Geboren am 14. Mai 1947 in der Kleinstadt Pacho (Departement Cundinamarca) in eine einfache Bauernfamilie, brach Rodríguez Gacha die Schule früh ab. Seine kriminelle Laufbahn begann nicht im Kokainhandel, sondern im berüchtigten Smaragdkrieg im Departement Boyacá. In den 1970er-Jahren verdingte er sich dort als Auftragsmörder und Sicherheitsmann für Smaragdbarone wie Gilberto Molina. In diesem extrem gewalttätigen Milieu erlernte er die Skrupellosigkeit und den Aufbau privater bewaffneter Einheiten, die später zu seinem Markenzeichen werden sollten. Über die Drogenhändlerin Verónica Rivera de Vargas, bekannt als „Kokainkönigin", fand er Zugang zum illegalen Drogengeschäft.
Ende der 1970er-Jahre erkannte Rodríguez Gacha das unermessliche Potenzial des aufkommenden Kokainbooms. Er verlegte seine Aktivitäten nach Medellín und schloss sich mit den Gebrüdern Ochoa, Pablo Escobar und Carlos Lehder zusammen – aus dieser Allianz entstand das Medellín-Kartell. Während Escobar das politische Gesicht der Organisation bildete, wurde Gacha zum Militärchef und Logistikchef. Seine obsessive Faszination für die mexikanische Kultur brachte ihm den Spitznamen „El Mexicano" ein: Er kleidete sich bevorzugt im Mariachi-Stil, benannte seine riesigen Ländereien nach mexikanischen Städten wie Cuernavaca oder Sonora und pflegte eine Vorliebe für Tequila und mexikanische Pferde.
Zusammen mit Carlos Lehder, der das Konzept lieferte, finanzierte und organisierte Gacha den Aufbau des gigantischen Dschungellaborkomplexes „Tranquilandia" im Departement Caquetá – eines der größten Kokainverarbeitungszentren der Welt. Als der Komplex am 10. März 1984 von kolumbianischen Behörden und der DEA ausgehoben wurde, beschlagnahmten sie rund 13,8 Tonnen Kokain – damals einer der größten Drogenfunde der Geschichte.
Im Gegensatz zu Pablo Escobar war Rodríguez Gacha ein fanatischer Antikommunist. Er sah in der linken Guerilla, insbesondere der FARC, seinen absoluten Erzfeind. Um seine Besitztümer im Magdalena Medio vor Erpressung zu schützen, tat er sich mit lokalen Viehzüchtern zusammen und war maßgeblich an der Entstehung des modernen kolumbianischen Paramilitarismus beteiligt. Über Mittelsmänner heuerte er israelische und britische Söldner an, um junge Männer in geheimen Ausbildungscamps in Sprengstofftechnik und gezielten Tötungen zu schulen. Diese Einheiten bildeten später das Fundament für die rechten Paramilitärs der AUC, die das Land über Jahrzehnte terrorisierten. Gacha wurde zudem für die Ermordung von Jaime Pardo Leal, des Präsidentschaftskandidaten der linken Partei Unión Patriótica, im Oktober 1987 verantwortlich gemacht und gilt als Mitverantwortlicher für die systematische Verfolgung und Ermordung Hunderterverbandglieder dieser Partei.
Im Krieg des Kartells gegen den kolumbianischen Staat und die drohende Auslieferung an die USA gehörte Gacha zur Führungsgruppe der „Los Extraditables". Er war an der Planung des Attentats auf den Präsidentschaftskandidaten Luis Carlos Galán im August 1989 beteiligt. Gemeinsam mit Pablo Escobar plante er auch die Bombardierung des Hauptquartiers des Geheimdienstes DAS in Bogotá am 6. Dezember 1989, bei der 63 Menschen starben und etwa 1.000 verletzt wurden. Das Forbes-Magazin nahm ihn 1988 in seine Liste der weltweit reichsten Milliardäre auf.
Das Ende von „El Mexicano" kam im Rahmen der staatlichen Großoffensive „Operación Apocalipsis". Jorge Velásquez, alias „El Navegante", ein vom konkurrierenden Cali-Kartell in Gachas Organisation eingeschleuster Informant, verriet dessen Aufenthaltsort an die Behörden. Zugleich nutzte die Polizei Gachas 17-jährigen Sohn Freddy als unbewussten Köder: Der kurz zuvor aus der Haft entlassene Junge führte über 1.000 Polizisten und Marineinfanteristen zu seinem Vater. Am 15. Dezember 1989 wurde Gacha nahe Tolú an der Karibikküste gestellt. Bei der Flucht durch das Gelände gerieten er, sein Sohn Freddy und mehrere Leibwächter in einen heftigen Schusswechsel mit Polizeihubschraubern. Freddy und fünf Leibwächter wurden von Maschinengewehrfeuer getötet. Auch Rodríguez Gacha, der während des Gefechts Handgranaten warf, wurde mehrfach getroffen. Die offizielle Todesursache lautet auf multiple Schussverletzungen. Ob er zusätzlich eine Handgranate gegen sich selbst richtete, konnte nie endgültig geklärt werden.
Mit dem Tod von Rodríguez Gacha verlor das Medellín-Kartell seinen wichtigsten Militärstrategen. Historiker bewerten ihn heute als eine der verhängnisvollsten Gestalten Kolumbiens, da sein Erbe – der von ihm aufgebaute Paramilitarismus – das Land noch weit über sein eigenes Ende hinaus in Schutt und Asche legte.
1983 RODRIGUEZ GACHA ALIAS MEXICANO ENTREVISTA GERMAN CASTRO CAICEDO









