Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

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Dolfi
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von Dolfi »

Wer gut süpanisch kann sollte sich dieses Video anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=i51Yhfig5Qw

Spanischer Kanal, analysiert, was wohl vom nächsten Präsidenten zu erwarten ist, und matisiert vor allem auch seine Verstrickung mit den Paramilitärs, von der ich so nichts wusste.

In der Wirtschaftspolitik ist Milei sein Vorbild, bei der inneren Sicherheit Bukele. Sehe nicht, wie das funktionieren könnte; Argentinien ist ein altes Industrieland mit starken Gewerkschaften. El Salvador ist so groß wie Hessen und hat sechs Millionen Einwohner, er müsste Gefängnisse bauen für Hunderttausende und sie verhaften lassen.
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Eisbaer
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von Eisbaer »

@Dolfi: Vielen Dank für diesen erstklassigen Beitrag zur Eröffnung unseres neuen Themas!

Deine Analyse zum Vergleich mit Milei und Bukele trifft den Nagel auf den Kopf. Genau solche fundierten Meinungen und Zusammenfassungen in eigenen Worten sind es, die eine echte Diskussion ausmachen.

Aus gegebenem Anlass möchte ich diesen vorbildlichen Beitrag von Dolfi direkt als Maßstab nutzen und noch einmal an alle appellieren: Bitte stellt hier im neuen Thema keine nackten Links oder lieblos hingeklatschten Einzeiler mehr ein. Wer einen Medienbericht oder ein Video teilen möchte, macht es bitte so wie Dolfi – fasst die Kernpunkte kurz zusammen und schreibt eure eigene Meinung dazu.

Herzlich willkommen an alle im neuen Hauptthema: "Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?"

Die Würfel sind gefallen, die Ära unter dem „Tigre“ beginnt nach diesem hauchdünnen Wahlergebnis, und wir wollen die kommenden politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen hier weiterhin gemeinsam sachlich und respektvoll begleiten. Auf eine gute Diskussion!
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desertfox
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von desertfox »

Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren befürchte aber die nächsten Jahre harte Zeiten auf Kolumbien zukommen.

Unter Pedro wurde der doch recht erstarkte Peso kritisiert, nun ist er nochmal im Kurs gestiegen, das mag zwar gut für die Firmen sein die importieren (Auch Amazon und ebay Käufe dürften für Kolumbianische Käufer günstiger werden), Exporteure bekommen aber weniger Pesos. Das dürfte sich mit Sicherheit auch auf die Preise in Kolumbien auswirken.

Auslandsrentner die in Kolumbien leben werden sicher jammern, siehe einen der letzten Beiträge von Gordito54.

Neugierig bin ich auf den Immobilienmarkt, Für Auslandskäufer wird es sicher teurer…, und wenn der Mindestlohn wieder reduziert wird dann wird es auch für Kolumbianer sicher nicht besser.

Arbeitsmarktregulierungen wie von Pedro angestoßen werden ggfls. wieder rückgängig gemacht.

Megagefängnisse…, na ja…, schauen wir mal…, und dass man einen Guerillakrieg nicht gewinnen kann schrieb ich früher schon mal.
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Bogotano
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von Bogotano »

Interessante Punkte, @desertfox. Dass harte Zeiten kommen könnten, sehe ich ähnlich, aber bei der Wirtschaft und dem Peso müssen wir, glaube ich, genauer hinschauen.

Ein starker Peso ist für uns Verbraucher hier im Alltag eigentlich ein Dämpfer für die Preise. Alles, was importiert wird – vom Getreide bis zur Technik –, wird dadurch günstiger. Das bremst die Inflation eher, als dass es die Preise treibt.

Die Exporteure und die Rentner, die in Dollar oder Euro bezahlt werden, erwischt es dagegen hart, da hast du absolut recht. Deren Kaufkraft schrumpft im Land massiv.

