Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

⇒ Letzter Beitrag der vorhergehenden Seite:

@Max: vielen Dank, das freut mich.
@Macondo und Tenere-wue: bis bald in alter Frische hier in Cartago! LG

@coentros:
Danke für deinen Beitrag. Das freut mich.
Tja, wie findet man gute Qualität in Kolumbien?

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß hier qualitativ hochwertige Produkte auch teuer sind.
Dazu ein Beispiel: Im Schuhladen habe ich für ein Paar Leinenschuhe 70.000 COP (15,63 Euro) bezahlt. Nach 14 Tagen gingen die Sohlen ab, die ein Schuster wieder angeklebt hat.

Zu meinem Geburtstag in diesem Jahr hat mir meine Frau zwei Paar Schuhe spendiert. Es gibt im Zentrum ein Schuhgeschäft, daß nur Lederschuhe im Angebot hat. Dort kostet ein gutes Paar Schuhe (mit Kunststoffsohle) aus kol. Fertigung 200.000 COP (45 Euro). Das sind sie aber auch wert. Daher kaufe ich weiterhin nur dort.

Meine Jeans kaufe ich online in den USA, es ist die Cowboy-Marke, nach der auch ein Jeep benannt ist. Sie sind haltbar.

Poloshirts kaufe ich hier im Zentrum beim Herrenausstatter. Eines in Größe 3XL in guter Qualität aus kol. Fertigung kostet 75.000 COP (16,75 Euro). Das erscheint mir auch angemessen.

Die nächsten Frottee-Handtücher werde ich in der Metro kaufen, wenn es dort ein Sonderangebot gibt. Aber vor der Kasse gehen sie durch meine Finger. Stimmt die Qualität nicht, bleiben sie liegen.

In den Fachgeschäften im Zentrum habe ich bei hochpreisigen Produkten gute Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel bei Bettwäsche. Shein und Temo sind nicht meins. Wer da kauft, kauft mindestens zweimal. Für mich ist da nichts dabei.

Wenn ich hier etwas nicht bekomme, aber genau weiss, was ich will, kaufe ich bei mercado libre oder dem großen USA-Versandhandel. Das kommt aber eher selten vor.

Sucht meine Frau etwas, begleite ich sie. In den Fachgeschäften mi Zentrum werden wir häufig fündig und die Preise sind angemessen.

Motorroller: Uns wurde eine Ruine auf Rädern angeboten. 65.000 km. Es war das Modell “Wartungsstau”. Man wollte 2,6 Mio. COP (580 Euro). Da zahle ich lieber 10.000.000 COP (2.232 Euro) für einen neuen japan. Markenroller aus indischer Fertigung.

Elektrogeräte: Marken, die man auch in Europa kennt, funktionieren hier auch. Aber: die heimischen Qualitätsmarken wie Mabe oder Kalley sind nicht schlechter. Gebraucht kaufen? Würde ich nie.

Fazit: Mit hochpreisigen Produkten fahre ich hier langfristig besser, weil i.d.R. die Qualität auch stimmt. Ich habe dabei noch nie eine Bauchlandung gemacht. Dabei bilde ich mir ein, nur “normale” Qualitätsansprüche zu haben. Billig ist mir zu teuer, da das Produkt fast immer enttäuscht und ich mir später doch etwas vernünftiges zulege.

Herzliche Grüße aus Cartago

hollaho
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von hollaho »

Hallo Gordito,

immer wieder eine Freude Deine Berichte mal wieder zu lesen wenn ich hier durchstöbere.
Warum ist es kaum möglich, in einem Kaffeexportland wie Kolumbien eine Bar zu finden, die guten Kaffee ausschenkt?
Die Frage kann ich beantworten, weil ich in Pereira ein Kaffeetasting gemacht habe, müßte den Namen der Finca nachschauen, aber war eine Ausländerin mit einem Kolumbianer verheiratet und sie rösten selber, was die meisten Fincas nicht machen, weil sie nix davon verstehen.

