@Benny56, deine Sorge ist verständlich und berechtigt. Natürlich lässt mich das ganze auch nicht kalt.
Die Ernährung ist jedoch nur einer von vielen Faktoren, die einen gesunden Lebensstil ausmachen. Das Problem ist, besonders hier in Kolumbien, weitaus komplexer und tiefgreifender. Sieh dir zum Beispiel an, was @coentros weiter oben erwähnt hat. Die Verschmutzung und Kontamination auf breiter Front und die faktisch weitgehende politische und gesellschaftliche Unwilligkeit, das Problem anzugehen. Das ist zumindest die Realität auf lokaler Ebene, die ich bei uns feststelle.
Krebs ist nur eine der möglichen Formen von Erkrankungen, die durch ungünstige äussere Einflüsse begünstigt werden können. Insbesondere denke ich, dass hier in der Region die enorme Belastung durch Pestizide und Pflanzenschutzmittel eine Rolle spielt, die massenhaft und unsachgemäss eingesetzt werden und sich auf eine Weise ausbreiten, die vielen nicht bewusst ist. Zum Beispiel auch über die Luft und über grosse Entfernungen.
Das Spektrum möglicher Erkrankungen reicht von onkologischen, endokrinen, reproduktiven, neurologischen bis hin zu chronisch-entzündlichen Erkrankungen.
Was die Ernährung betrifft (und hier wird oft das Trinkwasser vergessen!), gibt es verschiedene toxische und umweltschädliche Stoffe, deren genaue Auswirkungen noch nicht ausreichend erforscht sind, deren negative Auswirkungen auf den Organismus jedoch – wenn auch nicht isoliert betrachtet – in medizinischen Kreisen mittlerweile unbestritten sind. Insbesondere die Kombination verschiedener Elemente (sogenannte Cocktails) kann zu Wechselwirkungen führen und die Wirkungen verstärken.
Im Pueblo ist das Trinkwasser laut einer privat in Auftrag gegebenen Analyse stark mit Agrochemikalienrückständen und Schwermetallen belastet. Die Gemeindeverwaltung vermeidet es, auf dieses Thema einzugehen, oder lenkt auf den rein bakteriologischen Aspekt (und die Chlormenge) ab.
Leider ist das Wasserproblem auch in verschiedenen europäischen Regionen ernst.
Meiner Frau nach liegt das Hauptproblem der in Lebensmitteln und Wasser vorhandenen Pestizide in der Gefahr von Nephrotoxizität, Hepatotoxizität (Nieren- und Lebertoxizität) und Mutagenese (Veränderungen des Erbguts). Besondere Risikogruppe seien Kinder und Schwangere.
Hinzu kommen Schwermetalle (Blei, Cadmium und Quecksilber), die Anämie, chronische Nierenschäden, Osteoporose und kognitive Beeinträchtigungen begünstigen. Insbesondere Quecksilber ist hier ein ernstes Problem (Goldminen).
Was vor allem verarbeitete und verpackte Produkte betrifft:
Einige umstrittene Zusatzstoffe und aus Verpackungen freigesetzte Substanzen können auf das endokrine System wirken oder krebserregende Eigenschaften haben. Aber auch bei hausgemachten Speisen und Produkten von Kleinunternehmern, die auf der Strasse verkauft werden – wie es hier sehr häufig der Fall ist –, kann auf die Dauer die Verwendung von oft ungeeigneten Verpackungen und Kunststoffschalen gesundheitliche Probleme verursachen (Weichmacher usw.).
Zwei der wenig bekannten und ausserhalb fachmedizinischer Kreise kaum diskutierten Probleme sind das komplexe Thema der Mykotoxine und der Einfluss von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln auf die Förderung biologischer Resistenzen im medizinischen Bereich.
Pestizide und andere Schadstoffe gelangen beispielsweise auch über Fleisch, Butter und Käse auf den Teller.
