Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Tipps und Fragen von Auswanderungswilligen und Leuten, die den Schritt schon gewagt haben.
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Eisbaer
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von Eisbaer »

Liebe Forumsmitglieder,

ich möchte euch die Geschichte eines Schweizer Rentners schildern, der nach seiner Pensionierung nach Kolumbien auswanderte – in der Hoffnung, dort ein neues Kapitel seines Lebens zu beginnen. Was als Traum vom tropischen Lebensabend begann, entwickelte sich jedoch zu einem Albtraum aus Täuschung, finanzieller Ausbeutung und juristischen Fallstricken. Dieser Bericht basiert auf Informationen aus der kolumbianischen Zeitung La Vanguardia sowie ergänzenden Recherchen und soll als Warnung für alle dienen, die mit dem Gedanken spielen, in ein fremdes Land auszuwandern, ohne sich vorab hinreichend zu informieren.

Der Mann, ein 65-jähriger Witwer aus der Schweiz, zog im Jahr 2015 nach Bucaramanga, einer Stadt im Nordosten Kolumbiens, die für ihr angenehmes Klima und ihre landschaftliche Schönheit bekannt ist. Laut Medienberichten war er fasziniert von der kolumbianischen Lebensweise, dem lokalen Schnaps "Aguardiente" und dem Kontakt zu jüngeren Frauen – eine Motivation, die ihn in soziale Konstellationen führte, die sich später als riskant herausstellten.

Ein Hinweis zur Quelle: Die Zeitung La Vanguardia veröffentlichte die Geschichte unter dem Titel „Así estafaron a un suizo que llegó a Bucaramanga buscando mujeres y aguardiente“ („So wurde ein Schweizer betrogen, der nach Bucaramanga kam, um Frauen und Aguardiente zu suchen“) – ein Titel, der bewusst provokant formuliert ist und stark auf persönliche Motive fokussiert. In diesem Bericht wird hingegen bewusst auf eine sachliche und respektvolle Darstellung geachtet, um die strukturellen Probleme und Risiken für Auswanderer in den Vordergrund zu stellen.

Kurz nach seiner Ankunft lernte der Rentner über familiäre Kontakte eine junge Frau kennen, die aus schwierigen Verhältnissen stammte. Im Januar 2016 heiratete er sie, doch die Ehe wurde bereits im November desselben Jahres wieder geschieden. Während dieser Zeit mietete er zwei Wohnungen: eine für sich und seine Frau, die andere für deren Eltern. Da Ausländer in Kolumbien oft einen einheimischen Bürgen oder Vermittler benötigen, um Mietverträge abzuschließen, übernahm ein Anwalt diese Rolle – und nutzte sie offenbar für eigene Zwecke.

Der Anwalt forderte hohe Summen für angebliche Dienstleistungen, die entweder überteuert oder gar nicht erbracht wurden. So verlangte er etwa Millionenbeträge für die Vermittlung von Mietverträgen und die Beantragung eines Ausländerausweises, obwohl die tatsächlichen Kosten dafür nur einen Bruchteil ausmachten. Zudem überzeugte er den Rentner, eine Kassenobligation als Mietgarantie zu hinterlegen und einen fiktiven Arbeitsvertrag als Französischlehrer zu erstellen – Maßnahmen, die für die Aufenthaltsgenehmigung nicht erforderlich waren. Später stellte sich heraus, dass der Antrag für den Ausländerausweis nie eingereicht worden war. Der Anwalt wurde später wegen Betrugs verurteilt.

Nach der Scheidung engagierte der Rentner eine Haushälterin, die ebenfalls versuchte, ihn finanziell auszunutzen. Sie gewann sein Vertrauen und brachte ihn dazu, ihr unter anderem einen teuren Geländewagen zu schenken. Nach seinem Tod im Jahr 2023 versuchte sie, eine Witwenrente zu beanspruchen, indem sie eine angebliche eheähnliche Lebensgemeinschaft geltend machte. Dieses Ansinnen wurde jedoch Anfang 2024 von einem Gericht abgewiesen.

Diese tragische Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, sich vor einer Auswanderung gründlich über lokale Gepflogenheiten, rechtliche Rahmenbedingungen und kulturelle Unterschiede zu informieren. Der Schweizer Rentner wurde von Menschen ausgenutzt, die sein Vertrauen und seine Unkenntnis der kolumbianischen Verhältnisse schamlos für eigene Zwecke missbrauchten.

