Schon jemand von euch mit "escopolamina / benzodiacepina" in Verbindung gekommen?

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Woyzeck
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Schon jemand von euch mit "escopolamina / benzodiacepina" in Verbindung gekommen?

Beitrag von Woyzeck »

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Naja... das Risiko sollte sich dann doch in Grenzen halten, wenn man Dates mit Gesindel meidet und sein Getränk nicht unbeaufsichtigt stehen lässt.
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Ernesto
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Schon jemand von euch mit "escopolamina / benzodiacepina" in Verbindung gekommen?

Beitrag von Ernesto »

@Nico

Ich bin noch nie damit in Kontakt gekommen.

Beachte, dass die Art und Weise, wie "escopolamina", was auch ein Kontaktgift ist, verabreicht werden kann, sehr unterschiedlich ist.
Es reicht von der natürlichen Form, die ein Pulver ist, das sich in einer Zigarette befinden kann, in einen Kaugummi oder einfach so ins Gesicht geblasen wird. Es kann auch über die Haut in Form von Armbändern oder Stempeln gelangen. Mit Alkohol eingenommen, verstärkt sich die Wirkung.

Lese dazu vielleicht auch hier im Forum. (ESCOPOLAMINA - BURUNDANGA / Stechäpfel - Engelstrompeten)

Die Benzodiazepine werden in Getränken verabreicht. Also wenn du alleine in einer fremden Kneipe bist, das Glas immer austrinken, wenn du den Tisch verlässt.

Es wird nicht nur bei "Dates mit Gesindel" verabreicht! Es gibt ganze Banden, die damit arbeiten, um an das Geld anderer Leute zu kommen. ;-)

Genuasd
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Beitrag von Genuasd »

ich glaube mal Kontakt gehabt zu haben, aber das ist nicht nachgewiesen... vielleicht hatte ich auch nur einen schlechten Tag.
Mir ging es echt dreckig, vor allem noch die Tage danach, aber hatte wen in Begleitung und wurde sicher nach Hause gebracht.
Es war eine relativ geringe Menge und kein exzessiver Alkoholrausch.

Ich war ehrlicherweise nicht immer vorsichtig, aber Tips wurden ja hier gegeben, wie man sich verhalten sollte - tut man aber halt nicht immer.
einer der Vorredner war womöglich auch mal unvorsichtig...

Glboetrotter
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Beitrag von Glboetrotter »

Eine Aerztin hat mir einmal mitgeteilt, dass man die Blüten nicht zu früh ernten sollte, weil sie dann fast immer tödlich seien. Also, frisch geerntet bedeutet viel gefährlicher für den Menschen.

Daraus kann man Tropfen oder Pulver (Staub) machen. Fachunkundige Personen können deren Wirkungen bei sich selbst oder anderen Personen unmöglich einschätzen, weil auch jeder darauf anders reagiert (bis zum Tod, wie man in einigen traurigen Beispielen an Touristen in Kolumbien sieht).

Mir persönlich ist nur ein Fall bekannt, als die Person (seit Jahrzehnten in Kolumbien wohnhaft und kennt alle Tricks) beim Geldabheben am Bancomaten in einem besseren Einkaufszentrum von einer unbekannten Person mit dem Pulver im Gesicht angehaucht wurde. Er nahm sofort das Taxi und liess sich ins Spital fahren. Es ging glücklicherweise alles gut aus und nach zwei Tagen war er wieder zu Hause.

Dolfi
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Beitrag von Dolfi »

Die Dinger sind doch beliebte Zierpflanzen, oder?

Mein Schwiegervater erzählte mir, dass man ihm auch mal Escopolamin in den Drink gekippt hat. Er fand sich dann irgendwann in der Gosse wieder, ohne Brieftasche.
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Eisbaer
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Beitrag von Eisbaer »

@Glboetrotter

Auch wenn dein Beitrag schon eine Weile her ist, wollte ich dazu mal meine persönliche Erfahrung aus der Praxis teilen, um vielleicht ein wenig die „Kirche im Dorf“ zu lassen.

