Landwirtschaft in Kolumbien

Allgemeines zu Land und Leuten und die vielen Fragen, die nichts direkt mit der Reise zu tun haben.

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albi
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Landwirtschaft in Kolumbien

Beitrag von albi »

hallo
ich wohne ja nun bei gott lange genug hier
zumindest was ich hier sehe ,da packt mich doch die grosse wut
kein mensch hat hier einen traktor ,ich braeuchte einen ,einen kleinen gebrauchten fuer vom weinbau
bei gott alles wird mit der hand gemacht ,wie in der steinzeit ,die kennen hier nicht mal einen pflug vor den sie ein pferd spannen ,der mais wird mit der hand gepflanzt ,der boden vorher nichtmal gepfluegt
alles schuld der regierung ,die keine gebrauchten land oder baumaschinen ins land laesst
und die landarbeiter sind eine echte plage ,faul, ignorant bis zum geht nicht mehr sorry es ist so ich habe da reichlich erfahrungen ueberreichlich!!
wie soll es da eine halbwegs konkurrenzfaehige landwirtschaft geben
selbst in afrika habe sie traktoren hier muss man die suchen ,nur die zucker-biosprit-mafia z.b in valle hat grosse
ich hatte vor kurzem eine streit mit jemand der fuer die regierung import -export macht
endergebniss der diskussion war ,er hat mir klipp und klar erklaert ,dass die regierung keinen fortschritt wuenscht
sprich einfuehrung von neuer technik .zb landwirtschaft um den eigenen markt zu schuetzen :wut:
welchen ?? produziert kolumbien landmaschinen oder baumaschinen ??
der beton fuer 30 stoeckige hochhaeuser in medellin wird von hand angemacht !!! habe ich selbst gesehen
wenn wundert es wenn die dann bei einem erdbeben umfallen ??
schoenen gruss

Cordilero
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Landwirtschaft

Beitrag von Cordilero »

Hallo Albi

Traktoren gibt es, auch gebrauchte, kosten ca. 15 mio pesos Ford 70 ps, altes model aber technisch noch ok. Guenstige Traktoren gibt es von "Foton" und chinaimporten, ja ich weiss, china ist Mist, aber ein neuer traktor ist ein neuer und besser als ein gebrauchter. Ich hatte eine Finca gepachtet und habe selber Mais mit der Hand angebaut und auch Bohnen. Die Nachbarn sagten ich mache das falsch, weil ich Ihrer Meinung nach die Pflanzen mit zuwenig Abstand gepflanzt habe. Die machen das mit 1 meter abstand oder mehr. Ist aber nur, weil so ein Hektar viel schneller fertig ist.
Gepfluegt wurde mit einem 3 Schar Scheibenpflug, da der Pflug fuer den Traktor zu gross war, war das eine richtige schlamperei. Die Scheibenegge richtete das zwar wieder etwas aber nur oberflaechlich. Nach laengeren suchen fand ich dann einen Unternehmer der einen Traktor "Ferguson" (ist der Bauer narrisch worrn, kauft er sich einen Ferguson) mit 110 PS hatte zum arbeiten, damit funzt das natuerlich.

Auch ich habe diskutiert mit manchen Nachbarn, meine Meinung, ein jeder kleiner Bauernhof (Finca) braucht einen Traktor, traf aber auf heftigen wiederstand, weil der Traktor ja nicht ausgelastet ist. Aber das ein eigener Traktor immer da ist wenn man ihn braucht, das verstehen die nicht. Ich habe 5 Wochen gebraucht, bis mein Feld letztendlich gepfluegt war. Ergebnis: Eine Ernte von Bohnen, komplett ausgefallen, 10 Mio pesos weniger in der Finca Kasse. So kann es natuerlich nicht gehen.