All das ist ein mahnendes Beispiel dafür, dass gut gemeintes Vertrauen in einem fremden Land schnell ausgenutzt werden kann. Ich hoffe, dieser Bericht hilft euch, wachsam zu bleiben und euch gut vorzubereiten, falls ihr plant, nach Kolumbien auszuwandern oder dort zu investieren.

Quellen: Basierend auf Informationen aus der kolumbianischen Zeitung „La Vanguardia“ sowie eigenen Recherchen.
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coentros
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von coentros »

Vielen Dank für diesen interessanten Fall. Ich frage mich allerdings wie man bei solchen Präferenzen... Faszination für Schnaps und junge Frauen... im reifen Alter davon ausgeht, dass einen nicht zwangsläufig früher oder später Probleme einholen werden bzw. warum das ausnahmsweise gerade in Kolumbien kompatibel mit einem Traum vom tropischen Lebensabend sein soll ? Auch mit 65 kann Alkohol überall auf der Welt schnell zu einem Problem werden, nicht nur was die Abhängigkeit betrifft. Abgesehen davon glaube ich ist es geradezu ein Naturgesetz, ebenso universell gültig, dass junge Frauen sich nicht stürmisch und hoffnungslos in 30 oder 40 Jahre ältere Männer verlieben, seltene Ausnahmen bestätigen die Regel.
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Eisbaer
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von Eisbaer »

@coentros: Vielen Dank für deinen Kommentar und deine Einschätzung.

Ich möchte kurz darauf hinweisen, dass der Beitrag nicht darauf abzielt, die persönlichen Vorlieben des Schweizer Rentners zu bewerten, sondern vielmehr die strukturellen Risiken einer Auswanderung in den Vordergrund zu stellen. Es geht darum, wie leicht man – unabhängig von Alter oder Motivation – in einem fremden Land in komplexe und teils gefährliche Situationen geraten kann, wenn man sich nicht ausreichend vorbereitet oder auf das falsche Umfeld vertraut.

Bei meinem langjährigen Aufenthalt in Kolumbien habe ich selbst erlebt, wie trügerisch der erste Eindruck sein kann. In Medellín lernte ich den Inhaber eines seriös wirkenden, relativ großen Autohauses kennen. Ich wurde dort stets freundlich empfangen und fühlte mich in einer fast schon freundschaftlichen Umgebung. Erst spät erkannte ich, dass das Ganze nur eine gut inszenierte Show war – mit dem Ziel, mich finanziell auszunehmen.

Solche Erfahrungen zeigen, dass nicht nur persönliche „Laster“ zu Problemen führen können, sondern oft schlicht die Unkenntnis lokaler Strukturen und die gutgläubige Annahme, man bewege sich in einem sicheren sozialen Rahmen. Genau darauf wollte mein Beitrag aufmerksam machen.

Was mir dabei auffällt: Hier im Forum werden fast ausschließlich positive Erfahrungen geteilt – von schönen Landschaften, freundlichen Menschen und gelungenen Neuanfängen. Das ist erfreulich, aber es zeichnet ein einseitiges Bild. Ich möchte daher all jene ermutigen, die auch negative oder schwierige Erfahrungen gemacht haben, diese offen zu teilen. Gerade in letzter Zeit scheint es viele Menschen zu geben, die mit dem Gedanken spielen, nach Kolumbien auszuwandern – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ein realistischer Austausch kann dabei helfen, Risiken besser einzuschätzen und sich klüger vorzubereiten.
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coentros
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von coentros »

Hallo Eisbaer,

Bitte erlaube mir die Anmerkung, dass ich den Schweizer Rentner nicht bewerten wollte. Viele Dinge sind menschlich verständlich. Ich wollte ebenfalls auf strukturelle Risiken hinweisen: Vorlieben für hochprozentigen Schnaps u.ä. Alkoholika und ebenso Vorlieben älterer Herren für junge Frauen.

