Kolumbien braucht Veränderung – aber nicht von oben herab

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Bogotano
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Kolumbien braucht Veränderung – aber nicht von oben herab

Beitrag von Bogotano »

In letzter Zeit habe ich einige Beiträge gelesen, in denen Auswanderer ihre Ideen zur Verbesserung Kolumbiens teilen – von Infrastrukturfinanzierung über private Investitionen bis hin zu gesellschaftlicher Kritik. Vieles davon wirkt durchdacht, manches provokant, aber eines fällt auf: Die meisten dieser Stimmen kommen aus einer privilegierten Perspektive. Sie sind finanziell abgesichert, gebildet, und haben das Elend, das viele Kolumbianer täglich erleben, meist nur aus sicherer Entfernung gesehen.

Das wirft eine wichtige Frage auf: Wie kann echte soziale Transformation gelingen, wenn sie von außen oder von oben herab gedacht wird?

Kolumbien leidet nicht nur unter Korruption und wirtschaftlicher Ungleichheit, sondern auch unter einem tiefen Vertrauensverlust gegenüber den Eliten – seien es politische, wirtschaftliche oder intellektuelle. Wenn Lösungen nur von denen kommen, die selbst nie Teil des Problems waren, fehlt oft das Verständnis für die Realität der Mehrheit.

Was wäre, wenn wir den Fokus verschieben?

Weg von Investitionsmodellen, die fragwürdige Geldquellen legitimieren.
Hin zu Bildungsinitiativen, die von der Basis ausgehen.
Weg von paternalistischen Reformideen.
Hin zu echter Teilhabe derjenigen, die täglich mit den Folgen leben.

Kolumbien braucht keine weiteren „Retter von außen“. Es braucht Räume, in denen die Stimmen derjenigen gehört werden, die sonst übergangen werden. Vielleicht ist es Zeit, dass wir nicht nur über das Land sprechen, sondern mit dem Land – und zwar auf Augenhöhe.

Ich freue mich auf eure Gedanken dazu.

Max
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Kolumbien braucht Veränderung – aber nicht von oben herab

Beitrag von Max »

Ich muß dazu einige meiner Erfahrungen aufzählen, mag sein das dieses sich jetzt so nur auf die Küste bezieht und vielleicht nicht auf ganz Kolumbien übertragbar ist.
Taganga vor ca 20 Jahren, Tourismus fing an zu boomen, viele Einheimische profitierten nicht davon weil keine Englischkenntnisse vorhanden, also suchte man SENA auf um einen kostenlosen Englischkurs zu bekommen. Wurde so auch organisiert. Aber dann. SENA zu weit weg von Taganga das geht doch nicht. Letzlich wurde der Kurs in Taganga abgehalten nur wo, Das Hotel Ballena Azul stellte den Saal. Am ersten Tag ca 300 Leute , am 2ten vielleicht noch 100. Den Kurs beendeten 5 Leute, alle aus dem Inland, keiner aus Taganga. In den ganzen Jahre mußte ich immer wieder feststellen, das man doch bitte Kurse anbieten soll die wo den Leuten weiterhelfen, Kosten darf es nix, auf keinen Fall und auf keinen Fall soll das was mit lernen zu tu haben. Das zieht sich sich sich so durch die ganzen Jahre. Mittlerweile tue ich da meine Zeit nicht mehr verschwenden. Und da könnte ich bestimmt 100te ähnliche Beispiele bringen.

Nachtrag: Ist halt schwierig wenn die wo übergangen werden nix dazutun.
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Bogotano
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Kolumbien braucht Veränderung – aber nicht von oben herab

Beitrag von Bogotano »

Danke für die Schilderung – das Beispiel aus Taganga zeigt gut, wie schwierig es sein kann, Bildungsangebote wirklich wirksam zu machen. Es ist verständlich, dass solche Erfahrungen frustrieren, besonders wenn scheinbar alles organisiert wird und dann doch kaum jemand durchhält. Aber vielleicht liegt das Problem nicht nur in der Motivation der Menschen, sondern auch in den Rahmenbedingungen: Vertrauen, Alltagssorgen, fehlende Perspektiven – all das beeinflusst, ob jemand sich auf einen Kurs einlässt.

Ich glaube, echte Teilhabe entsteht nicht nur durch Angebote, sondern auch durch Begleitung, Verständnis und Geduld. Und manchmal braucht es mehr als einen Raum und ein Programm – nämlich das Gefühl, dass sich etwas wirklich verändern kann.

Max
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Kolumbien braucht Veränderung – aber nicht von oben herab

Beitrag von Max »

Bei diesem Beispiel hat man eigentlich alles gemacht damit die Leute am Kurs teilnehmen können, einige hören auf weil der Nachbar schneller lernt , aber letztendlich zeigt sich das sobald es länger wird die Leute aufgeben. Sobald es was mir lernen zu tun hat wirds halt nix. Kenne auch Leute die haben perfect Englisch und Deutsch gelernt indem sie Netflix in den jeweiligen Sprachen geschaut habe. Braucht halt Zeit und Willen.

coentros
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Kolumbien braucht Veränderung – aber nicht von oben herab

Beitrag von coentros »

Bei Bildungsinitiativen die in die Breite gehen, wie in dem geschilderten Beitrag, wäre ich auch vorsichtig pessimistisch.

Es muss darum gehen die high Potentials, echte Talente vor Ort zu finden, diejenigen bei denen man nicht sprichwörtlich "den Hund zum jagen tragen muss". Diese vielleicht nur 1-5% jungen Menschen gezielt finanziell unterstützen, an die besten Universitäten der Welt schicken, mit geschickten Auflagen/Konstruktionen, dass das sponsorship gebunden ist an eine Rückkehr nach Kolumbien und Firmengründung. Das ganze Hand in Hand mit Initiativen für Elitestudiengänge in Kolumbien, ebenfalls mit staatlicher Subvention solcher Lehrstühle. Wohlgememerkt auf den Themen MINT und Ingenieurwissenschaften. Nicht wieder Politikwissenschaft, Philosophie & Co.

Industrie und Banken müssen angehalten werden ebenfalls mit Programmen und Initiativen für Talentprogramme und Spitzenförderung vorstellig zu werden. Alle Massnahmen im Verbund, als konzertierte Aktion. China hat eine solche Leistungs- und Eliteförderung über lange Zeiträume vorgemacht. Und wo Eliten später zu mächtig und erfolgreich wurden, wurden Einzelpersonen (Jack Ma....) auch wieder zurechtgestutzt.

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