Faule Landarbeiter habe ich nicht gesehen, die Arbeiten hier 10 Stunden am Tag und das auch bei sengender Hitze. Nur hilft das nix, weil es an Wissen und Technik fehlt. Jeder Fleiss hilft nix, weil die ganze Schinderei in den Bereich Dummheit läuft. Ich kenne ebenfalls Leute in Deutschland, die immer noch in der Vergangenheit leben und so Arbeiten, aber dennoch nicht so schlimm wie hier. Hier liegt alles 100 Jahre zurueck.

Ein kleiner Traktor mit einem Kartoffelroder, würde 500% mehr effektivitaet bringen, so ein Ding kostet in Deutschland 200 Euro, weil fast niemand benutzt mehr so ein Ding. Hier waere es eine Wundermaschine.

Vielleicht ist es notwendig, auslaendische Investoren uebernehmen hier die Landwirtschaft fuer ca. 10 Jahre, (Pacht) damit die Leute mal sehen wie das geht. Leider habe ich nicht das Kapital um eine Finca mit 100 hektar minimal mit Maschinen auszustatten. Gewinn erwirtschaften ist einfach, Kein Winter, kein Frost, Mais wird 3 mal im Jahr geerntet. Getreide 2 mal, Bohnen sind alle 8 Wochen reif. Das wuerde auch auf kleineren Flaechen funktionieren. Aber die Leute hier sagen, 10 Hektar Weizen ist zu wenig :lol: Mit Mais das selbe, das geht nur auf den grossen Ebenen Richtung Kueste oder Cundinamarca, alles Quatsch. Was fehlt ist der Abnehmer, der die "Kleinmengen" aufkauft und an die Muehlen weiterverkauft. Der Staat koennte das Unterstuetzen mit Lagerhaeusern bzw. Lagersilos, wo das Getreide getrocknet werden kann und zum weitertransport gesammelt wird. Alles ist so einfach mit ein wenig Verstand und know how.

Da ist nur zu hoffen, das die Leute mal was von aussen zu sehen bekommen und lernen, was hier scheinbar etwas schwer fehlt, nich weil die leute Dumm sind, nur weil hier niemand einen eingefahrenen weg verlassen will. Heute Morgen habe ich wieder eine Agrarsendung gesehen, es wird alles gezeigt, von der Eierproduktion bis hin zu Melkstaenden nur die mehrzahl der Leute lehnen das ab. Hier sollte der Staat auf die "Jungen" setzen und die auf Agrarschulen schicken und spaeter mit guenstigen Krediten ausstatten, damit die das gelernte auch umsaetzen koennen. Uebrigens, so lange der Staat nicht in die Kreditsituation eingreift, vor allem die Zinsen regelt, wird das nichts mit dem Aufschwung, 20 % Zinsen p.a. wie soll hier ein Gewinn erwirtschaftet werden. :nie:

Vielleicht sollten wir eine Genossenschaft gruenden. ;)

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albi
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Re: "SINN ODER UNSINN: Freihandelsabkommen"

Beitrag von albi »