Ich hatte in meinem Leben schon einmal eine Episode im Verkauf eines sehr grossen Unternehmens (ausserhalb Kolumbiens). Ich möchte nicht behaupten dass dieses meine Welt war, mein Einsatz zeitlich eher kurz. Aber auch diese Arbeit muss offensichtlich nun mal irgendjemand machen. Wenn man hört wie die "Verkaufsprofis" dort mitunter über ihre Kunden reden. Auf dem heutigen level der Wettbewerbsintentsität in der Automobilbranche würde ich schlicht sagen es wäre einer der letzten Orte wo ich damit rechnen würde nicht übers Ohr gehauen zu werden.
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Karibikotto
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von Karibikotto »

@Eisbaer, ich möchte mich ausdrücklich für deinen Beitrag bedanken und dir voll und ganz zustimmen. Deine Kernbotschaft ist absolut richtig und wichtig: Es geht um die strukturellen Risiken und wie Unwissenheit und falsches Vertrauen in einem fremden System ausgenutzt werden können – unabhängig von den persönlichen Motiven einer Person.

Genau solche warnenden und realistischen Berichte sind das Lebenselixier eines Forums. Für all jene, die sich vielleicht nie richtig mit Kolumbien beschäftigt haben, aber auswandern wollen, sind diese Einblicke unschätzbar wertvoll. Sie gleichen das oft einseitig positive Bild wohltuend aus und können davor bewahren, ähnliche Fehler zu machen.

Zu den Kommentaren hier muss ich leider sagen: Ich verstehe nicht ganz, warum einige sich so sehr an den vermeintlichen "Vorlieben" des Opfers aufhängen. @coentros, dein letzter Kommentar geht meiner Meinung nach völlig an der Sache vorbei. Der Vergleich mit einem unseriösen Autoverkäufer verharmlost die hier geschilderte, systematische und mehrstufige Betrugsmaschinerie. Das ist eine ganz andere Dimension.

Genau das ist doch der Punkt des Themenstarters: Die Gefahr lauert nicht primär in offensichtlichen "Lastern", sondern in der kalkulierten Ausbeutung durch scheinbar seriöse Akteure (Anwälte, Autohäuser, Vermieter, sogar Haushälterinnen), die das System und die Schutzlosigkeit von Ausländern bestens kennen und gezielt ausnutzen. Das Opfer dafür zu bewerten, verfehlt die eigentliche Warnung völlig.

Danke, @Eisbaser, dass du diesen unglaublich wichtigen Perspektivwechsel lieferst. Bitte mehr davon!
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gordito54
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von gordito54 »

@ Eisbaer:

Danke für diesen wichtigen Beitrag. Das Schicksal des Schweizers ist für mich ein trauriges Beispiel in mehrerer Hinsicht. Im nachfolgenden möchte ich meine Eindrücke dazu schildern und die Diskussion anregen.

Schlechte Erfahrungen habe ich hier in Colombia bisher nicht gemacht.

Warum?

Als wir vor 5 Jahren dem Umfeld meiner Frau in Fuenlabrada gesagt haben, daß wir nach Cartago gehen wollen, haben uns ALLE abgeraten. Heute sind wir seit 2 Jahren hier, ich bereue keinen Tag.

Meine Frau stammt aus Cartago. Sie schirmt mich ab.

Das bedeutet aber nicht, daß ich nicht von Unbekannten angesprochen werde, wenn ich alleine unterwegs bin. Ist das der Fall, greift meine 90 Sekundenregel. Ich bin höflich. Wenn nach dem barrio gefragt witd, in dem ich lebe, ist es Santa Ana, das ist am Flughafen, 10 Km von dem Barrio entfernt, wo wir leben. Der letzte, der mich ansprach, hat beobachtet, wie ich abends vom Geldziehen aus unserer Hausbank kam. Nach 60 Sekunden small talk sagte er mir, etwas sein in sein Auge geflogen, als er mit dem Fahrrad an der Metro vorbeifuhr. Aha! Jetzt kommt’s! Er sagt mit garantiert gleich, daß er kein Geld hat und er sich kein Medikament leisten kann. Etwas Bares würde sicher seine Schmerzen lindern. Bevor er das kann, bedanke ich mich höflich für das Gespräch und wünsche ihm alles Gute. Ich drehe mich rum und gehe. Ab auf den Roller, Zündung an und weg. Den Helm kann ich an der nächsten Ecke aufsetzen. Das mag unhöflich sein, aber es geht um MEINE Sicherheit, nicht um ihn.