Die Frau meinte, daß sie es aufgegeben habe ihren Freundinnen guten Kaffee anzubieten. Wird in Kolumbien wenig nachgefragt, die Kolumbianer exportieren allen guten Kaffee, weil der gute Devisen bringt. Die niedrigste Qualität wird dunkelschwarz gebrannt und dann selber getrunken. Es ist ein Kaffeexportland, kein Kaffeland. Kann man vergleichen mit Holland: Die haben jahrhundertelang Gewürze importiert und teuer verkauft, aber waren immer zu geschäftstüchtig, um die selber zu verwenden. Holländisches Essen ist selten gut gewürzt. Gibt keine Kultur dafür. So wie in Kolumbien für Kaffee.
Kolumbien hat viele schöne Seiten, aber ist und wird wie Holland nie ein kulinarischer Hotspot.



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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

Guten Morgen!
Zum Thema Gesundheitsversorgung kann ich folgende Erfahrungen beitragen:

Erstens: EPS und Régimen Contributivo
Meine Frau und ich sind bei der Nueva EPS im Régimen Contributivo versichert. Wir zahlen jeden Ersten des Monats im Maklerbüro rund 250.000 COP zusammen.
Ich lebe nach dem Motto: "An apple each day keep the doctors away" und meide Ärzte und Kliniken.
Meine Frau dagegen geht häufig zu Vorsorgeuntersuchungen in die Clinica unserer Krankenkasse hier in Cartago.
Termine werden zeitnah vergeben (1-2 Wochen), die Krankenkasse hat bisher auch alle Untersuchungen genehmigt.
Aus der Familie wissen wir, daß auch teure und komplizierte Eingriffe im Rahmen des Régimen Contributivo zeitnah bewilligt und durchgeführt werden. Wir haben also keineswegs Grund zur Klage. Im Gegenteil.

Zweitens: SOAT
Am vergangenen Donnerstag sind wir mit unserem Motorroller hier in Cartago verunglückt. Ich habe einen Fehler gemacht. Mea culpa. Schxxxe.
Der Unfall ereignete sich am Abend kurz nach 6 p.m. Ich habe zwei blaue Flecken, aber meine Frau hat deutlich mehr abbekommen.
Passanten haben uns sofort geholfen. Meine Frau hat einen Plastikstuhl aus einem Geschäft gereicht bekommen, um sich zu setzen. Ein zufällig anwesender Arzt und eine Krankenschwester haben sich sofort um sie gekümmert. Sie stand unter Schock.
Anstatt eine Ambulanz zu rufen, habe ich meine Liebste auf den Roller gepackt und bin mir ihr um die Ecke zur Clinica Guadalupe gefahren. Die ist nur für SOAT-Unfälle da.
Es hat ihr nichts ausgemacht, sie hatte noch genug Adrenalin im Blut. Das würde ich auch nicht wieder machen, aber gut, es war folgenlos.

Um 06:30 p.m. wurde unsere Daten in der Notaufnahme aufgenommen. Das wichtigste Dokument war der Versicherungsschein der AXY Colvmgrtria.
Danach wartete ich 3 Stunden am Empfang.
Meine Frau wurde gründlichst untersucht und geröntgt. Eine Rippe war angebrochen. Also Ruhe in den nächsten Tagen.
Sie erhielt Schmerzmittel per Infusion. Um 23 Uhr erklärte uns der diensthabende Arzt die Situation. Um Mitternacht war ich mit dem Roller zu Hause, sie per Taxi.
Soviel zur hervorragenden Erstversorgung.