hallo cordilero
da haben wir ein interessantes thema OFF TOPIC
wie ich aus deinem beitrag ersehe lebst du irgendwo im "kalten " .bei mir hier im quindio sucht jeder fincero verzweifelt
einen zuverlaessigen landarbeiter oder mayor domo ,wenn du 5 gute weisst !! die habe ich gleich vermittelt
hier gibt es keine "kleinbauern" sondern nur finceros und die gehen daran pleite weil die arbeiter nicht richtig arbeiten
vorsichtig ausgedrueckt.hier will niemand richtig arbeiten und das ist das problem
ich bin ja gern bereit einem arbeiter alles beizubringen ,aber wenn der keine lust hat ?? was dann
ich habe in letzter zeit einigen einiges beigebracht ,aber nach kurzer zeit hatten sie keine lust mehr
ich habe jede sorte von geraet zur arbeit zu verfuegung gestellt z.b motorsense und motorsaege, sowas haben nicht viele finceros ,also wie sonst auf den benachbarten fincas muss bei mir niemand arbeiten ,aber ich habe nur 2 hektar
selbst auf fincas mit 30 hektar und mehr hat niemand eine motorsaege ( meine ist aus D. aus dem baumarkt)
der letzte arbeiter ca 45 jahre alt wusste nicht mal wie man mit einer motorsense umgeht
ein anderer ,den hatte ich zum bambus holzen geschickt ,nach 2 stunden habe ich mal geguckt was der so macht
er hatte ein stueck bambus von ca 3 meter geschlagen ,das mache ich als gringo mit meinen 55 jahren in 5 minuten
dann habe ich die motorsaege geholt und selber abgesaegt und das ist beim bambus ein sehr gefaehrliches geschaeft meine haben ca 25 meter laenge und wenn sie unter spannung stehen splittern sie
in ca einer stunde hatte ich ca 200m laufende meter bambus versaegt ,dem arbeiter sind fast die traenen runtergelaufen ( ich komme nicht aus der landwirtschaft oder so)
motorsaege kann man hier niemand in die hand geben ,die bringen sich aus dummheit damit um
und du zahlst ,das geht dann leicht an die 100 millionen
ist der arbeiter zu bloed und verletzt sich ,dann zahlst du
mein schwager (kolumbianer ) sagte die tage zu mir "gib denen nicht mal eine machete in die hand sonst bringen die sich damit noch um und du zahlst" und der hat viel erfahrung mit landarbeitern
also mache ich alle gefaehrlichen arbeiten selber ,aber fuer was brauche ich dann noch arbeiter
jaja eine endlose hoffnungslose geschichte
ich weiss jetzt sehr gut warum hier nix funktioniert ,besonders nach meinem hausbau ,ich bin dazu uebergegangen alles selbst zu machen ,aber ich bin bei gott kein handwerker und habe eher zwei linke haende
mein einziger vorteil ,ich habe denken gelernt ,auf eine ungeschreiblich harte weise,im chemiestudium
ich hatte alles aus dem buch gelernt :: dann kamen die fragen und ich hatte keine antwort
aber ich hatte doch alles gelernt!! die antwort war "auswendig lernen kann doch jeder verdammte affe"
"mann sie muessen lernen selbststaendig zu denken "
meine frage " aber wie"
antwort
" das ist IHR PROBLEM,NICHT MEINS "
durchgefallen
ich habe mich mit denken geraecht aber wie das schreibe ich besser nicht besonders nicht hier,in dem land
ich koennte hier so einiges optimieren ,was mit geld zu tuen hat,wenn ich juenger waere
fuer mich ist es heute besser wenn mein bankster gut arbeitet,der macht mehr geld als ich mit einigen platanos ,mais oder sonstwas verdienen kann,da bleib ich besser auf meinem arsch sitzen und mach garnix
liebe gruesse
albi

makopp5
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Re: "SINN ODER UNSINN: Freihandelsabkommen"

Beitrag von makopp5 »

albi
bezahlst du deinen Arbeitern auch die Krankenversicherung, Rentenversicherung und die Riesgos Profesionales?

Bergfan
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Re: "SINN ODER UNSINN: Freihandelsabkommen"

Beitrag von Bergfan »

Ich finde es traurig, wenn Leute wie Albi ins Land kommen und zwar guten Willen haben, aber so blind sind, dass sie nicht sehen, dass die Landarbeiter mit denen sie es zu tun haben MENSCHEN sind. Menschen mit ihrer eigenen Geschichte und ihrern eigenen Gründen für ihr Handeln.
Hier in der Gegend gibt es hauptsächlich kleine fincas und Traktoren wären überflüssig, ist viel zu steil hier. Es wäre dumm hier mehr Maschinen einzusetzen, die würden bloss Arbeitskräfte wegnehmen, die Armut durch Verschuldung vermehren und die Umwelt durch Öl und Benzin verschmutzen. Kann sein, dass bei albi alles anders ist, aber ich kenne viele Initiativen grad für ökologischen Landbau und ja, es stimmt, es fehlt an Bildung und oft auch am Fleiss der Landarbeiter, aber wir sind hier in Kolumbien und nicht in einem hochtechnisierten Land und das solls auch gar nicht sein. Die Menschen brauchen die Möglichkeit selbst Initative zu entwickeln um selbstständig zu sein und keine neuen Kolonialisten mit Geld aus Deutschland.

