In einer dramatischen Wende hat ein Gericht den Ex-Senator Santiago Uribe Vélez, den Bruder des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe Vélez, zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Das Tribunal Superior de Antioquia sprach ihn in zweiter Instanz schuldig, eine paramilitärische Todesschwadron gegründet und finanziert zu haben. Diese Entscheidung hebt eine Freisprechung aus dem Vorjahr auf und markiert einen Meilenstein in der Aufarbeitung der dunklen Kapitel der kolumbianischen Gewaltgeschichte. Im Folgenden ein Überblick über das Urteil, seinen Hintergrund und den Weg dorthin.
Wer ist Santiago Uribe Vélez?
Santiago Uribe Vélez, geboren 1957, ist ein ehemaliger Senator und Viehzüchter aus der einflussreichen Familie Uribe in Antioquia. Sein Bruder Álvaro Uribe war von 2002 bis 2010 Präsident Kolumbiens und gilt als Ikone der Rechten. Die Familie ist tief in der Politik und Wirtschaft des Landes verwurzelt, steht aber seit Jahren im Fokus von Vorwürfen, Verbindungen zu paramilitärischen Gruppen zu haben – jenen rechtsgerichteten Milizen, die in den 1980er und 1990er Jahren gegen linke Guerillas wie die FARC kämpften und dabei Tausende Zivilisten ermordeten.
Der Hintergrund: Die "Los Doce Apóstoles" und die Anklage
Die Anklage gegen Santiago Uribe dreht sich um die paramilitärische Gruppe "Los 12 Apóstoles" (Die Zwölf Apostel), die Ende der 1980er Jahre in der ländlichen Region Yarumal im Departamento Antioquia entstand. Diese Ultrarechtsmiliz soll von Santiago Uribe gegründet und mit Geld aus seinem Viehgeschäft finanziert worden sein. Die Gruppe war berüchtigt für brutale Massaker, Entführungen und Morde an mutmaßlichen Linken, Gewerkschaftern und Aktivisten. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft Uribe vor, am verschärften Mord (homicidio agravado) am 17. November 1994 an dem 17-jährigen Camilo Barrientos beteiligt gewesen zu sein, der als "Guerilla-Sympathisant" hingerichtet wurde. Weiterhin wird ihm ein "verschärftes Konzert zum Verbrechen" (concierto para delinquir agravado) vorgeworfen, also die Organisation krimineller Aktivitäten.
Diese Vorwürfe wurzeln in Kolumbiens langem Bürgerkrieg, in dem Paramilitärs oft mit Teilen des Establishments kooperierten. Zeugenaussagen von Überlebenden und ehemaligen Mitgliedern der Gruppe belasteten Uribe über Jahre hinweg, obwohl Details zu spezifischen Beweisen in diesem Prozess nicht öffentlich detailliert wurden.
Der Prozessverlauf: Von der Freisprechung zur Verurteilung
Der Fall zog sich über Jahrzehnte hin. Die Ermittlungen begannen in den 1990er Jahren, eskalierten aber erst 2016, als der linke Senator Iván Cepeda – ein langjähriger Kritiker der Uribes – den Fall vorantrieb. Im November 2024 sprach ein Richter in Medellín Santiago Uribe in erster Instanz frei: Die Beweise seien unzureichend, und es fehlten konkrete Verbindungen zu den Taten. Diese Entscheidung wurde als Sieg für die Uribe-Familie gefeiert, die den Prozess immer als politisch motiviert brandmarkte.
Doch die Freisprechung hielt nicht stand. Die Staatsanwaltschaft (Fiscalía), die Ombudsstelle (Procuraduría) und betroffene Zivilkläger legten Berufung ein. Heute, am 25. November 2025 hob das Tribunal Superior de Antioquia die Freisprechung auf und verurteilte Uribe in zweiter Instanz. Das Gericht folgte den Argumenten der Anklage und erklärte ihn für strafrechtlich verantwortlich. Der Grund: Neue Bewertung der Zeugenaussagen und Indizien, die die Gründung und Finanzierung der Gruppe belegen. Uribe war nicht persönlich an allen Taten beteiligt, aber als "Intellektueller Autor" haftbar gemacht – also als Planer und Förderer.