Am Samstag sind wir um 08:30 a.m. in der Dental-Clinica vorstellig geworden, die SOAT-Fälle bearbeitet und uns kontaktiert hatte.
In der Ausstattung der Praxis war kein Unterschied zu Europa feststellbar. Meine Frau wurde gründlich untersucht, danach war Ortswechsel zum Röntgen des Oberkiefers dran.
Diagnose: Oberkiefer gebrochen. Die Wiederherstellung ihres Esszimmers wird fast zwei Jahre in Anspruch nehmen, incl. einer Kieferchirurgie und zwei Zahnimplantaten.
Sie wird also ohne bleibende Schäden aus dieser Nummer rauskommen.
Die Kosten werden für die Versicherung im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Fazit: Meine Frau hat vor Ort die Hilfsbereitschaft ihrer Mitbürger erfahren und wurde sofort anschließend prof. versorgt. Die weitere Behandlung ist innerhalb von 36 Stunden angelaufen. Ich hätte gerne auf dieses Erlebnis verzichtet, meine Frau auch, aber geschehen ist geschehen und die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen.
Bei allem Elend und ihren Schmerzen bin aber positiv davon beeindruckt, wie schnell und professionell geholfen wurde.
Ob das bei "Billigversicherungen" auch so ist? Ich weiss es nicht.

Eins ging mir noch durch den Kopf. Wie dämlich muß man eigentlich sein, hier ohne SOAT durch die Gegend zu gondeln?
Wenn ich dafür kein Geld habe, muß ich eben zu Fuß gehen. Was ist daran nicht zu verstehen?

Wenn man genug Geld hat, kann man einen Unfall privat liquidieren, aber wenn man begrenzte Mittel hat wie wir, sind gute Versicherungen unverzichtbar, sowohl in Europa und gerade auch hier.

Ich hoffe, daß es in den nächsten vier Wochen keine Komplikationen mit der Rückbildung ihrer Blutergüsse gibt.
Aus meiner Berufspraxis kenne ich einen Fall, in dem sich ein Mitarbeiter beim Öffnen von einem Paket kleiner Coils verletzt hat. Zwei von diesen Dingern sind ihm auch die Beine gefallen, beide Unterschenkel waren betroffen. Er hatte keine Frakturen, wurde krankgeschrieben und war zu Hause.
Zwei Wochen später war er tot.
Bei der Rückbildung der Blutergüsse hat sich ein Blutpropfen gelöst und auf den Weg in den Körper gemacht. In einer Lungenvene kam er an und hat sie verstopft. Lungenembolie.

Allen eine schöne vorweihnachtliche und hoffentlich unfallfreie Zeit.

Herzliche Grüße aus Cartago/Vale.



Moderatorenhinweis:
Der Beitrag von @gordito54 wurde aus dem Thema „Die Kehrseite der Medaille – Gesundheitsversorgung im Régimen Subsidiado“ in sein eigenes Thema verschoben, da er sich nicht auf das Ausgangsthema bezieht, sondern eigene Ereignisse hervorhebt.
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Don Maximo
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Don Maximo »

Mit einiger Verspätung möchte ich der Frau von @Gordito54 meine besten Genesungswünsche übermitteln, hoffentlich ohne bleibende Folgen.
Ausserdem möchte ich daran erinnern, immer einen Bericht zu erstellen und Beweise aufzubewahren, falls bleibende Schäden auftreten (oftmals zeigen sich diese erst später). Wenn diese die Arbeitsfähigkeit (unabhängig ob die Person erwerbstätig ist oder nicht), auch nur teilweise, beeinträchtigen, besteht die Möglichkeit, eine einmalige Entschädigung beim SOAT zu beantragen (in Prozent der Arbeitsunfähigkeit und für maximal 180 SMLDV, was derzeit etwas mehr als 8,5 Millionen beträgt), wobei das vorgeschriebene Verfahren zu befolgen ist.
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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

@Don Maximo:
Danke für die Genesungswünsche, es geht ihr schon deutlich besser. Stand jetzt sind keine bleibenden Folgen zu erwarten und Danke für den den Hinweis auf das SOAT-Verfahren. Das war mir völlig unbekannt.....
Wenn Mitte Januar alle Blutergüsse bei ihr weg sind, bin ich beruhigter.