Beim Mindestlohn würde ich mir weniger Sorgen machen: Den wird auch ein de la Espriella rechtlich und politisch niemals senken können. Er wird ihn unter dem Vorwand der Wirtschaftsförderung in den nächsten Jahren maximal weniger stark erhöhen als Petro.

Der Immobilienmarkt bleibt spannend. Für Ausländer wird es teurer, ja, aber für Einheimische mit Ersparnissen in Peso könnten sich sogar Chancen bieten, wenn die Zinsen mitspielen.
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Don Maximo
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von Don Maximo »

Dass Kolumbien in den kommenden Jahren schwierige Zeiten bevorstehen könnten, ist leider auch meine Befürchtung.
Befürchtungen vor einem sozialen, ökologischen und demokratischen Rückschritt, der Kolumbien wieder in die für vergangene Jahrzehnte typischen Szenarien von Konflikten und intensiver Ausbeutung zurückversetzen könnte, sind mehr als berechtigt. Sollte der Regierungsansatz von de la Espriella tatsächlich so ausfallen, wie angekündigt – was ich leider befürchte –, wird dies meiner Meinung nach die Spirale der Gewalt (auch in den Städten!) wieder entfachen, die Kolumbien mit Blut überzogen hat, mit möglichen Szenarien, die denen ab Ende der 1940er Jahre ähneln.

@Desertfox, was die starke Erhöhung des Mindestlohns betrifft, so könnte diese theoretisch rückgängig gemacht werden; ein entsprechendes Verfahren ist noch anhängig. Ironischerweise war gerade der neu gewählte Vizepräsident einer der Hauptakteure, die sich für die Rücknahme dieser starken Erhöhung eingesetzt haben. Da dies keine rückwirkende Wirkung hat, müsste diese Rücknahme und die Festlegung eines neuen Mindestlohns noch in diesem Jahr erfolgen. Ich halte dies jedoch für unwahrscheinlich, da de la Espriella dadurch zu definitiv zu viel Zustimmung und Rückhalt in der Bevölkerung verlieren würde (und dessen ist er sich bewusst).
Was den Peso betrifft, teile ich die Meinung von @Bogotano.
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Nico
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von Nico »

Ich sehe das bei weitem nicht so düster wie die meisten hier. Zugegeben, die Rhetorik im Wahlkampf war extrem, aber schauen wir uns doch einmal an, was de la Espriella eigentlich vorhat.

Der Mann ist Unternehmer. Wenn er die Bürokratie zusammenstreicht, den Markt dereguliert und die Wirtschaft atmen lässt, wie er es angekündigt hat, kann dieser Rechtsruck für Kolumbien eine riesige Chance sein. Das Land hat enormes Potenzial, das unter Petro durch Regulierungen blockiert wurde. Wenn er das Land wie ein effizientes Unternehmen führt und gleichzeitig Investoren durch eine harte Sicherheitspolitik zurückholt, steuern wir nicht auf die 1940er Jahre zu, sondern auf einen massiven wirtschaftlichen Aufschwung.

Man sollte ihm zumindest eine Chance geben, anstatt jetzt schon den Untergang herbeizureden.

desertfox
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Beitrag von desertfox »

@Nico,

ein Liberalisierter Markt hat nur selten Arbeitsplätze geschafft. Unternehmer denken zunächst nur an Profite. Das Problem in Kolumbien sind eher die unmotivierten Arbeitnehmer..., klar, Minimumgehalt, kein oder kaum Arbeitsplatzschutz, wen wundert das.
Wenn das Land faktisch der 52 US-Bundesstaat wird sehe ich schwarz für die Umwelt und Minderheiten…, dann kommt es auf die Gerichte an zu entscheiden was wichtiger ist.

Genuasd
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Beitrag von Genuasd »

Am Wochenende erzählte mir jemand, der für Abelardo stimmte, dass er nun hoffe, der COP wird durch den USD ersetzt.
Ich fragte ihn weshalb er das hoffe und was er sich davon verspräche.
Die Antwort war klar: der USD ist mehr wert und deshalb sei die Währung besser.
Der Wähler hat sich wirklich Gedanken gemacht.
Zum Glück ist der COP noch relativ stabil und daher eine Währungsreform kein echtes Thema.