Ich habe Anfang der 2000er Jahre selbst auf einer Finca in Santa Elena gelebt, wo diese Pflanzen (Borrachero / Engelstrompete) in rauen Mengen wuchsen. Da ich damals noch gar nicht wusste, was das genau für ein Gewächs ist, habe ich die Blüten regelmäßig gepflückt und sie zu Dekorationszwecken im Haus verwendet.

Ich kann aus erster Hand sagen: Das reine Ernten oder der Hautkontakt mit den Blüten ist absolut nicht lebensgefährlich. Mir hat es nie geschadet, obwohl ich oft damit hantiert habe. Mein Gärtner hat mich dazu aufgeklärt, was ich da eigentlich im Wohnzimmer stehen hatte.

Gefährlich wird es natürlich, wenn man Pflanzenteile konsumiert oder den Saft in die Augen bekommt – davor sollte man definitiv warnen. Aber die Vorstellung, dass schon das Pflücken der frischen Blüten fast immer tödlich endet, gehört wohl eher in das Reich der Mythen. Man muss also keine Panik bekommen, wenn man so eine schöne Pflanze im Garten hat, solange man respektvoll und mit gesundem Menschenverstand damit umgeht.
ÁRBOL BORRACHERO
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Don Maximo
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Beitrag von Don Maximo »

Interessant. Mit der Engelstrompetenpflanze bin ich aufgewachsen. Sie war eine von vielen Pflanzen, die wir in unserem submediterranen Familiengarten hatten. Mein Grossvater züchtete sie, kreuzte sie und experimentierte damit, genau wie mit anderen Pflanzen. Alle Arten von Engelstrompeten – wie mir schon als Kind beigebracht wurde – sind giftig. Die Konzentration der giftigen Alkaloide kann jedoch von Art zu Art (und je nach Vegetationsperiode) der einzelnen Pflanzen erheblich variieren. Die Engelstrompeten oder Zuchthybriden für Zierzwecke weisen in der Regel eine deutlich geringere Konzentration dieser Alkaloide auf als Wildarten. Auch wir haben hier auf der Finca welche, die wild wachsen; es handelt sich jedoch eben um die spontane Vermehrung und Ausbreitung von Zuchtarten und Hybriden (zu Zierzwecken).
Einige Arten werden gezielt für die Gewinnung der Alkaloide (für die pharmazeutische Industrie) gezüchtet.

Die höchste Konzentration dieser hochgiftigen Alkaloide (von denen Skopolamin mengenmäßig das wichtigste ist!) findet sich in der Wurzel und in den Samen. In der Zeit der vollen Blüte ist das Vergiftungsrisiko am höchsten und sollte nicht unterschätzt werden.
Ich erinnere mich an eine Pflanze, die mit einem leichten Rosastich blühte und die mein Grossvater während der Blütezeit aus der Nähe des Hauses fernhielt, da bereits ihre Pollen (seiner Meinung nach, und er kannte sich damit aus) für Kinder oder kleine Tiere tödlich sein konnte.

Scopolamin und Benzodiazepine und deren Verwendung zu kriminellen Zwecken.
Letztes Jahr, nach einem Raubüberfall, bei dem sich Kriminelle in ein Haus im Pueblo eingeschlichen hatten, nachdem sie eine ältere Dame vermutlich mit Scopolamin außer Gefecht gesetzt hatten, begann ich mich ein wenig für diese Substanz zu interessieren, insbesondere weil die Leute hier Unsinn erzählten und ich mich an die „giftigen Blumen“ meines Großvaters erinnerte (die mir mehr als einmal Übelkeit bereitet hatten).