Herzliche Grüße aus Cartago/Valle

coentros
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von coentros »

Die allerbesten Genesungswünsche für Deine Frau auch von meiner Seite lieber gordito ! Auch ich habe Deinen Beitrag erst jetzt wahrgenommen/gelesen und war zunächst völlig schockiert. So wie Du es beschreibst kann man bei der Qualität der Kieferchirurgen und zahnmedizinischen Implantologen zuversichtlich auf eine vollständige Heilung sein.

Glück im Unglück gehabt, und ja, obwohl ich selber viel mit dem Auto oder neuerdings auch mal mit dem Fahrrad in Cali unterwegs bin staune ich immer wieder über die unzähligen Motorroller und bin jedesmal heilfroh bei so manchem beobachteten Manöver wenn nichts passiert, inklusive der unzähligen Schlaglöcher.

Liebe Grüsse von coentros
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Holger78
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Holger78 »

Hallo Gordito54, auch von mir die besten Genesungswünsche an deine Frau und auch an dich.
Ich habe ebenfalls deinen Beitrag erst jetzt lesen können. Da hattet ihr nochmal Glück im Unglück.
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CaribicStefan
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von CaribicStefan »

hola gordito auch von mir die besten Genesungswünsche!!!
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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

Meine Frau Maria Elena und ich danken euch für die vielen Genesungswünsche. Im Moment hat sie viele Termine in der Dentalklinik, ist aber weitgehend schmerzfrei und es geht aufwärts. Sie wird vorbildlich versorgt, das ist Erste-Welt-Standard mit Sternchen.
Wir wünschen euch frohe Feiertage, einen angenehmen Jahreswechsel und für das Jahr 2026 Gesundheit und eine hohe Lebensqualität.
Spätestens ab Februar bin ich hier wieder zurück.
Herzliche Grüße aus Cartago
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gordito54
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von gordito54 »

Liebe Leser, Freunde und Mitforisten!

Seit meinem letzten Beitrag ist fast ein Vierteljahr vergangen.

Das Kapitel Auswandern aus Deutschland, Einwanderung in Kolumbien und Integration wollte ich so abschließen. Es gab aber auch viele ungelegte “Eier”, wichtige Entscheidungen waren noch nicht getroffen, vieles hing damals noch in der Luft.

Wo stehen wir heute?

GESUNDHEIT
Meiner Frau geht es nach unserem Unfall gut, es gab keine Komplikationen. Sie braucht die Unfallkilinik nicht mehr aufsuchen. Nur die zahnärztliche Behandlung ist noch nicht abgeschlossen, aber sie ist schmerzfei und die Genesung ist auf gutem Wege. Auch dort läuft alles zufriedenstellend weiter. Es darf gerne so weitergehen.

Möge uns unsere Gesundheit noch lange erhalten bleiben.

SOZIALE KONTAKTE
Meine Frau pflegt natürlich die Familienbande, sowohl hier als auch in Spanien und den USA. Kommt spanischsprachiger Besuch aus Fuenlabrada, Malaga oder Deutschland, werden wir gerne aufgesucht. Oft kommt es nicht vor, es ist daher immer etwas besonderes.

Ich bin hier akzeptiert, sowohl in der Familie als auch in der Nachbarschaft. Wir grüßen und werden gegrüßt. Aber wir halten uns mit weiteren Kontakten zurück, bis auf “Mango” und seine Familie. Meine Frau kennt sie schon ewig.

Durch dieses Forum konnte ich neue Freunde aus Deutschland finden, aber auch hierzulande. Wir sehen uns bei passender Gelegenheit. Monatlich oder einmal jährlich. Auch meine Frau findet Gefallen daran, denn die Deutschen in Pereira und Umgebung haben kolumbianische Ehefrauen. Einmal monatlich trifft man sich. Ein schöner Tag ist das immer, denn es gibt immer was zu erzählen.

Zu meiner Rest-Familie und alten Freunden in Deutschland habe ich noch Kontakt, aber die kann ich an einer Hand abzählen.

