Sincelejo im Ausnahmezustand – Das Programm für die Fiestas del 20 de Enero steht!

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Eisbaer
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Sincelejo im Ausnahmezustand – Das Programm für die Fiestas del 20 de Enero steht!

Beitrag von Eisbaer »

Kaum sind die Lichter in Sampués erloschen, bereitet sich die Hauptstadt von Sucre auf das absolute Highlight des Jahres vor: Die Fiestas del 20 de Enero 2026 in Sincelejo stehen vor der Tür! Wer in dieser Zeit in der Region ist, wird Zeuge eines der lebendigsten und traditionsreichsten Volksfeste Kolumbiens.

Hier ist für euch die Zusammenfassung dessen, was uns in den kommenden Tagen erwartet:

Ein Programm voller Highlights

Die Stadtverwaltung hat ein Programm auf die Beine gestellt, das die perfekte Balance zwischen Tradition und moderner Party findet.
  • Die großen Umzüge: Einer der emotionalsten Momente wird wieder das Desfile de Fandangueras sein. Hunderte von Tänzern in traditionellen Kostümen werden die Straßen in ein Meer aus Farben verwandeln. Kurz darauf folgt der Desfile de Carrozas, bei dem die Schönheitsköniginnen auf festlich geschmückten Wagen durch die Stadt ziehen.
  • Die Corralejas: Natürlich dürfen auch in Sincelejo die berühmten Stierkämpfe nicht fehlen. In diesem Jahr werden wieder einige der renommiertesten Ganaderías des Landes erwartet, die ihre kräftigsten Stiere in die Arena schicken. Die Stimmung dort oben auf den Holztribünen ist legendär – Adrenalin, Staub und die unermüdlichen Klänge der Bandas.
Hochkarätige Künstler und Konzerte

Für alle Musikfans ist das Line-up in diesem Jahr besonders spannend. Auf den großen Bühnen der Stadt werden nationale und internationale Stars erwartet. Mit dabei sind Größen aus den Bereichen Vallenato, Salsa und Reggaeton wie Silvestre Dangond und Juancho De la Espriella. Besonders das Superconcierto verspricht, die Nacht zum Tag zu machen.

Sincelejo ist während dieser Tage ein einziger großer Festplatz. Überall hört man die Pickups mit ihren gewaltigen Bässen und die Menschen feiern bis in die frühen Morgenstunden. Wie immer gilt: Seid wachsam, bleibt in Gruppen und genießt die Gastfreundschaft der Sincelejanos. Es ist die Zeit des Jahres, in der die Stadt ihren Stolz und ihre Kultur so offen zeigt wie sonst nie.

Die Dulce Nombre de Jesús-Feierlichkeiten sind weit mehr als nur eine Party – es ist das Herz von Sucre. Packt eure Sombreros ein und stürzt euch ins Vergnügen.
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Eisbaer
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Ausverkauft! Sincelejo bebt am 2. Tag der Corralejas

Beitrag von Eisbaer »

Es ist offiziell: Die Fiestas del 20 de Enero haben ihren Siedepunkt erreicht! Während in den letzten Tagen noch fleißig an der gigantischen Holzkonstruktion der Corraleja-Arena gehämmert wurde, herrscht dort nun absolute Ekstase. Das Wichtigste vorab für alle, die Sicherheitsbedenken hatten: Die Arena hat alle behördlichen Prüfungen und Belastungstests mit Bravour bestanden – die Statik hält dem Ansturm stand.

Und dieser Ansturm ist gewaltig! Wir befinden uns heute am zweiten Tag der Stierkämpfe, und die Arena ist bis auf den letzten Platz ausverkauft. Wer kein Ticket ergattert hat, muss sich mit der Stimmung vor den Toren begnügen, wo die Pickups die gesamte Umgebung in eine gigantische Klangwolke aus Porro und Champeta hüllen.

Ein Hexenkessel aus Staub und Musik

Drinnen bietet sich ein Bild, das man so schnell nicht vergisst. Die Hitze der Nachmittagssonne steht über dem Ring, aber die Zuschauer auf den hölzernen Rängen scheint das kaum zu stören. Die Bandas spielen heute in Höchstform – der Rhythmus der Trompeten peitscht die Stimmung bei jedem neuen Stier, der in den Ring gelassen wird, weiter nach oben.

Gestern zum Auftakt waren die Stiere schon beeindruckend, aber heute, am zweiten Tag, haben die Ganaderías noch einmal eine Schippe draufgelegt. Man spürt den Respekt der Mantillas, das sind die Amateur-Kämpfer im Ring vor der Kraft der Tiere. Es ist ein raues, ehrliches Spektakel, bei dem die Menge jeden mutigen Einsatz mit tobendem Applaus quittiert.

