Europäische Spuren in Pamplona: Wenn Geschichte ein Gesicht bekommt

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Eisbaer
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Europäische Spuren in Pamplona: Wenn Geschichte ein Gesicht bekommt

Beitrag von Eisbaer »

Ein kürzlich veröffentlichter Beitrag des Magazins Plaza Capital hat mich tief berührt. Er erzählt von einer Migrationswelle europäischer Einwanderer, die zwischen 1923 und 1956 in Kolumbien Zuflucht suchten. Der Artikel konzentriert sich auf drei Männer – Jorge Bobrek, Pierino Romani und Herbert Faber –, die in der Universitätsstadt Pamplona im Departamento Norte de Santander eine neue Heimat fanden. Was den Bericht für mich besonders macht: Mit zweien dieser Männer kreuzten sich vor Jahrzehnten meine eigenen Wege.

Jorge Bobrek Koenigsberger, geboren 1915 im damaligen Breslau, floh nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 mit seinen Schwestern nach Amerika. Die geplante Route in die USA scheiterte. Das Schiff legte schließlich in Puerto Colombia an. Ohne ein Wort Spanisch schlug sich Bobrek zunächst in Barranquilla durch, zog später nach Cúcuta und praktizierte dort als Zahnarzt. Um einer drohenden Deportation von Staatsbürgern der Achsenmächte zu entgehen, heiratete er 1942 die Kolumbianerin Isabel Orozco und erwarb die Staatsbürgerschaft. Nach einem Zwischenstopp in Labateca ließ sich das Paar endgültig in Pamplona nieder, wo Bobrek bis zu seinem Tod 1984 als Zahnarzt arbeitete.

Pierino Romani D'guiseppe, geboren 1933 in Ripe Di Civitella, floh 1954 vor der wirtschaftlichen Verwüstung der Nachkriegszeit nach Venezuela. 1958 kam er mit einem Vertrag als Küchenchef nach Pamplona. Nach Stationen im damaligen Restaurant Granada machte er sich selbstständig. Ende der 1980er Jahre führte er direkt gegenüber der Plaza Almeyda und dem bekannten Hotel Cariongo eine der beliebtesten Pizzerien der Stadt – die er laut Medienbericht noch im hohen Alter von 88 Jahren persönlich betreute. Ein Ort, der vielen ehemaligen Bewohnern und Studenten bis heute ein Begriff ist.

Besonders aufschlussreich ist der Abgleich des Presseberichts mit den realen Familienverhältnissen um den Deutschen Herbert Kurth Faber, geboren 1926 in Lübeck. Der offizielle Bericht stützt sich auf die Erinnerungen seiner Tochter Sofía Faber Lehnnert. Er schildert Herberts Ankunft 1948 nach seiner Zeit bei der deutschen Luftwaffe sowie die spätere, dramatische Flucht seiner ersten Ehefrau Vera Lehnnert aus der sowjetischen Besatzungszone nach Kolumbien. Diese Ehe hielt nicht stand.

Die folgenden Jahrzehnte offenbaren eine tiefe gesellschaftliche und familiäre Spaltung, die im Pressebericht unerwähnt bleibt. Während Herberts Bruder Ernesto Faber als wohlhabender Bürger in Pamplona lebte und mit einer der angesehensten Rechtsanwältinnen des Ortes verheiratet war, wählte Herbert einen völlig anderen Weg. Er zog auf eine einfache, stromlose Finca außerhalb der Stadt, heiratete eine einheimische Bäuerin und zog mit ihr vier Kinder groß. Wegen dieses einfachen Landlebens und der Heirat außerhalb der eigenen Schicht wurde Herbert von seinem vermögenden Bruder aus der Familie ausgeschlossen und totgeschwiegen.

Während meines eigenen Aufenthalts in Pamplona Ende der 1980er Jahre lernte ich Herbert Faber kennen – einen einfachen, aber zutiefst zufriedenen Menschen und engen Freund. Das herzliche Verhältnis zur gesamten Familie führte schließlich dazu, dass ich die Patenschaft für einen seiner Söhne übernahm. Ernesto Faber mied fortan jeden Kontakt zu mir – ein Umstand, der den tiefen Riss in dieser Familie dokumentiert.

Pamplona war in jener Zeit ein kosmopolitischer Mikrokosmos. Neben den Brüdern Faber und Pierino Romani prägten weitere Europäer das Stadtbild: ein spanischer Betreiber eines Minimarktes, ein politisch ambitionierter Italiener. Unterstützt wurde diese Atmosphäre durch eine dynamische Studentenschaft der Universidad de Pamplona – unter ihnen damals sogar drei fließend Deutsch sprechende Studenten.

Die Schicksale dieser Einwanderer zeigen: Migration ist kein neues Phänomen in Kolumbien. Sie kamen mit nichts, flohen vor den Trümmern Europas und prägten die Kultur und Wirtschaft von Pamplona nachhaltig. Der persönliche Blick auf diese Schicksale zeigt vor allem eines: Der vermeintlich reichere Bruder hinterließ gesellschaftliches Prestige, doch das wahre, unbeschwerte Glück lag auf der einfachen Finca am Rande der Stadt.

Wie habt ihr die Präsenz europäischer Einwanderer in Kolumbien erlebt? Gibt es in euren Regionen ähnliche Geschichten, die fast vergessen wären?
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Wieschke
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Europäische Spuren in Pamplona: Wenn Geschichte ein Gesicht bekommt

Beitrag von Wieschke »

Eine wirklich spannende Geschichte. Es gab sogar eigene Zeitungen wie den "Karibischer Beobachter" aus Barranquilla. Da ich leidenschaftlicher Sammler bin, klapperte ich vor wenigen Tagen alle Antiquariate in Barsanquilla ab. Leider fand ich gar nichts deutsches.

In Kolumbien gibt es auffällig viele Italiener. Einer betreibt zum Beispiel ein Hostel in Taganga.