Am WE und in der Woche verbringt meine Frau den ein oder anderen Abend mit der Familie. Ich habe dann ein paar Stunden für mich und geniesse das auch. Nach dem Tod meiner zweiten Frau in Deutschland habe ich sehr zurückgezogen gelebt. Jetzt habe ich deutlich mehr soziale Kontakte, alles in allem reicht uns das aber so völlig aus.

KLIMA
Das gemäßigt tropische Klima hier in Cartago auf 900 m Meereshöhe bekommt mir ausgezeichnet. Auch wenn es mal regnet, es ist nicht kalt. Nachts geht bei Regen die Temperatur auf 18 Grad zurück, wenn tags dann der Himmel bedeckt ist, haben wir 26-28 Grad. Scheint die Sonne seit dem Morgen, liegen wir am Nachmittag knapp über 30 Grad. Das reicht dann auch.

Man liest, es gäbe Trocken- und Regenzeiten in Kolumbien. Als wir im August ‘23 herkamen, war es trocken. So blieb es auch ein weiteres halbes Jahr. Die Regenzeit fiel ersatzlos aus.

Ob wir im Moment Trockenzeit haben, kann ich nicht sagen, denn seit Monaten regnet es täglich nachmittags. Mal etwas, mal sintflutartig. Man kann sich daher darauf einstellen. Hat man was außer Haus zu erledigen, macht man das am besten vormittags. Zudem ist es dann noch angenehm frisch.

Unsere Heizkostenabrechnung für 2025 war wieder 0,00 COP. Wir haben nicht mal einen Heizlüfter.


KRIMINALITÄT
Ich lese hier im Forum immer wieder bei schlimmen Straftaten die Städtenamen Bogota, Medellin und Cali. Cartago, Pereira, Armenia und Manizales sind kaum oder gar nicht vertreten. Möge es so bleiben.

Wir sind bisher verschont geblieben, sehen uns aber auch vor. Unsere persönliche Sicherheit war bei der Auswahl unseres neuen Heims auch eine Kaufentscheidung. Die Urbanisacion Villa Juliana liegt im Norden der Stadt. Es ist ein ruhiges Wohnviertel mit ausschließlich Einfamilien-Reihenhäusern.


Was bringt uns die unmittelbare Zukunft?

Ende Mai wird Francisco mit seiner Familie aus den USA zurückkehren. Das war für uns Anlass, noch im Dezember einen Kaufvertrag für ein Häuschen aus dem Jahr 1997 abzuschließen. Gestern hat meine Frau die matricula (Besitzurkunde) im ersten Notariat abgeholt.

Seit Montag wird umgebaut. Ich will hier aber niemanden damit langweilen, daher werde ich nur über die wichtigsten Schritte berichten. Welche Farbe unsere neuen Fliesen haben, hat nichts mit Kolumbien zu tun.

Wir sind also bis Juni gut ausgelastet. Dann ist der Steuerberater wieder dran. Danach schließen sich die Tätigkeiten für mein neues Visum R an. Drei Jahre sind im November rum. Wie die Zeit vergeht!

Also, weiter geht es mit Hochdruck in das Leben als Resident mit Wohnsitz in Cartago/Valle de Cauca.

Mit herzlichen Grüße aus Cartago

gordito54
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Holger78
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Holger78 »

Vielen Dank für das Update und herzlichen Glückwunsch zum Erwerb des Hauses.
Liebe Grüße aus dem noch kühlen Deutschland/Bayern
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Tenere-wue
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Tenere-wue »

Servus Gordito, es freut mich sehr zu hören das es euch gut geht. Und auch von mir, herzlichen Glückwunsch zum Kauf. Gerne kann ich dir bei manchen Sachen behilflich sein wenn ich da bin. Und wenn es nur die moralische Unterstützung beim Bier ist . Liebe Grüße an deine Frau und bis bald.
-vive tu sueno !
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Don Maximo
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Don Maximo »

