@Axko, an sich stimme ich dir voll und ganz zu, doch die Realität – insbesondere die kolumbianische – ist weitaus komplexer und weit entfernt von einer solchen Darstellung, die den Idealfall abbilden würde.
Rainer Mausfeld lässt schon mal Grüssen

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Du schreibst: „In Demokratien mit freien Wahlen unter internationaler Beobachtung, wie es in der ersten Runde der Fall war, ist der Wähler verpflichtet, das Ergebnis zu akzeptieren.“ Auch hier würde ich zustimmen, wenn wir in einer Gesellschaft leben würden, die so korrekt und vorbildlich ist wie aus dem Lehrbuch. Leider ist es eine Tatsache, dass (nicht nur) in Kolumbien Wahlunregelmässigkeiten eine Realität mit langer Tradition sind, die sich ausbreitet und Abstimmungen und Wahlen auf lokaler Ebene befleckt, über das Parlament reicht und auch die Präsidentschaftswahlen nicht verschont. Folglich halte ich es nicht nur für zulässig, sondern für eine Pflicht – gerade auch, um einen gesunden demokratischen Prozess zu gewährleisten –, wo dies gerechtfertigt ist, potentielle Unregelmässigkeiten aufzudecken und zu untersuchen. Wer sich bereits in der Vergangenheit ein wenig mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, weiss, wovon ich spreche. Seien wir ehrlich: Die Frage ist nicht so sehr, ob es bei solchen Abstimmungen Unregelmässigkeiten gibt, sondern welche und in welchem Umfang.
Dann gibt es meiner Wahrnehmung und Ansicht nach noch eine weitere Frage, die den Mythos der (nicht nur hiesigen) Demokratie entkräftet. Demokratie umfasst nicht nur das Recht auf Teilhabe, sondern – vor allem, um diesen sozialen Akt gewissenhaft und verantwortungsvoll ausüben zu können – die Pflicht zur Teilhabe, die in erster Linie eine angemessene Vorbereitung beinhaltet, um überhaupt die entsprechende politische Mündigkeit zu erlangen.
Andernfalls sehen wir uns mit einer Vielzahl von Bürgern konfrontiert, die ihre Meinung äussern oder Entscheidungen zu Themen treffen, von denen sie nicht die geringste Ahnung haben. Unter diesen Umständen, die leider weitgehend viele lokale Gegebenheiten widerspiegeln, wie etwa in unserer ländlichen Region in Antioquia, erhält der Begriff „Demokratie“ bereits eine ebenso ironische wie perverse Konnotation.
Ein Beispiel, das mich besonders zum Nachdenken gebracht hat, waren letzte Woche die Worte unserer Treuhänderin. Eine Person, von der ich ein Mindestmass an sozialer Kompetenz und politischer Mündigkeit erwartet hätte. Ihre Priorität gilt der Ablehnung von Cepeda, ergo der Unterstützung von de la Espriella. In einer kurzen Diskussion gab sie dann selbst zu, dass sie nicht die geringste Ahnung hat, wer Espriella sei, geschweige denn, welches Programm er vertritt. Aber über Cepeda war sie definitiv auch nicht besser informiert. Und es ist nicht die Seite, auf der sie sich positioniert, die mich entsetzt (wenn sie tatsächlich die Person und das Programm von Espriella kennen würde, würde ich das voll und ganz akzeptieren, auch wenn ich es nicht teile). Was mich schockiert, ist genau das: sich eine Meinung zu bilden, über etwas worüber man nicht geringste Ahnung hat.
Da fällt mir unweigerlich einen Spruch ein, der oft fälschlicherweise als Zitat von Churchill ausgegeben wird, aber genau ins Schwarze trifft.
«Das beste Argument gegen die Demokratie ist ein fünfminütiges Gespräch mit einem durchschnittlichen Wähler.»
Ein äusserst kritischer Punkt, der meiner bescheidenen Meinung nach mehr als fragwürdig ist, ist die Frage nach der Vereinbarkeit (wenn nicht aus rechtlicher, so doch zumindest aus ethischer Sicht und im Hinblick auf das kolumbianische nationale Interesse) einer Präsidentschaftskandidatur wie der von Espriella, der erst im 2023, als sie die US-Staatsbürgerschaft als dritte Staatsangehörigkeit annahm, unter Eid die Erklärung zugunsten der USA ablegte, auf die Loyalität gegenüber jedem anderen Staat (Oath of Allegiance)
I hereby declare, on oath, that I absolutely and entirely renounce and abjure all allegiance and fidelity to any foreign prince, potentate, state, or sovereignty of whom or which I have heretofore been a subject or citizen; that I will support and defend the Constitution and laws of the United States of America against all enemies, foreign and domestic; that I will bear true faith and allegiance to the same; that I will bear arms on behalf of the United States when required by the law; that I will perform noncombatant service in the Armed Forces of the United States when required by the law; that I will perform work of national importance under civilian direction when required by the law; and that I take this obligation freely without any mental reservation or purpose of evasion; so help me God.
und folglich auch gegenüber Kolumbien gänzlich zu verzichten.