Auch wenn einzelne Belastungswerte unbedeutend erscheinen mögen, darf man nicht vergessen, dass sich diese summieren und teilweise im Körper ansammeln.
Der intensive, wiederholte und kontinuierliche Einsatz von Agrochemikalien begünstigt das Entstehen von Resistenzen bei Schädlingen, Pilzen und Unkräutern, denen man oft mit einer Erhöhung der Dosierungen und Behandlungshäufigkeiten zu entgegenwirken versucht, wodurch ein Teufelskreis entsteht und die Problematik verschärft.
Nicht wegzulassen sind zudem die PFAS und Mikroplastikpartikel, die in die Nahrungskette gelangen.
Abgesehen vom Thema Ernährung, aber im Zusammenhang mit Krebs, möchte ich am Rande Asbest erwähnen. Bei uns ein ernstes und ungelöstes Problem. Obwohl in Kolumbien seit 2022 ein Verbot für den Abbau und die Verarbeitung und Handel von Asbesthaltigen Produkte gilt, gibt es grosse Mengen Asbesthaltiger alter Produkte, die dennoch grobfahrlässig wiederverwendet, verarbeitet oder unsachgemäss entsorgt werden.
Auch Bio ist in Kolumbien keine Garantie, es wird viel geschummelt. Und auch in diesem Sektor mangelt es nicht an Korruption und unlauteren Praktiken. Was ich hier im Südwesten Antioquias in letzter Zeit in Bezug auf Umwelt und Landwirtschaft (auch angeblich BIO) erlebt habe, würde jedem die Haare zu Berge stehen lassen. Ich gehe nicht ins Detail, sonst würde ich zu sehr vom Thema abweichen.
Wir bewirtschaften unsere kleine Finca rein biologisch. Dennoch kommen regelmässig Leute, die uns davon überzeugen wollen, Chemikalien einzusetzen, in der festen Überzeugung, fortschrittlich zu sein und mit der Einstellung des maximalen Profit. Trotz unserer Entscheidung, auf Agrochemikalien zu verzichten, haben wir es mit kontaminiertem Boden zu tun, der aus den Nachbargebieten stammt und durch Wind und Regen hereingetragen wird, wenn auch mit deutlich geringeren Werten, als wenn wir selbst Chemikalien einsetzen würden. So können wir zumindest die wenigen Dinge, die wir selbst produzieren, auch in dieser Hinsicht mit Freude verzehren. Glücklicherweise ist unser Wasser unbedenklich, da die quelle am Fusse eines Naturschutzgebietes liegt.
Die Frage, warum man hier bleibt, wenn man die Mittel hat, wegzugehen, ist absolut berechtigt. Weicht zwar vom Thema des Beitrags ab, möchte aber dennoch eine Antwort geben, die somit in Spoiler setze.
Warum bleibt man hier, wenn man die Mittel hat, wegzugehen?
@Benny56, deine Sorge ist verständlich und berechtigt. Natürlich lässt mich das auch nicht kalt. Die Ernährung ist nur einer von vielen Faktoren, die einen gesunden Lebensstil ausmachen. Das Problem ist, besonders hier in Kolumbien, weitaus komplexer und tiefgreifender. Sieh dir zum Beispiel an, was @coentros oben erwähnt hat. Die Verschmutzung und Kontamination auf breiter Front und die faktisch weitgehende politische und gesellschaftliche Unwilligkeit, das Problem anzugehen. Das ist zumindest die Realität auf lokaler Ebene, die ich bei uns feststelle.
Krebs ist nur eine der möglichen Formen von Erkrankungen, die durch ungünstige äußere Einflüsse begünstigt werden können. Insbesondere denke ich, dass hier in der Region die enorme Belastung durch Pestizide und Pflanzenschutzmittel eine Rolle spielt, die massenhaft und unsachgemäß eingesetzt werden und sich auf eine Weise ausbreiten, die vielen nicht bewusst ist. Zum Beispiel über die Luft auch über grosse Entfernungen.