Scopolamin und Benzodiazepine sind zwei unterschiedliche Substanzen, die unterschiedlich wirken, aber in Kombination das Opfer in einen Zustand oder eine Reaktion versetzen, die für bestimmte kriminelle Zwecke zweckdienlich ist.
Auf dem Schwarzmarkt wird Scopolamin oft mit anderen Substanzen gemischt, um dessen Wirkung zu steuern – beispielsweise um die Art der Wirkung oder die Wirkungsdauer zu verstärken.
Es muss gesagt werden, dass Scopolamin häufig willkürlich mit anderen Substanzen gemischt wird, um dessen Wirkung zu verstärken, oder als Surrogat oder Streckmittel auf illegalen Märkten dient. Zu den häufigsten Beimischungen gehören:

Benzodiazepine: Diese werden oft hinzugefügt, um die sedierende Wirkung und die Hemmung des Willens zu verstärken.
Andere zentral dämpfende Substanzen: darunter GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure), Ketamin, Cannabinoide und Ecstasy.
Allgemeine Streckmittel: Im Zusammenhang mit injizierbaren Drogen kann es als „Streckmittel“ zusammen mit Substanzen wie Fentanyl, Amphetaminen oder Chinin verwendet werden.
Diese Mischungen erschweren, insbesondere in Kombination mit Alkohol, die medizinische Diagnose und erhöhen das Risiko schwerer Vergiftungen, Komas oder Todes.

Übrigens hat auch die in Europa verbreitete Schwarze Tollkirsche (Belladonna) ähnliche Eigenschaften. Auch die in vielen Haushalte verbreitete "Amaryllis" ist hochgiftig. Als ich etwa 10 Jahre alt war, erinnere ich mich an ein Mädchen in meinem Alter, das nach einer Vergiftung durch eine „Amaryllis“ notfallmässig ins Krankenhaus eingeliefert worden war

Die Schattenseiten des Gebrauchs bzw. Missbrauchs von Scopolamin haben eine längere Tradition, als vielen vielleicht bewusst ist.
Scopolamin war Gegenstand verschiedener Experimente und Forschungen, leider auch mit äusserst verwerflichem Hintergrund. Man erinnere sich daran, wie es im nationalsozialistischen Deutschland zu Euthanasiezwecken verabreicht wurde, in Kombination mit Morphin (eine Kombination, die damals bereits häufig als Anästhetikum in der Chirurgie eingesetzt wurde). Es wurde aber auch für verschiedene Experimente verwendet. Bereits vor etwas mehr als 100 Jahren begann man in den USA, es als Wahrheitsserum einzusetzen, was dann (auch von der CIA) bis in die 1950er Jahre in verschiedenen Ländern fortgesetzt wurde, bis sich zu diesem Zweck das Barbiturat Pentothal durchsetzte, das ebenfalls bald wieder aufgegeben wurde (es erübrigt sich zu erwähnen, dass sowohl Scopolamin als auch Barbiturate in dieser Hinsicht absolut unzuverlässig sind).
In der Schweiz ist seit Mitte der 1910er Jahre die Verwendung von Scopolamin in Kombination mit Morphin als Anästhetikum im OP dokumentiert.

Scopolamin, oft in Kombination mit Morphinpräparaten, wurde in der Vergangenheit auch in der Psychiatrie zur Beruhigung von Patienten eingesetzt.
Diese Anwendung wurde später aufgrund der hohen Toxizität und der Nebenwirkungen wie Willensschwäche, Apathie und Delirium aufgegeben. Doch gerade diese Nebenwirkungen waren lange Zeit willkommene Komplizen für verschiedene (und teilweise systematische) Missbräuche von Patientinnen im traurigen Kapitel der Schweizer Psychiatrie.

Glücklicherweise haben meine Frau, ihre Familie und ich keine Erfahrungen mit Scopolamin oder anderen Rauschmitteln gemacht.
Anfang Januar wurde ein Bekannter und Nachbar, der schwarz als „Taxi“ ohne Lizenz mit seinem privaten PW arbeitet (was hier leider nicht selten vorkommt), Opfer dreier Fahrgäste, die ihm auf dem Weg nach Medellin zwei Handys und seinen mageren Geldbeutel abgenommen haben. Tragisch und gefährlich: Er erinnert sich nur noch daran, dass er plötzlich mit Übelkeit an einer Tankstelle stand. Wie er dorthin gekommen war, wusste er nicht mehr. Dann setzte er sich in diesem Zustand unverantwortlicherweise wieder ans Steuer und fuhr nach Hause.
Virtus Junxit Mors Non Separabit