können, ähnlich wie in Barcelona oder Venedig. Hinzu kommen die Kinderficker aus den USA, wo es sich offenbar herumgesprochen hat, dass da in Medellín was zu machen ist. Wäre wirklich ein jammer um die schöne Stadt.
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Bogotano
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Medellín: Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländern in El Poblado

Beitrag von Bogotano »

In unserer Wohnanlage hier in Bogotá, im Estrato 6, gibt es klare Normen und Regeln, an die sich jeder Eigentümer oder Mieter halten muss. Wenn jemand zu laut ist, erfolgt eine Abmahnung. Wiederholt sich das Verhalten, kann die Person sogar aus der Wohnanlage verwiesen werden. Ich denke, dies sollte auch in Medellín funktionieren, wenn die Hausverwaltung ihren Job gut macht.

Bei uns ist laut den Statuten eine zeitweise Vermietung z.B. an Touristen sowie Untervermietung untersagt. Auch eine gewerbliche Nutzung der Wohnungen ist nicht erlaubt. In meinem Umfeld fühle ich mich sehr wohl.

axko
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Medellín: Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländern in El Poblado

Beitrag von axko »

@Bogotano Kann deine Aussage in Medellin bestaetigen. Unsere Hausverwaltung legt auch Wert auf dem Hausfrieden. Hat jemand ne Party wird der Lärm bis Mitternacht geduldet. Kursfristige Vermietungen (weniger als 3 Monate) sind nicht gestattet. Die Verwalter von dem umliegenden Gebäuden sind da auch "penibel". Ist also immer auch eine Frage wieviel Druck die Eigentümer auf die Verwaltung ausüben um den Hausfrieden zu erhalten.

Glboetrotter
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Medellín: Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländern in El Poblado

Beitrag von Glboetrotter »

Falls einer Mieter ist, unabhängig ob Ausländer oder Einheimischer, kann man ihm/ihr gegenüber sicherlich Druck ausüben.
In unserem Wohnblock wird kein Canabiskonsum toleriert, auch nicht von Kolumbianern. Mit Party-Lärm haben wir seit Jahren glücklicherweise kein Stress.

Aber was machen, falls der Ausländer die Wohnung gekauft hat und sich doof verhaltet?

axko
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Medellín: Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländern in El Poblado

Beitrag von axko »

Für ein edificio horizontal wird bei der Notaria verpflichtend ein Dokument vom Bauträger erstellt. Darin wird nicht nur beschrieben wieviele Wohnungen das Gebäude hat und wo sich die gemeinnützigen Flächen, Parkplätze, Cuartro util, etc befinden. Sondern auch die Verpflichtungen, dass vom Bauträger eine Hausverwaltung bestellt werden muss und auch das es eine Hausordnung geben musss. Alle Punkte aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen. Wenn sich ein Mieter gegen die Hausordnung quer stellt, dann kann ihn die Hausverwaltung ermahnen und ggfs. Saktionen erteilen. Wenn diese beim Mieter nichts erwirken ist dann der Eigentümer dran der zur Rechenschaft gezogen wird. Stösst man hier auch auf taube Ohren ist der Gang zu den Jusitzbehörden unumgänglich. Da für das Gebäude eine öffentliche Beurkundung existiert, hat das Gebäude den Status einer juristischen Person und die Verwaltung kann als Vertreter dieser juristischen Person Anzeige bei der Jusitz erstellen. Daher sollte man sich wenn man sich eine Inmobilie anschafft sich nicht nur die Standardpapiere anschauen sondern die escritioria de edificio horizontal und auch die bestehende Hausordnung. Diese Dokmuente sind verpflichtend von der Hausverwaltung für jeden Eigentümer im Gebäude einsehbar. Die Verwaltung von einem Gebäude ist nicht nur da um die monatlichen Administrationskosten einzusammeln, sondern hat auch etliche Verpflichtungen gegenüber den Eigentümer zu erfüllen.
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Eisbaer
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Medellín: Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländern in El Poblado

Beitrag von Eisbaer »

@axko: Vielen Dank für diesen Beitrag, der einen guten Überblick über die wichtigsten Aspekte von Edificios Horizontales gibt.

Die Hausordnung legt die für alle Bewohner verbindlichen Regeln fest. Klare Regeln über die Konsequenzen von Verstößen beschleunigen den Rauswurf eines Mitbewohners. Schwerwiegendere Verstöße wie die Beschädigung von Gemeinschaftseigentum oder die Bedrohung anderer Bewohner führen tendenziell schneller zur Räumung als "Bagatellverstöße wie Ruhestörung".