Ramiro / Hermannus
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Re: "SINN ODER UNSINN: Freihandelsabkommen"

Beitrag von Ramiro / Hermannus »

Also ich habe mir in den letzten Wochen einige Fincas so um die 3 Hektar angesehen aber die meisten Äcker (so sie überhaupt bewirtschaftet waren) waren verwahrlost und man sah auf den ersten Blick dass es einfach an landwirtschaftlichen Fachwissen mangelt. Das mit den großen Abständen beim Maisplanzen haben wir auch besprochen und sie erklärten mir das der Mais einfach so hoch wachsen würde. Der Maisacker war derart schlecht vorbereitet das man denken hätte können ein betrunkener Panzerfahrer hatte seine Spuren hinterlassen.

Cordilero
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Re: Landwirtschaft in Kolumbien

Beitrag von Cordilero »

@hermannus

Du hast es gut geschildert. Bei aller liebe zur Natur, der Gedanke den Leuten mit Arbeit helfen zu wollen, dies alles ist wunderbar nur wird es nicht funktionieren.

@Bergfan

Schon bei einer Finca von 2 Hektar braucht es einen Traktor.
1. Weil es schneller geht das Feld zu bearbeiten
2. Weil es richtig bearbeitet werden kann
3. Weil damit gearbeitet werden kann, wenn man es braucht
4. Weil man unabhaengig ist
5. Weil viele arbeiten gemacht werden koennen, die ansonsten Stunden dauern und deshalb liegen bleiben.

Ich komme aus der Landwirtschaft, hatte auch hier eine kleine Finca gepachtet, ich habe furchtbar viel Zeit und Geld verloren, weil ich keinen Traktor hatte.
Die Obreros sind nicht gekommen, der Traktor ebenfalls nicht. Ich habe 4 Wochen auf einen Traktor gewartet und vorher 2 Wochen auf die Arbeiter. Bohnen benoetigen 6 Wochen bis zur ernte, wegen der warterei habe ich eine ganze Ernte nicht eingefahren! 4 Mio Verlust, haette ich einen Traktor gehabt, waere das nicht passiert.
Ich hatte 2 Hektar Pasto de Corte, musste alles mit der Machete abhauen und nachher auf dem Ruecken zu den Kuehen bringen. Stunden hat das gekostet. Ist gut fuer die Figur, aber nicht fuer den Betrieb.
Etwas Technik schadet nicht, auch wenn dadurch weniger Arbeiter gebraucht werden. Weil ohne die Technik wirst auch nicht genug Geld verdienen um die Leute bezahlen zu koennen. Ergebnis: Der Arbeiter hat keine Arbeit bzw. keinen Lohn und der "Patron" hat auch nix verdient!

Sollte das Gelaende nicht Traktor oder Maschinen tauglich sein, brauchst auch keine Arbeiter, brauchst nur Schafe und Ziegen, die das Gras fressen. Na vielleicht einen Arbeiter, der die Scheiss Stauden und Dornen raushaut und die Schlangen abmurkst oder verjagt. :-)

Bergfan
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Re: Landwirtschaft in Kolumbien

Beitrag von Bergfan »

@Cordilero
Damit wären dann 80% der Leute hier in der Gegend arbeitslos. Was daran dann sinnvoll sein soll, würde ich gern mal wissen. Es wächst hier alles! Aber es ist eben steil. Die Arbeitskraft ist vorhanden. Was wirklich oft fehlt ist einiges an know-how. Aber auch das gibt es, es kommt halt darauf an, wieviel die Leute machen wollen. Und wenn sie mit dem was sie anbauen und damit zufrieden sind, dann finde ich das wesentlich nachhaltiger als drauf zu pochen, dass es nach westlichen Massstäben unwirtschaftlich ist.