Ein Social Media Post einer Wählerin macht gerade die Runde, die Asyl in den USA beantragt hat und vorher noch euphorisch pro Tigre war, sich aber 3 tage später darüber empört, dass sie zurück nach Kolumbien soll und wie unfair das sei.
Passiert wenn man das kleingedruckte nicht liest.

Gerade in der aktuellen Zeit hätte es mehr denn je , jemand gebraucht, der moderate Töne anschlägt und diplomatisch handelt. Petros offensives und provokantes Auftreten gegenüber Trump hat mir nicht gefallen, aber das andere Extrem ist ebenfalls besorgniserregend. Kann man fast froh sein, dass die gerade größere Sorgen haben...
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Bogotano
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von Bogotano »

@desertfox: Du sagst: "Das Problem in Kolumbien sind eher die unmotivierten Arbeitnehmer..."

Da muss ich dir als jemand, der hier in Bogotá lebt, allerdings ganz entschieden widersprechen, @desertfox.

Wer morgens um 4:30 Uhr sieht, wie sich die Busse der TransMilenio mit Menschen füllen, die für den Mindestlohn zwei Stunden quer durch die Stadt zu ihrer Arbeit pendeln, kann nicht von Unmotivation sprechen. Die Kolumbianer gehören laut internationalen Statistiken zu den Menschen mit den längsten Wochenarbeitszeiten weltweit. Sie arbeiten verdammt hart, oft unter extrem unsicheren Bedingungen und ohne großes Jammern, um ihre Familien irgendwie durchzubringen.

Das Problem ist nicht der Wille der Leute, sondern die mangelnde Produktivität durch fehlende Infrastruktur, die enorme Bürokratie und die Tatsache, dass über die Hälfte der Wirtschaft im informellen Sektor stattfindet, weil legale Arbeitsplätze durch Überregulierung oft blockiert werden.

Genau da liegt ja der Ansatzpunkt, warum viele Unternehmer und auch Wähler auf eine Liberalisierung hoffen, nicht um die Leute auszubeuten, sondern um es überhaupt erst bezahlbar zu machen, regulierte, legale Arbeitsplätze zu schaffen. Ob de la Espriella das liefert, müssen wir abwarten, aber an der Motivation der kolumbianischen Arbeitnehmer scheitert es hier ganz sicher nicht.

Genuasd
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Beitrag von Genuasd »

Das ist auch meine Erfahrung. Viele Mitarbeiter müssen einiges ertragen, weil sie auf den Job/Geld angewiesen sind und der Arbeitgeber sitzt am längeren Hebel. Dazu die Pendelei.
Ich fand es immer beeindruckend, wie die Leute damit umgegangen sind.
In Deutschland habe ich viele erlebt, die dem Arbeitgeber auf der Nase rumgetanzt sind und dann noch mit einem goldenen Handschlag verabschiedet wurden.
Arbeitnehmerschutz und Angebot sind da eben viel größer. Ausnutzen muss das Trotzdem niemand.

desertfox
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Beitrag von desertfox »

Facebook Fund. +

Ich weiss nicht ob das wahr ist oder nicht, aber dieses 2-seitige Dokument von COHESIA besagt offensichtlich, dass sie die Korrektheit und Unabhängigkeit der Präsidentschaftswahl von Kolumbien nicht bestätigen können da es doch offensichtlich ziemliche Ungereimtheiten gab.
Kann da jemand was genaueres zu sagen?




