Padre Diego Jaramillo Cuartas – Der Geschäftsmann der Nächstenliebe

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Eisbaer
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Padre Diego Jaramillo Cuartas – Der Geschäftsmann der Nächstenliebe

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Wer durch das riesige Gelände der "Minuto de Dios" in Bogotá läuft, könnte meinen, sich auf dem Campus eines multinationalen Konzerns zu befinden. Dabei ist man mitten im Reich eines katholischen Priesters. Padre Diego Jaramillo Cuartas ist weit mehr als nur ein Geistlicher – er ist der Generalmanager der Nächstenliebe in Kolumbien.

Geboren 1932 in Yarumal, Antioquia, verkörpert er den klassischen Paisa-Arbeitsethos: eine eigenwillige Mischung aus tiefer Religiosität und einem fast geschäftsmännischen Gespür für soziale Organisation. Während sein berühmter Mentor, der heiligmäßige Pater Rafael García Herreros, der visionäre Träumer war, wurde Diego Jaramillo zum Architekten des "Imperiums". Er goss die großartigen, aber manchmal chaotischen Ideen seines Vorgängers in eine professionelle Struktur. Unter seiner Ägide wuchs die "Minuto de Dios" zu einem der größten sozialen Konglomerate Lateinamerikas heran, das heute eigene Universitäten, zehntausende bezahlbare Wohnhäuser und ein riesiges Mediennetzwerk umfasst.

Doch das Kapitel, das Jaramillos Biografie so faszinierend und gleichzeitig komplex macht, spielte sich während der Jahre des großen Terrors in den achtziger und neunziger Jahren ab. In jener Zeit, als Pablo Escobar den Staat in Geiselhaft hielt, war die katholische Kirche oft die einzige Institution, die noch Kanäle zu den unantastbaren Capos der Unterwelt besaß. Jaramillo stand an vorderster Front.

Besonders kontrovers bleibt bis heute die Beteiligung seiner Organisation am Projekt "Medellín sin Tugurios" (Medellín ohne Slums). Escobar, der sich als eine Art Robin Hood der Armen inszenierte, finanzierte damals den Bau eines ganzen Viertels für die Ärmsten der Armen – das heutige Barrio "Pablo Escobar". Die "Minuto de Dios" übernahm die soziale Verwaltung und die religiöse Betreuung dieses Viertels. Jaramillo vertrat dabei die provokante These, dass Geld keinen Geruch habe, wenn es Brot für die Hungrigen kauft. Für ihn wog die Hilfe für die Vergessenen schwerer als die Reinheit der Spenderliste. Er sah die Kirche als Werkzeug, um "Blutgeld" in soziale Stabilität zu verwandeln – eine Haltung, die ihm bis heute sowohl Bewunderung als auch scharfe Kritik einbringt.

Auch bei den Verhandlungen zur Kapitulation Escobars im Jahr 1991 spielte Jaramillo eine Schlüsselrolle. Er begleitete die riskanten Treffen mit dem "Patrón" und war Zeuge, wie die Kirche zur Brücke wurde, um ein blutiges Kapitel der Landesgeschichte zu schließen. Man kann über den Preis dieser Verhandlungen streiten, aber Jaramillo scheute nie die Nähe zu den Mächtigen, wenn es darum ging, Menschen zu helfen.

Sein eigentliches, vielleicht friedvolleres Lebenswerk ist jedoch die Demokratisierung der Bildung. Mit der "UNIMINUTO" (Universität von Minuto de Dios) schuf er ein System, das jungen Kolumbianern aus den ärmsten Schichten den Zugang zu akademischen Abschlüssen ermöglicht. Tausende von Absolventen, die sonst nie eine Uni betreten hätten, sind heute das stolze Erbe dieses Mannes.

Heute, mit weit über 90 Jahren, ist Padre Diego Jaramillo immer noch das moralische Rückgrat seiner Organisation. Er ist eine Figur der Kontinuität in einem Land, das sich ständig im Umbruch befindet. Man mag ihn bewundern für seine Effizienz, oder kritisieren für seine pragmatische Moral – aber ignorieren kann man ihn nicht. Er ist ein unersetzlicher Teil der kolumbianischen Zeitgeschichte, ein Mann, der es verstand, mit allen Seiten zu verhandeln, um sein Ziel zu erreichen: die Not zu lindern, egal um welchen Preis.
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