Die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen an diesem Sonntag werfen ihre Schatten voraus, und wenn man sich die Berichterstattung in den deutschsprachigen Medien anschaut, zeichnet sich ein extrem düsteres Bild der aktuellen Lage im Land. Wie die Deutsche Welle in ihrer aktuellen Presseschau berichtet, blicken große Zeitungen aus Deutschland und der Schweiz mit großer Sorge auf das Ausmaß der Gewalt, das diesen Wahlkampf dominiert.
Die Tageszeitung (taz) widmet sich in ihrer Analyse dem Phänomen Abelardo de la Espriella. Der ultrarechte „Outsider“-Kandidat, der sich selbst gerne als „Tigre“ inszeniert, setzt voll auf die Karte innere Sicherheit und inszeniert sich im Wahlkampf – teils unter Einsatz von künstlicher Intelligenz – bereits als künftiger Präsident, der mit eiserner Faust aufräumt. Sein Programm verbindet populistische Versprechungen wie digitale Universitäten für Jugendliche mit der Forderung, den Staatsapparat radikal um 40 Prozent zu schrumpfen. In den Umfragen liegt er derzeit hinter dem linken Kandidaten Iván Cepeda vom Regierungsbündnis Pacto Histórico, gefolgt von Paloma Valencia vom rechten Centro Democrático. Da niemand im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen dürfte, läuft alles auf eine Stichwahl am 21. Juni hinaus.
Hinter diesem politischen Schaulaufen steht jedoch eine alarmierende humanitäre Realität. Die Berichte zitieren das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, wonach die Lage im Land so schlimm ist wie seit mindestens einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Zahl der Binnenvertriebenen hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, Hunderte Menschen wurden durch Sprengsätze verletzt oder getötet, und bewaffnete Gruppen zwingen ganzen Gemeinden Ausgangssperren auf. Auch der Wahlkampf selbst ist von Blut überschattet: Zwei Wahlkampfhelfer von de la Espriella wurden im Mai ermordet, eine Aktivistin der Rechten vor den Augen ihres Sohnes niedergeschossen, und die linke Vizepräsidentschaftskandidatin Aida Quilcué wurde zeitweise verschleppt.
Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) lässt dazu eine der erfahrensten Stimmen des Landes zu Wort kommen: den 76-jährigen Priester Darío Echeverri, der seit über zwei Jahrzehnten als Vermittler zwischen Regierungen, Guerilla und Paramilitärs agiert. Seine Einschätzung ist ein verdammt schlechtes Zeichen für Kolumbien: Echeverri zeigt sich so besorgt wie noch nie zuvor. Er sieht kaum Hoffnung, dass eine neue Regierung die Gewaltspirale stoppen kann. Seiner Ansicht nach sind sowohl das Friedensabkommen von 2016 als auch das „Paz Total“-Projekt der aktuellen Regierung gescheitert. Es fehle schlicht das Vertrauen in die Institutionen, um überhaupt noch Verhandlungen zu führen.
Die Zahlen, die die NZZ nennt, sprechen eine klare Sprache: Die Zahl der Mitglieder illegaler bewaffneter Gruppen wird mittlerweile auf 27.000 geschätzt – ein Zuwachs von einem Viertel allein im vergangenen Jahr. Erschreckend ist auch die technologische Aufrüstung: Banden nutzen zunehmend Drohnen für Angriffe auf das Militär, und fast die Hälfte der Neu-Rekrutierungen betrifft Minderjährige. Nach Bombenanschlägen auf zivile Ziele und dem aufsehenerregenden Attentat auf den konservativen Politiker Miguel Uribe Turbay im Vorjahr geht im Land die nackte Angst um, dass die Sicherheitslage wieder auf das Niveau von vor dreißig Jahren zurückfällt, als Drogenkartelle und Guerillagruppen den Staat im Würgegriff hatten.
Wer auch immer die Nachfolge antritt, übernimmt ein tief polarisiertes Land in einer schweren Sicherheits- und Finanzkrise.
Deutschsprachige Medien blicken besorgt auf die Präsidentschaftswahlen in Kolumbien
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Deutschsprachige Medien blicken besorgt auf die Präsidentschaftswahlen in Kolumbien
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