Hinweis der Moderation:

Die seitenlangen Kopien externer Facebook-Texte in spanischer Sprache wurden entfernt. Laut unseren Forenregeln sind unkommentierte Vollzitate oder Textwüsten aus sozialen Netzwerken nicht gestattet, da sie die Lesbarkeit des Threads zerstören und das Urheberrecht betreffen. Bitte fasse solche Funde künftig in eigenen, kurzen Worten auf Deutsch zusammen. Die sachliche Diskussion darunter bleibt bestehen.

coentros
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von coentros »

Das halte ich für politisch motiviert und meines Erachtens auch nicht repräsentativ. Andere Wahlbeobachtungen bestätigen gesamthaft das Ergebnis, z.B. das wichtige Gremium Mision de Observacion Electoral (MOE) oder auch Vertreter einer EU-Organisation. Ansonsten erwähnt COHESIA selber, dass die 5000 Beschwerden ungeprüft seien. Bei COHESIA handelt es sich offensichtlich um kein Wahlbeobachtungsinstitut sondern ein privates NGO eindeutig linksgerichteter Aktivisten mit Hauptsitz in Frankreich, die in der Vergangenheit bereits in Cuba oder Venezuela zu Demonstrationen zugunsten der sozialistischen Regierungen aufgerufen haben.

Ansonsten würde mich einfach wundern warum Cepeda das Ergebnis bereits anerkannt hat ? Abgesehen natürlich von den ganzen Einflussnahmen die man im modernen social media Zeitalter allerdings weder ausschliessen und kaum kontrollieren kann. Es gäbe dann auch einige Wahlkreise in ländlichen Gebieten, in denen angeblich 90% und mehr der Stimmen an Cepeda gingen. Ob es da wohl immer mit rechten Dingen zuging ?

Ich denke das Wahlergebnis zeigt einfach, dass fast genau die Hälfte entweder weiter einen strammen Linkskurs, und die andere Hälfte genau das Gegenteil wollen. Wieviele Wähler allerdings von den jeweiligen Konsequenzen wirklich tiefergehend etwas verstehen oder erahnen möchte ich mir nicht anmassen.

Mein Fazit: So wie die Rechten 2022 abgestraft wurden, für eine unsägliche Reform tributaria mit gewaltsamen Ausschreitungen, wurde 2026 die Linke abgestraft für zuviel Paktieren mit bewaffneten Gruppen. Viele haben offensichtlich den Eindruck gewonnen, dass die nun abgewählte Regierung viel zu viel Sympathien für Schwerkriminelle hat, die doch eigentlich hinter Schloss und Riegel gehören.
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Bogotano
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Beitrag von Bogotano »

Ich muss @coentros da absolut zustimmen. Die Demontage dieser NGO-Meldung war goldrichtig – die Vorwürfe von COHESIA sind reine politische Motivationsmache. Das eigentliche Problem liegt ganz woanders: Petro hat es am Ende schlicht selbst versaut.

Seine "Paz Total" ist im Alltag zu einem spürbaren Fiasko geworden. Hochkriminelle Bandenchefs und Kriegsverbrecher offiziell zu Friedensvermittlern zu ernennen, hat bei der Bevölkerung genau das Gegenteil von Vertrauen bewirkt – die Leute hatten das Gefühl, der Staat knickt vor Kriminellen ein.

Dazu kam Petros oft widersprüchliches Auftreten. Einerseits beschwert er sich massiv über die Einmischung von Trump in den kolumbianischen Wahlkampf. Andererseits stand er selbst vor Kurzem noch in den USA mit dem Megafon in der Hand und hat US-Soldaten öffentlich dazu aufgerufen, sich Trumps Befehlen zu verweigern. Das passt einfach nicht zusammen. Auch dieses ständige, rückwärtsgewandte Beschwören der M-19, von Simón Bolívar und Großkolumbien in seinen geschwollenen, stundenlangen Reden – das wollten und konnten die Menschen hier irgendwann einfach nicht mehr hören. Das hat ihm politisch das Genick gebrochen.

