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@coentros, ich schätze deine ehrliche und realistische Sichtweise sehr. Dass du das Dilemma des „weniger katastrophalen Kandidaten“ ansprichst, beschreibt genau die Zwickmühle, in der wir morgen stecken.Du hast völlig recht: Die Sicherheitslage unter Uribe hat sich damals verbessert – weniger Morde, weniger Entführungen, mehr Bewegungsfreiheit. Das ist kein Mythos, das ist dokumentiert. Und ja, die paz total ist gescheitert. Das geben inzwischen sogar ihre eigenen Verantwortlichen zu.
Aber – und hier kommen wir zum Kern – die falsos positivos waren keine Betriebsunfälle. Das waren systematische Verbrechen, für die bis heute kaum jemand zur Rechenschaft gezogen wurde. Und genau deshalb ist es für mich kein Zeichen von „dazugelernt“, wenn Paloma Valencia Álvaro Uribe als Verteidigungsminister ins Spiel bringt. Es ist das Gegenteil: Es ist die Ankündigung, dass man die alte Doktrin einfach neu auflegt – inklusive der Risiken, die wir schon kennen.
Du sagst: Es gibt keinen 100% sauberen Weg. Jede wirksame Strategie hat Kollateralschäden. Auch das sehe ich so. Aber die Frage ist doch: Welche Kollateralschäden sind wir bereit zu akzeptieren? Und genau hier unterscheiden sich die drei Kandidaten.
Cepeda riskiert, dass die Gewalt weiter ungebremst wächst – weil Verhandlungen ohne Druck ins Leere laufen. De la Espriella riskiert eine Explosion der Gewalt im ländlichen Raum – weil militärische Härte ohne soziale Präsenz die Gruppen nur vertreibt, aber nicht besiegt. Valencia riskiert eine Rückkehr zu den dunklen Methoden der Vergangenheit – inklusive neuer falsos positivos, wenn der Druck auf die Streitkräfte wieder steigt.
Was fehlt, ist ein vierter Weg: Einer, der Härte gegen Kriminelle mit sozialer Präsenz des Staates verbindet. Genau das hat Sergio Fajardo in Medellín vorgemacht – mit den Parques Biblioteca, mit Bildung, mit der Rückeroberung der Territorien. Nicht nur Knüppel, sondern auch Perspektive. Leider steht dieser Ansatz morgen nicht auf dem Zettel.
Also ja: Wir wählen morgen nicht die Ideallösung. Wir wählen die Art von Problemen, mit denen wir die nächsten vier Jahre leben wollen. Das ist meine bittere Wahrheit für dieses Wochenende.
Gehen wir trotzdem wählen – mit offenen Augen. Und hoffen wir, dass das Land, das wir beide schätzen, den diesmal nicht ganz so falschen Weg nimmt.
Ruhiges und sicheres Wahlwochenende allerseits!




