Umsatzsteuer-Rückvergütung für Gewerbetreibende mit Sitz in Deutschland

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Hamid
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Umsatzsteuer-Rückvergütung für Gewerbetreibende mit Sitz in Deutschland

Beitrag von Hamid »

Umsatzsteuer-Rückvergütung

Ich glaube meine Frage passt hieher, ohne einen neuen Thread aufmachen zu müssen.

Wie funktioniert der Ablauf für eine Umsatzsteuer-Rückvergütung für Gewerbetreibende mit Sitz in Deutschland, wenn es diese überhaupt gibt?

Käufte ich 1.000 Flaschen Keratina von EpaColombia, müsste ich auch die 19 % an sie abdrücken, da das kolumbianische Steuergestz kein Reverse-Charge Verfahren kennt. Das, + 12% Drittlandzoll + Versandkosten + erneute 19 % in D lassen einen Import sinnlos erscheinen - keine bange, ich will mir nicht die Haare glätten, ist nur ein Beispiel.

Aber bitte: Gefragt ist nicht die Rückerstattung für Touristen am Flughafen.

Noch etwas: Transportkosten, egal LCL oder FCL, sind stark gestiegen, kann man hier im Forum lesen.
Schaue ich mir das DHL Packet max. 120x80x80 cm mit max. 31,5kg nach Col an, sehe ich einen Preis von 131,99 €, umgekehrt jedoch einen von über US$ 5td - wie kann das sein? Hat hierzu jemand eine Antwort?

Señor Admin, jetzt bin ich mir nicht mehr sicher, wo beide Fragen hingehören.

Vielen Dank für eure Antworten.



Moderation: Beitrag als eigenständiges Thema erstellt. Eisbaer - Moderator
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Genuasd
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Umsatzsteuer-Rückvergütung für Gewerbetreibende mit Sitz in Deutschland

Beitrag von Genuasd »

so konkret die Frage erscheint, so allgemein ist die Sache dann doch:
Grundsätzlich kannst du als Firma erstmal netto einkaufen / importieren, das funktioniert aber nicht wenn du keine Geschäftsbeziehung hast und einfach wie ein Konsument die Ware einkaufst.

Der Verkäufer/Exporteur in Kolumbien verkauft an dich umsatzsteuerfrei und du verzollst den Warenwert und anteilige Frachtkosten (je nach Lieferbedingung, z.B. bei ab Werk werden diese addiert, bspw. 80% der Frachtkosten, da die EU-Grenze bereits als zollfreies Gebiet zählt).
Damit hast du den Zollwert, auf diesen kommen die Zollabgaben und darauf (also Zollwert + Zollabgaben) nochmal die Einfuhrumsatzsteuer, die exakt gleichbedeutend mit der Umsatzsteuer ist und auch diesem Gesetz (UStG) unterliegt und dann auch für dich als Unternehmer, prinzipiell nur ein durchlaufender Posten bis zum Endverbraucher ist.

Was du jetzt exakt vorhast, weiß ich nicht, denn einfach vor Ort etwas Brutto einkaufen und sich im Nachgang die Umsatzsteuer erstatten zu lassen, wird nicht so einfach gehen. Geht auch in Deutschland nicht, außer du kaufst etwas im Großmarkt.
Dein Lieferant sollte also ein Groß- und Außenhändler sein, d.h. das muss man entsprechend anfragen und erstmal versuchen eine Geschäftsbeziehung aufzubauen.

bzgl. der Frachtkosten:
ja Kurier als Export ist kein Problem, aber aus D heraus etwas importieren wird dann schon komplizierter, auch wenn mir 5k USD wahnsinnig hoch erscheinen.
bei den Abmessungen ergibt sich ein frachtpflichtiges Gewicht von 154,0 kg - bist du sicher wegen der 131,99 EUR? das wäre schon sehr günstig.
Ab einem gewissen Volumen lohnt es sich die Sache selbst in die Hand zu nehmen, da nicht selten Lieferanten da nochmal extra mitverdienen.. alles eine Frage der Vereinbarung bzgl. Lieferbedingung, auch was die Haftung angeht.
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Hamid
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Umsatzsteuer-Rückvergütung für Gewerbetreibende mit Sitz in Deutschland

Beitrag von Hamid »

Vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Mir war so, als hätte ich auf einer IHK Site gelesen, das kolumbianische Steuerrecht kenne kein Reverse-Charge Verfahren.

Importieren von D aus ¡jamas!
Das geschieht vor Ort. Aber eine Geschäftsbeziehung von Null auf 100 - das überlasse ich dem calenischen Charm meiner Madame.

Ich habe mich beim Zoll über die Einfuhrabgaben informiert - dieser sprach von einem 12%tigen Drittlandzoll - ist dem so?

Die 131,99 waren nur ein Bsp. von D in die restliche Welt (Zone 8). Da dachte ich, umgekehrt von Co nach D könnte es ähnlich sein.