Die Strafe: Harte Konsequenzen
Die Richter verhängten eine Gesamthaftstrafe von 28 Jahren und drei Monaten (genau 340 Monate). Dazu kommen:
Reaktionen: Schmerz, Jubel und Appell
Die Entscheidung spaltet Kolumbien. Álvaro Uribe, der selbst in Korruptions- und Bestechungsprozessen verwickelt ist, äußerte auf "tiefen Schmerz": "Siento profundo dolor por la condena contra mi hermano. Dios nos ayude." Seine Unterstützer sehen darin einen Angriff auf die Rechte.
Ganz anders der linke Senator Iván Cepeda, der den Fall vorangetrieben hat: Er feierte das Urteil als "exzellente Nachricht für die Opfer, die Wahrheit und die Justiz in Kolumbien" und wies auf die historischen Verbindungen der Uribe-Familie zu Paramilitärs hin. Opferverbände und Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch begrüßten die Verurteilung als Schritt zur Rechenschaftspflicht.
Die Verteidigung kündigte umgehend eine weitere Berufung vor dem Obersten Gerichtshof (Impugnación especial) an. "Die Wahrheit und die Justiz werden siegen", hieß es in einer Erklärung. Experten rechnen mit einem langen Rechtsstreit, der die Spaltungen im Land weiter vertiefen könnte.
Ausblick: Ein Kapitel in der Kolumbianischen Wahrheitssuche
Diese Verurteilung ist mehr als ein Familiendrama – sie symbolisiert den Kampf Kolumbiens mit seiner Vergangenheit. Unter Präsident Gustavo Petro, der den Friedensprozess vorantreibt, werden alte Wunden aufgerissen, um Versöhnung zu ermöglichen. Ob das Urteil Bestand hat, bleibt abzuwarten. Für die Opfer der "Los Doce Apóstoles" bedeutet es jedoch einen Hauch von Gerechtigkeit nach Jahrzehnten des Leids.
(*) Das Urteil wird erst rechtskräftig, sobald die von der Verteidigung angekündigte Berufung vor der Corte Suprema de Justicia entschieden ist – ein Prozess, der typischerweise Monate bis zu einem Jahr oder länger dauern kann und Santiago Uribe Vélez bis dahin vor einer Haftverfügung schützt.
Wer ist Santiago Uribe Vélez?
Santiago Uribe Vélez, geboren 1957, ist ein ehemaliger Senator und Viehzüchter aus der einflussreichen Familie Uribe in Antioquia. Sein Bruder Álvaro Uribe war von 2002 bis 2010 Präsident Kolumbiens und gilt als Ikone der Rechten. Die Familie ist tief in der Politik und Wirtschaft des Landes verwurzelt, steht aber seit Jahren im Fokus von Vorwürfen, Verbindungen zu paramilitärischen Gruppen zu haben – jenen rechtsgerichteten Milizen, die in den 1980er und 1990er Jahren gegen linke Guerillas wie die FARC kämpften und dabei Tausende Zivilisten ermordeten.
Der Hintergrund: Die "Los Doce Apóstoles" und die Anklage
Die Anklage gegen Santiago Uribe dreht sich um die paramilitärische Gruppe "Los 12 Apóstoles" (Die Zwölf Apostel), die Ende der 1980er Jahre in der ländlichen Region Yarumal im Departamento Antioquia entstand. Diese Ultrarechtsmiliz soll von Santiago Uribe gegründet und mit Geld aus seinem Viehgeschäft finanziert worden sein. Die Gruppe war berüchtigt für brutale Massaker, Entführungen und Morde an mutmaßlichen Linken, Gewerkschaftern und Aktivisten. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft Uribe vor, am verschärften Mord (homicidio agravado) am 17. November 1994 an dem 17-jährigen Camilo Barrientos beteiligt gewesen zu sein, der als "Guerilla-Sympathisant" hingerichtet wurde. Weiterhin wird ihm ein "verschärftes Konzert zum Verbrechen" (concierto para delinquir agravado) vorgeworfen, also die Organisation krimineller Aktivitäten.