Das Spektrum möglicher Erkrankungen reicht von onkologischen, endokrinen, reproduktiven, neurologischen bis hin zu chronisch-entzündlichen Erkrankungen
Was die Ernährung betrifft (und hier wird oft das Wasser vergessen!), gibt es verschiedene toxische und umweltschädliche Stoffe, deren genaue Auswirkungen noch nicht ausreichend erforscht sind, deren negative Auswirkungen auf den Organismus jedoch – wenn auch nicht isoliert betrachtet – in medizinischen Kreisen mittlerweile unbestritten sind. Insbesondere die Kombination und Mischung verschiedener Elemente (sogenannte Cocktails) kann zu Wechselwirkungen führen und deren Wirkungen verstärken.
Im Dorf ist das Trinkwasser laut einer privat in Auftrag gegebenen Analyse stark mit Agrochemikalienrückständen und Schwermetallen belastet. Die Gemeindeverwaltung vermeidet es, auf dieses Thema einzugehen, oder lenkt auf den rein bakteriologischen Aspekt (und die Chlormenge) ab.
Leider ist das Wasserproblem auch in verschiedenen europäischen Regionen ernst.
Meiner Frau zufolge liegt das Hauptproblem der in Lebensmitteln und Wasser vorhandenen Pestizide in der Gefahr und Förderung von Nephrotoxizität, Hepatotoxizität und Mutagenese (Veränderungen des Erbguts).
Hinzu kommen Schwermetalle (Blei, Cadmium und Quecksilber), die Anämie, chronische Nierenschäden, Osteoporose und kognitive Beeinträchtigungen begünstigen. Insbesondere Quecksilber ist ein ernstes Problem (Goldminen).
Was vor allem verarbeitete und verpackte Produkte betrifft, so gibt es Zusatzstoffe und Verpackungsmaterialien: Einige umstrittene Zusatzstoffe und aus Verpackungen freigesetzte Substanzen können auf das endokrine System wirken oder krebserregende Eigenschaften haben. Aber auch bei hausgemachten Speisen und Produkten von Kleinunternehmern, die auf der Straße verkauft werden – wie es hier sehr häufig der Fall ist –, kann die Verwendung von oft ungeeigneten Verpackungen und Kunststoffschalen gesundheitliche Probleme verursachen (Weichmacher usw.).
Zwei der wenig bekannten und außerhalb fachmedizinischer Kreise kaum diskutierten Probleme sind das komplexe Thema der Mykotoxine und der Einfluss von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln auf die Förderung biologischer Resistenzen.
Der intensive, wiederholte und kontinuierliche Einsatz von Agrochemikalien begünstigt das Entstehen von Resistenzen bei Schädlingen, Pilzen und Unkräutern, denen man oft mit einer Erhöhung der Dosierungen und Behandlungshäufigkeiten entgegenwirken will, wodurch ein Teufelskreis entsteht.
Nicht zu vergessen sind zudem die PFAS und Mikroplastikpartikel, die in die Nahrungskette gelangen.
Abgesehen vom Thema Ernährung, aber im Zusammenhang mit Krebs, möchte ich am Rande Asbest erwähnen. Bei uns ein ernstes und ungelöstes Problem: Obwohl in Kolumbien seit 2022 ein Verbot für den Abbau und die Verarbeitung von Asbest gilt, gibt es große Mengen alter Produkte, die wiederverwendet, verarbeitet oder unsachgemäß entsorgt werden.
Auch Bio ist hier keine Garantie, es wird viel geschummelt. Und auch in diesem Sektor mangelt es nicht an Korruption und unlauteren Praktiken. Was ich hier im Südwesten Antioquias in letzter Zeit in Bezug auf Umwelt und Landwirtschaft erlebt habe, würde jedem die Haare zu Berge stehen lassen. Ich gehe nicht ins Detail, sonst würde ich zu sehr vom Thema abweichen.