Lieber @gordito54,
ich freue mich zu lesen, dass es euch gut geht und dass sich deine Frau gut von dem Roller Unfall erholt hat, und… herzlichen Glückwunsch zum neuen Zuhause, in dem ich euch eine lange, glückliche und gesunde Zukunft wünsche.
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KinniCrimson
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von KinniCrimson »

Wie schön hier wieder zu lesen. Ich habe mich schon öfter gefragt, wann hier wieder mehr zu lesen ist und die Details bei der Organisation des Hauses möchte ich sehr wohl als interessant einschätzen. Zumindest für mich. Liebe Grüße aus Leipzig.

Max
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Als deutscher Rentner nach Kolumbien ausgewandert

Beitrag von Max »

Auch von mir die besten Wünsche.
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Beitrag von gordito54 »

Liebe Mitforisten, Freunde und Leser!

@Holger78: Danke für die netten Worte und deine Glückwünsche. Es geht hier also weiter mit “Neues aus Cartago”. Herzliche Grüße nach Bayern!

@Tenere-wue: Danke für deine Glückwünsche! Grüß deine Frau von uns. Wenn ihr wieder hier seid: Bier steht schon kalt!

@Don Maximo: Vielen, vielen Dank für die netten Worte und die Glückwünsche! Ja, wir haben uns endgültig für Cartago entschieden, denn hier haben wir ein gutes Leben. Wenn die Gesundheit weiter mitspielt, freuen wir uns auf viele gemeinsame weitere Jahre. Herzliche Grüße zur Finca!

@KinniCrimson: Erstmal herzliche Grüße nach Leipzig, besonders auch an die Mutti. Ich greife den Vorschlag gerne auf, eine Beschreibung unseres Häuschens zu geben und wie es weitergeht, aber alles kurz und mit dem Blick auf die kolumbianischen Umstände hierzulande.

@Max: Dankeschön und herzliche Grüße aus Cartago!


Wie stehen die Dinge?

Nun ist die erste Arbeitswoche rum. Die erste Fuhre Bauschutt ist auch schon weg. Per Motocarro, also ein motorisiertes Dreirad. Die fahren hier viel rum und machen den Großteil des innerstädtischen Transportes aus. Der Fahrer wollte 100.000 COP (22 Euro) incl. Kippgebühr auf der Deponie. Er kennt meine Frau noch als kleines Mädchen und er kannte auch noch ihre Mutter. Er dürfte deutlich über 70 sein und arbeitet noch jeden Tag körperlich hart, denn auf- und abladen muß er.

Das typische Einfamilienhaus hier in Cartago hat die Maße 6X12 m. Unseres hat 6X11m, das reicht für ein Rentnerpaar. Es ist ebenerdig, einen Keller hat hier keiner. Eine erste Etage haben und wollten wir auch nicht.

Dieser Haustyp ist der Länge nach geteilt. Eine Seite besteht aus einem langen Raum von vorne bis hinten. Das ist normalerweise Eßzimmer und Wohnbereich. Üblich ist es hier auch, das Auto abends mit rein zu nehmen, daher ist die Eingangstür ein dreiflügeliges Alu-Tor. Bei uns endet dieser große Raum an einem Zimmer, das links neben dem espacio, also dem Hauswirtschaftsbereich, liegt. Beide Hälften sind gleich groß, also je 3m breit.

Da im espacio Strom, Erdgas und Wasser sowie eine geeignete Abwasserleitung liegen, war es naheliegend, den unmittelbar angrenzenden Raum links daneben zu einem menschengerechten Badezimmer (mit Warmwasserdusche dank Erdgas-Gastherme!) umzubauen. Das läuft momentan.