Man kann es den Kolumbianern nicht verübeln, dass sie nach diesem Chaos einen radikalen Wechsel wollten. Hoffen wir einfach, dass der gewählte neue Präsident pragmatischer agiert, als es viele im Vorfeld befürchten. Schlimmer als die ständige ideologische Dauerbeschallung der letzten Jahre kann es eigentlich kaum werden.
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Don Maximo
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von Don Maximo »

Hinweis der Moderation:
Der folgende Beitrag von Don Maximo wurde aus dem biografischen Thema zu Abelardo de la Espriella hierher in das Politikforum verschoben. Da der ursprüngliche Thread als reines, dokumentarisches Nachschlagewerk gedacht ist, führen wir die inhaltliche und politische Diskussion zu den Hintergründen ab hier an dieser passenden Stelle weiter. Vielen Dank für die fundierten Ergänzungen!

Die Kontroverse mit der US Staatsbürgerschaft, die ich bereits in einem anderen Betrag beleuchtet habe:
Der Eid den de la Espriella abgelegt hat, verlangt nicht nur die absolute Loyalität gegenüber den USA, sondern explizit das „absolute und vollständige Aufgeben aller Treue" (absolutely and entirely renounce and abjure all allegiance) gegenüber jeglichem Staat dessen Bürger bis anhin war!.
Das Dilemma dabei: Ein Politiker, und erst recht einen Präsidenten, hat eine besondere Verantwortung gegenüber seinem Heimatland und dessen Verfassung. Der Schwur, de facto jegliche politische Loyalität zu diesem Land zugunsten der USA aufzugeben, steht im direkten Widerspruch zu den Amtspflichten, die er in Kolumbien wahrnehmen müsste.

Das Narrativ des Outsider
Die Selbstdarstellung als politischer Außenseiter ist nur bedingt stichhaltig, zumindest was die traditionelle Integration in bestehende Parteien oder die Ausübung eines öffentlichen Amtes angeht. Die Realität ist jedoch komplexer und nuancierter. De la Espriella hat über Jahrzehnte hinweg ein solides Beziehungsnetz zu sogenannten „Mächtigen“, umstrittenen Persönlichkeiten und führenden Vertretern der konservativen Rechten aufgebaut.
Er hat Mandanten verteidigt, die Verbindungen zu rechtsextremen Paramilitärs, Drogenhändlern und Politikern hatten, die in den „Parapolitika“-Skandal verwickelt waren, darunter prominente Persönlichkeiten wie der ehemalige Präsident Álvaro Uribe, zu dem er seit vielen Jahren eine solide Beziehung und persönliche Bindungen unterhält. Diese juristischen Aktivitäten haben ihm Zugang und Schutz in den härtesten Kreisen der kolumbianischen Rechten verschafft, lange bevor er selbst in den Wahlkampf einstieg.
Auch in den USA war und ist er politisch genau in jenem Kreis aktiv, von dem er sich de facto scheinheilig distanziert. In der Vergangenheit hatte er sich als Mitglied der US-Republikaner bezeichnet und sich aktiv in der Politik engagiert, beispielsweise durch Lobbyarbeit und eine nicht unerhebliche finanzielle Unterstützung des Trump-Flügels über mehrere Jahre hinweg. Allein zur Unterstützung von María Elvira Salazar (Republikanerin aus Florida) haben Espriella und seine Frau (über seiner Ehefrau als Spendenschleuse um die limite zu hintergehen) insgesamt ca. 100'000 Dollar gespendet.
Diese Spenden waren nicht unumstritten und teilweise illegal, da sie die festgelegten Obergrenzen überschritten. Ein Teil der Spenden musste zurückgegeben werden.
Espriella, der damals noch als Green-Card-Inhaber aufenthaltsberechtigt war, unterlag dabei bestimmten Spendenobergrenzen.
Salazar gilt als eine der wichtigsten Stimmen der kubanisch-amerikanischen Gemeinschaft und als enge Vertraute Trumps.
Diese Unterstützung und Finanzierung sicherte de la Espriella einen direkten Draht ins Machtzentrum. Salazar revanchierte sich öffentlich für diesen Gefallen, indem er ihn in den Wahlkampfvideos lobte („Ich habe ihn immer ‚den Tiger‘ genannt“) und sich aktiv für seine Unterstützung durch die Trump-Regierung einsetzte.