Neulich kam eine dieser schrägen Figuren, die mich beim Kaffee im Park belästigen, auf mich zu. Er tat erfreut und sagte mir, er habe heute noch nichts gegessen. Ich habe ihn freundlich gegrüßt und ihm gesagt, dafür sehe er hervorragend aus. Dann habe ich mich in Richtung der mobilen Polizeistation am Plaza Bolivar bewegt. Er folgt mir bis 10 m vor dem nächsten Polizisten. Dann hielt er an, als sei er gegen eine unsichtbare Wand gelaufen. Diese Vögel scheuen den Kontakt zur Polizei, wie der Teufel das Weihwasser. Warum wohl? Ich habe die Beamten freundlich begrüßt und war weg.

Das sind alles eher amüsante Kleinigkeiten. Sie zeigen dir aber:
Wer dich tagsüber anspricht, ist arbeitslos und abgebrannt. Du als blöder Gringo bis ein willkommenes Opfer. Sie halten sich dabei auch noch für besonders clever, genau das ist ihre Schwäche. Reagiere schnell, höflich und besonnen, dann entspannt sich die Situation zu deinen Gunsten.

Ich bewege mich hier nicht als Deutscher, sondern als werdender Kolumbianer und so sehe ich auch meine Umgebung. Ich bin nicht angespannt, aber wachsam.

Mein Umfeld ist angenehm und korrekt. Kolumbianer sind freundliche und hilfsbereite Menschen. Dieses Umfeld fehlt dir völlig, wenn du alleine ohne Familienanschluss hier ankommst.

Du wirst so mit Sicherheit auf die dunkle Seite Kolumbiens treffen, die davon lebt, arglose Menschen zu prellen. Sie ist das koloniale Erbe: Katholizismus, Habgier und hemmungslose Skrupellosigkeit. Du bist dabei das Opfer. Man kann sich durch Information weitgehend schützen, aber bitte bevor man losfliegt. Bei Menschen, die du nicht lange Jahre persönlich kennst, ist jegliche Vertrauensseligkeit völlig fehl am Platze. Und auch das ist keine Garantie gegen Betrug.


Zum Herrn aus der Schweiz:

Wer mit 65 Jahren noch so naiv (ich will mich respektvoll ausdrücken) ist, “Abenteuer” in Bares und Diskotheken hierzulande zu suchen, dem kann man kaum helfen. Als meine Frau 5 Wochen in Madrid war, habe ich mich genauso vorsichtig verhalten wie immer. Nix Bares, nix Ausgehen.

Seriöse Frauen in meinem Umfeld kommen abends wenn es dunkel wird mit ihrem Roller von der Arbeit und kümmern sich um ihre Familie. Leicht bekleidete Chicas in Bares gibt es hier auch. Sie sind nicht auf der Suche nach dem Mann ihres Lebens, sondern wollen einen Blödmann finden, der sie und ihre Familie finanziert. Wenn du dir ein solches Prachtstück angelst, wird sie dir schnell ihre alte, arme Mutter vorstellen und ihre Tante, auch alt arm und hilfebedürftig. Beide brauchen jede Woche viele teure Medikamente. Die du natürlich bezahlen sollst. Je mehr, je besser.

Wenn deine Flamme dir die beiden vorstellt, zähle in dem Haushalt mal schnell durch, wie viele Kinder da rumspringen. Die hast du jetzt auch an der Backe.

Den Jackpot hast du, wenn sie dir auch noch ihre drei arbeitslosen, kleinkriminellen Brüder vorstellt. Die erwarten nun von dir, daß du sie jeden Abend zum Saufen in die Bar einlädst, denn mehr können sie nicht. Vielleicht schlagen sie dir ja auch direkt “Investitionen” in “gute Geschäfte” vor. Du erhöhst damit deine Chancen deutlich, mit einem Kopfschuß auf dem Acker vor dem Bataillon zu enden.

Wer will das????

Sobald Personen, die du noch nicht lange persönlich kennst, ungefragt das Thema Geld, Kredit, “Investitionen” ansprechen, sollten bei dir die Alarmglocken losgehen. Du kannst hier keinem trauen, der DICH ungefragt anspricht, er tut das mit Hintergedanken. Und die sind nicht zu deinem Vorteil, sondern zu seinem.

Neulich drückte mit jemand einen Flyer in die Hand um nachher zu behaupten, ich hätte ein Los bei ihm erworben und müssen ihm nun 100.000 COP dafür bezahlen. Wir haben ihm gesagt, es gibt genau nichts und wir fahren morgen zur Steuerbehörde nach Pereira, um uns nach seinem Lotteriegeschäft zu erkundigen. Seitdem ist Ruhe.