Transport sprichwörtlich selbst in die Hand nehmen, könnte in Frage kommen. Klamotten in Cali lassen und es flögen schonmal 60 kg gratis. Den Rest müsste ich mal ausrechnen. Keine Ahnung, ob der kg/Preis für Cali -> Bogota, Bogota -> FRA und FRA -> BER jeweils extra berechnet wird. Das wäre natürlich unbezahlbar. Es sei denn, der Herr vom CheckIn in TXL hat nach Cali gewechselt.
Der ließ mich mal einen Interkontinentalflug mit 140 kg machen, ohne mich für Übergepäck zahlen zu lassen.
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Genuasd
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Umsatzsteuer-Rückvergütung für Gewerbetreibende mit Sitz in Deutschland

Beitrag von Genuasd »

so funktioniert der Außenhandel ja nicht.. bzw. Kolumbien würde sich als Exportland total unattraktiv machen.
Wäre das sinnvoll? natürlich nicht..
Ein Land wie Kolumbien lechzt nach Devisen und hat ein großes Ungleichgewicht in der Außenhandelsstatistik (haben wir in Deutschland auch, aber andersrum, was ja gut für uns ist und wofür uns Trump ja auch schon angegangen hat).
Kaffee und Bananen sind da die Top-Produkte, aber natürlich nicht zu vergleichen, was importiert werden muss.

Reverse-Charge?
Der Lieferant verkauft steuerfrei und kann dem Finanzamt belegen, dass die IVA nicht anfällt, da es nach Europa exportiert wurde.
12% kann sein, finde heraus welche die richtige Tarifnummer ist und guck online im "elektronischen Zolltarif (EZT) nach.
man kann sich auch vom Zoll eine verbindliche Tarifauskunft geben lassen, aber das dauert und in vielen Fällen einfach nicht notwendig.
Meist kann der Exporteur schon sagen um welchen HS-Code es sich handelt, der dann kaum vom deutschen abweicht.
bei der Gelegenheit kannst du dann auch schauen, ob die Ware vielleicht sogar EInfuhrbeschränkungen hat.

Ich weiß immernoch nicht was genau du planst.
An einer Firmengründung in Deutschland kommst du nicht vorbei und ich kann dir dabei nur raten, dir mehr als nur unverbindliche Tipps aus einem Forum zu holen.
Es gibt Anwälte und Berater, die dir bei der Existenzgründung behilflich sind und mit dir mal einen Business-Plan, inkl. SWOT-Analyse durchgehen.
Dann brauchst du ja noch ein paar Nummern (Steuer, USt-ID, Zoll,...) bevor du loslegen kannst und einen Steuerberater solltest du auch an der Hand haben.
wie du dann das Geschäft bei Lieferanten anbahnst (ob mit Madame oder ohne), ist dabei nebensächlich, aber von Vorteil wenn man schon Sondierungsgespräche vorab führt und potenzielle Lieferanten an der Hand hat.
Nur darauf hat nicht jeder Lust, weil meist wenig dahinter steckt..

Transport:
was meinst du mit gratis? Willst du jedes Mal fliegen?!
beim Zoll anmelden musst du es dann ja auch, egal ob es im Gepäck ist oder als Fracht deklariert.
Du kannst Ware von CLO bis TXL transportieren und zahlst eine Rate, die einzelnen Legs werden nicht einzeln berechnet.
Die Kosten spiegeln sich in der Rate wieder und ist höher, als eine Route wie FRA-BOG.
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Hamid
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Beitrag von Hamid »

Der Start des Verkaufes läge genau nach dem Urlaub. Wäre der Kg/Preis mit der KLM günstiger als Agent + Transport zum Hafen + LCL + löschen in D + Zoll + Transport nach Berlin, böte sich die KLM Variante für das erste Mal an. Liefe der erste Verkauf dann gut, ist natürlich eine andere Transportvariante zu nehmen.

Ich werde das mit DHL herausfinden. Eine EORI Nummer, Gewerbeanmeldung und Ust-ID wird es auch geben, sowie eine rechtzeitige EZA, egal wie transportiert wird - wenn überhaupt.

Es wird kein Gig-Unternehmen - ein Tross an Anwälten und Beratern ist nicht notwendig - es beginnt als Microcosmos. Auch gibt es für diese Ware keine Einfuhrbeschränkung, es sei denn ihr Ursprungsland ist Nordkorea.

Das mit dem Reverse-Charge - genauso, wie Du es beschreibst. Ich bezahle Netto und entrichte in D. Auf eine andere Variante möchte ich mich nicht verlassen müssen.

Was meinst Du bitte mit:,,[...]so funktioniert der Außenhandel ja nicht.. bzw. Kolumbien würde sich als Exportland total unattraktiv machen. Wäre das sinnvoll? natürlich nicht.[..]"?

Vielen Dank.