DU kannst selbstverständlich auf deinem Land machen was du willst, aber ich finde es nicht richtig, dass du so tust als würdest du es besser wissen. Es gibt für die meisten Probleme mehr als eine Lösung und nicht immer haben wir alle Aspekte so gut im Blick wie wir es gern hätten.

Ewald

Re: Landwirtschaft in Kolumbien

Beitrag von Ewald »

Guten Tag

bin neu hier im Forum , und gleich schon am ersten Tag eine Frage ooder Anmerkung

ich möchte in diesem oder nächsten Jahr nach Kolumbien, wenn möglich in den Norden, Santa Marta oder so, war schon ein paar mal dort und habe einen Bekannten dort.
Spanisch lernen ich gerade

nun kommt die Frage
da ich aus der Landwirtchaft komme, also Bauer bin und auch Techniker, würde ich gerne wissen, ob man in diesem Bereich tätig werden kann , also im Norden um Santa Marta.
was kostet eine Finca von der man leben kann?
was mich allerdings mehr interessiert ist, und das habe ich hier auch schon gelesen, Technik zu importieren, aber ob das geht?
Gebrauchte , aber das weiss mein Bekannter auch nicht.
Auch habe ich gehört, dass ausländische Farmer nicht auf der Finca arbeiten sollne, in gefährlichen Gebieten, wegen Entführung, aber ich will mich nicht auf einen Betriebsleiter verlassen, nicht in Kolumbien und auch nicht hier um Berlin.
Was ich gut kann , ist die Schweinehaltung, aber um Santa Marta ist es wohl zu heiss dafür,
aslo wenn jemand eine Idee hat, wie ich das anstellen kann, oder Vorschläge oder Ideen , der kann hier gerne auf meinen Fragen antworten

Gruss Ewald

Moderation: Bitte diesen Beitrag nicht ernst nehmen, denn er wurde von einem Troll erstellt. Eisbaer - Moderator

Cordilero
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Re: Landwirtschaft in Kolumbien

Beitrag von Cordilero »

Damit wären dann 80% der Leute hier in der Gegend arbeitslos. Was daran dann sinnvoll sein soll, würde ich gern mal wissen. [...]
In Spanien haben sich Nostalgiker ueber die Technisierung der Landwirtschaft beschwert, insbesonderre im Reisanbau wurde die Maschinele Ernte angeprangert. Weil es is ja so Nostalgisch, wenn die Felder mit Arbeitern voll sind.
Ein ehemaliger Arbeiter hat darauf geschrieben: "Ja, es ist schoen mit anderen zusammen zu arbeiten, zusammen zu Lachen und zu Singen. Weniger schoen ist es zusammen auf dem Friedhof einen Kameraden zu Beerdigen, der an Malaria gestorben ist." Die Reisfelder sind natuerlich ein Brutplatz fuer die Moskitos. Alles hat zwei Seiten.
Zurueck nach Kolumbien:

Wenn Kinder auf den Feldern arbeiten muessen und deswegen keine Schule besuchen koennen, ist es weniger schoen. Sehr viele brauchen aber diese "Arbeitskraft" um ueberleben zu koennen. Etwas Technik wuerde nicht schaden um die Produktivitaet zu erhoehen.
Die Angestellten Landarbeiter sind mit Sicherheit nicht Gluecklich, vor allem nicht mit dem Lohn! Nur der "Padron" kann auch nicht mehr zahlen, auch wenn er moechte, weil die Produktivitaet einfach zu wenig ist. Wir haben nun das 21 jahrhundert auch wenn das vielen nicht passt.