Mag sein, daß ich das Thema verfehlt habe, aber wenn damit zu weiteren Wortmeldungen kommt, war es hilfreich.

Herzliche Grüße aus Cartago
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Eisbaer
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von Eisbaer »

Dank an alle für die lebhafte Diskussion - und eine wichtige Klarstellung

Vielen Dank an @karibikotto und @gordito54 für eure ausführlichen und sehr unterschiedlichen Beiträge. Genau diese Art von Austausch, der verschiedene Perspektiven beleuchtet, ist so wertvoll für dieses Forum.

@karibikotto, vielen Dank für deine klaren Worte und deine Unterstützung. Du hast die Intention meines Beitrages perfekt verstanden. Es geht genau darum, das Bewusstsein für die strukturellen Risiken zu schärfen.

@gordito54, auch dir vielen Dank! Dein Beitrag ist unglaublich wertvoll, weil er aus der Praxis kommt. Deine "90-Sekunden-Regel" und die Schilderung der alltäglichen Betrugsversuche machen das Problem greifbarer als jede theoretische Warnung. Vor allem deine Erkenntnis, "Dieses Umfeld fehlt dir völlig, wenn du alleine ohne Familienanschluss hier ankommst", ist der absolute Kern der Sache.

An dieser Stelle möchte ich, auch im Interesse aller Leser, eine ganz wichtige Nuance ansprechen: Du beschreibst selbst brillant ein System, das darauf ausgelegt ist, "arglose Menschen zu prellen" und "blasse Gringos" als "willkommenes Opfer" sieht. Deine Erfahrungen beweisen, wie allgegenwärtig und kreativ dieses System der Ausbeutung ist.
Umso mehr hat mich am Ende deines Beitrages der Satz "Wer so naiv ist, dem kann man kaum helfen" nachdenklich stimmt. Denn genau das ist der Punkt meiner Warnung: Unser Fokus sollte weniger auf der Naivität des Einzelnen liegen, sondern viel mehr auf der Anklage dieses ausgeklügelten Systems. Dein eigener Beitrag ist der beste Beweis für dessen Existenz und Funktionsweise.

Ich verstehe deine kritische Haltung gegenüber dem Verhalten des Schweizer Rentners vollkommen. Gleichzeitig zeigt dein Beitrag ja, wie herausfordernd das Umfeld sein kann – selbst für jemanden wie dich, der das enorme Glück und den Schutz einer einheimischen Ehefrau und Familie an seiner Seite hat und offensichtlich über große Ortserfahrung verfügt.

Mein Ziel war und ist es, darauf hinzuweisen, dass die Kombination aus fehlendem Netzwerk und diesem System gezielter Ausbeutung Menschen in existenzielle Nöte bringen kann. Deine Erfahrungen bestätigen die Gefahr, und das Schicksal des Schweizers ist ihr tragisches Extrembeispiel.

Nochmals herzlichen Dank an euch beide. Durch diese unterschiedlichen Blickwinkel – die praktische Wachsamkeit und die systemische Betrachtung – entsteht ein viel vollständigeres Bild für alle.
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CaribicStefan
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von CaribicStefan »

Hola gordito,
hab vielen Dank für deine ausführliche und lehrreiche Stellungnahme, die ich zu 100 % unterstützen kann.
Selbst ich mit meinen 55 Jahren schaue nur noch den hübschen Mädels hinterher und lass mich auch auf keine in einer Bar ein.
Kleine Flirts im Laden oder Bank sind jedoch immer drin...wie es halt üblich ist und auch wenn man ihnen nur ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Anbei noch ein paar Eindrücke..
Schöne Grüße aus dem schwülen VillavicencioBildBildBildBildBild
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Eisbaer
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von Eisbaer »

@CaribicStefan, vielen Dank für deine Meinung.

Ich muss an dieser Stelle jedoch kurz als Moderator eingreifen, um den Fokus der Diskussion beizubehalten.

Das Thema dieses Threads sind ernsthafte Warnungen und strukturelle Risiken für Auswanderer, wie sie am Beispiel des Schweizer Rentners aufgezeigt wurden. Beiträge, die sich auf das "Hinterhergucken" oder "Flirten" konzentrieren, verharmlosen diese Gefahren und lenken vom eigentlichen Anliegen ab.