Diese Vorwürfe wurzeln in Kolumbiens langem Bürgerkrieg, in dem Paramilitärs oft mit Teilen des Establishments kooperierten. Zeugenaussagen von Überlebenden und ehemaligen Mitgliedern der Gruppe belasteten Uribe über Jahre hinweg, obwohl Details zu spezifischen Beweisen in diesem Prozess nicht öffentlich detailliert wurden.
Der Prozessverlauf: Von der Freisprechung zur Verurteilung
Der Fall zog sich über Jahrzehnte hin. Die Ermittlungen begannen in den 1990er Jahren, eskalierten aber erst 2016, als der linke Senator Iván Cepeda – ein langjähriger Kritiker der Uribes – den Fall vorantrieb. Im November 2024 sprach ein Richter in Medellín Santiago Uribe in erster Instanz frei: Die Beweise seien unzureichend, und es fehlten konkrete Verbindungen zu den Taten. Diese Entscheidung wurde als Sieg für die Uribe-Familie gefeiert, die den Prozess immer als politisch motiviert brandmarkte.
Doch die Freisprechung hielt nicht stand. Die Staatsanwaltschaft (Fiscalía), die Ombudsstelle (Procuraduría) und betroffene Zivilkläger legten Berufung ein. Heute, am 25. November 2025 hob das Tribunal Superior de Antioquia die Freisprechung auf und verurteilte Uribe in zweiter Instanz. Das Gericht folgte den Argumenten der Anklage und erklärte ihn für strafrechtlich verantwortlich. Der Grund: Neue Bewertung der Zeugenaussagen und Indizien, die die Gründung und Finanzierung der Gruppe belegen. Uribe war nicht persönlich an allen Taten beteiligt, aber als "Intellektueller Autor" haftbar gemacht – also als Planer und Förderer.
Die Strafe: Harte Konsequenzen
Die Richter verhängten eine Gesamthaftstrafe von 28 Jahren und drei Monaten (genau 340 Monate). Dazu kommen:
- Eine Geldstrafe in Höhe von 6.500 Mindestlöhnen (ca. 10,5 Milliarden kolumbianische Pesos, umgerechnet etwa 2,7 Millionen US-Dollar),
- Eine 20-jährige Sperre für öffentliche Ämter,
- Die Ablehnung von Hausarrest – Uribe muss ins Gefängnis.
Reaktionen: Schmerz, Jubel und Appell
Die Entscheidung spaltet Kolumbien. Álvaro Uribe, der selbst in Korruptions- und Bestechungsprozessen verwickelt ist, äußerte auf "tiefen Schmerz": "Siento profundo dolor por la condena contra mi hermano. Dios nos ayude." Seine Unterstützer sehen darin einen Angriff auf die Rechte.
Ganz anders der linke Senator Iván Cepeda, der den Fall vorangetrieben hat: Er feierte das Urteil als "exzellente Nachricht für die Opfer, die Wahrheit und die Justiz in Kolumbien" und wies auf die historischen Verbindungen der Uribe-Familie zu Paramilitärs hin. Opferverbände und Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch begrüßten die Verurteilung als Schritt zur Rechenschaftspflicht.
Die Verteidigung kündigte umgehend eine weitere Berufung vor dem Obersten Gerichtshof (Impugnación especial) an. "Die Wahrheit und die Justiz werden siegen", hieß es in einer Erklärung. Experten rechnen mit einem langen Rechtsstreit, der die Spaltungen im Land weiter vertiefen könnte.
Ausblick: Ein Kapitel in der Kolumbianischen Wahrheitssuche
Diese Verurteilung ist mehr als ein Familiendrama – sie symbolisiert den Kampf Kolumbiens mit seiner Vergangenheit. Unter Präsident Gustavo Petro, der den Friedensprozess vorantreibt, werden alte Wunden aufgerissen, um Versöhnung zu ermöglichen. Ob das Urteil Bestand hat, bleibt abzuwarten. Für die Opfer der "Los Doce Apóstoles" bedeutet es jedoch einen Hauch von Gerechtigkeit nach Jahrzehnten des Leids.
(*) Das Urteil wird erst rechtskräftig, sobald die von der Verteidigung angekündigte Berufung vor der Corte Suprema de Justicia entschieden ist – ein Prozess, der typischerweise Monate bis zu einem Jahr oder länger dauern kann und Santiago Uribe Vélez bis dahin vor einer Haftverfügung schützt.