Wir bewirtschaften die Finca rein biologisch. Dennoch kommen regelmäßig Leute, die uns davon überzeugen wollen, Chemikalien einzusetzen, in der festen Überzeugung, fortschrittlich zu sein. Trotz unserer Entscheidung, auf Agrochemikalien zu verzichten, haben wir es mit kontaminiertem Boden zu tun, der aus den Nachbargebieten stammt und durch den Regen hereingetragen wird, wenn auch mit deutlich geringeren Werten, als wenn wir selbst Chemikalien einsetzen würden. So können wir zumindest die wenigen Dinge, die wir selbst produzieren, auch in dieser Hinsicht mit Freude verzehren.
Die Frage, warum man hier bleibt, wenn man die Mittel hat, wegzugehen, ist absolut berechtigt. Ich weiche zwar vom Thema des Beitrags ab, möchte aber dennoch eine Antwort geben, die ich somit im Spoiler wiedergebe.
Warum bleibt man hier, wenn man die Mittel hat, wegzugehen? Du hast eine Frage angesprochen, mit der ich mich tatsächlich aus mehreren Gründen auseinandersetze. Ein Grund sind bestimmte lokale Gegebenheiten, die die Lebensqualität im Alltag in Bezug auf Wohlbefinden und Gesundheit (sowohl körperlich als auch geistig) beeinträchtigen. Zudem sind die Tendenzen alles andere als vielversprechend.
Aber seien wir realistisch: Jedes Land und jede Region hat ihre Schattenseiten und ihre Probleme.
Letztes Jahr habe ich den Schritt gewagt, hierher nach Kolumbien zu ziehen, aus demselben Grund wie du. In erster Linie aus Solidarität mit meiner Frau und wegen ihrer Situation (sie leidet an MS), um ihr und ihrer Familie entgegenzukommen. Allerdings mit einem zwiespältigen Gefühl. Bei mir kam noch das Argument hinzu, den zahlreichen Allergenen zu entkommen, unter denen ich leide, nämlich Birken, Haselnuss, Buche, Eichen usw., die dort, wo wir lebten, stark vertreten waren.
Ehrlich gesagt habe auch ich diesen Schritt schon bald bereut. Es ist eine Sache, hier ein paar Monate im Jahr zu verbringen, eine andere, hier zu leben und hier seinen Wohnsitz zu haben. Vielleicht ist es nur mein Eindruck, aber in den letzten 12 Monaten habe ich das Gefühl, dass sich vieles zum Schlechten gewendet hat. In unserer Gemeinde ganz sicher.
Tatsächlich bin ich nicht überzeugt davon, meine Aufenthaltsbewilligung (Visa M Cónyuge,die mir vorerst für ein Jahr ausgestellt wurde) zu verlängern, und ich erwäge ernsthaft, zurückzukehren. Allerdings nicht in die Schweiz, sondern möglicherweise ins obere Piemont (wo die einten meiner familiären Urwurzeln liegen). Klar, auch dort ist es kein Paradies auf Erden, aber die Lebensqualität – ich gebe zu, dass dies ein subjektiver Begriff ist – empfinde ich insgesamt als weitaus höher als in Antioquia. Aus diesem Grund habe ich auch den Kauf eines Hauses (als Ersatz für die Finca) hier in Kolumbien auf Eis gelegt.
Meine Frau hingegen möchte hier bei ihren Angehörigen bleiben. Also werden wir eine Lösung finden, die uns beide zufriedenstellt. Wenn ich als „Tourist“ für ein paar Monate im Jahr nach Kolumbien zurückkehre, kann ich mich von bestimmten Realitäten eher distanzieren.
Auch meine Frau hätte nichts gegen den Gedanken, dies mit Aufenthalten im Piemont zu erwidern. All dies natürlich unter der Voraussetzung, dass es die Gesundheit (das Alter macht sich bemerkbar

) und die finanziellen Mittel zulassen.
Wir werden sehen, wie es sich entwickelt... Sobald es die Zeit erlaubt, werde ich in „Apuntes Paisa“ darüber näher über die Hintergründe berichten.