Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

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Don Maximo
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von Don Maximo »

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Abelardo de la Espriella hat per Dekret die Einrichtung des Bloque de Defensa para la Seguridad Urbana angekündigt.

Abelardo de la Espriella hat bekannt gegeben, wie das erste Dekret seiner Regierung lauten wird. Am kommenden 7. August wird er das Dekret zur Einrichtung des „Bloque de Defensa para la Seguridad Urbana“ unterzeichnen, einer Strategie, mit der er den Kampf gegen die Kriminalität in den wichtigsten Städten Kolumbiens (Bogotá, Medellín, Cali, Barranquilla und Bucaramanga) verstärken will.

De la Espriella betonte, dass der Schwerpunkt der Initiative auf der Bekämpfung von Straftaten wie Erpressung, Diebstahl und Mord liegen werde.
Die Ankündigung löste prompt Reaktionen aus verschiedenen Kreisen aus, die sowohl den Umfang der Massnahme als auch die Möglichkeit ihrer Umsetzung per Präsidialdekret in Frage stellen.
Das erklärte Ziel sei, „die grösste städtische Sicherheitsoperation in Kolumbien“ zu entwickeln. De la Espriella und der Bürgermeister von Barranquilla, Alejandro Char, wollen sich in dieser Angelegenheit in der kommenden Woche treffen.

Die Alarmglocken läuten zu Recht. Die Ankündigung hat unmissverständlich Erinnerungen an die ehemaligen Cooperativas de Vigilancia y Seguridad Privada (Convivir) geweckt, die in den 90er Jahren gegründet wurden. Auch diese wurden per Dekret vom damaligen Präsidenten César Augusto Gaviria mit denselben erklärten Zielen institutionalisiert, wenn auch – anders als heute – für ländliche Regionen. Diese Convivir-Genossenschaften arbeiteten in engster Kooperation mit paramilitärischen Gruppen wie den UAC und dienten als wichtigster Kanal für die Rekrutierung, Finanzierung und Organisation zur Bildung rechtsextremer bewaffneter Gruppen. Als 1997 die „Cooperativas de Vigilancia y Seguridad Privada“ (Convivir) demobilisiert wurden, gingen ihre Mitglieder tatsächlich auch zur „Autodefensas Unidas de Colombia“ AUC über.

Lokale Ableger von Convivir wurden von bekannten Paramilitär-Führern wie Salvatore Mancuso geleitet oder nahmen diese als Mitglieder auf. Dies verwischte die Grenze zwischen legalen zivilen Sicherheitskräften und illegalen Kombattanten erheblich. Convivir-Einheiten waren aktiv an Massakern, Folter und der Vertreibung von Zivilisten beteiligt, oft in Abstimmung mit der regulären Armee.
Beziehung zwischen Salvatore Mancuso und Abelardo de la Espriella

Die Beziehung zwischen dem ehemaligen Paramilitärführer Salvatore Mancuso und Abelardo de la Espriella ist ein zentrales Thema in der Diskussion über die „Parapolitik“ in Kolumbien, geprägt von Vorwürfen über Verbindungen während des Demobilisierungsprozesses der AUC und der Zurückweisung jeglicher Rechtswidrigkeit seitens des Anwalts del la Espriella.

Vorwürfe von Salvatore Mancuso
Im Juni 2024 erklärte Mancuso nach seiner Auslieferung in die Vereinigten Staaten in einem Interview, de la Espriella sei ein „enger Freund“ des damaligen Generalstaatsanwalts Mario Iguarán gewesen, und deutete damit an, dass die Paramilitärs auf Anweisung des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe Einfluss auf dessen Wahl gehabt hätten. Mancuso erklärte: „Abelardo ist ein sehr guter Freund … sie hatten grossen Einfluss aufeinander.“

Zudem bestätigte der ehemalige Kommandant die Existenz eines gemeinsamen Fonds, der von den Anführern der AUC zur Finanzierung politischer Aktivitäten eingerichtet worden war, stellte jedoch klar, dass er nicht wisse, ob die Stiftung FIPAZ, deren Vorsitz de la Espriella in der Demobilisierungszone "Ralito" innehatte, direkt Geld erhalten habe, da dieses Gebiet vom Kommandanten Ernesto Báez verwaltet worden sei.