Die finanziellen Zuwendungen waren keine einmalige Geste, sondern Teil einer langjährigen Investitionsstrategie. Obwohl die Summen im Vergleich zu Großspendern in den USA sehr moderat waren, dokumentieren die Daten der US-Wahlkampfkommission (FEC) eine kontinuierliche Unterstützung.
Es bleiben zudem Zweifel, ob diese gesetzlich stark begrenzten, offengelegten Spenden den tatsächlichen Spendenfluss widerspiegeln oder ob hinter den Kulissen, wie viele vermuten, weitaus größere Summen illegal geflossen sind.
Durch die gezielte Finanzierung von Trump (symbolisch) und Salazar (substanziell) kaufte sich de la Espriella politischen Einfluss in Washington. Dies zahlte sich im Wahljahr 2026 aus, als Trump ihm das entscheidende „Complete and Total Endorsement" aussprach und Salazar als Brückenbauerin fungierte, um die kolumbianische Diaspora in den USA zu mobilisieren.
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Don Maximo
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von Don Maximo »

Abelardo de la Espriella hat per Dekret die Einrichtung des Bloque de Defensa para la Seguridad Urbana angekündigt.

Abelardo de la Espriella hat bekannt gegeben, wie das erste Dekret seiner Regierung lauten wird. Am kommenden 7. August wird er das Dekret zur Einrichtung des „Bloque de Defensa para la Seguridad Urbana“ unterzeichnen, einer Strategie, mit der er den Kampf gegen die Kriminalität in den wichtigsten Städten Kolumbiens (Bogotá, Medellín, Cali, Barranquilla und Bucaramanga) verstärken will.

De la Espriella betonte, dass der Schwerpunkt der Initiative auf der Bekämpfung von Straftaten wie Erpressung, Diebstahl und Mord liegen werde.
Die Ankündigung löste prompt Reaktionen aus verschiedenen Kreisen aus, die sowohl den Umfang der Massnahme als auch die Möglichkeit ihrer Umsetzung per Präsidialdekret in Frage stellen.
Das erklärte Ziel sei, „die grösste städtische Sicherheitsoperation in Kolumbien“ zu entwickeln. De la Espriella und der Bürgermeister von Barranquilla, Alejandro Char, wollen sich in dieser Angelegenheit in der kommenden Woche treffen.

Die Alarmglocken läuten zu Recht. Die Ankündigung hat unmissverständlich Erinnerungen an die ehemaligen Cooperativas de Vigilancia y Seguridad Privada (Convivir) geweckt, die in den 90er Jahren gegründet wurden. Auch diese wurden per Dekret vom damaligen Präsidenten César Augusto Gaviria mit denselben erklärten Zielen institutionalisiert, wenn auch – anders als heute – für ländliche Regionen. Diese Convivir-Genossenschaften arbeiteten in engster Kooperation mit paramilitärischen Gruppen wie den UAC und dienten als wichtigster Kanal für die Rekrutierung, Finanzierung und Organisation zur Bildung rechtsextremer bewaffneter Gruppen. Als 1997 die „Cooperativas de Vigilancia y Seguridad Privada“ (Convivir) demobilisiert wurden, gingen ihre Mitglieder tatsächlich auch zur „Autodefensas Unidas de Colombia“ AUC über.

Lokale Ableger von Convivir wurden von bekannten Paramilitär-Führern wie Salvatore Mancuso geleitet oder nahmen diese als Mitglieder auf. Dies verwischte die Grenze zwischen legalen zivilen Sicherheitskräften und illegalen Kombattanten erheblich. Convivir-Einheiten waren aktiv an Massakern, Folter und der Vertreibung von Zivilisten beteiligt, oft in Abstimmung mit der regulären Armee.
Beziehung zwischen Salvatore Mancuso und Abelardo de la Espriella

Die Beziehung zwischen dem ehemaligen Paramilitärführer Salvatore Mancuso und Abelardo de la Espriella ist ein zentrales Thema in der Diskussion über die „Parapolitik“ in Kolumbien, geprägt von Vorwürfen über Verbindungen während des Demobilisierungsprozesses der AUC und der Zurückweisung jeglicher Rechtswidrigkeit seitens des Anwalts del la Espriella.