Auf der rechten Seite befindet sich eingangs ein kleines Zimmer mit Fenster zur Straße. Das wird Ankleide-/ Gästezimmer. Zwischen unserem kleinen Schlafzimmer (unser Bett passt prima rein, aber auch kaum mehr) und dem Ankleidezimmer liegt ein winziges Bad. Die Wand zu unserem Schlafzimmer wird fallen, die Tür zugemauert, das schafft nicht nur optisch mehr Platz (Etappe drei).

Das Dach ist dicht und mit den hier typischen Ziegeln eingedeckt. Die Wände sind trocken, Fenster und Türen OK. Alle Dachfenster sind gegen Einstieg von oben mit Gittern gesichert.

Fast alle Materialien aus dem Sanitär- und Fliesenfachhandel hier aus der “La Septima”, also der siebten Straße, sind da. Die Dusche und der Waschtisch sind derzeit noch in Arbeit.

Im Momente fliegen die Millionen nur so aus dem Haus. Uff!
Die erste Umbauwoche hat uns 1,3 Mio. COP nur Lohnkosten für 2 Männer (300 Euro) gekostet.

Diese Woche kommen die Fliesen (60X120 cm) an die Wand und die Böden im neuen Bad, im espacio und der Küche werden fertig.

Sind das neue Bad und das espacio fertig, ist Etappe 1 zu Ende. Etappe 2 wird das Aufarbeiten der wenigen Badmöbel und der großen Küche, da weinrotes Massivholz. Das werfe ich nicht weg. Der Küchenbauer sagte uns, die Küche wäre nach der Aufarbeitung mindestens 15 Mio. COP wert.

Die Zwischen-Decken sind aus lackiertem Massivholz und noch OK. Die bleiben.

Innen gibt es weinrote Massivholz-Applikationen, die einen rustikalen Charme ausstrahlen.

Wir wollen und werden bis Ende April fertig sein. Den Mai brauchen wir zum Umzug und zum Eingewöhnen. Das ein oder andere Teil fehlt ja immer.

Die Elektrik ist 2-adrig, also veraltet. Sie muß aber noch ein paar Jährchen halten, ich bin nicht Rockefeller.

Draußen sitze ich im vergitterten und mit schmiedeeisernen Applikationen versehenen Vorbau. Überdacht. Parkplatz für Fahrrad und Roller. Das Dach ist an 2 Stellen leicht undicht. Etappe vier, nächstes Jahr. Wird komplett mit Material etwa 2 Mio. COP Kosten (440 Euro).

Von dort aus blicke ich über die aktuelle Großbaustelle (die Infratstruktur wird dort für weitere Stadtteile ertüchtigt) hinweg auf landwirtschaftlich genutzte Fläche. Dahinter: Wald.

Die Urbanisacio Villa Juliana ist ein reines Wohngebiet, estrato 3, also untere Mittelschicht. Das passt zu uns. Die Bewohner fegen ihre Gehsteige, Büsche und Blumen sind in den Vorgärten. Kein Lärm am WE. Bäume stehen am Straßenrand. Es liegt kein Müll rum. Alles ist geordnet und sauber.

Als ich eines abends draußen sitze: ein Vogelschrei. Den kenne ich doch? Auf der Straßenlaterne neben unserem Häuschen saß ein Vogel: braunes Gefieder, weißer Kopf, ein Raubvogel, ein kleiner Adler.

Gehe ich die 20 m zur Großbaustelle “Avenida del Rio”, dann liegt in der Ferne im Dunst, aber doch deutlich erkennbar, eine Kette der Anden. Darüber türmen sich ab dem späten Vormittag weiße Wolken in einem blauen Himmel. Geht am Abend die Sonne dort unter, wechseln die Wolken ihre Farbe von weiß zu einem rosa Farbton. Eine für mich unbezahlbare Erfahrung.

Heute am Montag ist hier ein Feiertag (ich weiss nicht welcher), jedoch war die Müllabfuhr schon da.

Ab morgen ist wieder Baustelle angesagt. Meine Frau ist der Manager. Das ist auch gut so.

Ich grüße ganz herzlich aus Cartago/Valle und bis demnächst!

gordito54