Sicherheit und Atmosphäre

Trotz der Menschenmassen und des Adrenalins bleibt die Stimmung bisher – kolumbianisch typisch – ausgelassen und brüderlich. Die Sicherheitskräfte sind präsent, aber dezent im Hintergrund. Es ist dieses ganz spezielle Gefühl von Freiheit und Tradition, das Sincelejo in diesen Tagen so einzigartig macht. Man merkt, dass die Menschen nach den Vorbereitungen der letzten Wochen nun einfach nur feiern wollen.

Wenn ihr heute Abend durch die Straßen von Sincelejo geht, werdet ihr überall den Staub der Arena an den Kleidern der Leute sehen – ein echtes Ehrenzeichen dieser Tage!
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Eisbaer
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Das wahre Kolumbien – Endspurt im Hexenkessel von Sincelejo

Beitrag von Eisbaer »

Während sich die Fiestas del 20 de Enero langsam dem Ende zuneigen, erreichen wir heute, am vorletzten Tag der Corralejas, den absoluten Höhepunkt der Intensität. Wer glaubt, Kolumbien durch die mittlerweile von Touristen überfluteten Gassen von Cartagena oder die Kaffeezone von Salento zu kennen, der irrt. Das wirkliche, unverfälschte Herz dieses Landes schlägt genau hier, im Staub der Savanne von Sucre.

Man muss es mit eigenen Augen gesehen haben, um die schiere Größe der Arena zu begreifen. Dieses gewaltige Bauwerk aus massiven Holzbalken, gekrönt von einem glitzernden Zinkdach, das unter der sengenden Sonne von Sincelejo flimmert, ist ein Monument der Tradition. Besonders faszinierend sind die Details: Unterhalb der Tribünen prangen die riesigen, noch von Hand beschrifteten Werbeanzeigen lokaler Geschäfte und Ganaderías – eine Kunstform für sich, die in Zeiten von Digitaldruck fast ausgestorben scheint.

Und während in Foren oft über „Nobelbiere“ wie Club Colombia oder Stella Artois philosophiert wird, sieht die Realität hier in der Hitze der Arena ganz anders aus. Hier regiert das Nativa. Dieses regionale Bier, gebraut aus lokaler Yuca (Maniok), wird in Unmengen konsumiert. Es ist das Getränk des Volkes, eng verbunden mit der Region von Sucre, und ehrlich gesagt gibt es bei 35 Grad im Schatten nichts Passenderes als dieses eiskalte „Yucabier“, um die Kehle vom Staub zu befreien.

Draußen vor der Arena thront derweil ein technischer Gigant, der die Massen magisch anzieht: Der Rey de Rocha. Es ist der größte Pickup des Landes, ein Soundsystem von der Größe eines Einfamilienhauses. Mit einer Lichtshow, die den Nachthimmel zerschneidet, und einer Bassgewalt, die man noch kilometerweit im Mark spürt, sorgt er für eine Beschallung, die die Erde beben lässt. Tausende Menschen drängen sich um diesen stählernen Koloss und feiern die pure Lebensfreude der Karibikküste.

In der Arena selbst vermischt sich der Geruch von gebratenem Fleisch und Staub mit den unermüdlichen Klängen der Bandas. Wenn man hier oben auf den hölzernen Planken sitzt, umgeben von einheimischen Familien, die seit Generationen zu diesem Fest kommen, spürt man: Das hier ist das Kolumbien fernab der Postkarten-Idylle. Es ist laut, es ist heiß, es ist rau und es ist von einer Gastfreundschaft geprägt, die ihresgleichen sucht.

Wer dieses Spektakel – den Mut der Männer im Ring, die architektonische Meisterleistung der Arena, das eiskalte Nativa und die schiere Energie des Rey de Rocha – nicht erlebt hat, dem fehlt ein entscheidendes Puzzleteil zum Verständnis der kolumbianischen Seele. Sincelejo zeigt uns in diesen Tagen, dass Tradition hier kein Museumsstück ist, sondern ein lebendiger, pulsierender Teil des Alltags.
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Magie des Fandango – Ein Abend am „Fandangómetro“ im C.C. Guacarí

Beitrag von Eisbaer »

Nach all dem Adrenalin und dem Staub der Corralejas möchte ich euch heute von einer ganz anderen, bezaubernden Seite der Fiestas del 20 de Enero berichten. Gestern Abend verbrachten meine Frau und ich einige Stunden im Centro Comercial Guacarí, und ich muss sagen: Wer die Seele unserer Musik und Tradition in einem etwas festlicheren Rahmen erleben möchte, kommt am Fandangómetro nicht vorbei.

