Kolumbien vor den Wahlen 2026 – Wer kann Petro beerben?

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Bogotano
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Kolumbien vor den Wahlen 2026 – Wer kann Petro beerben?

Beitrag von Bogotano »

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@coentros, ich schätze deine ehrliche und realistische Sichtweise sehr. Dass du das Dilemma des „weniger katastrophalen Kandidaten“ ansprichst, beschreibt genau die Zwickmühle, in der wir morgen stecken.

Du hast völlig recht: Die Sicherheitslage unter Uribe hat sich damals verbessert – weniger Morde, weniger Entführungen, mehr Bewegungsfreiheit. Das ist kein Mythos, das ist dokumentiert. Und ja, die paz total ist gescheitert. Das geben inzwischen sogar ihre eigenen Verantwortlichen zu.

Aber – und hier kommen wir zum Kern – die falsos positivos waren keine Betriebsunfälle. Das waren systematische Verbrechen, für die bis heute kaum jemand zur Rechenschaft gezogen wurde. Und genau deshalb ist es für mich kein Zeichen von „dazugelernt“, wenn Paloma Valencia Álvaro Uribe als Verteidigungsminister ins Spiel bringt. Es ist das Gegenteil: Es ist die Ankündigung, dass man die alte Doktrin einfach neu auflegt – inklusive der Risiken, die wir schon kennen.

Du sagst: Es gibt keinen 100% sauberen Weg. Jede wirksame Strategie hat Kollateralschäden. Auch das sehe ich so. Aber die Frage ist doch: Welche Kollateralschäden sind wir bereit zu akzeptieren? Und genau hier unterscheiden sich die drei Kandidaten.

Cepeda riskiert, dass die Gewalt weiter ungebremst wächst – weil Verhandlungen ohne Druck ins Leere laufen. De la Espriella riskiert eine Explosion der Gewalt im ländlichen Raum – weil militärische Härte ohne soziale Präsenz die Gruppen nur vertreibt, aber nicht besiegt. Valencia riskiert eine Rückkehr zu den dunklen Methoden der Vergangenheit – inklusive neuer falsos positivos, wenn der Druck auf die Streitkräfte wieder steigt.

Was fehlt, ist ein vierter Weg: Einer, der Härte gegen Kriminelle mit sozialer Präsenz des Staates verbindet. Genau das hat Sergio Fajardo in Medellín vorgemacht – mit den Parques Biblioteca, mit Bildung, mit der Rückeroberung der Territorien. Nicht nur Knüppel, sondern auch Perspektive. Leider steht dieser Ansatz morgen nicht auf dem Zettel.

Also ja: Wir wählen morgen nicht die Ideallösung. Wir wählen die Art von Problemen, mit denen wir die nächsten vier Jahre leben wollen. Das ist meine bittere Wahrheit für dieses Wochenende.

Gehen wir trotzdem wählen – mit offenen Augen. Und hoffen wir, dass das Land, das wir beide schätzen, den diesmal nicht ganz so falschen Weg nimmt.

Ruhiges und sicheres Wahlwochenende allerseits!

Dolfi
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Kolumbien vor den Wahlen 2026 – Wer kann Petro beerben?

Beitrag von Dolfi »

Das finde ich auch ermutigend, dass Kolumbien nie eine Diktatur gewesen ist wie viele der Nachbarländer, bei allen Problemen.

In Demokratien lassen sich immer noch am ehesten Lösungen finden.

coentros
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Kolumbien vor den Wahlen 2026 – Wer kann Petro beerben?

Beitrag von coentros »

@Bogotano, ich bin völlig bei Dir. Habe einige YouTube videos und Interviews mit Sergio Fajardo gesehen. Leider steht er nicht zur Verfügung. Leider gibt es keinen Bewerber der für einen vierten Weg steht. Leider wurden viele Verbrecher in Kolumbien nicht verurteilt. Die Hoffnung stirbt zuletzt, in der Tat. Ich hoffe sehr, dass Kolumbien einen Weg findet nach vorne zu kommen, bei der inneren Sicherheit und wirtschaftlich.

Um hier noch ganz kurz eine andere Facette zu erwähnen. Fajardo wird in Kürze 70 Jahre alt. Dieser merkwürdige Trend, dass Politiker im Lebensalter von über 70 an der Macht sind (Merz, Putin, Jingping, Trump, letzterer fast 80. In DE soll Kubicki mit 74 nun die FDP wiederbeleben...) halte ich ansonsten auch für völlig daneben.
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Bogotano
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Kolumbien vor den Wahlen 2026 – Wer kann Petro beerben?

Beitrag von Bogotano »

@coentros, dann sind wir uns im Kern ja einig. Dass die Hoffnung zuletzt stirbt, ist vermutlich die Grundvoraussetzung, um in diesem wunderschönen, aber komplizierten Land zu leben.

Dein Punkt mit dem Alter der Politiker ist berechtigt – und ich sehe das genauso kritisch. Die weltweite Tendenz, dass immer mehr Siebzig- und Achtzigjährige die Geschicke lenken, ist kein gutes Zeichen für Erneuerung. Aber bei Fajardo muss ich eine Lanze brechen: Mit 70 wäre er nicht älter als viele andere – und wichtiger: Er bringt etwas mit, was in jeder Altersgruppe selten ist: administrative Erfahrung, akademische Besonnenheit und eine klare, gewaltfreie Sprache. Das ist kein Argument für Überalterung, sondern für Qualität. Leider steht er nicht zur Wahl.

Im Kern hast du recht: Kein idealer Kandidat, kein vierter Weg, viele ungesühnte Verbrechen. Aber wir sind hier, wir schauen hin, und morgen entscheiden die Kolumbianer.

Also: Analysen sind gemacht, Positionen ausgetauscht. Schauen wir, was die Urne bringt.

Ich trinke jetzt erst mal einen Tinto – und wünsche allen einen ruhigen, besonnenen Wahlsonntag, egal, wie die Entscheidung ausfällt.