Korruptiosgeschichten

Allgemeines zu Land und Leuten und die vielen Fragen, die nichts direkt mit der Reise zu tun haben.
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KolumbienLindaTours
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Beitrag von KolumbienLindaTours »

Liebe Kolumbien-Freunde,
ich beginne mal ganz fresch über dieses Thema zu diskutieren, da man hier im Forum über dieses schon fast Tabu-Thema nicht viel zu lesen bekommt. Allerdings finde ich es sehr wichtig weil es in Kolumbien allgegenwertig ist. Und jeder kann helfen, mal so die verschieden Situationen vorzustellen und wie man reagiert hat bzw. in Zukunft reagieren sollte. Ich werde mal mit den ersten Geschichten anfangen. Zunächst was ist eigentlich der Sinn und Zweck von Alltagskorruption? Ganz einfach, man wurde in irgendeiner Weise erwischt eine Ordnungswiedrigkeit, Straftat, Vertragbruch oder Gesetzesverstoss begangen zu haben - um die enorme Bürokratie, Zeitaufwand und relativ hohen Geldstrafen bis gar zu Gefängnisstrafen zu vermeiden gibt man der eher schlecht bezahlten Person (Polizei oder andere Autoritäten etc.) eine Korruptionsgebühr welche das Problem sofort löst.

1. Geschichte:
Es geschah beim Grenzübergang Ecuador-Kolumbien, ich wusste, dass ich mir dort einen Stempel holen muss - das hab ich auch getan und bin eingereist. Nach ein paar Tagen schaute ich mal in meinen Pass wie eigentlich der Stempel aussieht und stellte fest, dass es keinen gab. Den Stempel den ich bekommen hatte war erstmal nur der Ausreisestempel von Ecuador aber ich brauchte ja noch den einreisestempel in Kolumbien dessen büro halt auf der anderen Seite der Grenze war. Also insgesamt war es mein Fehler. Egal war noch in der nähe der Grenze also bin ich 3 tage später nochmal hin um mir den einreisestempel geben zu lassen. Der Beamte meinte, dass der einreisestempel nur am gleichen Tag gegeben werden kann wie der ausreisestempel und meinte ich sollte mir nochmal einen frischen ausreisestempel besorgen. Also wieder rüber nach Ecuador zwecks ausreisestempel - die meinten dann, dass ich erstmal einen neuen einreisestempel von ecuador brauche welchen ich aber nur bekomme wenn ich einen ausreisestempel von Kolumbien vorweisen kann. Das hat mir dann gereicht und meinte dann was ich jetzt machen soll - da sagte der Beamte, das sei nicht sein Problem. Ich sagte das ich hier nicht verschwinde bis es eine Lösung gibt und jetzt kams zum angebot, sollte 40USD löhnen wie üblich hab ich das auf 30USD heruntergehandelt und wollte direkt bezahlen - da meinte er "NEIN hier nicht", klar war ja alles Kameraüberwacht, also ging es hinter das Haus, hier wurde der ausgehandelte Preis nochmal nach oben korrigiert (eigentlich unüblich) auf 40USD, da sein chef auch was vom Kuchen abhaben wollte. Hab jedenfalls dann mein stempel bekommen. Dann wieder nach Kolumbien um den Einreisestempel zu bekommen, dass war dann kein Problem mehr.
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Ernesto
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Beitrag von Ernesto »

In diesem Fall haben sich die Kolumbianischen Behörden vollkommen korrekt verhalten, weil für die nur die letzte Ausreise maßgebend ist. Ich hätte es anders gemacht. Zur Ausländerbehörde in meiner Stadt, meinen Fehler offen zugegeben und um Lösung gebeten. Auf der einen Seite wird die Korruption kritisiert, auf der anderen unterstützt.
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Beitrag von KolumbienLindaTours »

Ok die letzte Ausreise war ja Ecuador und hatte ja auch den ausreisestempel der allerdings inzwischen 3 tage alt war, er wollte dann einen aktuellen Stempel des jeweiligen Tages haben. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich noch nicht in Kolumbien und hatte nur 2 wochen Urlaub wollte nicht die zeit mit Bürokratie-kram verbringen, denn am Flughafen wollen die den einreisestempel auf jedenfall sehen.
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Beitrag von KolumbienLindaTours »