Mancuso hat zudem schon seit Langem darauf hingewiesen, dass Politiker wie Miguel Alfonso de la Espriella (Abelardos Bruder) mit Unterstützung der Paramilitärs gewählt wurden, um als Verbindungsglied zu Uribe zu dienen, auch wenn sich die jüngsten direkten Vorwürfe auf die persönliche Nähe und die Leitung der FIPAZ konzentrieren.

Historischer Kontext: Der Pakt von Ralito
Der Schatten der Parapolitik erstreckt sich auf die Familie Espriella. Abelardos Bruder, Miguel Alfonso de la Espriella, wurde verurteilt und inhaftiert, weil er paramilitärische Unterstützung genutzt hatte, um Stimmen zu gewinnen. Dies beruhte auf Zeugenaussagen, in denen Mancuso selbst bestätigte, Wähler in Córdoba und Sucre unter Druck gesetzt zu haben, um ihn zu begünstigen. Miguel de la Espriella war Unterzeichner des Paktes von Ralito, eines Dokuments, das von Politikern und paramilitärischen Anführern zu "Refundar la Patria" (Neugründung des Vaterlandes) unterzeichnet wurde und dessen Veröffentlichung 2006 den Skandal um die Parapolitik aufdeckte.

Der Pakt von Ralito war eine geheime und illegale Vereinbarung, die am 23. Juli 2001 zwischen paramilitärischen Anführern der Autodefensas Unidas de Colombia (AUC) und 32 Politikern und Beamten, vor allem aus der kolumbianischen Karibikküste, unterzeichnet wurde. Dieses Dokument gilt als der entscheidende Beweis für den „Parapolitik“-Skandal, da es eine kriminelle Allianz Refundar la Patria (Neugründung des Vaterlandes) und zur Übernahme der politischen Macht durch Gewalt und Drogenhandel belegt.

Obwohl die Anschuldigungen von Mancuso aus dem Jahr 2024 Abelardo keine direkten Straftaten vorwerfen, sorgen die auf Fotos dokumentierte Nähe während des Ralito-Prozesses und die Verwaltung von Mitteln über FIPAZ dafür, dass diese Verbindung im Zusammenhang mit Abelardo de la Espriellas Präsidentschaftskandidatur für 2026 weiterhin unter öffentlicher und gerichtlicher Beobachtung steht.
Wie Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, birgt der „Bloque de Defensa para la Seguridad Urbana“ von de la Espriella eher das Potenzial und die Gefahr einer Eskalation (und möglicherweise einer Verlagerung) der Gewalt als Perspektiven für eine Deeskalation und einen konstruktiven Beitrag zu einer stabilen öffentlichen Sicherheit.
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Bogotano
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Kolumbien unter Abelardo de la Espriella – Wohin steuert das Land nach der Wahl?

Beitrag von Bogotano »

Vielen Dank für deine ausführlichen Informationen zu dieser komplexen Thematik. Sie liefern definitiv wichtige Anknüpfungspunkte für die weitere Diskussion.

Gleichzeitig muss ich zugeben, dass mich einige Aspekte zur Vorsicht mahnen. Dein Beitrag enthält eine interessante Mischung aus historisch dokumentierten Fakten, etwa zum Parapolitik-Skandal, dem Ralito-Pakt und den Familienthemen, die zweifellos relevant sind. Allerdings werden daraus teilweise Schlussfolgerungen gezogen, die sich aktuell nicht vollständig verifizieren lassen. Der strukturelle Vergleich mit den Convivir der 1990er Jahre erscheint zwar analytisch nachvollziehbar, bleibt aber dennoch eine spekulative Einschätzung und kein faktisches Urteil.

Für eine vollständige Klärung wären aktuelle offizielle Justizberichte oder Ergebnisse aus parlamentarischen Untersuchungsausschüssen hilfreich. Solche Quellen sind mir zumindest nicht bekannt.

Ich finde es trotzdem bereichernd, solche unterschiedlichen Perspektiven im Forum auszutauschen. Vielleicht können wir gemeinsam weiter recherchieren, falls jemand Zugang zu aktuelleren offiziellen Dokumenten findet. Was denkst du dazu?