Wie ist es momentan in Kolumbien? Wahrscheinlich muessen aufgrund der Regenfaelle und Ueberschwemmungen wesentlich mehr Lebensmittel importiert werden. Noch gibt es keine Engpaesse, hoffen wir, das es so bleibt. Das verbleibende nicht von der Katastrophe betroffene Land sollte nun vermehrt einer hoeheren Produktivitaet zugefuehrt werden. Hier sind auch die Politiker gefordert. Die Besitzer der kleineren Fincas wurden ja bereits zur Gruendung von Genossenschaften aufgerufen um die Produktivitaet zu erhoehen. :idea:
Zuletzt geändert von Jumper am 24. April 2011, 18:26, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Zitat gekürzt

Bergfan
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Re: Landwirtschaft in Kolumbien

Beitrag von Bergfan »

@Cordilero, die einzige "Technisierung" die ich aus der Landwirtschaft bei Bergbauernbetrieben in Österreich kenne, die wirklich funktioniert ist: Tourismus. Oder wie du vorher erwähnt hast eben extensive Viehwirtschaft und das wird hier sowieso schon gemacht. Allerdings ist es trotzdem gut, wenn die Menschen auch noch andere Sachen anbauen. Das was in hochtechnisierten Ländern unter Produktivität der Landwirtschaft läuft heisst meist: hochverschuldete Bauern und hohe Subventionen. Das was grad die USA in der Landwirtschaft vormacht, muss man wirklich nicht nachmachen und Kolumbien täte gut daran sich in diesen Dingen eher an der Schweiz und Österreich zu orientieren. Bioprodukte und hohe Qualität, damit könnte man durchaus noch überlebensfähig wirtschaften. Allerdings müssten Lebensmittel dann auch ehrliche Preise in USA und der EU haben und das ist derzeit ja nicht der Fall. Wenn eine Banane in Deutschland billiger verkauft werden kann, als hier direkt vom Produzenten, dann ist was sehr, sehr faul. Ich weiss nicht wie das in Deutschland ist, aber in UK ists so, dass die Bananenpreise von den Supermärkten künstlich niedrig gehalten werden.

makopp5
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Re: Landwirtschaft in Kolumbien

Beitrag von makopp5 »

albi, hermannus und cordillero
wenn es an der technischen Ausstattung fehlt, dann wuerde ich doch einfach ein Geschaeft daraus machen. Kauft die Maschinen neu und vermietet sie an andere Landwirte. Mit der Zeit werdet ihr die bestimmt ueberzeugen koennen, dass es interessant sein kann fuer einige Tage eine Maschine oder Traktor zu mieten (mit oder ohne Fahrer/Mitarbeiter). Wenn ihr es ihnen oft zeigt, werden sie bestimmt neugierig.

Cordilero
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Re: Landwirtschaft in Kolumbien

Beitrag von Cordilero »

Maschinen vermieten (mit Fahrer) das gibt es ja, aber es wird nur sehr wenig genutzt.