2. Geschichte:
Eine ganz typische Situation die wirklich jeden Tag passiert.
War mit dem Auto einige Tage unterwegs und wusste, dass meine Haftpflichtversicherung (SOAT) bald ablaufen wird. Die Versicherung ist immer bis 24h des jeweiligen Ablaufdatum gültig. Soweit so gut, meine letzte Fahrt war allerdings Bogota - Cali (etwa 10h). Musste da auch mal eine Pause einlegen und bin entsprechend erst gegen 2Uhr frühs in Cali angekommen. Und ich Glückspilz bin dort 5km vor meinem zu Hause in eine Polizeikontrolle geraten. Die Polizisten haben natürlich sofort erkannt, dass die Versicherung gerade vor 2h abgelaufen war (ist natürlich mein Fehler). In Deutschland hätte der Polizist eine Verwarnung ausgesprochen und gesagt, dass ich das Morgen machen soll und im Revier vorzeigen soll. In Kolumbien passiert sowas nicht. Naja hab dann eine weile herumdiskutiert aber die wollten schon die echte Strafe verhängen, welche vorsieht, dass Auto abzuschleppen und ein Mindestgehalt (560.000COP 250EUR) Strafe zu enrichten. War aber total müde und wollte nur noch nach Hause, hab dann selbst angeboten 30.000COP (15EUR) zu bezahlen, erschien den Polizisten etwas zu wenig, haben aber doch zugestimmt. Sollte dann wieder ins Auto einsteigen und das Geld unauffällig auf den Beifahrersitz deponieren - während der Polizist das Auto aus schein von innen nochmal durchsucht hatte, nahm er das Geld unauffällig an sich. Und das wars dann.

Echt typische Situation. Man sieht bei Strassenkontrollen sehr oft die Leute mit den Polizisten herumdiskutieren während gerade die Fahrzeugpapiere kontrolliert werden. Ich muss dann immer lachen. Die Polizisten kennen sehr genau die Regeln des Strassenverkehrs und die der Papiere und bei einem Verstoss wird nie ein Auge zugedrückt. Die offiziellen Strafen sind sehr hoch, der bürokratische und zeitliche aufwand ist sehr hoch und die Polizisten verdienen wenig. Alle Fahrzeugpapiere ausser der Fahrzeugbrief haben ein Ablaufdatum und darum muss man sich selbst kümmern.
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Renato
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Beitrag von Renato »

Die Grenze ist seit 20 Jahren korrupt. Unglaublich dass da nie was unternommen wird. Ich habe 2 Geschichten zum Rumichaca Grenzübergang:

1) Ausreiseticket Kolumbien: Ich bin mit Transportes Ormeño direkt von Quito nach Bogota gefahren. Dauert ca. 26 Stunden. Dann kommen wir von Ecuador kommend an der Grenze an. Den Ausreisestempel habe ich ohne Probleme gekriegt, aber die Kolumbianer wollten mir keinen Einreisestempel geben, weil ich kein Ausreiseticket aus Kolumbien hatte. Das ist ein Witz. Welcher Backpacker hat ein Ausreiseticket wenn er per Bus durch Südamerika reist? Die Regel ist heute übrigens abgeschafft oder gilt nur noch bei Einreise via Flugzeug, dann weiss man das aber dass man keinen One-Way Flug ohne Visum haben kann :fel: . Der Busfahrer meinte nur, frag einer der gelangweilten Typen, die da rumstehen. Die wollten irgendwie 50.000 Pesos, durch die Rückseite rein ins Gebäude, in 3 Minuten hatte ich den Stempel.

2) Wieder von Ecuador kommend. Ich hatte dazumals noch Residenz-Visum in Ecuador und hatte mir auch extra einen "permiso de salida" besorgt in Quito. Das braucht man nämlich (weiss nicht ob es heute noch so ist) um das Land Ecuador zu verlassen, wenn man ein Visum hat. Eine Ausreisebewilligung, welche natürlich kostet. Diese hatte ich, aber den Censo hatte ich nicht. Das ist so eine Art Ausländerausweis, in Ecuador braucht man als Ausländer eine Cedula und einen Censo, also 2 Ausweise. Ich dachte, wenn ich die Ausreisebewilligung habe, dann ist es ja logisch, dass ich den Censo habe, weil ich sonst die Bewilligung nicht gekriegt hätte. Also habe ich den Censo in Quito gelassen. Die Grenzbeamten gleich hämisch gelacht "Dir fehlt der Censo". Also ich raus, wieder die gelangweilten Typen = 50 USD und alles war klar.

Übrigens aufgepasst wegen Drogen da am Grenzübergang. Die Ecuatorianer durchsuchen einem teilweise mehrmals. Zuerst am Grenzübergang selbst, danach in Tulcan oder kurz hinter Tulcan. Stets mit beiden Augen schauen dass a) nichts geklaut wird und b) nichts hineingetan wird. Mich haben mal 3 Typen in Zivil bis auf die Unterhosen auseinandergenommen am Busbahnhof von Tulcan. Tulcan ist das trostloseste, widerlichste Grenzkaff das es gibt. Da ist selbst Ipiales noch schön dagegen.
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Beitrag von KolumbienLindaTours »

Interessante Geschichte - Danke Renato!
Zu 1. - Es gibt manchmal unlogische regeln wo es am ende keine legale Lösung gibt und sowas lässt dann die Korruption blühen
Zu 2. - Da bin ich ja mit 40USD gut weggekommen.

Nochmal als hinweis für alle - Man muss keine Angst haben vor der Korruption aber man muss wissen, wie sie anzuwenden ist. Und wie gerade erwäht in manchen Fällen gibt es keine legale Lösung.