
Das im Verlag Desde Abajo erschienene Werk bietet eine umfassende Untersuchung des M-19. Es beleuchtet den Weg einer Organisation, die nach dem Friedensabkommen von 1990 die Waffen niederlegte und maßgeblich an der Gestaltung der kolumbianischen Verfassung von 1991 beteiligt war. Für Wissenschaftler und historisch Interessierte ist es ein wichtiges Dokument, um den Übergang von bewaffneten Gruppen in den demokratischen Prozess zu verstehen – ein Thema, das angesichts des aktuellen Präsidenten Gustavo Petro, selbst ein ehemaliges Mitglied des M-19, eine ganz neue Relevanz gewonnen hat.
Die Entscheidung von Bürgermeister Federico Fico Gutiérrez, die Buchvorstellung in den städtischen Bibliotheken (Sistema de Bibliotecas de Medellín) abzusagen, hat eine landesweite Debatte ausgelöst. Gutiérrez rechtfertigte diesen Schritt damit, dass öffentliche Räume der Stadt nicht für die Idealisierung von Gruppen genutzt werden sollten, die dem Land Leid zugefügt haben. Er betonte, dass er zwar die Meinungsfreiheit respektiere, aber keine Plattform für Inhalte bieten wolle, die seiner Ansicht nach die Geschichte einseitig darstellen könnten.
Der Autor des Buches, der Historiker und Journalist Otty Patiño, reagierte mit deutlicher Kritik auf die Absage. Er bezeichnete das Vorgehen des Bürgermeisters als enorme Verantwortungslosigkeit und einen Akt der Zensur. Laut Patiño sei es die Aufgabe von Bibliotheken, den Dialog und die akademische Auseinandersetzung zu fördern, anstatt den Zugang zu historischer Forschung zu beschneiden. Er betonte zudem, dass das Buch eine kritische Aufarbeitung darstelle und keine Verherrlichung der Gewalt sei. Auch Präsident Petro schaltete sich in die Diskussion ein und kritisierte das Verbot als Einschränkung der kulturellen und akademischen Freiheit.
Dieser Vorfall zeigt einmal mehr, dass die Geschichte des M-19 auch Jahrzehnte nach der Demobilisierung ein hochemotionales Thema bleibt. Während die einen in dem Buch eine notwendige historische Dokumentation sehen, betrachten andere solche Veröffentlichungen als Provokation gegenüber den Opfern des Konflikts. In jedem Fall hat die Absage in Medellín das Gegenteil von dem bewirkt, was vielleicht beabsichtigt war: Das Interesse an dem Buch und der Debatte über die Rolle des M-19 in der kolumbianischen Politik ist nun größer denn je.
Was haltet ihr von solchen Verboten? Sollten öffentliche Bibliotheken neutral bleiben oder müssen sie auch umstrittene historische Analysen zulassen, um einen Diskurs zu ermöglichen?