In der Regel muss die Hausverwaltung eine Versammlung einberufen und eine Mehrheit der Stimmen für den Rauswurf des Wohnungseigentümers gewinnen. Sind die anderen Bewohner nicht kooperativ, kann sich die Räumung verzögern oder scheitern. Die Eigentümergemeinschaft kann kein direktes Hausverbot aussprechen, da dies einer Entziehung des Eigentums gleichkommt.

Kommt es zu einer Einigung, leitet der Anwalt der Eigentümergemeinschaft die Räumung ein. Dieser Prozess kann in Kolumbien einige Monate bis zu einem Jahr oder länger dauern.
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Eisbaer
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Umstrittene Plakate in Medellín: Fremdenfeindlichkeit oder legitimer Protest?

Beitrag von Eisbaer »

In den Straßen von El Poblado sind in letzter Zeit kontroverse Plakate aufgetaucht. Die Botschaften richten sich sowohl gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern als auch gegen den Anstieg der Lebenshaltungskosten durch die wachsende Zahl ausländischer Touristen.

Die Plakate hängen unter anderem an Strommasten, Bänken und Mülleimern.

BildBild Bild
Bildquelle: Twitter

Medellín ist eine Stadt, die traditionell für ihre Gastfreundschaft und ihre touristischen Attraktionen bekannt ist. In den letzten Jahren hat die Zunahme ausländischer Besucher jedoch zu Spannungen geführt. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die die wirtschaftlichen Vorteile des Tourismus betonen, auf der anderen Seite diejenigen, die die negativen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung hervorheben. Die Plakate sind Ausdruck dieser Spannungen und zeigen die unterschiedlichen Sichtweisen der Bewohner Medellíns.

Die Behörden in Medellín haben auf die Plakate reagiert und versuchen, die Situation zu entschärfen. Sie haben Maßnahmen ergriffen, um die sexuelle Ausbeutung von Kindern zu bekämpfen und gleichzeitig den Tourismus zu fördern. Es ist jedoch eine komplexe Herausforderung, eine Balance zwischen den Bedürfnissen der lokalen Bevölkerung und den wirtschaftlichen Vorteilen des Tourismus zu finden.

Insgesamt verdeutlichen die Poster die vielschichtige Debatte um den Tourismus in Medellín. Die Diskussion über den Umgang mit diesen Herausforderungen wird sicherlich weitergehen.

Quellen: El Colombiano, Infobae und andere
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Empanadafan
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Medellín: Konflikte zwischen Einheimischen und Ausländern in El Poblado

Beitrag von Empanadafan »

Also die Reiseweltmeister aus Deutschland trifft man in Medellín nicht, habe keinen einzigen Deutschen in vier Wochen getroffen.
Die überfluten Barcelona, Venedig etc. jedes Jahr. Dort gibt es die gleichen Diskussionen und Bilder.
Vermutlich meinen sie die Amis? Die haben aber auch oft Latino Wurzeln.

Ich vermute, mit Gringos sind aber auch zusätzlich Europäer gemeint. Ein Taxifahrer schimpfte auf die Polackos, ich vermute so nennen sie entweder die Europäer oder zumindest die Russen?

Auf jeden Fall haben Deutsche nicht den guten Bonus wie in Chile, weil dort eben im 19. Jahrhundert viele ausgewandert sind und dem Land geholfen haben es aufzubauen. Mir fällt aber der Gründer von PILSEN ein, ein ausgewanderter Deutscher.
Zuletzt geändert von Empanadafan am 10. Mai 2024, 23:20, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Empanadafan »

Das Thema interessiert mich, endlich habe ich Zahlen gefunden.

1,6 Millionen Touristen haben das Land im ersten Quartal besucht. Ich vermute, die Zahlen kommen aus dem Migration-Formular, da gibt man als Grund der Reise Tourismus an.

So setzen sich die Touristen zusammen:
27 Prozent US-Amerikaner, viele mit Latino Wurzeln
7 Prozent Ecuador
7 Prozent Mexiko
Stark im Kommen ist auch Costa Rica.

Europäer kommen nicht in der Statistik vor, sicher viel zu gering.

Bei allem Respekt: 14,4 Millionen Besucher im Jahr hat die kleine Insel Mallorca, das ist Massentourismus, aber doch nicht in Kolumbien.

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