Ich bitte dich und alle anderen, hier beim sachlichen Kern des Themas zu bleiben. Landschaftsbilder sind zwar schön, aber in diesem Kontext leider off-topic.

Eisbaer - Moderator
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Holger78
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von Holger78 »

Danke auch von mir an alle die hier bereits einen Beitrag geschrieben haben.
Aus meiner Sicht trifft das hier aufgezeigte und teils erlebte auf alle Länder zu. Unabhängig ob Kolumbien oder nicht. Auch hier in DE kannst Du ganz schnell ausgenommen werden wenn du einen gesunden Menschenverstand nicht einschaltest.
Zurück zu Kolumbien:
Auch bei mir ist wie bei @Gordito, meine Frau oder ein anderes Familienmitglied ist zu 90% immer bei mir mit dabei. Ausnahmen sind die Tiendas, Supermärkte etc. in der Nähe zu denen ich alleine zum Einkaufen gehe.
Wird man angesprochen Ja, aber hier halte ich es ebenfalls wie Gordito, höflich sein und weggehen.
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Eisbaer
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von Eisbaer »

@Holger78, vielen Dank auch dir für deine Schilderung und deine Perspektive!

Du hast absolut recht: Betrug und Naivität gibt es überall auf der Welt. Der "gesunde Menschenverstand" ist immer die erste und wichtigste Verteidigungslinie.

Was das Beispiel Kolumbien (oder andere Länder mit starken sozioökonomischen Gegensätzen) vielleicht so besonders macht, ist die Intensität und Systematik, mit der genau diese Naivität von organisierten Betrügern erkannt und gnadenlos ausgenutzt wird. Es ist oft weniger ein einfacher Betrug, sondern mehr ein ausgeklügeltes System, das darauf abzielt, einen Menschen komplett finanziell und emotional auszunehmen – genau wie im Fall des Schweizer Rentners geschildert.

Umso mehr unterstreicht dein Punkt den wichtigsten Schutzfaktor überhaupt, den auch @gordito54 hat: Ihr habt beide eine einheimische Familie, die euch abschirmt und begleitet. Genau das ist der entscheidende Unterschied zum Schicksal des alleinreisenden Rentners, dem genau dieses Schutznetz gefehlt hat. Sein Fall ist eine Warnung genau an die Menschen, die ohne dieses Netzwerk kommen.

Danke, dass du das durch deine eigene, positive Erfahrung nochmal so klar bestätigst!

Dein Beitrag hat mich aber auch zu einer sehr persönlichen Reflexion gebracht: Ich selbst könnte mir ein Leben in solch einer absoluten Abhängigkeit, in der ich nicht mehr selbstständig agieren kann und alles meiner Frau überlassen müsste, kaum vorstellen. Glücklicherweise ist unsere Dynamik genau umgekehrt – meine Frau ist die Erste, die sagt: "Du bist der Macho, mach mal!" und erwartet, dass ich mich einbringe und meinen Mann stehe. Für mich ist diese Partnerschaft auf Augenhöhe, in der beide selbstständig sind und sich ergänzen, der eigentliche Schlüssel zu einem wirklich erfüllten Leben hier.

Um den Fokus auf die warnende Kernaussage zum Fall des Schweizer Rentners nicht zu verlieren: Sollte jemand Interesse an einer allgemeinen Diskussion über die Rolle des ausländischen Mannes in der Ehe mit einer Kolumbianerin und dem gemeinsamen Leben in Kolumbien haben, würde ich mich freuen, wenn ein neues, entsprechendes Thema im Forum eröffnet wird.
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coentros
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von coentros »

Ich gebe zu, dass mein Vergleich mit dem Autoverkäufer leider zu flach und missverständlich ausgefallen ist (Ermüdung nach einem langen Arbeitstag). Den Gedanken den ich ausdrücken wollte war im Sinne von Holger78: „Auch hier in DE kannst Du ganz schnell ausgenommen werden wenn du einen gesunden Menschenverstand nicht einschaltest“.

Es wird von einer „systematischen, mehrstufigen Betrugsmaschinerie“ und einem „allgegenwärtigen, kreativen System der Ausbeutung“ in Kolumbien gesprochen. Einverstanden.