@Bergfan Es geht ja nicht nur um die Steilhaenge von denen es natuerlich genug gibt. Es geht um die zumeist auch kleinen aber geraden Flaechen, zumindest so, das diese von einem Traktor befahrbar sind.
Die Kuehe werden auf die Weide geschickt und bleiben dort, bis diese abgefressen ist und dann werden die Viecher auf die naechste Koppel gesetzt. Das ist zwar einerseits fuer die Rinder sehr schoen aber anderer Seits Unwirtschaftlich, Unproduktiv und Die Gesundheit der Rinder leidet stark darunter.
Wenn die Rinder eine Stallung mit Auslauf haben und das Futter wird in den Stall gebracht in Form von Silo, kann die Finca das dreifache an Tieren bewegen und den Gewinn nach oben drehen. Auch Technik muss bedient werden und wenn wesentlich mehr produziert wird, braucht man auch mehr an Personal.
Kartoffel ist auch ein Beispiel. Es braucht ja keinen Vollernter, ein kleiner Traktor zum Pfluegen und setzen der Kartoffel und ein kleiner Kartoffelroder wuerden schon genuegen. Was glaubt Ihr wieviel am Tag geerntet werden kann mit so einem Ding; der Roder schmeisst die Kartoffeln aus der Erde und10 Leute zum aufsammeln. Produktivitaet 300% gesteigert, mind. Von sowas red ich, Technik die Du bei uns in .de und Oesterreich im Museum ansehen kannst, wuerden hier die Landwirtschaft revolutionieren. Kreiselmaehwerk, Schwader und Ladewagen - das war Standart vor 30 Jahren in .de -auch in den Mittelgebirgen. Fahrsilos, Silomais usw. hier kann man min. 3 mal im Jahr Silomais ernten. Dazu brauchts aber einen Traktor mit Pflug, Saemaschine und Maishaecksler. Maishaecksler reicht ein Einreihiges Anbauteil. Ja einen Anhaenger brauchts noch, aber da kann der Ladewagen dienen, fuer den Anfang.

Auch muss bei der Rinderwirtschaft der Mist bzw. Guelle aufgefangen werden und zur Duengung des Mais und Pasto -Corte herangezogen werden. Auch Weizen und Gerste muss angebaut werden -zum eigengebrauch- ersetzt die teueren Kraftfutterkaeufe. Stroh als Einstreu zum Kompost herstellen. Das alles wissen die Leute hier nicht, vielleicht die groesseren Betriebe in Cundinamarca und auf den grossen Ebenen zur Kueste hin. Der kleine Bauer mit bis zu 40 Hektar hat damit keine Ahnung. Da muesste was geschehen, weil das eine grosse Flaeche der Landwirtschaft in Kolumbien ausmacht.

Bergfan
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Re: Landwirtschaft in Kolumbien

Beitrag von Bergfan »

@cordilero, klar, bei flachen Flächen machen Maschinen sehr viel Sinn. Da wo ich wohne, gibts aber keine flachen Flächen. Und die Gesundheit der Rinder leidet keineswegs durch diese Art der Viehwirtschaft, sprich mal mit den Rinderexperten an unserer Uni. Wieso sollte sie? Wenn du sie mit Silofutter füttern würdest, hiesse das, dass du das Futter hierhertransportieren müsstest. Das geht aber nicht. Schon die Hauptstrassen sind seit Wochen praktisch unbefahrbar, zu den fincas kommst du mit einem Laster überhaupt nicht hin! Viele fincas hier haben keinerlei Strassenzugang. Und mit "Strasse" meine ich das was hier dazu gesagt wird, also Schotterpiste mit tiefen Spurrinnen und Schlaglöchern. Kein Forstweg in Österreich ist je in so schlechtem Zustand. Ziegen sind hier jetzt im Kommen, auch Schafe. Das sind beides sehr interessante Alternativen, da Ziegen und Schafmilchprodukte gute Preise bringen können.

Ich gebe dir aber völlig recht, dass man mit Bildung und know how viel erreichen könnte. Nur ist das sehr schwierig den Leuten beizubringen. Da gabs hier ein Projekt wo man den Kartoffel- und Rinderbauern oben im Paramo beibringen wollte auch Gemüse anzupflanzen. Brokkoli und Karfiol. Das würde dort gut gehen. Es ging um Küchengärten für den Eigenverbrauch und um ein bisschen in der Nachbarschaft zu verkaufen. Macht keiner. Interessiert sie nicht, weil sie sowieso kein Gemüse essen wollen. Ähnliches mit Käse oder Räucherfisch. Wozu, meinen sie, sie können die Milch direkt verkaufen und den Fisch frisch. Sie hätten bei verarbeiteten Produkten zwar mehr Gewinn, aber natürlich auch mehr Arbeit. Also lassen sies gleich. Ist jedoch auch eine nachvollziehbare Sichtweise. Sie leben so wie sie leben gut. Es gibt Schulen, es gibt Ärzte und Krankenhäuser und jeder hat TV und handy. Mehr brauchts eben nicht. Stimmt irgendwie. Unsere Konsumorientierung steht diesen Ansichten im Wege, aber ob wir wirklich klüger sind, wage ich doch zu bezweifeln.