Während die großen Schlagzeilen der Presse oft nur die Arena thematisieren, findet im Guacarí eine wunderbare Feier unserer Identität statt. Unter dem Motto El Fandangómetro ya está en marcha wurde das Einkaufszentrum in eine riesige Bühne für unsere Tradition verwandelt.

Fünf Bühnen, ein Rhythmus

Das Konzept ist beeindruckend: Insgesamt fünf verschiedene Tarimas (Bühnen) wurden aufgebaut. Jede einzelne zelebriert einen anderen Aspekt unserer Musik. Überall klingt der Fandango, die Musiker spielen mit einer Leidenschaft, die sofort ansteckt. Es ist ein tiefes Eintauchen in das, was Sucre ausmacht.

Ambiente und Lebensfreude

Meine Frau war absolut begeistert von dem Ambiente, und ich kann ihr nur zustimmen. Es ist diese ganz besondere Mischung:
  • Die Dekoration: Alles steht im Zeichen des Fandango und unserer handwerklichen Tradition.
  • Die Tänzer: Man sieht Paare in traditionellen Trachten, die mit einer Eleganz über den Boden gleiten, dass man gar nicht wegsehen kann.
  • Die Gemeinschaft: Es herrscht eine fröhliche, fast familiäre Stimmung. Hier treffen sich Jung und Alt, um gemeinsam zu feiern, fernab vom rauen Spektakel der Stierkämpfe.
Für uns war es ein perfekter Abend. Es zeigt einmal mehr, dass die Fiestas in Sincelejo viele Gesichter haben. Man kann am Nachmittag den Staub der Arena atmen und am Abend die kulturelle Pracht im Guacarí genießen. Diese Vielfalt ist es, die diese Zeit im Jahr so einzigartig macht.

Wenn ihr also in Sincelejo seid und die Füße vom vielen Laufen schmerzen, setzt euch an eine der Bühnen im Guacarí, bestellt euch ein kühles Getränk und lasst euch von der Magie des Fandango verzaubern.

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Nico
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Sincelejo im Ausnahmezustand – Das Programm für die Fiestas del 20 de Enero steht!

Beitrag von Nico »

Da habe ich wohl was verpasst. Vielleicht sieht man sich nächstes Jahr.

coentros
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Sincelejo im Ausnahmezustand – Das Programm für die Fiestas del 20 de Enero steht!

Beitrag von coentros »

Vielen Dank für den wie immer sehr schönen Bericht. Man kann sich in die Stimmung einfühlen. Fandango-Musik, Schönheitsköniginnen, Yuka-Bier, die Emotionen,...Schön dass solche Traditionen gepflegt werden.

Bitte nicht falsch verstehen. Ich habe zwar irgendwo gelesen dass der Stierkampf nicht (mehr) vergleichbar ist mit dem blutigen Spektakel in einigen Regionen Spaniens. Aber wenn man die Stiere (und ggf auch andere Tiere) einfach ganz weglassen könnte wäre das m.E. noch besser. Bei den Ferias in Cali hat man die Cabalgata inzwischen auch aufgegeben (vor einigen Jahren gabs da mal einen tödlichen Unfall). Aber auch ohne Pferde ist einiges los.

Freue mich sehr dass es solche Fest gibt und hoffe vielleicht einmal in meinem Leben live dabei sein zu können.
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Eisbaer
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Sincelejo im Ausnahmezustand – Das Programm für die Fiestas del 20 de Enero steht!

Beitrag von Eisbaer »

Vielen Dank für eure Rückmeldungen!

@Nico: Definitiv! Man kann es kaum beschreiben, man muss es mal eingeatmet haben. Wenn du nächstes Jahr planst zu kommen, sag Bescheid – ein eiskaltes Nativa geht auf mich!

@coentros: Danke für dein Feedback! Ich verstehe deine Bedenken absolut. Das Thema Tierwohl wird auch hier in Kolumbien immer intensiver diskutiert. Die Corralejas sind zwar kein klassischer spanischer Stierkampf - der Stier wird im Ring nicht getötet, aber es bleibt natürlich ein raues Spektakel, das nicht jedermanns Sache ist. Dass Cali die Cabalgata aufgegeben hat, zeigt, dass sich die Traditionen im ganzen Land wandeln.

Gerade deshalb war der Abend im C.C. Guacarí, von dem ich berichtet habe, so ein schöner Kontrast. Dort steht wirklich nur die Musik, der Tanz und die handwerkliche Tradition im Vordergrund – ganz ohne Tiere und Staub. Es ist genau diese Mischung, die Sincelejo ausmacht.

Ich hoffe sehr für dich, dass du es einmal live erlebst!

Herzliche Grüße aus dem heißen Sincelejo!
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