Wie ist es in Deutschland, Frankreich, den USA, etc ? Immer mehr Menschen fühlen sich abgehängt. Das manifestiert sich u.a. auch im Wahlverhalten und Aufstieg der extremen Rechten. Immer mehr Menschen empfinden sich als ausgebeutet, vom Staat im Stich gelassen. Nur dass hier die zugrundeliegenden Mechanismen andere, vor allem abstrakter und komplexer sind.

Was in Kolumbien die Schutzlosigkeit des Ausländers und „blassen Gringos“ sind in Industrienationen die zunehmend raffinierten Fallstricke in Form von immer mehr und immer komplexeren Gesetzen, ausufernder Bürokratie, komplizierten Mechanismen der Finanzindustrie die den Konsumenten, Arbeiter, Kleinunternehmer, Rentner immer häufiger als Verlierer dastehen lassen.

Fehlerhafte Steuerberatungen, bedenkliche Konsequenzen des Scheidungsrechts für Familienväter, verführerische Konsumentenkredite, äusserst fragwürdige Finanzprodukte, Kapitalgesellschaften in denen ganz oben der Reibach gemacht wird auf Kosten jahrzehntelang beschäftigter Angestellte, riskante oder wenig nachhaltige Schönheitsoperationen (Brust, Po, Nase, Zähne, Falten), Missbrauch von Kindern. Alles immer schwerer zu durchschauen und zu beurteilen, führt immer mehr Menschen in Verschuldung und/oder schwierige, belastende Lebensumstände.

Beteiligte Akteure: Anwälte, Steuerberater, Bankberater, Executives grosser Kapitalgesellschaften, Verkäufer von Investitionsgütern, ja sogar Ärzte (insbesondere Schönheitschirurgen) und Geistliche. Die vorgenannten Berufe doch eigentlich seriöse Akteure. Leider finden sich meines Erachtens immer mehr schwarze Schafe gleichbedeutend mit einem zunehmenden systemischen Risiko und immer höherer Skrupellosigkeit.

Diese Akteure meines Erachtens genauso verwerflich wie die im System Kolumbien beteiligten. Das ist der andere Punkt der mir nicht gefällt: der verborgene moralische Zeigefinger. Es wird von einem „System der Ausbeutung“ und einer „Betrugsmaschinerie“ in Kolumbien gesprochen. Das klingt so als ob Kolumbianer mehrheitlich schlechtere Menschen sind als z.B. in Deutschland. Das halte ich für eine falsche Schlussfolgerung.
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Beitrag von Eisbaer »

@coentros, vielen Dank für deine äußerst interessante und gut durchdachte Erwiderung. Ich schätze es sehr, dass du deine Gedanken so detailliert ausführst – genau das bereichert das Forum.

Du hast absolut recht mit deiner Analyse: Systemische Ausbeutung gibt es überall, und die Formen, die du in Industrienationen beschreibst (komplexe Finanzprodukte, undurchsichtige Gesetze, fragwürdige Berater) sind ebenso verwerflich, zerstörerisch und schwer zu durchschauen. Der betrogene Kleinanleger in Deutschland oder der überschuldete Konsument in den USA sind genauso Opfer eines Systems wie der betrogene Rentner in Kolumbien. Der Kern des Problems – die Ausnutzung eines Macht- oder Wissensgefälles – ist derselbe.

Wo ich jedoch eine wichtige Unterscheidung treffen möchte, was den Zweck meines Beitrages angeht:

Mein Beitrag war nie als eine moralische Verurteilung der kolumbianischen Gesellschaft oder ein Aufzeigen eines "Kulturgefälles" gedacht. Es ging mir nie darum zu sagen "Kolumbianer sind schlechtere Menschen".

Es ging mir vielmehr um eine praktische und kontextspezifische Warnung für eine ganz bestimmte Gruppe:
Ausländische Rentner oder Auswanderer, die alone, ohne Sprachkenntnisse und ohne lokales Netzwerk nach Kolumbien kommen.