Ich seh das alles wohlgemerkt aus einer sehr regionalen Sicht, ich wohne echt im hintersten Eck Kolumbiens. Die Landwirtschaft ist extrem kleinräumig und die Infrastruktur total schlecht. Aber das ist eben ziemlich egal, denn die Versorgung direkt aus der Region funktioniert perfekt.... auch wenn alle Strassen zu sind ;-)
Ich hab hier viel mit der Uni gearbeitet und die haben auch Programme für Forst- und Viehwirtschaft. Das ist schon sehr interessant, aber sie schwimmen auch gegen den Strom mit ihren doch recht alternativen Ideen. Wobei das wie gesagt in Österreich so alternativ nimmer ist, da ist Bio und Permakultur ja schon durchaus verbreitet. In Deutschland allerdings kaum.

Cordilero
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Re: Landwirtschaft in Kolumbien

Beitrag von Cordilero »

da ist Bio und Permakultur ja schon durchaus verbreitet. In Deutschland allerdings kaum.
Ist nicht ganz so, es gibt viele Biohoefe, Biolaeden, Einkaufen auf dem Bauernhof, Demeter usw.!
Du sprichst von Deinem naeheren Umfeld, ich kenne das Gebiet dort vor allem um Molagavita. Mir gefaellt es dort super, kann auch verstehen, das Du dort wohnst ( komme selber aus einem Mittelgebirge) Ich bin nicht oefter zu Besuch in Molagavita, da die Finca nur zu Fuss zu erreichen ist und der Rueckweg steil den Berg hochgeht, zu steil und zu weit. Jetzt gibt es die Finca sowieso nicht mehr, weil ein Erdrutsch dort alles unter sich begraben hat, leider.
Gesundheit der Rinder:
Ich weiss natuerlich, das Rinder auf der Weide unter normalen Umstaenden wesentlich gesuender leben. Nur hier in Kolumbien gibt es Gebietsweise so viele Zecken und Fliegen, welche die Rinder krank machen (Anaplasmosis). Die Kolumbianer versuchen das einzudaemmen, aber das ausbringen von Gift und das "baden" der Rinder in Gift kann ja auch nicht Bio sein. Es wird sehr viel Antibiotika verabreicht (Oxicilin) hier kann das ja jeder ohne Kontrolle kaufen, gibt es in jedem Landhandel. Antibiotika und Hormona machen auch keinen Biohof. Bei kontrollierter Fuetterung im Stall passiert das nicht und die Zecken werden im Silo nicht ueberleben. Fliegen koennen durch Fliegenfaenger im Stall kontrolliert werden. Ein ausreichender Auslauf soll den Rindern natuerlich zur Verfuegung stehen, am besten nach der Daemmerung.
Ein Traktor, Pflug, Saemaschine und ein Erntehelfer (Kartoffelroder, Ladewagen, Maishaecksler, Maehwerk, Frontlader, Anhaenger, Heckschaufel, Redbohrer, Jauchewagen macht die Finca nicht zum Chemiehof, bleibt trotzdem alles Bio oder sogar noch mehr. Natuerlich nicht in den Bergen wo Du wohnst, geht ja nicht. Aber man muss das Landesweit sehen und nicht nur Regional. Uebrigens wird auch in der Schweiz und Oesterreich und Bayern Gras mit der Sense gemaeht und in den Stall gebracht. Hat den Hintergrund, Tiere auf der Weide koennen nur die Haelfte des vorhandenen Futters nutzen, weil der Rest zertrampelt und durch Urin und Kot verschmutzt wird und das fressen die Rinder,Schafe und Ziegen nicht.

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