Update zum Militärdienst in Kolumbien: Aktuelle Regeln und der soziale Friedensdienst

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Eisbaer
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Update zum Militärdienst in Kolumbien: Aktuelle Regeln und der soziale Friedensdienst

Beitrag von Eisbaer »

Für viele Familien im Forum, deren Kinder die kolumbianische Staatsbürgerschaft besitzen, ist das Thema Wehrpflicht in Kolumbien oft mit Unsicherheit verbunden. Aktuelle Berichte, unter anderem von Red+ Noticias, beleuchten nun grundlegende Änderungen, die das kolumbianische Verteidigungsministerium unter der Regierung Petro auf den Weg gebracht hat. Das Ziel ist ein radikaler Wandel weg vom reinen Zwangsdienst hin zu mehr Freiwilligkeit und sozialen Alternativen.

Die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

Der "Servicio Social para la Paz" als Alternative
Die wohl bedeutendste Änderung ist die offizielle Einführung des sozialen Friedensdienstes. Junge Kolumbianer können ihre Wehrpflicht nun ableisten, ohne eine Uniform tragen oder zur Waffe greifen zu müssen. Dieser Ersatzdienst dauert in der Regel 12 Monate und umfasst Tätigkeiten in den Bereichen:
  • Alphabetisierung (insbesondere in ländlichen Regionen),
  • Umwelt- und Naturschutz,
  • Opferhilfe und Förderung der Menschenrechte,
  • Digitale Bildung. Nach Abschluss dieses Dienstes gilt die militärische Situation (situación militar) als offiziell geklärt, und man erhält das entsprechende Zertifikat.
Freiwillige Verlängerung des Dienstes
Für diejenigen, die sich bereits im aktiven Militärdienst befinden, hat das Verteidigungsministerium per Dekret die Möglichkeit einer freiwilligen Verlängerung geschaffen. Soldaten können nun beantragen, ihren Dienst um 6 bis zu 12 Monate zu verlängern. Dies soll jungen Menschen die Chance geben, länger von den staatlichen Leistungen (wie der monatlichen Vergütung und der Sozialversicherung) zu profitieren und sich innerhalb der Institution weiterzuqualifizieren.

Höhere Vergütung und bessere Bedingungen
Um den Dienst attraktiver zu machen, wurde die monatliche Entschädigung deutlich angehoben. Ziel der Regierung ist es, diese schrittweise auf das Niveau eines Mindestlohns zu heben. Zudem wurde der Zugang zu Bildungsangeboten (z. B. über das SENA) während der Dienstzeit verbessert.

Erleichterungen bei der "Libreta Militar
Auch bei der Bürokratie gibt es Anpassungen. Für bestimmte Gruppen, wie Opfer des bewaffneten Konflikts oder junge Männer in prekären finanziellen Verhältnissen, ist die Ausstellung der Libreta Militar nun oft kostenlos oder deutlich günstiger.

Was bedeutet das für Doppelstaatler im Ausland?
Zwar bleibt die Registrierungspflicht für männliche kolumbianische Staatsbürger zwischen 18 und 50 Jahren grundsätzlich bestehen, doch die neuen Regelungen unterstreichen den Trend zur Entmilitarisierung. Wer dauerhaft im Ausland lebt, kann seine Situation weiterhin über die Konsulate regeln (meist durch eine Freistellung gegen eine geringe Gebühr, falls man nicht in Kolumbien lebt). Die neuen sozialen Dienstmodelle könnten jedoch in Zukunft auch für Rückkehrer eine interessante und weniger riskante Option sein, ihre Pflichten gegenüber dem kolumbianischen Staat zu erfüllen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der "Zwang" wird durch Wahlmöglichkeiten ersetzt. Wer in Kolumbien lebt oder dorthin zurückkehrt, hat nun erstmals die reale Chance, einen zivilen Beitrag zum Land zu leisten, statt im aktiven Militärdienst eingesetzt zu werden.
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