Für diese Menschen ist das Risikoprofil ein anders:
  • Die Fallstricke sind unmittelbarer und persönlicher: Es geht nicht um komplexe Finanzderivate, sondern um den falschen Anwalt, die betrügerische Geliebte oder die ausbeuterische Haushälterin, die direkt vor der Tür stehen.
  • Die rechtlichen und sozialen Schutzmechanismen sind für einen Fremden oft unzugänglicher und schwerer zu navigieren als in seinem Heimatland.
  • Die kulturelle Hemmschwelle, Ausländer als "zahlende Opfer" zu sehen, ist in Ländern mit großen ökonomischen Ungleichheiten oft leider niedriger. Das ist keine Frage der Moral, sondern des Pragmatismus in einer schwierigen Situation.
Dein Punkt ist philosophisch absolut korrekt: Ausbeutung ist global und die Akteure sind überall moralisch gleich zu verurteilen.
Mein Anliegen war und ist es jedoch, ganz praktisch auf die Gefahren hinzuweisen, die einem spezifischen Publikum in einem spezifischen Kontext drohen. Die Warnung vor einem betrügerischen Anwalt in Bucaramanga schließt die Kritik an einem betrügerischen Steuerberater in Berlin nicht aus. Beides kann und muss thematisiert werden.

Nochmals vielen Dank für diese anregende Perspektive. Sie hat die Diskussion auf ein wirklich wichtiges Level gehoben.
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Holger78
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Warnung für Auswanderer: Der Fall eines Schweizer Rentners in Bucaramanga

Beitrag von Holger78 »

@Eisbaer
wenn wir einmal dort leben werden oder längere Zeit in diesem Land verbringen werden, dann werde ich mit Sicherheit auch öfters alleine durch die Stadt laufen/fahren.
Ich sehe das ebenfalls so wie Du. Ich möchte definitiv nicht von meiner Frau oder unserer Familie in Kolumbien abhängig sein wenn wir dort sind.
Wir sind aktuell zum Urlaub dort und da ist nun mal die Familie immer zusammen und wir unternehmen immer etwas zusammen.

coentros
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Beitrag von coentros »

Vielen Dank für das Verständnis. Ich empfinde es einfach so, dass der Kampf (ja für mich ist es ein Kampf) um Geld und Einfluss ALLERORTS immer intensiver und rücksichtsloser wird (ja für mich ist er teilweise brutal geworden) in und zwischen Ländern, Gesellschaften, Firmen, Organisationen, Familien. Was ich zuletzt von einem Kleinunternehmer in Deutschland gehört habe der sich mir anvertraut hat hätte ich nie gedacht. Von aussen dachte ich ein reicher, erfolgreicher Mann. Eine teure Scheidung und ein idiotischer Finanzberater haben ihn massgeblich in eine hohe Verschuldung und Abhängigkeit getrieben. Er wird in hohem Alter noch viele Jahre abbezahlen müssen, schämt sich darüber zu reden. Ich kann nachvollziehen dass er seinen Kindern einhämmert, nie, nie, nie zu heiraten. Die Gesetze seien "gegen dich", so seine Worte.

Mit Ende 50 wartet wirklich niemand mehr auf jemanden, Familie und wahre Freunde ausgenommen. Der Sozialstaat als Errungenschaft eines nach dem Krieg wohlhabend gewordenen Landes (Deutschland) wird kleiner. Was ich dieses Jahr anderswo in den USA gesehen, erlebt und in Gesprächen gehört habe hat mich schockiert. Ein Taxifahrer hat mich ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Ich habe mich bei meinem Arbeitgeber direkt entschuldigt und geschämt für meine Blödheit. Aber gleichzeitig mir Gedanken gemacht was wohl seine (des Taxifahrers) Motive waren. Was ist aus diesem Land, USA, bloss geworden ?!

Nun ich möchte immer bei Kolumbien bleiben. Was die angesprochene Emanzipation betrifft. Meine Frau geriet auch immer in Panik als ich alleine aus dem Wohlstandsviertel estrato 5 auch nur weniger als einen Kilometer bis zum centro commercial gelaufen bin. Ich habe es im Laufe der Zeit geschafft mich überall hin alleine hinzubewegen, in estratos (eins) in denen sich meine Frau oder Verwandte nie getrauen reinzugehen. Sie fragen sich ansonsten warum überhaupt da hingehen ("warum Elend anschauen ?"). Selbstverständlich in barrios populares, aber auch in Strassen wo Drogensüchtige unberechenbar auf der Strasse dahin vegetieren oder in kleine pueblos auf dem Land. Ich möchte alle Ecken kennenlernen.

Ist das, war das nun (zu) riskant ? Möglicherweise. Meine Erfahrungen sagen mir es war bislang richtig. Vielleicht hatte ich auch nur Glück.

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