Diskussion zur Erhöhung des Mindestlohnes 2026 um 23 %

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coentros
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Diskussion zur Erhöhung des Mindestlohnes 2026 um 23 %

Beitrag von coentros »

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Wie nahe oder wie weit Mindestlohn und Existenzminimum in Kolumbien auseinanderliegen oder deckungsgleich sein sollten halte ich persönlich für eine nicht-lösbare Diskussion. In der Verfassung finden sich Angaben für ein "minimo vital", separat vom Mindestlohn. Mit der weiteren Begrifflichkeit was für ein "würdevolles" Leben notwendig ist habe ich ebenfalls Mühe. Die Zahlen, die ich da gefunden habe liegen deutlich unter dem aktuellen salario minimo (mit oder ohne der letzten Erhöhung). Anderswo wird kritisiert dass das Existenzminimum tatsächlich eher zum nackten Überleben ausreicht und nicht für ein würdevolles Leben. Ich glaube nicht dass die genannten Zahlen viel Sinn machen.

Nur schon beim Faktor "Wohnen & Miete" bestehen grosse Kostenunterschiede ob man auf dem Land, in einer kleinen oder grossen Stadt oder einem bestimmten estrato lebt. Gehört ein eigenes motorisiertes Fortbewegungsmittel zu einem würdevollen Leben zwangsläufig dazu oder nicht ? Fleisch hat einen hohen Stellenwert in der Küche Kolumbiens. Ist es ein Grundnahrungsmittel und besteht ein regelmässiger Anspruch darauf oder nicht ? Bei drei wichtigen Eckpfeilern für ein würdevolles Leben: Wohnen, Mobilität, Lebensmittel, wird es schnell kompliziert.

Ich stelle einfach fest, dass die Inflation in den letzten Jahren deutlich zu hoch war. Das salario minimo wurde regelmässig deutlich überproportional im Vergleich zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Landes angehoben. Ebenso sind die Kosten für Benzin, einzelne Lebensmittel oder das erwähnte corrientazo zweistellig gestiegen. Ist es nun sinnvoll mit dieser Spirale einfach immer so weiter zu machen ? Oder wirksamere Massnahmen gegen die Inflation als Kernproblem anzugehen ? Ursachen müssen bekämpft werden, nicht Symptome. Wenn es ansonsten darum geht Menschen kurzfristig zu helfen, d.h. unmittelbar ein Dach über dem Kopf oder etwas zu essen zu beschaffen vermute ich gibt es noch andere Massnahmen die ein Staat ergreifen könnte.

desertfox
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Diskussion zur Erhöhung des Mindestlohnes 2026 um 23 %

Beitrag von desertfox »

Also dass eine Erhöhung des Mindestlohnes eine Erhöhung der Inflationsrate nach sich zieht halte ich für sehr an den Haaren herbei gezogen, dazu ist die Kaufkraft der Mindestlohnempfänger sicher viel zu gering.

In meinen Augen ist der Grund, dass viele Sektoren des täglichen Bedarfs in den Händen einiger wenigen Geschäftsketten sind welche die Preise mehr oder weniger kontrollieren. Echter Wettbewerb findet in Kolumbien doch gar nicht statt.
Ich vergleiche da immer gerne den Preis für z.B. Butter, da ist der Preis in Deutschland von fast 4 Euro für 250 Gramm mittlerweile wieder auf teilweise unter 1 Euro, durchschnittlich ca. € 1,40 gesunken…, und der Mindestlohn ist auch, wenngleich nicht um 23 %, gestiegen…

coentros
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Diskussion zur Erhöhung des Mindestlohnes 2026 um 23 %

Beitrag von coentros »

Wieviele Arbeiter/Angestellte beziehen den Mindestlohn ? Wenn es grob geschätzt 20% sind sprechen wir über mehrere Millionen Menschen die in den letzten Jahren deutlich überproportional mehr Lohn erhalten haben (sofern sie ihren Job nicht verloren haben) ohne dass die Gesamtwirtschaft und Produktivität gleichermassen gestiegen sind. Der Mindestlohn ist in den Jahren 2022-2025 um 10,16,12,12 % gestiegen. Dieses Jahr sollen es 23% werden. Wenn mehrere Millionen Menschen in wenigen Jahren beinahe das doppelte verdienen kann ich mir nicht vorstellen dass dies keinen Effekt auf die Nachfrage und Preise hat. Hier sehe ich insbesondere Produkte des Grundbedarfs betroffen, keine Luxusgüter.

Abgesehen von einer höheren Nachfrage sind auch die gestiegenen Kosten zu berücksichtigen. Die Menschen sind in Betrieben, Unternehmungen beschäftigt die nun allesamt spürbar höhere Kosten haben. Was machen diese ? Sie geben die gestiegenen Kosten in Form von Preiserhöhungen weiter. Ich könnte mir vorstellen dass gerade in der Produktion von Lebensmitteln und des Handels besonders viele Menschen mit salario minimo arbeiten.

In der Tat spielen aber auch noch andere Faktoren eine wichtige Rolle. Inflation ist kein monokausales Geschehen.
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News Robot
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Mindestlohn in Kolumbien: Petro droht mit erneuter Anhebung im Clinch mit der Zentralbank

Beitrag von News Robot »

In der kolumbianischen Wirtschaftspolitik bahnt sich eine neue Eskalation an. Wie das Portal Pulzo berichtet, zieht Präsident Gustavo Petro eine weitere Erhöhung des Mindestlohns in Betracht – und das, obwohl dieser erst im Januar auf zwei Millionen Pesos (inklusive Transportzuschuss) angehoben wurde.

Hintergrund ist ein offener Konflikt mit der Zentralbank (Banco de la República). Petro kritisiert die aktuelle Geldpolitik scharf: Da die Zinsen weiterhin bei rund 11 % verharren, sieht der Präsident die Kaufkraft der Haushalte und den Zugang zu Krediten gefährdet. Seine Logik ist dabei so direkt wie streitbar: Sollte die Zentralbank die Zinsen nicht senken, will er den Mindestlohn erneut anpassen, um die Belastungen für die Arbeiter abzufedern.

Rechnet man das Szenario basierend auf dem aktuellen Zinssatz durch, stünde ein Plus von etwa 220.000 Pesos im Raum, was den Lohn auf insgesamt 2.220.000 Pesos heben würde. Während das Finanzministerium vor einer Wachstumsbremse und steigender Arbeitslosigkeit durch die hohen Zinsen warnt, sehen Ökonomen in einer erneuten Lohnrunde ein zweischneidiges Schwert: Was den Arbeitnehmern kurzfristig hilft, könnte die Inflation weiter anheizen und besonders kleine Unternehmen unter Druck setzen. Es bleibt spannend die Lage zu beobachten, da Petro hier offensichtlich ein politisches Druckmittel nutzt, um die Unabhängigkeit der Zentralbank herauszufordern.
Du hast einen simplen Roboter sehr glücklich gemacht. Vielen Dank.