Vorwürfe von Salvatore Mancuso
Im Juni 2024 erklärte Mancuso nach seiner Auslieferung in die Vereinigten Staaten in einem Interview, de la Espriella sei ein „enger Freund“ des damaligen Generalstaatsanwalts Mario Iguarán gewesen, und deutete damit an, dass die Paramilitärs auf Anweisung des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe Einfluss auf dessen Wahl gehabt hätten. Mancuso erklärte: „Abelardo ist ein sehr guter Freund … sie hatten grossen Einfluss aufeinander.“

Zudem bestätigte der ehemalige Kommandant die Existenz eines gemeinsamen Fonds, der von den Anführern der AUC zur Finanzierung politischer Aktivitäten eingerichtet worden war, stellte jedoch klar, dass er nicht wisse, ob die Stiftung FIPAZ, deren Vorsitz de la Espriella in der Demobilisierungszone "Ralito" innehatte, direkt Geld erhalten habe, da dieses Gebiet vom Kommandanten Ernesto Báez verwaltet worden sei.

Mancuso hat zudem schon seit Langem darauf hingewiesen, dass Politiker wie Miguel Alfonso de la Espriella (Abelardos Bruder) mit Unterstützung der Paramilitärs gewählt wurden, um als Verbindungsglied zu Uribe zu dienen, auch wenn sich die jüngsten direkten Vorwürfe auf die persönliche Nähe und die Leitung der FIPAZ konzentrieren.

Historischer Kontext: Der Pakt von Ralito
Der Schatten der Parapolitik erstreckt sich auf die Familie Espriella. Abelardos Bruder, Miguel Alfonso de la Espriella, wurde verurteilt und inhaftiert, weil er paramilitärische Unterstützung genutzt hatte, um Stimmen zu gewinnen. Dies beruhte auf Zeugenaussagen, in denen Mancuso selbst bestätigte, Wähler in Córdoba und Sucre unter Druck gesetzt zu haben, um ihn zu begünstigen. Miguel de la Espriella war Unterzeichner des Paktes von Ralito, eines Dokuments, das von Politikern und paramilitärischen Anführern zu "Refundar la Patria" (Neugründung des Vaterlandes) unterzeichnet wurde und dessen Veröffentlichung 2006 den Skandal um die Parapolitik aufdeckte.

Der Pakt von Ralito war eine geheime und illegale Vereinbarung, die am 23. Juli 2001 zwischen paramilitärischen Anführern der Autodefensas Unidas de Colombia (AUC) und 32 Politikern und Beamten, vor allem aus der kolumbianischen Karibikküste, unterzeichnet wurde. Dieses Dokument gilt als der entscheidende Beweis für den „Parapolitik“-Skandal, da es eine kriminelle Allianz Refundar la Patria (Neugründung des Vaterlandes) und zur Übernahme der politischen Macht durch Gewalt und Drogenhandel belegt.

Obwohl die Anschuldigungen von Mancuso aus dem Jahr 2024 Abelardo keine direkten Straftaten vorwerfen, sorgen die auf Fotos dokumentierte Nähe während des Ralito-Prozesses und die Verwaltung von Mitteln über FIPAZ dafür, dass diese Verbindung im Zusammenhang mit Abelardo de la Espriellas Präsidentschaftskandidatur für 2026 weiterhin unter öffentlicher und gerichtlicher Beobachtung steht.
Wie Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, birgt der „Bloque de Defensa para la Seguridad Urbana“ von de la Espriella eher das Potenzial und die Gefahr einer Eskalation (und möglicherweise einer Verlagerung) der Gewalt als Perspektiven für eine Deeskalation und einen konstruktiven Beitrag zu einer stabilen öffentlichen Sicherheit.
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